A RAINY DAY IN NEW YORK Start: 5.12. 2019

A RAINY DAY IN NEW YORK wird in den USA nicht gezeigt. Die Missbrauchsvorwürfe gegen Woody Allen kommen wider hoch. Sein Film wurde von den Amazon Studios aus dem Verkehr gezogen. Auch seine Autobiografie will niemand drucken. Angeblich will auch keiner seiner Schauspieler den Film bewerben. Bewiesen ist nichts. Wenigstens in Europa darf sein Film das Licht der Kinoleinwand erblicken.

Das naive College- Girl Ashleigh ((Elle Fanning) ist total aufgeregt. Sie darf für die Studentenzeitung ein Interview mit ihrem Idol, dem berühmten Kultregisseur Roland Pollard ( Liev Schreiber) führen. Das nimmt ihr Freund Gatsby Wells (Timothée Chalamet) ein verwöhnter Junge aus reichem Hause, zum Anlass, sie zu einem Romantik – Wochenende in seine Heimatstadt New York einzuladen. Da er beim Pokern eine Menge Geld gewonnen hat, bucht er ein Luxushotel, plant einen Besuch im Edelrestaurant und die obligatorische Kutschfahrt durch den Central Park.

Bevor sie das alles geniessen kann, muss sie das ersehnte Interview führen. Da Pollard nicht so richtig Interviewstimmung ist, lädt er Ashleigh zu einer Vorführung seines neuen Films ein. Mit dabei, sein Drehbuchautor (Jude Law) und der Star seines Films (Diego Luna). Ashleigh ist beeindruckt und vertröstet Gatsby am Telefon, dass sich alles verzögert und sie später kommt. Gatsby ist enttäuscht und schlendert alleine durch sein geliebtes Manhattan, im Regen. In einem viel zu grossen Tweedjacket, seiner Zigarettenspitze, seinen fahrigen Bewegungen und seinem Sarkasmus, erinnert er an Allens Filmfigur in „Der Stadtneurotiker“. Während Ashleigh von einer verfänglichen Situation in die nächste gerät, trifft Gatsby zufällig seine frühere Freundin Shannon (Selena Gomez) wieder. Ein alter Schulfreund dreht gerade in den Stassen New Yorks und bittet Gatsby um einen Filmkuss mit Shannon hinter einer verregneten Windschutzscheibe. Er geht mit ihr mit. Während sie sich umzieht, setzt er sich an den Flügel und beginnt mit verführerischer Stimme, Chet Bakers „Everything happens to me“, zu singen. Sie kommt zurück und stimmt mit ein..Eine der schönsten Szenen, die ahnen lässt, das zwischen den beiden mehr passiert, als ein flüchtiges Wiedersehen.

„A Rainy Day in New York“ ist ein typisch,echter Woody Allen Film. Weniger eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, sondern eine nostalgische Liebesgeschichte an die Stadt New York, mit ihren schummrigen Bars, der Jazz – Musik, getaucht in eine besondere farbliche Bildgestaltung. Allen ist sich selbst treu geblieben. Es ist ein Trip in die Vergangenheit, nur diesmal mit bildhübschen jungen Leuten….Singin` in the Rain.

AUERHAUS (Tragikomödie, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Bov Bjerg) Start: 5.12.2019

Neele Leana Vollmer (Rico, Oskar und die Tieferschatten, „Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo“) hat längst bewiesen, dass sie ein gutes Gefühl für außergewöhnliche Kinder – und Jugendfilme hat. Nun ist es ihr wieder gelungen eine grossartige Verfilmung des Bestsellers „Auerhaus“ über eine ungewöhnliche Schüler -WG in der deutschen Provinz auf der Leinwand lebendig werden zulassen. Bov Bjergs Roman handelt von einer Gruppe Jugendlicher, die sich nicht in vorgegebene Lebensweisen zwängen lassen wollen, angelegt in den 80-Jahren. Ihr Leben erscheint ihnen erschreckend durchgeplant.

Höppner (Damian Hardung „Club der roten Bänder) besucht das „Gymnasium am Rande der Stadt“, fühlt sich dort aber nicht wohl. Mit seinem Klassenkameraden Frieder (Max von der Gröben) verbindet ihn eine Art Zweckfreundschaft. Frieder erledigt für ihn die Hausarbeiten und hilft ihm damit, das Abitur zu schaffen. Zuhause nervt ihn der ständig provozierende Stiefvater (Milan Peschel). Weil er sein Leben so langweilig findet, macht sich Höppner den Spaß herauszufinden, wieviele Musterungsbescheide ihm zugeschickt werden, bis irgendwann die Polizei bei ihm auftaucht.

