EINE NACHT IN HELSINKI (Ein Film von Mika Kaurismäki) Kinostart: 20.1.2022

Helsinki im Lockdown. Es ist der 1. Mai. Die Strassen sind leer. Heikki (Pertti Sveholm) ist Inhaber einer Bar. Es war nicht absehbar, dass die Coronakrise so schwerwiegend und ernst werden würde. Er darf keine Gäste bedienen und hat infolgedessen auch keine Einnahmen. Trotzdem verbringt er die Zeit in seinem Laden. Er hat den Tisch festlich gedeckt und freut sich, dass er mit seiner Tochter das Abendessen einnimmt.

Er wartet und wartet aber sie kommt nicht. Die Tür geht auf und sein Freund und Arzt Risto (Kari Heiskanen) kommt herein. Er will nur ein Glas Rotwein trinken und gleich wieder gehen. Er erzählt, dass eine 14-jährige Patientin von ihm gestorben ist und wie es dann so ist, aus einem Glas werden zwei und drei, denn man merkt ihm an, dass es ihm gut tut, darüber zu sprechen. Trotzdem ist die Stimmung bedrückend. Beide Männer unterhalten sich über ihre Kinder, Existenzsorgen und Eheprobleme. Und wieder geht die Tür auf und ein Fremder tritt ein. Er lässt sich nicht abwimmeln. Er bittet darum, sein Handy aufzuladen, es sei dringend und dann würde er sofort verschwinden. Er stellt sich vor, Juhani (Timo Torikka) sei sein Name. Doch dann passiert etwas, was Heikki und Risto Angst macht. Ist der Fremde etwa der Mörder der gerade gesucht wird? Beide überlegen, die Polizei zu informieren, hören sich aber dann seine tragische Geschichte an, bei der es darum geht, ob er ein Retter oder ein Rächer ist.

Mika Kaurismäki hat das Kammerspiel, das in einer Nacht spielt, fast ausschließlich in den Räumen der Bar, die er und sein Bruder Aki betreiben: der Corona-Bar!, gedreht. Die Bilder sind geprägt von der nächtlichen Dunkelheit. Die Bar ist spärlich beleuchtet. Seine Schauspieler lässt er improvisieren, was dem ganzen eine gewisse Authentizität verleiht und die Atmosphäre realer gestaltet. Ihre Gespräche drehen sich um Menschlichkeit, gegenseitigem Verständnis, Isolation, Einsamkeit und Nöten. Themen, mit denen man sich auch als Zuschauer identifiezieren kann.

Gedreht wurde im Frühjahr 2020, während des finnischenn Lockdowns.

Gegen Ende betritt die Frau des Arztes die Bar. Sie sprechen über das Für und Wider von Beziehungen. Dann lassen die beiden Männer das Paar alleine. Mann und Frau reden über ihre verschwundenen Träume. Jahrelang hatten sie Schwierigkeiten, miteinander zu reden. Das Paar geht gemeinsam nach Hause.

Heikki und Juhani, der sich nochmals für das Gespräch bedankt, umarmen sich und gehen auseinander. Doch vorher muss Heikki versprechen, dass er seinen Laden nicht anzündet, sondern die Hoffnung auf bessere Zeiten, die da kommen werden, legt.

Kaurismäki: „Es war fast so, als würde man einen Dokumentarfilm drehen, auch wenn alles reine Fiktion war. Es ist ein kollektiver Film, der auf ungewöhnliche Weise in diesen ungewöhnlichen Zeiten gedreht wurde.“ Der Film zeigt, wie wichtig es ist eine menschliche Verbundenheit zu fühlen und auch körperlich zu spüren.

OT: Yö armahtaa („Habt Erbarmen“) Finnland 2020, 90 Min. R: Mika Kaurismäki D:Pertti Sveholm, Timo Torikka, Kari Heiskanen, Anu Sinisalo

SING 2- DIE SHOW DEINES LEBENS (Animationsfilm) Ein tierisches Theater

Nachdem der Koala Buster Moon von einer arroganten Castingdame als hergelaufener Kleinst-Act- Koala bezeichnet wurde, denkt er sich, jetzt erst recht und macht sich mit seiner Musical-Truppe auf den Weg in die glitzernde Entertainment-Metropole Redshore City, wo er eine noch nie dagewesene Weltraum-Show mit dem Titel: NICHT VON DIESER WELT produzieren will. Einfach wird es nicht. Wer hier zur großen Nummer wird, entscheidet allein der mächtige Wolf Jimmy Crystal. Ausserdem muss er Ferkelmama Rosita, Stachelschwein Ash, Elefantendame Meena, und den Jung-Gorilla Johnny motivieren und bei Laune halten. Mit dem Wissen, dass der Wolf einen Lieblingssänger hat, den Rocklöwen Clay Calloway, eine Musiklegende, behauptet Moon einfach, ihn zu kennen und ihn in die Show als Attraktion einzubauen. Ausserdem soll auch Calloways verwöhnte Tochter Porsha mitspielen. Die Sache hat nur einen Haken: Der Löwe hat sich aus Kummer vor 15 Jahren zurückgezogen und tritt nicht mehr auf. Jetzt darf Moon nicht als Lügner dastehen, denn dann ist sein Traum von der großen Show gelaufen. Zusammen mit Ash dem Stachelschwein macht er den traurigen Löwen ausfindig und versucht alles Erdenkliche, um ihn zu überreden. Der Grund ist der Tod seiner Frau Ruby, die sein Ein und Alles war.

