HOUSE OF GUCCI (Tragikomödie) Kinostart: 2.12. 2021

Mode, Intrigen, Triumphe, Geld und Mord. Es war nur eine Frage der Zeit, wann sich Hollywood der Saga vom Aufstieg und Fall der Familie Gucci annimmt.

Ein Freund nimmt die junge Patrizia Reggiani (Lady Gaga) mit in einen Nobel-Club. Dort findet ein Kostümfest statt. Patrizia, die aus kleinen Verhältnissen stammt, geniesst die luxuriöse Atmosphäre. Noch ahnt sie nicht, wer der junge, schüchterne Mann ist, mit dem sie sich unterhält. Es ist Maurizio Gucci, (Adam Driveer), der Erbe des Gucci-Clans.Sie trifft ihn, geschickt eingefädelt, obwohl sie lesen hasst, in einem Buchladen wieder und schreibt ihm draussen ihre Telefonnummer auf das Plastikschild seines Motorrollers. Dass ein Security- Mensch in seiner Nähe ist, bemerkt sie nicht. Sie hat es geschafft, dass er sich in sie verliebt. Er stellt sie seinem Vater Rodolfo (Jeremy Irons) vor. Der ist entsetzt, wen er da anschleppt. Sie sei vulgär und ehrgeizig und habe es auf das Geld der Familie abgesehen. Gegen den Willen des Patriarchen, heiraten die beiden. Das Verhältnis zu seinem Vater ist zerstört. Maurizios Onkel Aldo (Al Pacino) lädt zu seiner Geburtstagsparty ein. Patrizia überredet ihren Mann mitzugehen. In ihrer leicht vulgären Aufmachung, schafft sie es, den Charmeur, um den Finger zu wickeln.Um Frieden zu stiften, lässt er die beiden nach New York kommen und bietet Maurizio an, eine Ausbildung im Bereich Mode zu machen, um den Weg zurück in die Familie zu finden. Patrizia ist begeistert. Sie treibt Maurizio an. Nach ihrer Rückkehr hat sich die Modewelt verändert. Armani und Versace haben das Ruder übernommen. Aldo wird in der Zwischenzeit wegen Steuerhinterziehung verhaftet. Maurizio schwingt sich zum Unternehmenschef auf, führt Verhandlungen mit der in Bahrain registrierten „Investcorp International,“ mit deren Hilfe er die Anteile seiner Verwandten aufkaufte. Es kam zu familiären Zerwüfnissen, zu Verrat und Prozessen.

Patricia hat ihren Platz in der Welt zwischen Glamour und Celebrity gefunden. Doch das Paar lebt sich auseinander. Maurizio verlässt Frau und Kind, trifft in der Schweiz zufällig seine Jugendliebe Paola Franchi wieder, eine große, blonde Frau, das Gegnteil von Patricia. Maurizio und Patricia werden offiziell geschieden. Ein weiterer Gebrauch des Namens Gucci wurde ihr untersagt. Gekränkt und voller Wut, gibt sie die Ermordung ihres Ex-Gatten in Auftrag, angestachelt von ihrer TV- Wahrsagerfreundin Pina (Salma Hayek).

Das Ganze basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sarah Gay Forden, der auf eine wahre Geschichte zurückgreift.

Ein ernsthaftes Drama hat Regisseur Ridley Scott daraus nicht gemacht. Bis auf Adam Driver, steckt er seine Darsteller in absurd überzeichnete Rollen á la Comedia del Arte. Allen voran Jared Leto, nicht wiederzuerkennen mit Gesichtsprothese und Fatsuit, der Paolo, den Sohn von Aldo spielt, von seinem Vater Idiot genannt wird und als schwarzes Schaf der Familie, chargieren darf, was das Zeug hält. Lady Gaga zelebriert ihre Gier nach Geld und Luxus mit einenem köstlich vulgären Touch.

Driver, ein Ruhepol in der ganzen „Aufgeregtheit“, der als Maurizio Gucci, mit fünf Jahren seine Mutter verlor, zwar in seiner Jugend vom Erfolg der Familie geprägt ist, aber dennoch ein Aussenseiter ist, darf sich wie ein normaler Mensch verhalten, mit Arbeitskollegen Fussball spielen, mit seinem Rad oder Vesper herumfahren oder ab und zu seinen Lamborghini durch die Strassen Mailands bewegen. Und dann ist da noch Salma Hayek, als Kartenlegerin Pia,die Patrizia in ihrer Gier kräftig pusht. (Übrigens, das Gucci-Unternehmen gehört inzwischen ihrem Mann.) Entstanden ist eine auf hochglanzpolierte Seifenoper, die das Gefühl vermittelt, von Scott mit einer gewissen Häme und Schadenfreude über das Gebaren der Superreichen inszeniert ist. Die Vermischung von englischer Sprache mit italienischem Akzent, sorgt seit dem Kinostart für Entsetzen in Italien und bei Familia Gucci, der ganze Film.

Kanada/USA 2021 157 Min. R: Ridley Scott, D: Lady Gaga, Adam Driver, Al Pacino, Jared Leto, Jeremy Irons, Reeve Carney, Salma Hayek

HARALD NAEGELI DER SPRAYER VON ZÜRICH (Eine Hommage an den Künstler und Utopisten Harald Naegeli) Kinostart: 2. 12. 2021

Die Regisseurin Nathalie David zeigt in ihrem feinfühligen Portrait Harald Naegelis facettenreiche Persönlichkeit als visionären, streitbaren Künstler, Rebellen, Philosophen und scharfsinnigen humorvollen Menschen.