Frieder, den er nach einem missglückten Selbstmordversuch in der Psychatrie besucht, macht ihm einen rettenden Vorschlag. Er bietet ihm an, wenn er endlich entlassen wird, mit ihm in das alte Bauerhaus seines Großvaters zu zieh`n, um auf ihn aufzupassen. Dann müsste er doch nicht mehr bei seiner Mutter (Anja Schneider) und dem unleidlichen Stiefvater wohnen. Höppner findet die Idee gut, traut sich aber nicht so ganz allein die Verantwortung für Frieder zu übernehmen. Da für Frieders Vater ein Suizid eine Todsünde ist, will er nicht mehr in sein Elternhaus zurück.

Höppner überredet seine Freundin Vera (Luna Wedler) miteinzuziehen. Zu ihnen gesellt sich noch, die aus einem wohlhabenden Elternhaus stammende, strebsame Cäcilie (Devrim Lingnau). Ihr neues Heim nennen sie AUERHAUS, nach dem bekannten Hit „Madness-Our House“, 1983. Endlich können sie tun und lassen, was sie wollen und nach ihren eigenen Regeln leben. So lässt sich das trostlose Kaff leichter ertragen.. Frieder gesteht , dass er sich nicht umbringen wollte. Er wollte nur nicht mehr leben und das ist ein grosser Unterschied, betont er.

Der Film strahlt eine ungewöhnliche Ruhe aus. Er lässt dem Zuschauer genug Raum, um den Weltschmerz, Freundschaft, erste Liebe und das Thema Suizid, mit den hervorragenden Darstellern, mitzufühlen. Ein gelungenes Beispiel dafür, dass der deutsche Film noch lebt.

Alles außer gewöhnlich (Tragikomödie, von den Machern "Ziemlich beste Freunde". Start: 5.12. 2019

Bruno (Vincent Cassel) und Malik (Reda Kateb) haben es sich zur Aufgabe gemacht, ohne offizielle Genehmigung, die Lebensumstände von autistischen Kindern und Jugendlichen zu verbessern, und das, ohne Sentimentalität und ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben. Autisten leiden an der Unfähigkeit zu kommunizieren. Aber wenn man ihnen die nötigen Anregungen bietet, kann man ihre Sensomotorik steigern. Ihr Verein nennt sich „Die Stimme der Gerechten“. Sie kümmern sich besonders um die Fälle, die von der Gesellschaft im Stich gelassen wurden. Die beiden Regisseure Éric Toledano und Olivier Nakache haben für ihren Spielfilm, nach einer wahren Geschichte, bewusst mit echten Betreuern und echten Autisten zusammengearbeitet. Realität und Fiktion verschwimmen immer wieder. Dadurch gelingt es, den Blick auf die inneren Konflikte der Figuren zu richten und ein Gespür für ihren Alltag und ihre Probleme zu entwickeln. Unermüdlich sind Bruno und Malik unterwegs. Feste Arbeitszeiten gibt es für sie nicht. Unterstützt werden sie von jungen Pflegern, die zum grossen Teil aus sozialen Brennpunkten stammen und Schwierigkeiten haben, von der französischen Gesellschaft integriert zu werden. Sie bekommen hier eine Chance, Fuß zu fassen. Besonders Malik kümmert sich um die Jugendlichen aus verschiedenen Nationen, in dem er ihnen beim Lernen der französischen Sprache hilft, ihnen Höflichkeit und Pünktlichkeit beibringt.

Doch nun könnte damit Schluß sein. Weil ihre Mitarbeiter nach dem Gesetz nicht ausreichend qualifiziert sind und die Räumlichkeiten nicht den vorgeschriebenen Normen entsprechen, soll die Einrichtung geschlossen werden. Schlitzohrig und gewieft beginnt für Bruno und Malik der Kampf gegen die Obrigkeit. Ein Aus wäre eine Katastrophe. Es ist unglaublich berührend mitzuerleben, was für Fortschritte diese Menschen durch die aufopferungsvolle Geduld, der Liebe und dem Verständnis ihrer Betreuer machen. Ein grossartiges Plädoyer für Menschlichkeit und Engagement.

Bruno: „Irgendwann zahlt es sich aus, was wir hier reingesteckt haben“. „Alles außer gewöhnlich“ ist traurig, feinfühlig und auf behutsame Weise komisch.

Reda Kaleb: „Kein Film hätte mich weiterbringen können, als dieser es vermochte“.

Schlußendlich ein Film, der ein Bewusstsein für die Krankheit Autismus schafft. Von den Machern ZIEMLICH BESTE FREUNDE, HEUTE BIN ICH SAMBA und DAS LEBEN IST EIN FEST. Hoffentlich erreicht dieser Film ebenso viele Zuschauer wie ZIEMLICH BESTE FREUNDE. Er hat es verdient. Selten sieht man Schauspieler, die so viel Herz und Eifer in ihre Rolle stecken.