Ob das alles so gelingt wie die Truppe sich das vorstellt, ist wieder quietschbunt und unterhaltsam inszeniert. Die Tiere treten wieder herrlich menschenähnlich auf und interpretieren weltberühmte Hits von Prince, Coldplay und mehrere Titel von U2, denn der Löwe wird im Original von Bono gesprochen. Porsha reisst alle vom Stuhl mit dem Song „Girl on Fire“. Ob das Weltraummusical im kunterbunten Musical SING 2- DIE SHOW DEINES LEBENS ein Knaller wird, sei hier nicht verraten. Auf jeden Fall, das Bühnenbild ist grandios. Ein Film, der gute Laune macht.

OT: SING 2, USA 2021 ; 112 Min.Regie: Garth Jennings, Deutsche Stimmen: Bastian Pastewka, Peter Maffay, Wotan Wilke Möhring, Katharina Thalbach, Stefanie Kloß

NIGHTMARE ALLEY (Ein düsteres Drama über einen Mann, den sein Ehrgeiz unaufhaltsam zu Fall bringt) Regie: Oscarpreisträger Guillermo del Toro Kinostart: 20.1. 2022

Der Mensch kommt als blinde, herumtastende Milbe auf die Welt. Er kennt Hunger, die Angst vor lauten Geräuschen und vor dem Fallen. Sein Leben verbringt er auf der Flucht-der Flucht vor Hunger und dem Donnerschlag des Schicksals. Im Moment der Geburt beginnt er zu fallen, durch das Brausen der Zeit, tief hinein in den Abgrund der Dunkelheit“. Oder: „Jemand lässt uns heraus wie eine Kröte aus einer Streichholzschachtel, wir springen und springen und springen, und dieser Kerl ist uns immer auf den Fersen. Und wenn er es leid ist, stampft er uns zu Brei, und unsere Eingeweide spritzen unter dem Stiefel des allbarmherzigen Schicksals hervor. Son of a Bitch!“

Dies sind nur Ausschnitte aus zwei der dramatischen Reden, die Magier Stanton Carlisle im Roman „Nightmare Alley“ (1946) von William Lindsay Gresham hält. Das wuchtig-bittere Werk zeigt einen sezierenden Blick auf den Menschen, seine Ängste und Fehler sowie seinen Kampf um Lebenssinn.

„Der Schriftsteller William Lindsay Gresham ist einer der interessantesten literarischen Köpfe, was die Schattenseiten Amerikas angeht“, sagt Guillermo del Toro im Interview mit CINEMA.

(Quelle: CINEMA 1/22)

In seiner Adaption des Romans „Nightmare Alley“ zeigt Regisseur Guillermo del Toro („Pan`s Labyrinth“, „Shape of Water“) die Abgründe der menschlichen Natur. Im Vorspann sieht man einen Mann eine Leiche entsorgen, indem er sein Farmhaus abfackelt. Er entflieht seinem alten Leben und landet bei einem Wanderzirkus. Es handelt sich um Stanton Carlisle, gespielt von Bradley Cooper. Angelockt wurde er von einem Jahrmarktsschreier, der unglaubliche Sensationen verspricht. Er trifft auf Schlangenmenschen, die sich verbiegen können, als seien sie aus Gummi, einem Menschen im Käfig, der als Biest bezeichnet wird und und lebenden Hühnern den Kopf abreißt und einer Jungfrau, die unter Starkstrom gesetzt wird. Im Gruselkabinett stehen Gläser mit Mißgeburten. Hier fragt ihn niemand woher er kommt und wie seine Vergangenheit aussieht, verspricht ihm der Zirkusdirektor Clem Hoately (Williem Dafoe). Ein Ort, der in seiner Schauerlichkeit, das Publikum magisch anzieht. Hier kann Stanton ganz von vorn anfangen. Als das „Biest“, ein erbärmlicher Alkoholiker ins Delirium fällt, packt Stanton mit an und hilft dem Zirkusdirektor das „Biest“ vor einer Notaufnahme abzulegen. Nachschub für ihn, findet sich allemal. Es gibt genug Obdachlose, die man mit Alkohol locken kann, indem man ihnen einen Job verspricht. Stanton, der in seiner Verschlagenheit auch äußerst charmant sein kann, schlägt dem Zikusmädchen Molly (Rooney Mara) vor, für ihre Stromschau, doch einen elektrischen Stuhl zu nutzen, den er entwirft und mit dem sie mehr Eindruck schinden kann, indem sie eine Scheinhinrichtung simuliert. Der betrügerischen Wahrsagerin Zeena (Toni Collette) bietet er sich als Helfer bei ihren billigen Tricks an und von ihrem Mann Pete (David Strathairn), genannt der Professor, lernt er, wie man Menschen in kürzester Zeit nach ihren Äußerlichkeiten und ihrem Verhalten durchschauen kann. Der Professor war bekannt als Super-Illusionist, bevor er dem Alkohol verfiel. Wahrscheinlich ist Stanton auch schuld am Tod des Professors, hinter dessen Rücken er auch eine Affaire mit seiner Frau hat. Doch dann verlieben sich Stan und Molly ineinander. Sie verlassen die Zirkustruppe und arbeiten in Zukunft zusammen. Mit ihr als Medium macht er zwei Jahre später Karriere als Magier „The great Stanton“ in den großstädtischen Cabarets in Amerika. Aber damit nicht genug. Auf der Bühne eines Hotels in New York, trifft er auf eine gerissene Psychoanalytikerin Dr. Lilith Ritter (Cate Blanchet), die den „Blender“, der sich für allmächtig hält, durchschaut. Erst will sie ihn hochgehen lassen, überlegt es sich anders und verbündet sich mit ihm und macht ihm einen perfiden Vorschlag, in dem sie seine „spiritistischen Fähigkeiten“ nutzt. Sie bringt ihn mit einem ihrer Klienten zusammen, Ezra Grindle (Richard Jenkins), ein schwerreicher Industrieller, der vor Jahrzehnten für den Tod einer jungen Frau verantwortlich war und der gegen eine üppige Geldsumme, mit deren Geist in Verbindung treten möchte. Immer stärker beginnt Stan seinen eigenen Lügen zu glauben. Er wägt sich von nun an ganz oben. Seine Gegenspielerin Dr. Ritter, behandelt die Elite der Stadt. Aus den Therapiesitzungen kennt sie deren intimste Geheimnisse, die Stan in privaten Shows zu Geld machen will und in seiner Gier lässt er sich ungeahnt mit gefährlichen Leuten ein. Er will mehr und mehr und mehr.