Mein schlechtes Gewissen, was ich manchmal habe,ist das Bürgerliche in mir aber der Künstler in mir jubelt“.

Seit Ende der Siebzigerjahre kritisiert der Schweizer Künstler, Sohn der Züricher Grossbourgeoisie, mit seinen Graffitis das monotone Zürichricher Stadtbild. Nachts ist er unterwegs und zeichnet auf trostlose Betonmauern seine kontroversen Strichmännchen. Seine Strichmalereien sind voller Bewegung und sind überwiegend in schwarzer Farbe gemalt. Eines seiner gemalten Lieblingstiere ist die Wanze. Sie steht symbolisch für Spitzel, Staatsbeamte, Staatsanwälte, Polizisten, Steuereintreiber und Geschäftsleute. Der Flamingo ist der Vogel der Utopie und der Freiheit, sagt er.

Regelmässig wird er angezeigt Er gilt als Nestbeschmutzer und Sachbeschädiger.

1979 wird der 39jährige Naegele ertappt.

1982 ging er ins Exil nach Düsseldorf. Dort wird er von Politikern wie Willi Brandt und Künstlern wie Joseph Beuys unterstützt, der seine soziale Kunst schätzt. „Seine Genialität liegt darin, dass er sich um menschliche Fragen kümmert und dass seine Figuren den Geist Zürichs tragen“.

1984 stellt er sich freiwillig der Schweizer Justiz. Es folgen 4 Monate im geschlossenen Vollzug, wo er Tüten kleben muss aber einen Weg fand, seine Kunst hinauszuschmuggeln. Nach zwei Monaten kam er in den offenen Vollzug in die Keramikabteilung, wo er Teller bemalte. Man warf ihm vor Sachbeschädigungen im Wert von 200.000 Franken begangen zu haben, was ihn auch noch so einige Geldstrafen kostete.

Angefangen hat er in den 68zigerjahren, in dem er Parolen an die Wände sprühte. „Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen“.

Seit 2020 ist der 81jährige, schwerkranke Mann wieder entgültig in Zürich, wo seine Wurzeln sind.

Die Sensenmänner oder der Totentanz sind meine letzte Utopie an die Gesellschaft.“.

Sein Jahrzehnten gehegter Traum steht kurz vor der Vollendung: ein „Totentanz“ in den beiden Türmen des Züricher Grossmünsters. Das streitet mit ihm. Das Kunstwerk bleibt unvollendet. Während des ersten Lockdowns sprayte er 50 „Totentänze“. Der Kanton verklagte ihn, die Stadt verlieh ihm den Grossen Kunstpreis.

Ich habe viel zur Aufklärung unseres Unbewußten mit meinen Graffitis getan“.

Diesem unbeirrten Menschen mit seinem köstlichen Humor kann man stundenlang zuhören. Diese Dokumentation kann ich nur wärmstens empfehlen.

Schweiz/Deutschland 2021 Min: 97 Regie und Drebuch: Nathalie David D: Harald Naegeli,

Benjamin von Blomberg, Christoph Doswald, Regine Helbling, Markus Kägi, Corinne Mauch, Pfarrer Christoph Sigrist, Susanne Stamm, Hans Martin Ulbrich, Miriam Varadinis

HANNES (Eine Tragikomödie über das Loslassen und Abschiednehmen) Kinostart: 25.11. 2021

Zwei 19-jährige Jungen, Hannes der Draufgänger (Johannes Nussbaum) und Moritz der Träumer (Leonard Scheicher) wurden am selben Tag und am selben Ort geboren, lagen auf der Säuglinsgsstation nebeneinander und waren schon als Kinder unzertrennlich. Sie wuchsen wie Zwillinge auf.

„Da wo du hingehst, will auch ich hingehen“ schworen sich die beiden. Und wenn sie eines Tages genug Geld beisammen haben, wollen sie zum Kap Hoorn reisen. Beide sind begeisterte Motorradfahrer. Bei einem gemeinsamen Ausflug, verunglückt Hannes mit dem Motorrad und liegt seitdem an Schläuchen und Geräten auf der Intensivstation mit einem schweren Schädelhirntrauma im Koma. Moritz fühlt sich zutiefst schuldig, weil sie ihre Maschinen getauscht haben und Hannes mit dem schadhaften Bike von Moritz auf der Bergstrasse wegrutschte und den Abhang hinabstürzte. Täglich geht Moritz ins Krankenhaus, legt sich in voller Montur zu ihm ins Bett, liest ihm aus ihrem Kinderbuch „Die Brüder Löwenherz“ vor und will ihm so nah wie möglich sein. Damit Moritz seine Zivistelle als Pfleger in einem katholischen Wohnheim für psychisch erkrankte Menschen nicht verliert, übernimmt er seinen Job und zieht in Hannes leeres Zimmer. Der introvertierte Träumer hat es mit seiner Körperpflege nicht so genau genommen. Jetzt duscht er regelmässig, schneidet sich seine langen Haare ab und übernimmt zum ersten Mal in seinem Leben so etwas wie Verantwortung. Es hilft alles nichts, er versucht, so gut er kann, Hannes zu helfen, auf den Weg ins Hier und Jetzt zurückzufinden. Und damit Hannes nichts versäumt, führt er dessen Tagebuch weiter und erfährt dabei, was sein Freund so über ihn denkt.

