TRÄUM WAS SCHÖNES START : 17.08. 2017

Der neunjährige Massimo ist ein glückliches Kind. Seine Mutter kümmert sich liebevoll um ihn. Sie erzählt ihm Gute-Nacht-Geschichten, scherzt und lacht mit ihm. Die letzten Worte, die sie ihm mitgibt, als sie ihn zu Bett bringt: “Träum was Schönes“. In der Nacht hört man einen markerschütternden Schrei. Als Massimo aufwacht, ist seine Mutter nicht mehr da. Man erzählt dem verstörten Kind, dass seine Mutter Gott gebeten hat, in den Himmel zu kommen, um sein Schutzengel zu sein. Das plötzliche Verschwinden seiner geliebten Mutter hat Massimo zeitlebens traumatisiert. Sein Vater zeigt wenig Herzlichkeit und als eine fremde Frau im Haus auftaucht und der kleine Junge sie küssen will, weist sie ihn mit den Worten, lass das, ich bin nicht deine Mutter, ab. Auch dreissig Jahre später, er ist inzwischen ein angesehener Journalist und Fotoreporter, weiss er immer noch nichts über die wahre Todesursache. Sein Vater und seine Verwandtschaft hüllen sich in tiefes Schweigen. Der Padre redet ihm ins Gewissen:“Er soll sich doch endlich eingestehen, dass seine Mutter tot ist und nicht allen erzählen, dass sie noch lebt“. Am schönsten sind die berührenden Rückblenden, in denen Regisseur Marco Bellocchino die fröhliche Kindheit des Jungen erzählt. Erst als Massimo längst erwachsen ist, zeigt sein Vater ihm Mitgefühl und gibt ihm zu verstehen, dass er genau wusste, wie sehr er gelitten hat. Niemand konnte und wollte ihm die Wahrheit sagen. Der
Katholizismus verbietet es aufs Strengste, einen Suizid zu begehen. Auch die Schuldgefühle bei den Angehörigen, besonders bei Kindern sind immens gross. TRÄUM WAS SCHÖNES -FAI BEI SOGNI basiert auf dem Roman des italienischen Autors Massimo Gramellini. Das Buch wurde 2012 veröffentlicht und erschien unter dem gleichen Titel „Träum was Schönes“ auf Deutsch. Bellocchio: „Ich habe dieses Buch nicht verfilmt, weil es ein Bestseller ist, sondern wegen der Themen und der dramatischen Situationen. Massimo, ein erwachsener Mann und als Journalist etabliert, wacht eines Tages auf und muss sich mit den Wurzeln seines Schmerz auseinandersetzen“.  2016 eröffnete der Film die Directors`Fortnight der 69. Filmfestspiele in Cannes und wurde mit Standing Ovations gefeiert. Ein Film voller starker Momente, mit 134 Minuten Länge, trotz seiner Komplexität und emotionaler Tiefe, etwas arg lang geraten.

Darsteller: Valerio Mastandrea, Bérénice Bejo, Guido Caprino, Barbara Ronchi. Grossartig, Massimo als Kind, Nicolò Cabras.