DIE SCHÖNSTE ZEIT UNSERES LEBENS (Einfallsreiche Beziehungskomödie) Start: 28.11.2019

Marianne (Fanny Ardant) macht kurzen Prozess. Nach 40 Jahren Ehe hockt ihr Mann Victor (Daniel Auteuil) nur noch zuhause rum. Er hat keine Arbeit, keinen Ehrgeiz und hadert mit seinem Alter, kurz gesagt, er nervt. Sie setzt ihn vor die Tür. Da hat sein Sohn Maxime (Michael Cohen) eine rettende Idee. Weil seine Eltern eine zweite Chance verdienen, wendet er sich an seinen Freund Antoine (Guillaume Canet), Besitzer der Firma „Time Travellers“, die es gut betuchtenKunden ermöglicht, in einem Filmstudio in eine Zeit ihrer Wahl zu reisen. Noch etwas zögerlich, willigt Victor ein und entscheidet sich für das Jahr 1974, den Tag , an dem er seine Frau kennen-und lieben gelernt hat. Für seine Reise in die Vergangenheit ist alles zeitgemäss vorbereitet, inszeniert wie eine Filmhandlung. Ausstattung und Kostüme entsprechen der damaligen Mode. In einem verqualmten Café, trifft er das Double seiner Frau, hinreissend gespielt von Doria Tillier. Nach und nach findet er zu seiner damaligen Lässigkeit und seinem Charme zurück. Er ist wieder der Kunststudent, der er damals war. Das er sich in die junge Kopie seiner Frau verliebt, damit hat sein Sohn nicht gerechnet. Auch die schönste Illusion hat irgendwann ein Ende. Victor muss sich der Wirklichkeit stellen.

Die toll besetzte, romantisch- nostalgisch einfallsreiche Beziehungskomödie steht auf Platz eins der französichen Kinocharts. Drehbuch und Regie: Nicolas Bredos („Die Nostalgie der Liebe“)

ARETHA FRANKLIN – AMAZING GRACE (Dokumentarfilm) Start: 28.11. 2019

1972 kehrte Soul-Queen Aretha Franklin zu ihren Wurzeln zurück. An zwei Abenden gab sie in der Missionary Baptist Church in Los Angeles ein gefeiertes Kirchenkonzert. Regisseur Sidney Pollack führte Regie. Doch erst jetzt, ein Jahr nach ihrem Tod, kommt der mitreißende Konzertfilm in die Kinos. Es gab damals technische Probleme. Ton und Bild waren nicht synchron. Aus dem Konzert wurde ein Live-Album mit religiösen Liedern, die sie in der Jugend gesungen hat. Mit dabei, die Gospellegende Reverend James Cleveland und der Southern California Community Choir.Wenn sie nicht gerade am Klavier sitzt, steht sie, fast einer Statue gleich, hochkonzentriert vor ihrem Mikrofon und singt sich die Seele aus dem Leib. Ihr läuft der Schweiß vom Gesicht. Die zutiefst religiöse Frau, Tochter eines Baptistenpredigers, singt sich regelrecht in Ekstase. Publikum und Chor, sorgen für eine phantastische Atmosphäre. Zwischendrin hält ihr Vater C.L. Franklin eine berührende Laudatio auf seine Tochter. Auffällig ist, das keine weibliche Person das Mikro greift und redet. Auch Reverend Cleveland, ergreift zwischendurch das Wort, setzt sich dabei etwas zu sehr in Szene, während Aretha, wenn sie nicht gerade singt, stumm das Geschehen um sich herum verfolgt. Man hat das Gefühl, den anwesenden Frauen wurde ein „Maulkorb“ verpasst. Als sie „Amazing Grace“ anstimmt, hat Cleveland Tränen in den Augen. Das Publikum springt auf und fängt an zu beten und zu tanzen. Und pötzlich entdeckt man im Hintergrund Mick Jagger und Charlie Watts. Irgendwer sagt den alles treffenden Satz: „The greatest sound in the world is gospel.“ Und genau das macht den Film zu einem spirituellen Erlebnis.

DER LEUCHTTURM (Psychothriller) Start: 28.11. 2019

Robert Eggers (THE WITCH) nimmt uns Zuschauer mit auf eine sturmumtoste kleine Felseninsel vor der Küste Maines, Ende des 19.Jahrhunderts.