Bei seinem Bemühen, Hannes sogut wie möglich zu ersetzen, trifft er im Wohnheim auf gutgewillte Schwestern, eine attraktive Ärztin, auf seine alte Klassenlehrerin und auf Hannelore Elsner in ihrer letzten Rolle, die eine Patientin spielt, die unter psychotischen Schüben leidet. Irgendwie passt das, denn es geht in „Hannes“ um`s Loslassen und Abschied nehmen.

Hans Steinbichler hat den Roman von Rita Falk aus dem Jahr 2012 als leicht überdrehte Tragikomödie gedreht. Er lässt den Zuschauer ein Wechselbad der Gefühle erleben und verbindet Tiefgang mit Humor, pendelt zwischen Momenten von großer Wahrhaftigkeit, Vergangenheit und Gegenwart, Hoffnung und den Schuldgefühlen eines jungen Mannes, der es gewohnt war, in den Tag hineinzuleben und der, indem er das Leben seines Freundes einnimmt, erwachsen wird. Das Ende ist bewegend.

Deutschland 2020 91 Min. R: Hans Steinbichler D: Leonard Scheicher, Johannes Nussbaum, Gabriela Maria Schmeide, Verena Altenberger, Roland Schreglmann, Klaus Steinbacher, Hannelore Elsner, Heiner Lauterbach

DAS SCHWARZE QUADRAT (Grotesker Schwank, bei dem so einiges schief geht) Kinostart: 25.11. 2021

Es ist schwarz-einfach nur schwarz und viereckig-schwarz und viereckig auf weissem Grund-und sonst nichts. Das schwarze Quadrat zählt zu den Ikonen der modernen Malerei. Der russische Maler Kasimir Malewitsch schuf vor gut 100 Jahren das „Schwarze Quadrat“ Für ihn ein Akt der Befreiung. Er wollte damit die Kunst aus der Knechtschaft der Gegenständlichkeit befreien.

In der gleichnamigen Komödie DAS SCHWARZE QUADRAT von Peter Meister wurde das millionenschwere Bild aus dem Museum geraubt. Ausgerechnet auf einem Kreuzfahrtschiff sollen die Räuber Vincent ((Bernhard Schütz) und Nils (Jacob Matschenz) die Beute an einen russischen Oligarchen und seiner Assistentin Martha (Sandra Hüller) übergeben. Ihr Auftraggeber Charlie hat die Abfahrt des Schiffes verpasst. Nun stehen die beiden ohne Ticket da. Um an Bord zu gelangen, überfallen sie zwei Passagiere auf der Herrentoilette und nehmen deren Identität an. Dumm gelaufen. Die beiden gehören zum Unterhaltungsprogramm und Vincent und Nils müssen jetzt in die Rollen von Elvis und David Bowie Imitatoren schlüpfen. Als sie später in ihre Kabine zurückkehren, ist das Gemälde verschwunden. Da beide keine Künstler sind und sich Vincent ganz besonders blamiert und man schnell begreift, dass mit den beiden etwas nicht stimmt, sind ihnen nicht nur die Bordpianistin Mia (Pheline Roggan) und die Bordmanagerin Helen (Veronika Trattmannsdorff) auf den Fersen, sondern auch die knallharte Kunsthehlerin Martha. Ausserdem befindet sich auch ein Fahnder der Polizei an Bord. Jetzt ruft auch noch Charlie an, dass die Übergabe des Bildes morgen in der Kabine 9633 stattfindet. Doch ohne Bild, keine Übergabe. Kurzhand hängt Nils ein Bild im Flur ab und Vincent übermalt es mit einer Mischung aus Kaffeebohnen und Urin, um den perfekten Farbton hinzubekommen. Inzwischen lagert das zum zweiten Mal geklaute Original hinter der Heizung der Künstlergarderobe, entwendet von Mia und ihrem Freund Levi. Ja und dann klauen Helen und der Security-Mann Bernhard das gefälschte, nach Urin riechende Bild, weil sie es für das echte Meisterwerk halten. Als Vincent den Verlust der ersten Fälschung wahrnimmt, fertigt er in höchster Eile eine zweite Kopie an und begibt sich mit ihr zur Übergabe. Kann er dem russischen Auftraggeber und Matha seine Fälschung andrehen oder kommt doch noch die Pistole mit Schalldämpfer aus ihrer Handtasche zum Einsatz…? Was sollen sie auch machen, auf einem Schiff gibt es ja keinen Fluchtweg. Spätestens in der Mitte dieser Klamaukkomödie hat man die Übersicht verlorenund es interessiert einen nicht mehr, was mit dem Bild passiert. Ein ganzer „Sack“ voller Tricksereien und Täuschungen ist einfach zu viel. Weniger wäre mehr gewesen. Was nützt es, wenn man zwei Darsteller in noch so schrille Kostüme steckt, wenn sie nichts daraus machen.Ein ganz wichtiger Aspekt bei einer Komödie ist das Timing. Auch das stimmt hier leider nicht. Auf den Hofer Filmtagen war das „Schwarze Quadrat“ der Publikumshit und wurde zu einer der witzigsten deutschen Komödien gekürt. Okay, über Humor lässt sich nicht streiten oder, Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Deutschland 2021 Min: 105 Regie und Drehbuch: Peter Meister D: Berhard Schütz. Sandra Hüller, Jacob Matschentz Pheline Roggan, Christoph Schärf, Victoria Trautmansdorff, Wolfram Packhäuser, Tobias van Dieken

RESPECT (Ein ergreifender Musikfilm über den Aufstieg der „Queen of Soul“ Aretha Louise Franklin) Kinostart: 25.11. 2021

Aretha Louise Franklin,geb:25 März 1942 in Memphis Tennessee, gestorben: 16.August 2018 in Detroit.