DER STERN VON INDIEN START: 10.08.2017

Vor genau 70 Jahren, am 15. August 1947 erhielt Indien nach Jahrzehnte langen Auseinadersetzungen mit der britischen Kolonialmacht die Unabhängigkeit. Geteilt wurde das Land in ein hinduistisches Indien und ein muslimisches Pakistan. Etwa 8,4 Millionen Menschen siedelten sich zwischen Indien und Pakistan um. Bei den Unruhen kamen mehr als eine Million Menschen ums Leben. Als der neue Vizekönig von Indien, Lord Mountbatten, Onkel von Prinz Philip, mit seiner Frau in seinem herrschaftlichen Palast in Delhi eintrifft, begreift er ganz schnell, dass es sich hier nicht um eine reine Verwaltungsangelegenheit handelt. Auf dem Subkontinent toben ethnisch religiöse Konflikte zwischen Hindus, Muslimen und Sikhs. Der deutsche Titel „Der Stern von Indien“ führt leicht in die Irre. Das Herzensprojekt der indisch-britischen Filmemacherin Gurinder Chadha (Kick It Like Beckham), ihre Grosseltern wurden zum Opfer der Separationsteilung, die Millionen von Menschen in die Flucht trieb, heisst im Original „Viceroy`s House“. Und um dieses Haus geht es eigentlich. Ein Hofstaat vom Feinsten erwartet die Mountbattens. Eine Hundertschaft von Bediensteten steht für sie bereit, um für ihr Wohl zu sorgen. Edwina Mountbatten (Gillian Anderson), die sich sehr für die indische Kultur interessiert, ordnet als erstes an, den britisch-europäischen Speiseplan zu ändern und traditionelle, lokale indische Speisen zu servieren. Ihr Mann (Hugh Bonneville) hat die schwere Aufgabe, Indiens Unabhängigkeit ohne einen Bürgerkrieg zu entfachen, über die politische Bühne zu bringen. Er widmet sich den militärischen Aufgaben, sie hingegen ist trotz ihrer adligen Herkunft sozial links orientiert. „Wir sind hierher gekommen, um dem Land Frieden zu bringen und nicht, um das Land auseinander zu reissen“. Die politischen Strippenzieher entscheiden nach ihren eigenen Gesetzen. Eingebettet in das poitische Desaster ist die anrührende Liebesgeschichte zwischen dem am Hofe jungen Angestellten Hindu Jeet (Manish Dayal) und der schönen Muslima Aalia (Huma Qureshi), die von ihrem Vater (Om Puri) einem Anderen versprochen wurde. Auch hier gilt der Grundsatz: Es wird geteilt, was eigentlich zusammen gehört. Chadhas Film orientiert sich stark am Mainstream, schafft es aber, die historisch brutale Realität in den Mittelpunkt zu stellen und den Zuschauer zu veranlassen, dem Historiendrama mit echter Anteilnahme zu folgen. Dekor und Kostüme sind eine wahre Augenweide. Gegenwartsbezogene Anspielungen, wie bürgerkriegsähnliche Zustände im Nahen Osten und den daraus resultierenden Flüchtlingsströmen, werfen die Frage auf, ob man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Leider, leider muss man die Frage mit einem klaren Nein beantworten. Der Film deckt Vieles auf, was man vorher noch nicht wusste. Der „Mountbattenplan“ führte zur Tragödie und  Zerstörung.

DALIDA START: 10.08. 2017

1933 wurde Iolanda Cristina Gigliotti in Kairo geboren. Weltruhm erlangte sie unter ihrem Künstlernamen Dalida. Hinter der glamourösen erfolgreichen Fassade , verbarg sich ein zutiefst unglücklicher Mensch. Sie verkaufte mehr als 150 Millionen Tonträger, nahm mehr als 2000 Songs auf und gewann mehr als 70 Goldene Schallplatten.Der italienische Sänger Luigi Tenco war ihre grosse Liebe. Als er sich 1967 eine Kugel in den Kopf schoss, versucht auch Dalida sich umzubringen. Ihr Suizidversuch am 26. Februar 1967 ist der Ausgangspunkt für die erschütternden und gleichermassen ruhmreichen Lebensstationen einer hochsensiblen und komplexen Persönlichkeit. Der Wunsch nach einem eigenen Kind wurde nicht erfüllt. Der Regisseurin Lisa Azuelos gelingt es einfühlsam den Weg ihrer Karriere und ihre zahlreichen Liebesbeziehungen, drei ihrer Männer wählten den Freitod, miteinander zu verknüpfen. Dalida, eine Frau die ihr Publikum begeisterte und privat ihr Leben einfach nicht in den Griff bekam. Auch ihre Texte spiegelten ihr Seelenleben wieder. Azuelos:“ Sie war ein Opfer des Pechs, denn sie war eine unglaublich moderne Frau in einer alles andere als modernen Zeit. Hätte sie 25 Jahre später gelebt, hätte sie ihr Baby unehelich zur Welt bringen können. Oder unter Bedingugen abtreiben können, die nicht zu ihrer Unfruchtbarkeit geführt hätten. Vielleicht wäre sie dann nicht so verzeifelt und unglücklich gewesen, sich das Leben zu nehmen“.

