HARALD NAEGELI DER SPRAYER VON ZÜRICH (Eine Hommage an den Künstler und Utopisten Harald Naegeli) Kinostart: 2. 12. 2021

Die Regisseurin Nathalie David zeigt in ihrem feinfühligen Portrait Harald Naegelis facettenreiche Persönlichkeit als visionären, streitbaren Künstler, Rebellen, Philosophen und scharfsinnigen humorvollen Menschen.

Mein schlechtes Gewissen, was ich manchmal habe,ist das Bürgerliche in mir aber der Künstler in mir jubelt“.

Seit Ende der Siebzigerjahre kritisiert der Schweizer Künstler, Sohn der Züricher Grossbourgeoisie, mit seinen Graffitis das monotone Zürichricher Stadtbild. Nachts ist er unterwegs und zeichnet auf trostlose Betonmauern seine kontroversen Strichmännchen. Seine Strichmalereien sind voller Bewegung und sind überwiegend in schwarzer Farbe gemalt. Eines seiner gemalten Lieblingstiere ist die Wanze. Sie steht symbolisch für Spitzel, Staatsbeamte, Staatsanwälte, Polizisten, Steuereintreiber und Geschäftsleute. Der Flamingo ist der Vogel der Utopie und der Freiheit, sagt er.

Regelmässig wird er angezeigt Er gilt als Nestbeschmutzer und Sachbeschädiger.

1979 wird der 39jährige Naegele ertappt.

1982 ging er ins Exil nach Düsseldorf. Dort wird er von Politikern wie Willi Brandt und Künstlern wie Joseph Beuys unterstützt, der seine soziale Kunst schätzt. „Seine Genialität liegt darin, dass er sich um menschliche Fragen kümmert und dass seine Figuren den Geist Zürichs tragen“.

1984 stellt er sich freiwillig der Schweizer Justiz. Es folgen 4 Monate im geschlossenen Vollzug, wo er Tüten kleben muss aber einen Weg fand, seine Kunst hinauszuschmuggeln. Nach zwei Monaten kam er in den offenen Vollzug in die Keramikabteilung, wo er Teller bemalte. Man warf ihm vor Sachbeschädigungen im Wert von 200.000 Franken begangen zu haben, was ihn auch noch so einige Geldstrafen kostete.

Angefangen hat er in den 68zigerjahren, in dem er Parolen an die Wände sprühte. „Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen“.

Seit 2020 ist der 81jährige, schwerkranke Mann wieder entgültig in Zürich, wo seine Wurzeln sind.

Die Sensenmänner oder der Totentanz sind meine letzte Utopie an die Gesellschaft.“.

Sein Jahrzehnten gehegter Traum steht kurz vor der Vollendung: ein „Totentanz“ in den beiden Türmen des Züricher Grossmünsters. Das streitet mit ihm. Das Kunstwerk bleibt unvollendet. Während des ersten Lockdowns sprayte er 50 „Totentänze“. Der Kanton verklagte ihn, die Stadt verlieh ihm den Grossen Kunstpreis.

Ich habe viel zur Aufklärung unseres Unbewußten mit meinen Graffitis getan“.

Diesem unbeirrten Menschen mit seinem köstlichen Humor kann man stundenlang zuhören. Diese Dokumentation kann ich nur wärmstens empfehlen.

Schweiz/Deutschland 2021 Min: 97 Regie und Drebuch: Nathalie David D: Harald Naegeli,

Benjamin von Blomberg, Christoph Doswald, Regine Helbling, Markus Kägi, Corinne Mauch, Pfarrer Christoph Sigrist, Susanne Stamm, Hans Martin Ulbrich, Miriam Varadinis

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