Ihr musikalisches Spektrum umfasste R&B, Gospel, Jazz, Dance und Pop. Die „Queen of Soul“ hatte 4 Kinder: Edward Franklin, Clarence Franklin, Teddy Richards und Kecalf Cunningham. Noch kurz vor ihrem Tod wünschte sie sich, sollte ein Film über ihr Leben gedreht werden, dann soll Jennifer Hudson ihre Rolle übernehmen.

Regisseurin Liesel Tommy hat ihren Wunsch erfüllt. Mit ihrem Biopic RESPECT schildert sie Arethas Aufstieg zum globalen Superstar, überschattet von Mißbrauch, Gewalt Alkohol und Depressionen.

Schon als kleines Mädchen wird sie von ihrem Vater Clarence La Vaughn Franklin, ein bekannter Baptistenprediger und Bürgerrechtler, nachts aus dem Bett geholt, um vor prominenten Gästen zu singen. Ree (Skye Dakota Turner), wie sie sie alle nennen, war gerade mal 10 Jahre alt. Dass sie in seinem Haus missbraucht wurde, wird Gott sei Dank nur kurz angedeutet. Ihre Eltern leben getrennt. Das kleine Mädchen hat eine innige Beziehung zur Mutter. Als sie erfährt, dass ihre Mutter gestorben ist, ist ihre Traurigkeit so groß, dass sie verstummt, doch ihr Vater zwingt sie zu singen. Die konfliktbeladene Beziehung zwischen Vater und Tochter zieht sich durch den ganzen Film. Auf seinen Missionsreisen tritt er mit ihr in riesigen Arenen auf und zwingt sie, ausschließlich im Dienste des Glaubens zu handeln. Der autoritäre Vater, der seine Tochter nicht einmal vor Missbrauch schützen konnte, wird von Forest Whitaker gesspielt. Als Ree längst erwachsen ist, bestimmt der Pastorenvater immer noch über sie.Alles, was sie ausserhalb seiner Aufsicht tun möchte lehnt er ab. Es dauert lange, bis diese begnadete Sängerin endlich ihre eigene Stimme findet.

1960 unterschreibt sie, erwachsen geworden, ihren ersten Plattenvertrag, vermittelt von dem Musikproduzenten Ted White (Marlon Wayans) bei Columbia Records. Ihn hat sie auf einer Party ihres Vaters kennengelernt und sich in ihn verliebt. Ihr Vater droht ihm, sich ja von der Familie fernzuhalten. Er scheut sich nicht davor, seiner erwachsenen Tochter (Jennifer Hudson) vor dem Columbia Boss, eine Ohrfeige zu geben, weil sie endlich rebelliert und Ted später sogar mit einer Pistole zu drohen.Obwohl Aretha eine LP nach der anderen aufnimmt, bleibt der Erfolg aus. Auch die Beziehung zu Ted, ihrem Mann und Manager geht in die Brüche. Auch er fängt an, über sie zu bestimmen.

Ein Ereignis krempelt ihr Leben um. Als sie zu Ehren ihres Idols, der erfolgreichen Sängerin Diana

Washington (Mary J. Blige) einen Song von ihr singt, rastet die aus. Sie fordert Aretha auf, endlich ihre eigenen Lieder zu schreiben.

Aretha wechselt die Plattenfirma. Jerry Wechsler von Atlantic Records schickt sie nach Alabama, wo sie den Song: „I Never Loved a Man the Way I Love You“ aufnimmt, der ihr zum Durchbruch verhilft.

Je freier sie singt, desto gefühlvoller wird ihr Gesang. Der an Ted gerichtete Song „The Greatest Thing, You`ll Never Learn….“ singt sie mit einer solchen traurigen Emotion, die zutiefst berührt. Und da sie sich schon lange für Martin Luther King und die schwarze Bürgerrechtsbewegung einsetzt, wird ihr absoluter Hit „Respect“ zur Hymne der Entrechteten und auch für sich selbst. Endlich, endlich wehrt sie sich. Martin Luther King wurde erschossen. In der vollbesetzten Kirche singt sie unter Tränen für ihn. Trotz ihres riesigen Erfolgs, findet sie ihren persönlichen Erfolg im Gospel und ihrem Glauben. Sie kehrt zurück in den Schoß der Kirche, wo sie sich am sichersten fühlt. Das Album „Amazing Grace“ welches in der Kirche aufgenommen wurde, wurde zu ihrem meistgekauften Album.

Jennifer Hudson spielt die Aretha der Jahre 1960-1972. Liesl Tommy nimmt sich viel Zeit für die einzelnen Stationen im Leben dieser begnadeten Sängerin. Von Missbrauch und Gewalt aber auch wie es ihr gelingt, ihre Dämonen abzuschütteln und zur Soul-Königin aufzusteigen. Beeindruckend das eindringliche Spiel von Oscar-Preisträgerin Jennifer Hudson („Dreamgirls“) .Alle Songs werden von ihr gesungen.Die authentische Ausstattung lässt einen nicht nur mitreissenden Soul erleben, sondern nimmt einen auch mit auf eine Zeitreise. Freunde des Souls, erleben mitreissende 140 Min.

Achtung: Unbedingt den Abspann ansehen. Es folgt noch ein Auftritt der wahren Aretha Louise Franklin.