Geschickt sind die Lieder in die Handlung integriert und die teilweise traurigen Texte kommentieren das Geschehen, Ton und Bild verschmelzen zu einem Ganzen. Wer kennt sie nicht, die Lieder „Am Tag als der Regen kam, oder „Paroles, Paroles“ oder mein ganz spezielles Lieblingsstück „Er war gerade 18 Jahr…..“ . Mit der Newcomerin Sveva Alviti hat Azuelos eine Darstellerin gefunden, die mit ihrer charismatischen und betörenden Ausstrahlung, ihrer Eleganz und Melancholie Dalida zum Verwechseln ähnelt. Dalidas Todestag, 3.Mai 1987, jährte sich in diesem Jahr zum 30.Mal.

FINAL PORTRAIT START: 03.08.17

Der Schweizer Künstler Alberto Giacometti (1901-1966) war einer der bedeutesten Plastiker des 20.Jahrhunderts. Seine ausgemerkelten Bronzefiguren, die an Strichmännchen erinnern, sind ein grosser Teil seines Schaffens, in denen er die Grundfragen der menschlichen Existenz zum Ausdruck bringt. Seine surrealistischen Plastiken und Zeichnungen sind geprägt von einem individuellen unverwechselbaren Stil. Stanley Tucci hätte keinen besseren Protagonisten für die Rolle des kauzigen Künstlers finden können als Geoffrey Rush, der ihm erstaunlich ähnlich sieht. Giacometti bei seinem „Final Portrait“ zuzuschauen sprengt die Grenze zwischen Wahnsinn und Komödie.Ein Getriebener, hin-und hergerissen zwischen Perfektionismus und Launenhaftigkeit. Besonders zu spüren bekommt das ein junger amerikanischer Schriftsteller und Kunstliebhaber, James Lord (Armie Hammer), der während seines Parisaufenthaltes von einem Freund dazu ermutigt wird, bei ihm Modell zu sitzen. Es ist niemand anderer, als Giacometti persönlich. Lord fühlt sich geschmeichelt, ahnt nicht auf was er sich da einlässt. Es dauert nicht länger als zwei bis drei Stunden, gaukelt ihm Giacometti vor. Aus zwei, drei Stunden werden Wochen, in denen Lord ständig seinen Rückflug verschiebt. „Sie sehen brutal aus. Wenn ich sie so male, wie ich sie sehe, würden sie im Gefängnis landen“ schleudert ihm der Neurotiker ins Gesicht. „Von vorn sehen sie brutal aus, von der Seite degenriert“. Jeder andere wäre wahrscheinlich aufgestanden und gegangen. Nicht so James Lord. Mit unendlicher Geduld, fügt er sich den Launen des wankelmütigen Künstler-Genies. Allein das Atelier, vollgestellt mit Sperrmüllmobiliar, verwitterte Holzbalken, blinde Fensterscheiben, sein Geld stopft er in irgendwelche Schubladen, seine Frau beschimpft er mit den Worten, sie sei so schrecklich bürgerlich und banal, er gehe lieber zu den Huren. Jedesmal, wenn Lord denkt , jetzt sei sein Portrait endlich fertig, wird es wieder übermalt. Mit lautem „Oh Fuck-Gebrüll schmeisst er den Pinsel weg und geht lieber ins nächste Bistro um Rotwein zu trinken und sich seiner Geliebten, einer Prostituierten zu widmen.Man merkt Geoffrey Rush die unbändige Spielfreude, die ihm diese Rolle bereitet förmlich an. Mit zersausten Haaren, ausgebeuteltem Jackett, schlechtsitzenden Hosen, ständig eine Kippe zwischen den Lippen, schlurft er zwischen Atelier und Kneipe hin-und her. So amüsant das Aufeinandertreffen dieser beiden unterschiedlichen Typen auch ist, irgendwann nervt es auch. Tucci bleibt zu sehr an der Oberfläche dieses zerrissenen Genies kleben und macht sich nicht die Mühe sein Ego differenzierter auszuleuchten. Und dennoch, hätte man diesem hochbegabten Maler und Bildhauer noch ewig zuschauen können. Am liebsten würde man nach Ende des Films sofort in eine Ausstellung mit seinen Werken hetzen.