„Der Leuchtturm“ ist eine dramatische Horrorgeschichte zweier Männer, die für 4 Wochen ihre Schicht als Leuchtturmwärter antreten.Beide schleppen eine düstere Vergangenheit mit sich rum. Ephraim Winslow (Robert Pattinson), ein Holzfäller aus Kanada und ein alter Seebär, Thomas Wake (Willem Dafoe). Privatsphäre gibt es nicht. Sie müssen sich eine enge Kammer teilen. Hemmungslos furzt und rotzt der Alte um sich herum.Mit wahrer Lust, zwingt er Winslow die Drecksarbeiten zu machen. Er muss ihre Nachttöpfe leeren, Kohle schaufeln, Schubkarren im Regen über morastigen Boden schieben und schwere Ölfässer schleppen. Entgegen aller Regeln, beansprucht Wake die Arbeit auf der Spitze des Leuchtturms für sich. Bei Winslow entwickelt sich eine ungeheure Wut. Die kurzen Momente, in denen sich beide näher kommen, werden durch die Mengen an Alkohol, die sie zu sich nehmen, wieder zerstört. Ständig wird Winslow von dem Alten belauert. Er flüchtet in erotische Träume, in denen ihm eine Meerjungfrau erscheint. Fantasie und Wahnsinn liegen dicht beieinander. Als ein Sturm ihre Abreise verhindert und eine Überfahrt zum Festland unmöglich macht, treibt die klaustrophobische Enge des Turms und Abgeschiedenheit der Insel, beide in den schieren Wahnsinn. Gedreht wurde der Horror in Schwarz-Weiß und einem fast quadratischen Bildformat, was an alte Stummfilme erinnert und die klaustrophobische Enge noch fühlbarer macht. Untermalt wird das Drama mit Möwengeschrei, dem dröhnenden Geräusch des Nebelhorns und dem beängstigen Heulen des Windes.

Eine faszinierende Tour de Force, nicht nur für die Schauspieler, auch für den Zuschauer. Pattinson kann endlich beweisen, dass er weitaus mehr kann, als den blassen Vampir in den Twilight-Filmen und Dafoe, der vor kurzem noch als „Van Gogh“ zu sehen war, gehört sowieso zu den besten seiner Zunft. Beide können sich in diesem schaurigen Kammerspiel das Wasser reichen.

THE GOOD LIAR Start: 28.11.2019 (Thriller)

Das beim Online – Dating geflunkert wird, gehört fast schon zum“Guten Ton“. Der achtzigjährige Roy (Ian McKellen und die elegante Witwe Betty (Helen Mirren) sind da keine Ausnahme. Während er in seinem Dating – Profil Nichtraucher ankreuzt, zieht er genüsslich an einer Zigarette.

Während sie vorgibt keinen Alkohol zu trinken, schlürft sie genüsslich ein Glas Rotwein.Auch mit ihren wahren Vornamen nehmen sie es nicht so genau, Im Netz gibt sie sich als Estelle aus und er als Ron.

Die pensionierte Oxford – Dozentin, die vor kurzem ihren Mann verloren hat sucht eine Begleitung, während der vereinsamte Roy, dessen einziger Sohn in Australien lebt, sein Häkchen bei Romantik setzt. Sie ahnt nicht im geringsten, dass sie es mit einem Trickbetrüger zu tun hat, der die Witwe um ihr Vermögen prellen will. Nach einigen Treffen, nistet er sich bei ihr ein. Die Warnungen ihres Enkels (Russel Tovey) prallen an ihr ab. Längst ist sie seinem Charisma und Charme erlegen.

Regelmässig hat der professionelle Hochstapler mit seinem Kumpel Vincent (James Carter) gutgläubige, alleinstehnde ältere Damen, um ihre Ersparnisse betrogen. Doch Betty soll sein letztes Opfer werden. Schon beim ersten persönlichem Kennenlernen, beteuert er , dass ihm Ehrlichkeit ganz besonders wichtig sei. Das Hochstapler besonders gute Schauspieler sein müssen, beweist der Alte im Fortlauf der Handlung bestens. Das geht so weit, das er auch vor einem Mord nicht zurückschreckt. Als Killer ist er genauso gerissen, wie als Betrüger. Ist Betty wirklich so naiv und arglos wie es scheint?

Das Drehbuch basiert auf dem vor drei Jahren erschienenen Roman „The good Liar – Das alte Böse“ von Nicholas Searle. Eine Geschichte über Lug und Betrug, ein Katz-und Mausspiel mit verblüffenden Wendungen. Während einer gemeinsamen Reise nach Berlin, zieht Betty eine Trumphkarte aus dem Ärmel, auf die man in den kühnsten Träumen nicht gekommen wäre und man fragt sich wer hier wen an der Nase herumführt. Nicht immer ganz logisch aber es bereitet höchstes Vergnügen den beiden Vollblutschauspielern dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig belauern und hinterhältig umgarnen. Regie: Bill Conden