USA 2021 145 Min. Regie: Liesl Tommy D: Jennifer Hudson, Forest Whitaker, Marion Wayans, Audra McDonald, Albert Jones, Saycon Sengbloh, Hailey Kilgore, Marc Maron, Tate DonovanMyk Watford, Tituss Burgess, Mary J. Blidge

PLATZSPITZBABY (Die wahre Geschichte einer elfjährigen Schweizerin, deren Mutter drogenabhängig ist) Kinostart: 18.11.2021

Mia, ein junges Mädchen, irrt auf einem überfüllten Drogenumschlageplatz umher und sucht ihre Mutter Sandrine. Sie findet sie und sieht mit an, wie sie sich mit ihrem Vater prügelt.

Ende der 1980er Jahre wurde ein kleiner Park beim Züricher Hauptbahnhof zum berühmt-berüchtigten Treffpunkt von Dealern und Drogensüchtigen: Der Platzspitz. Täglich hielten sich bis zu 3000 Menschen beim Platzspitz auf. Unter schlimmsten Bedingungen hausten sie dort, verkauften und konsumierten Drogen. Auf Druck der Öffentlichkeit und der Politik wurde der Platz 1992 geräumt. Die Süchtigen wurden in ihre Gemeinden abgeschoben, aus denen sie ursprünglich kommen.

Eine von ihnen ist die Drogenabhängige Sandrine, die sich mit ihrer elfjährigen Tochter Mia durchs Leben schlägt.

Mia und ihre Mutter räumen ihre neue Wohnung ein. 34 Tage war Sandrine clean, es scheint endlich alles gut zu werden. Doch dann trifft Sandrine einen alten Bekannten aus der Drogenszene, Serge, wieder, der in der Nähe wohnt. Mia ahnt Schreckliches. Nach Schulschluss sieht Mia ihre Mutter, wie sie ausgelassen mit Serge in dessen Wohnung geht. Sie folgt den beiden und sieht, dass das Haus von Drogensüchtigen bewohnt wird. Sandrine gerät wieder in den Teufelskreis von Versprechungen aufzuhören und der Jagd nach dem nächsten Schuss. Bei der Scheidung ihrer Eltern hat Mia angegeben bei Sandrine zu bleiben, um sich um sie zu kümmern. Einmal im Monat sieht sie ihren Vater, den sie anschwindelt, es sei alles gut. Nicht nur zuhause geht nicht alles gut, auch in der Schule schaut man auf Mia herab und nennt sie „Junkiebaby“. Mias größter Wunsch ist, mit ihrer Mutter auf die Malediven zu reisen, um sie aus dem Drogensumpf herauszuholen. Von dem Geld, das ihr Vater ihr bei den Treffen zusteckt, kauft sie Unmegen von Rubbellosen, um 10.000 Franken zu gewinnen, denn so viel Geld braucht sie für die Reise. Ihr Schmerz ist unerträglich, wenn sie wieder kein Glück hat. Die ständigen Stimmungswechsel ihrer Mutter zehren an dem Mädchen. Fast täglich kommt sie übermüdet zur Schule. Um das alles zu ertragen, flüchtet sie in Tagträume mit ihrem imaginären Freund Buddy, der ihr Nähe und Wärme gibt und ihrer Liebe zur Musik entspringt. Sie muss nicht nur auf sich, sondern auch auf ihre Mutter aufpassen. Herzzereissende Szenen spielen sich zuhause ab. Tränenüberströmt verspricht Sandrine endlich aufzuhören mit dem Heroin und im nächsten Augeblick schreit sie ihre Tochter an und schickt sie los, Drogen für sie zu besorgen. „Baby, du bist das Wunderbarste auf dieser Welt. Ich verspreche dir aufzuhören“. Nach jedem Versprechen folgt ein Rückfall. Ablenkung findet Mia bei der frühreifen Lola und deren Clique, eine Art Ersatzfamilie. Auch Lola scheint es nicht gut zu gehen. Einmal sagt sie: „Ich wünschte mein Vater sei endlich tot“. Als Mia wieder einmal nicht weiter weiss und immer mehr die Kraft verliert sich gegen ihre alles beherrschende Mutter aufzulehnen, schlägt sie Lola vor, gemeinsam abzuhauen. Lola wartet draussen mit gepackter Tasche. Mia kommt nicht. Sie musste die Sanitäter holen…..

„Platzspitzbaby – Meine Mutter ihre Drogen und ich“ ist angelehnt an den gleichnamigen autobiographischen Bestseller von Michelle Halbheer und Franziska K. Müller.

Eine unglaubliche Geschichte, angesiedelt mitten im Züricher Drogenmilieu aus der Sicht eines 11jährigen Mädchens, grandios gespielt von Luna Mwezi, eine Neuentdeckung mit einer enormen Leinwandpräsenz. Der Kraft dieser aussergewöhnlichen Coming-of-Age-Story kann man sich kaum entziehen. Die eindrücklichen Bilder, treffen einen mit voller Wucht mitten ins Herz.

Regisseur Pierre Monnard gibt seinen beiden Hauptdarstellerinnen, Luna Mwezi und Sarah Spale, sehr viel Raum in ihren Rollen aufzugehen. Besonders Sarah Spale verschafft ihrer Rolle eine unglaubliche Authentizität. Eine Geschichte zwischen brutaler Realität und poetischer Fantasiewelt, in die sich Mia immer wieder rettet , um sich vor dem Horror des Alltags zu schützen.

Der Film ist allen Kindern gewidmet, die vergessen gingen.