Guillermo del Toro: „In unserem Film geht es ums Heute und nicht um die 1930er und 1940er. Es geht um Wahrheit und Lüge, um die Gefahr populistischer Auffassungen, die uns blind machen für die Wahrheit“. Er hat den Roman ohne große digitale Effekte aber mit großartigem Setdesign gedreht, getaucht in Hell-Dunkel- Kontrasten und Sepiatönen. Auch die Nebenrollen hat er mit Stars besetzt.

Seine Hauptcharaktere, Bradley Cooper als charismatischer Blender, der alles verliert und tiefer nicht fallen kann und Cate Blanchet als kühl – vebitterte Femme fatal, liefern ein preisverdächtiges Schauspiel.

USA 2020 139 Min. R: Guillermo del Toro D: Bradley Cooper, Cate Blanchett, Rooney Mara, Toni Collette, Richard Jenkins, David Strathairn, Ron Perlman, Willem Dafoe, Mary Steenburgen, Mark Povinelli, Peter MacNeill

GLORIA MUNDI – RÜCKKEHR NACH MARSEILLE (Drama) Kinostart: 13.1. 2022

„In seinem neuen Film „Glöria Mundi“, was so viel heißt wie Ruhm der Welt, zeichnet Regisseur Robert Guédiguian („Marius und Jeanette“, „Das Haus am Meer“) eine neokapitalistische Welt in der bürgerliche Existenzenzen zerbrechlich sind wie Kartenhäuser und die, die noch für eine gesellschaftliche Solidarität eintreten möchten, haben fast keine Mittel mehr dazu“. Angesiedelt hat er seinen Film im heutigen Marseille. Ruhmreich ist in diesem Film nichts.

Ein Kind wird geboren. Ein Mädchen. Sie nennen es Gloria. Die Eltern sind glücklich. Im Hintergrund choraler Gesang. Da die Eltern arbeiten müssen, bringen sie das Baby zu einer Tagesmutter. Glorias Mutter Mathilda (Anais Demoustier) arbeitet in einem Klamottenladen unter prekären Verhältnissen. Sie wird ausgenutzt, gedemütigt und schlecht bezahlt. Ihr Mann Nico, der für Uber Taxi fährt, wird überfallen und zusammengeschlagen. Von da an ist er arbeitslos.

Sylvie (Ariane Ascaride), Mathildas Mutter, die nachts putzen geht, kann es sich nicht leisten, für bessere Löhne zu streiken. Ihr Mann Richard (Jean-Pierre Darroussin, mit dem sie in zweiter Ehe verheiratet ist, ist als Busfahrer unterwegs.