Am Ende singt Mia: „Ich gebe nicht auf…..“

Schweiz 2020 98 Min. R: Pierre Monnard D: Luna Mwezi, Sarah Spale,Anouk Petri, Thomas U.Hostettler, Jerry Hoffmann, Delio Malär, C. Kaeser

GROSSE FREIHEIT (Drama, zur Zeit des unmenschlichen Paragraphen 175) Kinostart: 18.11.2021

Hans Hoffmann (Franz Rogowski) liebt Männer. Er gehört zu den Schwulen, die von den Alliierten aus dem KZ befreit wurden, von dort aber direkt ins Gefängnis überstellt wurden, um ihre Reststrafe nach §175 ( Er existierte vom 1.Januar 1872 und endete endlich am 11. Juni 1994) abzusitzen. In wiederkehrenden Zeitsprüngen erzählt Regisseur Sebastian Meise die erschütternde Geschichte Hoffmanns fast ausschliesslich im Mikrokosmos – Gefängnis. Kaum ist er in Freiheit, wird er auch schon wieder verfolgt. Da die Liebe zwischen Männern kriminalisiert war, traf man sich in sogenannten „Klappen“, öffentliche Toiletten, die von der Sittenpolizei kontrolliert wurden und in denen mit Hilfe von Spion-Spiegeln heimliche Filmaufnahmen gemacht wurden, und vor Gericht als Beweismittel für erneute Verhaftungen sorgten. Und so landeten immer wieder unschuldige Menschen in Gefängnissen.

Im Gefängnis teilt sich Hans die Zelle mit Victor (Georg Friedrich) dem es gar nicht gefällt, dass man ihm einen Schwulen in die enge Zelle setzt. Mit so jemandem will Victor, der wegen Mordes eine lebenslange Haftstrafe verbüssen muss, nichts zu tun haben.

Die Arbeit der Gefangenen besteht darin, Hakenkreuze von Uniformen zu reissen. Das änderte sich, als im deutschen Wirtschaftswunder die Gefängnisse modernisiert wurden und das Nazi-Personal durch strenge dienstgläubige Wächter ausgetauscht wurde. Was sich nicht änderte: Hans und Victor treffen sich wieder und wieder. Hans rebellisches Auftreten gegen die Willkür der Wärter, das für ihn tagelange Dunkelhaft zur Folge hat, flösst Victor Respekt vor ihm ein.

Trotz der Härte im Knast, findet Hans Wege, seine Sehnsucht nach Zärtlichkeit zu stillen und Momente des Glücks zu spüren, auch wenn sie noch so kurz sind. Einem Mitgefangenen, in den er sich verliebt hat und den er nicht gefährden will, verhilft er mit einer Falschaussage vor Gericht zur Freilassung. Seine eigene Strafe wird erhöht.

Als Victor die KZ-Nummer am Arm von Hans entdeckt, übertätowiert er sie mit vielen groben Stichen. Es ist auch der Moment, wo sich der anfänglich grob und brutal erscheinende Victor langsam öffnet und seine zerbrechliche und einsame Seite zeigt. Im Laufe der Jahre bilden die beiden ungleichen Männer eine Schicksalsgemeinschaft und trotzen der Gewalt im Knast, Freiräume und kleine Zufluchten ab. In ihrer Ausweglosigkeit fassen sie stilles Vertrauen zueinander. Letztendlich verbindet sie die Sehnsucht nach menschlicher Nähe, Zuneigung und Zärtlichkeit.

Das berührende Drama „Grosse Freiheit“ wird von dem Österreicher Sebastian Meise ernst und zugleich mit einer zärtlichen Leichtigkeit erzählt, was auch an den beiden herausragenden Hauptdarstellern Franz Rogowski und Georg Friedrich und ihrem sensationellen Spiel liegt.

Eine Liebesgeschichte ohne grosse Worte, die schon ganz viele Preise gewonnen hat und noch gewinnen wird.

Deutschland/Österreich 2021 117 Min. Weitere Darsteller: Anton von Lucke, Thomas Prenn Drehbuch : Thomas Reider und Sebastian Meise

LAST NIGHT IN SOHO (Horrorthriller) Kinostart: 11.11. 2021

Eloise (Thomasin McKenzie) will unbedingt Modedesign studieren, Um sich ihren Traum zu erfüllen, zieht sie aus dem beschaulichen Cornwall nach London. Sie verabschiedet sich von ihrer Großmutter (Rita Tushingham, „A Taste of Honey“1963), die sie sorgenvoll entlässt und sie vor der Metropole warnt.“London kann ganz schön überfordernd für ein Landei sein“. Es ist das erste Mal, dass die junge Frau auf sich allein gestellt ist. Ihre schizophrene Mutter beging Suizid.

Aber London ist ganz anders als sie sich die Stadt in ihren Träumen vorgestellt hat. Erst trifft sie auf einen schmierigen Taxifahrer, der sie süffisant vor der Stadt warnt und ihre Zimmergenossin und deren Clique machen sich über sie lustig. Wenn Eloise sich unbeobachtet fühlt, schnippelt sie sich aus Zeitungspapier Sechzigerjahrekleider, legt Musik von Dusty Springfield auf und posiert mit einer langen Zigarettenspitze vor dem Spiegel. Sie ist ein totaler Fan der Swinging Sixties. Sie flieht vor ihrer Mitbewohnerin, die nur Party im Kopf hat und findet ein Zimmer bei einer alten Dame, Miss Collins (Diana Rigg), in einem alten Haus. Auch die beschwört sie, gut auf sich aufzupassen.

Ein letzter Blick auf die blinkenden Lichter der Leuchtreklame vor ihrem Fenster und schon schläft sie in ihrem knarrenden Bett ein und reist im Traum zurück in ihre geliebten Sechzigerjahre. Sie träumt von der Mode, der Musik und von dem ausschweifenden Nachtleben im Café de Paris, dem angesagten Nachtclub im West End, wo die bunten Neonreklamen leuchten und wo sie in die Haut der platinblonden,verführerischen Sängerin Sandy (Anya Taylor-Joy) schlüpft und sich in einem Strudel aus Unterdrückung, Sex, Prostitution und Gewalt wiederfindet. Bis sie eines Nachts den Mord an Sandy miterlebt und den Bezug zur Realität zu verlieren droht. Zurück im heutigen London, versucht sie den Mörder zu finden. Eloise beginnt an ihrem Verstand zu zweifeln. Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Auch die etwas schrullige Miss Collins ist eine ganz andere als sie vorgibt zu sein.

Edgar Wrights („Baby Driver“, „Shaun of the Dead“) audiovisueller Horrorthriller beginnt wie eine harmlose Coming- of -Age-Geschichte einer jungen Frau und entwickelt sich zu einem berauschenden Mysteriethriller, London wie es swingt und blutet, ein Frauenmörder treibt sein Unwesen. Sein Film zeigt beide Seiten der 60er Jahre. Ein Genremix aus strahlend bunten Bildern mit psychodelischen Farbeffekten und mitreissendem Soundtack und düsteren, kunstvollen Bildern, die einem Film noir gleichen.

Den Titel „Last Night in Soho“ ist ein Songtitel der Band Dave Dee, Dozy ,Beaky, Mick & Tich.

Wright: „Die Musik der Sechziger ist wie meine Zeitmaschine, um in diese Zeit zu reisen“.

Allein Anya-Taylor-Joys gesungene Version von Petula Clarks Klassiker DOWNTOWN ist grandios. Auch die Besetzung mit Sechzigerjahreikonen wie Diana Rigg in ihrer letzten Rolle, Rita Tushingham in einer Nebenrolle und Terence Stamp als Dandy, sind eine Hommage an dieZeit.

Großbritannien 2021, 117 Min.

WHO`S AFRAID OF ALICE MILLER? (Was bleibt vom Mythos der engagierten Kinderpsychologin?) Dokumentation Kinostart: 11.11.2021

Alice Miller ist 1925 in Polen geboren und kam 1946 (mit 23 Jahren) in die Schweiz. Sie studierte in Basel Philosophie, Psychologie und Soziologie. Nach der Promotion machte sie in Zürich ihre Ausbildung zur Psychoanalyse (nach Freud) und übte 20 Jahre lang diesen Beruf aus. Sie verstarb am 14.4. 1923 in Frankreich. Eines ihrer bekanntesten Bücher „Das Drama des begabten Kindes“.

Sie klärte darüber auf, dass Kindesmisshandlung dauerhafte Verletzungen zur Folge hat und behauptete, dass es auf der ganzen Welt keinen Menschen gibt, der sein Kind misshandelt, ohne das er selbst misshandelt wurde. Ausserdem schuf sie in den achtziger Jahren ein Bewusstsein für den sexuellen Missbrauch an Kindern. Diese Frau hat sich nicht dafür interessiert, dass ihr Sohn Martin tagtäglich von seinem Vater geschlagen wurde.

A.Miller: „Wenn sie ein Kind bekommen, sind sie dafür verantwortlich es zu schützen, zu lieben, zu respektieren und zu achten. Wenn man das nicht tut, ist es ein Verbrechen“.

Wie kann man sich für die Rechte von Kindern einsetzen und vor den Misshandlungen des eigenen Sohnes, die Augen verschliessen?

In der bewegenden Dokumentation WHO IS AFRAID OF ALICE MILLER? begleitet der Zuschauer den zutiefst verletzten Martin Miller, der auch Therapeut ist, bei seinem Versuch, die verdrängten Geheimnisse und die Lebenslügen seiner Mutter zu ergründen.

Er besucht die letzte Zeitzeugin seiner Familiengeschichte Irenka Taurek, eine Cousine seiner Mutter, die mit ihr aufgewachsen ist, auch Therapeutin ist und seit 1958 in den USA lebt. Dass er, während seine Mutter ihre Doktorarbeit schrieb, bei Irenka gewohnt hat, erfährt er erst mit 61 Jahren.

Mit ihr zusammen begibt er sich auf eine Rundreise nach Polen. Irenka, um ihre Erinnerungen aufzufrischen und Martin, um nach der Ursache für die psychische Grausamkeit seiner Mutter und seines Vaters zu suchen. Die Familie hat nie darüber gesprochen, dass sie Juden sind. Seine Spurensuche ist erschütternd und spannend zugleich. Er erfährt viel über die Flucht seiner Mutter und ihren Werdegang. Es sind Bruchstücke, die man nicht unbedingt wahrheitsgemäss deuten kann.

Sein Trip nach Polen, lassen ihn so manche Gefühle seiner Mutter, die Treblinka entkommen ist und offensichtlich mit den Deutschen kooperiert hat, erklären. Ihre Eltern wurden ermordet. Bei seiner Recherche erfährt er, dass es zwei Andreas Miller gab. Aber welcher ist nun sein Vater? Der Judenerpresser und Bastard? Wie auch immer die Wahrheit ist, Martin Miller ist ein zutiefst verletzter Mensch, der in Briefen seiner Mutter, mit Hitler verglichen wurde und die in ihm einen Feind sah. In ihren Büchern hat sie eine Alice Miller kreiert, die sie sein wollte aber nicht war.