Mathildas Halbschwester Aurore (Lola Naymark) haut kaltblütig in ihrem Secondhandshop in Not geratene Kunden übers Ohr. Zur Familie gehört auch noch Daniel Ortega (Gérard Meylan), der erste Mann von Sylvie und Mathildas Vater, der zwanzig Jahre lang in Rennes im Knast saß, weil er in Notwehr getötet hatte. Es fing alles damit an, daß er gestohlen hat, um Sylvie ein besseres Leben zu bieten. Er mietet sich in einem einfachen Hotel ein und kümmert sich liebevoll um Gloria, denn seit Nicos Überfall, kann die kleine Familie das Geld für die Tagesmutter nicht mehr aufbringen. Nicos Arm ist geschient und er darf vorerst nicht Taxe fahren. Obwohl er seiner Arbeitgeberin vorführt, daß er mit dem geschienten Arm fahren kann, bleibt sie hart. In seiner Verzweiflung wird er ihr gegenüber gewalttätig. Sylvie und Daniel suchen Nicos Arbeitgeberin auf und bitten sie, von einer Anzeige gegen Nico abzusehen. Dabei erfährt der Zuschauer Sylvies tragische Geschichte und ihre Angst, daß es Mathilda womöglich genauso ergeht wie ihr..

Daniel hat im Knast die Poesie entdeckt. Er schreibt Haikus, um die schönsten Momente für die Ewigkeit festzuhalten. Er ist es, der weiß was zu tun ist, als das Drama sich zur Tragödie wendet.

Warmherzig und unsentimental erzählt Guédiguian die Geschichte eines Paares, das nach der Freude über die Geburt seines Kindes durch schwere Zeiten geht, umgeben von sozialer Kälte und das, bei dem Versuch über die Runden zu kommen, die Hilfe der gesamten Familie braucht. Trotz einschleichender Armut bleiben seine Figuren dennoch kraftvoll. Sein Drama endet mit dem choralen Gesang wie am Anfang.

Frankreich 2019 107 Min. R: Robert Guédiguian D: Ariane Ascaride, Jean-Pierre Daroussin, Anais Demoustier, Gérard Mylan, Robinson Stévenin

SPENCER (Eine Fabel, die auf einer wahren Tragödie basiert) Kinostart: 13.1. 2022

Als Pablo Larrains Princess Diana Film SPENCER bei den Filmfestspielen in Venedig seine Premiere feierte, erhielt Kristen Stewart drei Minuten lang stehende Ovationen. Der Film spielt in den frühen 1990er Jahren während der Weihnachtstage auf dem Landsitz Sandringhouse.

Die Ehe zwischen ihr und Charles liegt längst in Scherben. Trotz aller Gerüchte über seine Affairen werden der Rinz und die Prinzessin of Wales das Weihnachtsfest unter einem Dach verbringen. Noch gehört es zu ihrer Aufgabe vor den Blicken der Öffentlichkeit die Fassade aufrecht zu erhalten. Für die junge Frau eine Tortur.

Während Diana in ihrem Porsche in der Weite der Landschaft umherirrt und das Anwesen sucht, ohne Fahrer und Security, bewegt sich eine Kolonne von militärischen Lastwagen auf den Landsitz zu. Ein Battaillon von Soldaten liefert das Essen für die Feiertage in MG-Kisten. Unter den strengen Vorgaben des Küchenchefs Darren McGrady (Sean Harris) marschiert die Kochbrigarde militärisch straff an ihren Arbeitsplatz.

Auf ihrer Irrfahrt entdeckt Diana auf freiem Feld eine Vogelscheuche im Mantel ihres Vaters. Sie nimmt den Mantel mit, weil er sie an ihr Leben in Freiheit erinnert, als sie noch Diana Spencer war.

Endlich angekommen, muß sie sich einer alten Tradition beugen und sich wiegen. Jedes Mitglied der königlichen Familie soll mindestens drei Pfund über die Feiertage zunehmen. Von dem Moment an, ist jeder Schritt von ihr streng reglementiert. Diana Spencer schnürt es die Luft ab in dem engen Sittenkorsett, in das sie die Monarchie zwängen will. „Here in this house is no future. Past and the present are the same thing“.

Der straffe Zeitplan und die Kleiderordnung zu den weihnachtlichen Festbankettes, nehmen ihr jegliche Individualität. Beim Essen wird sie von den Royals verächtlich beobachtet. Zwischen den einzelnen Gängen flüchtet sie ins Bad, um sich zu übergeben. Die geforderten drei Pfund Gewicht nimmt sie bestimmt nicht zu. Während alle um sie herum gravitätisch ihre grüne Erbsensuppe löffeln, glaubt Diana an ihrer Perlenkette zu ersticken. Nach einem langen Blick zu Charles (Jack Farthing) hat sie eine alptraumhafte Vision: Sie reißt sich die Kette vom Hals, die Perlen rollen in die Suppe. Eine Perle legt sie auf den Löffel, beißt zu und schluckt sie herunter, um sie wieder auszukotzen. Ein Sinnbild für ihren tiefen Schmerz den Charles ihr zugefügt hat, als sie erfuhr, daß er die gleiche Kette seiner Geliebten Camilla zu Weihnachten geschenkt hat.