Martin Miller hat eine Antwort auf das Buch seiner Mutter geschrieben: DAS WAHRE DRAMA DES BEGABTEN KINDES.DIE TRAGÖDIE DER AILICE MILLER.

Schweiz 2020 ; 101 Min. R: Daniel Howald

SPEER GOES TO HOLLYWOOD Dokumentation (Der perfide Versuch einer Nazigrösse seinen Ruf reinzuwaschen) Kinostart: 11.11. 2021

Am 19.März 1905 wird Albert Speer als Sohn des Architekten Albert Speer und dessen Frau in Mannheim geboren.

1923 nimmt er auf Geheiß seines Vaters ein Architekturstudium in Karlsruhe auf.

Im Januar 1931 tritt er in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) sowie in deren Sturmabteilung (SA) ein.

Im März 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Speer von Joseph Goebbels mit dem Umbau des Propagandaministeriums beauftragt.

Hitler ist von seinem Organisationstalent beeindruckt .

1934 wird Speer zu Hitlers wichtigstem Architekten. Speer entwickelt den Generalplan für den Umbau Berlins zur „Reichshauptstadt Germania“.

Durch den Tod des Rüstungsministers Fritz Todt, wird Speer zum verantwortlichen Leiter der gesamten Kriegswirtschaft ernannt. Sein Einsatz beruht wesentlich auf dem Einsatz von Zwangsarbeitern und Häftlingen aus den KZ´s. Circa12 Millionen Zwangsarbeiter mussten unter brutalsten Bedingungen in den Rüstungsfabriken arbeiten. Speer arbeitete eng mit Heinrich Himmler und der SS zusammen. Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens ein Drittel der Zwangsarbeiter starb.

23.Mai 1945 Nach Kriegsende wird Speer verhaftet und in das alliierte Kriegsgefängnis in Nürnberg überführt. Es wird Anklage gegen ihn erhoben.

Am 1.Oktober 1946 wird er vom internationalen Gerichtshof Nürnberg wegen Kriegsverbrechen und Verbrecchen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt. Mit sechs weiteren „Hauptkriegsverbrechern“ wird er in das ehemalige Militärgefängnis Berlin-Spandau überführt.

Zahlreiche Gnadengesuche von der Familie und etlichen Politikern scheiterten am Einspruch der Sowjetunion.

1959 begann Speer im Gefängnis seine Kriegserinnerungen aufzuschreiben. Gefängniswärter schmuggelten die Aufzeichnungen nach draussen.

Am 30.September 1966 wurde Speer aus der Haft entlassen.

1969 wurde sein Buch unter dem Titel „Erinnerungen“ veröffentlicht und sofort zum Bestseller.

Innerhalb von zwei Jahren verkaufte es sich über eine Million Mal und wurde in 14 Sprachen übersetzt. Für Speer-der von sich selbst sagte: „Hätte Hitler einen besten Freund gehabt, so wäre ich es gewesen“ beginnt eine unglaublich perfide Rehabilitation.

Mit seiner Autobiografie verdiente er Millionen, war ein beliebter Gast in Talkshows und auf Empfängen und gehörte zur „Elite der Bundesrepublik“ und schaffte es sogar bis nach Hollywood.

Hier beginnt die Dokumentation von Vanessa Lapas SPEER GOES TO HOLLYWOOD.

Paramount Pictures plant 1971 Speers Weltbestseller „Erinnerungen“ zu verfilmen.

Drehbuchautor Andrew Birkin („Salz auf unserer Haut“) wurde beauftragt, ein Drehbuch über Speer zu schreiben und interviewte den „guten Freund Hitlers“ 40 Stunden lang. Speer wirkte selbst am Drehbuch mit.Die bis dato unveröffentlichen Aufzeichnungen bilden die Tonebene von Lapas Film, ergänzt mit einzigartigen Archivaufnahme auf der Bildebene. Die erschütternden Tonaufnahmen zeigen wie perfide Speer versucht seinen Ruf reinzuwaschen. Er geniesst es im Mittelpunkt zu stehen erzählt mit unaufgeregten Plauderton über sein Leben,stilisiert sich als „guter Nazi“. Die Gespräche fanden in seinem Haus in Heidelberg statt. Auch wenn heute nicht mehr genau rekonstruiert werden kann welche Art von Film das Studio im Sinn hatte, liegt die Vermutung nahe, dass Paramount eher an einen Film im Stile von Stanley Kubricks „Clockwerk Orange“ (1971) dachte, während Speer sich selbst wahrscheinlich eher als Titelfigur im Stile von Oliver Reeds „Oliver“ (1968) sah. Beide Regisseure waren in der Entwicklung der Verfilmung „Erinnerungen“ involviert ( Auszug aus dem Presseheft). Wieviel Speer tatsächlich über die Gräueltaten der Nazis wusste, kann Vanessa Lapa natürlich nicht genau beweisen. Die Mär vom „unbescholtenen Nazi“ist aufgrund der Bildsprache eine Fiktion. Wir Zuschschauer werden Zeugen wie skrupellos dieser Mann an seinem Mythos arbeitet.

Israel 2021, 97 Min. R: Vanessa Lapa (Der ANSTÄNDIGE)