Ihre Söhne William (Jack Nielen) und Harry (Freddie Spry) spüren, daß mit ihrer Mutter etwas nicht stimmt. Der verzweifelte William bittet seine Mutter inständig sich zusammenzureißen. Aber wie und warum? Beim Spiel mit ihren Kindern erlebt man sie warmherzig und natürlich. Halt und Zuspruch findet sie bei ihrer Zofe Maggie (Sally Hawkins), der einzigen Person, der sie sich anvertrauen kann. Auch Küchenchef Darren zeigt Verständnis für ihre Situation. Es grenzt schon fast an Boshaftigkeit, daß die Queen (Stella Gonet) Major Gregory (Timothy Spall) beauftragt hat die Unruhestifterin Diana nicht aus den Augen zu lassen und sie einzuschüchtern. Gregory hat nichts Eiligeres zu tun, als die Vorhänge in ihrem Gemach zuzunähen, damit niemand reinschauen kann und Diana nicht heraus?

Regisseur Larrain, der schon 2016 mit „Jackie“ über Jacqueline Kennedy einen von der Idee ähnlichen Film drehte, zeigt in SPENCER den Zustand Dianas, als eine Frau, kurz vor dem Zusammenbruch, total aus ihrer Perspektive und wie aus einem Märchen ein Schauermärchen wurde. Der entrückte Score von Jonny Greenwood, dem Radiohead – Gitarristen unterstreicht das Drama einer Frau, die von sich selbst glaubt, den Wahnsinn anzuziehen und die keine Prinzessin mehr sein will, sondern nur noch die Mutter ihrer Söhne.

Larrain nennt seinen Film „Eine Fabel, die auf einer wahren Tragödie basiert“.

Wie Kristen Stewart Lady Di interpretiert, ist ganz großes Kino. Die Ähnlichkeit im Ausdruck und Gestus, ihre Art zu sprechen und wie sie den Kopf scheu zur Seite neigt, ist verblüffend und fern von billiger Imitation.

Geschieht am Ende des Dramas bei den Klängen des Hits aus den Achtzigern „All I need is a miracle, all I need is you“ doch noch ein Wunder?

Übrigens, die Szene in der Riesenküche voller Delikatessen, in der sich Diana heimlich den Mund vollstopft, wurde in Berlin in der Max-Schmeling-Halle gedreht.

SPENCER, Deutschland/ Großbritannien 2021, 108 Min. R: Pablo Larrain, Kamera: Claire Mathon („Das Portrait einer Frau in Flammen) D: Kristen Steart, Timothy Spall, Jack Nielen, Freddie Spry, Jack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Sally Hawkins, Richard Sammel, Lore Stefanek u.v.a.

WANDA, MEIN WUNDER (Tragikomödie) Kinostart: 6. 1. 2022 Am 8. Januar in Anwesenheit der Regisseurin Bettina Oberli um 19:35 Uhr in der Kulturbrauerei Berlin

„Überlass mich nicht diesen Verrückten,“ sagt Josef in Anspielung auf die eigene Familie zu seiner Pflegerin Wanda, die sich rund um die Uhr um den 70-jährigen Patriarchen der wohlhabenden Wegmeister-Gloor Dynastie kümmert, der nach einem Schlaganfall gelähmt ist. Wanda reist regelmäßig von Polen in die Schweiz, um Josef zu pflegen und seiner Frau im Haushalt zu helfen. Das wohlhabende Paar lebt gemeinsam mit ihrem Sohn Gregor, einem Vogelliebhaber, der ausgestopfte Vögel sammelt, in einer komfortablen Villa mit Seeblick. Tochter Sophie kommt nur zu besonderen Anlässen vorbei.

Die bevorstehende Feier zu seinem siebzigsten Geburtstag interessiert Josef nicht. Für ihn zählt nur noch die Fürsorge von Wanda. Elsa sieht die „Freundschaft“ zwischen Wanda und ihrem Gatten mit gemischten Gefühlen. Dass Josef die zweifache Mutter für nächtliche Intimitäten bezahlt, ahnt die Familie nicht.

Sophie, die wegen des Geburtstages angereist ist, findet in Wandas Kellerzimmer ein Bündel Schweizer Franken und bezichtigt Wanda des Diebstahls. Für Sophie, die Wanda ziemlich von oben herab behandelt, ein gefundenes Fressen. Der schlitzohrige Josef hat sofort eine Erklärung parat. Wandas Eltern, die einen Bauernhof haben, brauchen dringend eine Kuh. Dafür habe er ihr das Geld zugesteckt, nimmt er sie in Schutz. Für Wanda ist das alles zu viel. Sie kehrt zurück zu ihren Kindern, die bei den Großeltern leben. Zuhause stellt sie fest, dass sie von Josef schwanger ist. Währendessen hat Gregor, der in Wanda verliebt ist, ihrer Familie eine Kuh besorgt. Dumm nur, dass die in einer Mietwohnung in Danzig lebt.

Wandas überraschende Schwangerschaft bringt das fragile Gefüge der Schweizer Familie total durcheinander und die Lebenslügen aller werden schmerzlich sichtbar. Mit ihrem gesellschaftlich kritischen Film hat sich Regisseurin Bettina Oberli am Beispiel von Wanda den Frauen angenommen, die ihre Heimat verlassen, um in Deutschland oder der Schweiz Menschen pflegen, ihre Kinder zurücklassen und mit Geld unterstützen. Sie kommen meist aus dem Ostblock. Ungarn, Polen oder Tschechien. Drei Monate dürfen sie bleiben, dann müssen sie wieder zurück, um danach erneut einreisen zu können. Oberli hat das ernste Thema leicht verpackt. Bittere Wahrheiten hat sie mit komischen Momenten verbunden, ohne ihre Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben.

Als Wanda mit ihrer polnischen Familie in der Schweiz auftaucht und man ihr einen finanziell hochdotierten Deal anbietet, bleibt sie standhaft und nimmt ihn nicht an. Jetzt versteht man den Schmerz, der sich hinter Sophies kratzbürstigem Verhalten verbirgt. Übrigens, die Kuh weidet friedlich im schweizer Garten.

Schweiz 2020 112 Min. R: Bettina Oberli D: Josef (André Jung), Wanda (Agnieszka Grochowska), Elsa (Marthe Keller), Gregor (Jacob Matschenz), Sophie (Birgit Minichmayr)

Macbeth – The Tragedy of Macbeth/ EINE SHAKESPEAR – ADAPTION Kinostart: 26.12.21

Macbeth ist eines der bekanntesten Dramen des englischen Dichters William Shakespear. Das Stück entstand um 1608 und schildert Aufstieg und Fall des schottischen Generals Macbeth. Ihm wird geweissagt, dass er eines Tages König sei, es aber nicht bleiben wird. Angestachelt von seiner ehrgeizigen Frau lässt er sich dazu verleiten, den bisherigen König Duncan zu ermorden und weitere Morde zu begehen, um seine Macht zu erhalten.

Nach etwa 20 Filmadaptionen hat sich Joel Cohen, diesmal ohne seinen Bruder Ethan (Fargo, No Country for Old Men, dieses Drama vorgenommen

Coens Macbeth ist eine düstere Verfilmung, die Macht und Kälte verströmt, gedreht in Schwarz- Weiss, untermalt mit furchteinflössenden Geräuschen lauernder Naturgewalten. Durch alle Winkel des riesigen Schlosses Forres bläst der Wind. Coen spielt mit Licht und Schatten, verhangenen Nebelschwaden, bleibt aber eng am Originaltext. Seine Bilder sind von archaischer Kraft und von einer strengen Künstlichkeit durchzogen. Gedreht wurde im fast quadratischen 1:1, 33-Format.

Meterhohe Mauern, riesige Torbögen, gigantische Treppen bilden den Schlosshof. In den düsteren kalten und kahlen Gängen im Innenbereich, wandelt Lady Macbeth (Frances McDormand) des nachts, wie eine Geistergestalt im weissen Nachthemd, ruhelos umher.

Für Duncan (Brendan Gleeson), der Macbeth (Denzel Washington) besucht, wird das Schloss zur Falle. Lady Macbeth hat die Wachen des Königs hinterhältig mit Wein betäubt, und als Macbeth in dessen Zimmer schleicht, wird der Mord an ihm zu einem Kraftakt. Beide ringen miteinander , bis ihm Macbeth den Dolch in den Hals sticht und seine Hand mit Blut besudelt ist. Das Blut klebt an ihm, er wird es nicht mehr los. Von nun an wird er von Halluzinationen verfolgt, und begeht weitere Morde.

Nicht nur er, sondern auch seine Frau spielen sich in den Wahnsinn. Ein alterndes, machthunriges, mordlüsternes Paar, das in seinem gierigen Dasein nichts mehr zu verlieren hat, außer seinem Verstand. Und in den Mauernischen lauern die schwarzen Raben wie die Aasgeier.

Coens Adaption besticht durch seine morbiden und gespenstisch anmutenden Bilder. Am liebsten würde man den Film kurz stoppen, um Fotos zu machen. Der Film läuft mit deutschen Untertiteln, so kann man Shakespears Text gut folgen..

Ein schauspielerisches Highlight ist die Verwandlungskünstlerin Kathryn Hunter, die die drei Hexen spielt, die Macbeths Aufstieg und Fall prophezeien. Zu Beginn des Films kraucht sie mit krächzender Stimme, gleich einer Schreckensgestalt über holprigen Boden, während am Himmel die Raben kreisen. „Schön ist hässlich, hässlich schön: Schwebt durch Dunst und Nebelhö`n!…..Ein Mann kommt ins Bild und zieht eine Blutspur hinter sich her.

USA 2021, 105 Min. R: Joel Coen, D: Denzel Washington, Frances McDormand, Corey Hawkins, Brendan Gleeson

THE LOST LEONARDO (Dokumentation) Ein Kunst und Geld Thriller, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Kinostart: 23.12.2021

Directotors Notes:

„Dies ist ein Film über die unglaubliche Reise eines Gemäldes, des Salvator Mundi, der „Erlöser der Welt“, der möglicherweise das Werk von Leonardo da Vinci ist. Es ist eine wahre Geschichte, zugleich aber auch ein Märchen, das den Geschichten eines H.C. Andersen würdig wäre: Ein beschädigtes Gemälde, das Jahrhunderte lang vernachlässigt wurde, wird zufällig wiederentdeckt und bald darauf als lang verschollenes Meisterwerk göttlicher Schönheit gepriesen. Auf seinem Höhepunkt im Rampenlicht wird es als Fälschung entlarvt und herabgesetzt. Die wahre Enthüllung ist die Falschheit der Welt, die dieses Gemälde umgibt und durch zynische Kräfte und Geld angetrieben wird“.

Die fesselnde und erhellende Doku zeigt auf, wie aus einem beschädigten Bild, das in New Orleans für 1175 Dollar verkauft wurde, und in einem Zeitraum von zwölf Jahren zum teuersten Gemälde der Welt wurde, indem es einen Auktionspreis von 450 Millionen Dollar erzielte.

Das heftig umstrittene Gemälde taucht plötzlich geisterhaft aus dem Nichts auf. Fünf Jahre lang wurde es restauriert, vergleichbar mit dem Kauf eines Autos, das einen Unfall hatte.

Der Weg des Bildes führt in die geheimnisvolle Unterwelt eines Kunstmarktes, indem unglabliche Geldsummen von anonymen Geldgebern mit Hilfe dubioser Zwischenhändler verschoben werden und dann in Hochsicherheitskatakomben in einem Freihafen weggesperrt werden, um dann für spekulative Zwecke benutzt zu werden.

Die ganze Geschichte des berühmt-berüchtigten Bild „des „Retters der Welt“ wurde von Alexander Parish , Kunstdedektiv, USA, in seiner Funktion als sogenannter „Sleeper Hunter“, ins Rollen gebracht. Herausgekommen ist ein Kunst-Thriller an dem Oligarchen, Kunst-Dealer . Restaurierer:innen, FBI-Agenten, Staatsinteressen, bis zum Kronprinz von Saudi-Arabien, Mohmmad bin Salmann beteiligt sind.

THE LOST LEONARDO ist eine derart spannende und unterhaltsame Dokumentation, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Dänemark/Frankrich/ 100 Min./ R: Andreas Koefoed, D: Dianne Modestini, Yves Bouvier, Robert Simon, Alexander Parish

EIN FESTTAG ( Eine feinfühlig inszenierte Adaption von Graham Swifts Bestsellerroman MOTHERING SUNDAY um eine heimliche Affaire in den 1920er-Jahren) Kinostart: 23.12.2021

Muttertag, 30.März 1924 in England. Jane Fairchild (Odessa Young) ist Dienstmädchen im Haus der Nivens (Colin Firth, Olivia Colman). Für das Ehepaar ist der Tag kein Grund zum Feiern. Das Paar leidet unter einem schweren Verlust, es hat all seine Söhne auf den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges verloren. Während Mr. Niven nach außen hin mit dem Schmerz einigermaßen gelassen umgeht, ist seine Frau fast verstummt. Trotzdem treffen sich die beiden mit einigen Freunden zum alljährlichen Picknick am Fluss, sowie sie es auch schon vor dem Krieg getan haben. Auch Mr. Niven gewährt Jane einen freien Tag. Großzügig steckt er ihr noch eine Münze zu und macht ihr so einige Vorschläge, wie sie ihren freien Tag gestalten kann. Jane weiß genau, was sie gleich macht. Sie schwingt sich auf ihr Fahrrad und besucht Paul (Josh O`Connor), einen der wenigen jungen Männer, die gesund aus dem Krieg zurückgekommen sind. Jane ist Waise und hat keine Familie, die sie an diesem Festtag besuchen kann. Schon seit sieben Jahren hat sie eine heimliche Affaire mit dem Adligen. Zu diesem letzten Beisammensein, lädt er sie erstmals bei sich zuhause ein, denn er soll jetzt endlich standesgemäß heiraten. Paul ist der Sohn der wohlhabenden Sheringhams, mit denen sich die Nivens zum Picknick treffen. Seine zukünftige Frau ist die Tochter einer befreundeten Familie, Emma Hobday (Emma D`Arcy), die mit Pauls im Krieg gefallenen Bruder, verlobt war.

Völlig unbefangen gehen Jane und Paul miteiander um. Sie schlafen miteinander, erzählen sich ihre Geheimnisse und malen sich aus, was passieren würde, wenn Emma jetzt unverhofft auftauchen würde und als erstes Janes Fahrrad sehen würde. Während dessen wartet Emma beim Picknick auf Paul, dem es schwer fällt Jane zu verlassen. Nachdem er gegangen ist, streift Jane, nackt und unbefangen durch sein nobles Haus, streift über die Buchrücken in der Bibliothek, kostet die Pastete, die in der Küche steht und schaut sich mit fast kindlicher Neugier in dem pompösen Herrenhaus um. Angst entdeckt zu werden hat sie nicht, denn auch Pauls Bedienstete haben frei. Dass der Tag noch bewegend enden wird ahnt niemand.

Die französische Regisseurin Eva Husson hat die sinnlichen Momente in Pauls Domizil fern von jeglicher Prüderie und Klassenunterschiedlichkeit gedreht. Sie zeigt die glücklichen Momente eines Liebespaares, deren Herkunft nicht unterschiedlicher sein kann und das damit völlig normal umgeht. Zu einer Zeit, in der die Regeln streng und konservativ waren. Dass Janes Leben am Ende dieses Festtages nachhaltig beeinflusst wird, erzählt Eva Husson in Janes folgender Lebensphase.

Gleichwohl legt sie auch das Augenmerk auf die Trauer der Nivens und zeigt sehr einfühlsam die Unterschiedlichkeit zwischen Mann und Frau, mit Trauer umzugehen.

„Ein Festtag“ ist ein bildstarkes Drama, und gleichzeitig ein Fest mit großartigen Darstellern und Darstellerinnen.

OT:Mothering Sunday; Großbritannien2021, 104 Min. R: Eva Husson, D: Josh O´Connor, Odessa Young, Colin Firth, Olivia Colman

DRIVE MY CAR (Ein Meisterwerk des japanischen Kinos) Kinostart: 23.12. 2021

Schon auf der Berlinale 2021 gewann der japanische Regisseur Ryusuke Hamaguchi den Großen Preis der Jury für sein Drama „Wheel of Fortune and Fantasy“. Es folgte „Drive My Car, basierend auf der gleichnamigen Erzählung von Haruki Murakami, eine fesselnde poetische Adaption, für die er beim diesjährigen Festival of Cannes den Preis für das beste Drehbuch erhielt.

„Drive My Car“ ist auch Japans Oscar -Kandidat 2022 in der Kategorie „Bester internationaler Film“.

Immer wenn das Paar Sex hatte, erzählt die Frau ihrem Mann eine Geschichte……Sie schleicht in Yamagas Haus. Er weiß nichts von ihr. Den Schlüssel findet sie unter einem Blumentopf am Eingang. Sie schaut sich um, lauscht in die Stille. Sie atmet die Luft ein, streckt sich auf seinem Bett aus und unterdrückt ihre Lust zu masturbieren……..

Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das immer wieder in das Haus eines Schulfreundes eindringt und jedesmal ein Objekt aus seinem Zimmer mitnimmt und ein eigenes hinterlässt. Sie malen sich die Geschichte in verschiedenen Situationen aus.

Bei dem Paar handelt es sich um die Drehbuchautorin Oto und den Bühnenschauspieler und Regisseur Yusuke Kafuku. Ihre Beziehung scheint glücklich zu sein, obwohl Yusuke sie, als er unerwartet nach Hause kommt, beim Sex mit dem jungen Schauspieler Takatsuki beobachtet. Er verlässt das Haus und redet nicht mit ihr darüber.

Gemeinsam trauern sie am Todestag ihrer Tochter, schlafen miteinander und erfinden Geschichten aus denen vielleicht ein Drehbuch entsteht.

Etwa die erste dreiviertelstunde des Films erzählt die Vorgeschichte der Erzählung, bis ein Unglück geschieht. Erst dann laufen die Titel über das Bild.

Zwei Jahre später, nach dem plötzlichen Tod seiner Frau, deren Verlust er noch immer nicht überwunden hat, entschliesst sich Kafuku Anton Tschechows Stück „Onkel Wanja“ für ein Theaterfest im Kunst -Kulturtheater Hiroshima als Stipendiat, zu inszenieren. Er selbst hat „Wanja“ vor dem Tod seiner Frau auf der Theaterbühne gesspielt. Die Bestimmungen lauten, dass jeder Stipendiat einen Fahrer bekommt. Seine Unterkunft ist eine Stunde vom Theater entfernt. Die Produktionsfirma teilt ihm die stille Misaki zu. Sie einigen sich, dass sie ihn in seinem roten Saab chauffiert. Auf den Fahrten legt er die Kassette ein, auf die seine Frau das Sück „Onkel Wanja“ gesprochen hat. Misaki hört der Stimme seiner Frau gerne zu. Indem er die Kassette wieder und wieder Hört, kann er das Stück in einem besonderen Fluß inszenieren. Auf ihren gemeinsamen Fahrten öffnen sich die beiden und stellen sich ihrer Vergangenheit. Zwei traurige Seelen haben sich gefunden.

Hamaguchis Film ist geheimnisvoll und mit poetischem Tiefgang inszeniert. Trotz einer Länge von fast drei Stunden gelingt es ihm den Zuschauer nicht nur mit melancholischen Bildern, sondern auch mit feinfühligen zwischenmenschlichen Tönen die universellen Themen unseres Lebens zu offenbaren und den Zuschauer in seinen bann zu ziehen. Auch die kleinsten Rollen sind in diesem Meisterwek von großer Bedeutung.

Japan 2021 179 Min. R: Ryusuke Hamaguchi Darsteller: Oto Kafuku: Reika Kirishima, Yusuku Kafukuku: Hidetoshi Nishijiama, Misaki: Misaki Watari, Koji Takasuki: Masaki Okada u.v.a. OT: Doraibu mai ka