PLANET DER AFFEN: SURVIVAL START: 03.08.17

Nun ist er da, der Blockbuster dieses Sommers. PLANET DER AFFEN:SURVIVAL. Ein friedliches Zusammenleben zwischen Menschen und Affen ist endgültig gescheitert. Affenanführer Caesar (Andy Serkis) ist sichtbar gealtert. Er hat sich mit seinen Artgenossen in den Tiefen des Urwalds zurückgezogen, um der „Bestie Mensch“ aus dem Wege zu gehen. Noch hat er die Hoffnung auf eine friedliche Koexistenz nicht aufgegeben. Die Schergen unter der Führung des skrupellosen Colonels (Woody Harrelson) dringen in das geheime Camp ein und töten Caesars Frau und Sohn. Trotz seiner unendlichen Trauer, sorgt er dafür das sein Stamm versuchen soll, sich auf den Weg zu machen, um eine neue Heimat zu finden, so weit wie möglich entfernt von der menschlichen Kreatur. Mit seinen treuesten Anhängern nimmt er die Verfolgung der Soldaten auf. Auf dem beschwerlichen Weg durch die eisige Schneelandschaft treffen sie auf ein stummes Waisenmädchen (Amiah Miller), welches sie fürsorglich unter ihre Obhut nehmen. Ein alter ehemaliger Zooschimpanse, der in einer verschneiten Seilbahnstation haust, schliesst sich ihnen ebenfalls an. Als sie in der winterlichen Landschaft endlich das Lager der Soldaten unter der Herrschaft des Colonels finden, stellen sie fest, dass sie in einem Internierungslager gelandet sind, indem seine Stammesgenossen gefangen sind. Fast die zweite Hälfte der 143 Minuten – Tragödie spielt im verschneiten Lager. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist „Survival“ weitaus düsterer und härter. Der Versuch des Primaten Caesar sich und seine Stammeskreaturen in ein selbstbestimmtes Leben zu führen scheint restlos gescheitert. Andy Serkis, der schon in Peter Jacksons „King Kong“ dem Affen seine Mimik lieh, verleiht dem Menschenaffen Caesar eine zutiefst berührende Gestalt, der man sich nicht entziehen kann. Grandios wie er schnauft und brüllt, Wut und Trauer offenbart, dass einem die Tränen in die Augen schiessen. Dieser Film ist ein grossartiges Plädoyer für alle unterdrückten Kreaturen dieser Welt.

DAS GESETZ DER FAMILIE START: 03.08.17

Sie leben ausserhalb der Gesellschaft in einem der reichsten Landstriche Großbritanniens in einer Wagenburg und das schon seit drei Generationen, inmitten einer idyllischen Wald-und Wiesenlandschaft, drumherum ein Berg von Altmetall. Sie, das ist der berüchtigte Cutler-Clan, bestehend aus Familienpatriarch Colby (Brendan Gleeson), seinem Sohn Chad (Michael Fassbender) samt seiner Familie und einigen Outlaws, die sich dazu gesellt haben. Colby, ein Meister im Koordinieren ihrer kriminellen Aktivitäten, die da sind Einbrüche, Diebstähle und zahlreiche Verkehrsdelikte. Der örtlichen Polizei sind sie längst ein Dorn im Auge, doch sie können der rebellischen Truppe schwerlich erwas nachweisen. Chads 8-jähriger Sohn Tyson blickt bewundernd zu seinem Grossvater auf, genießt er doch so manchen Vorteil gegenüber den anderen Kindern aus der reichen Umgebung. Statt in der Schule zu hocken, darf er mit seinen Kumpeln, in einem frisierten Auto über die Wiesen brettern, ähnlich seinem Vater, der ein Ass im Fluchtwagenfahrens ist. In der Gruppe tummeln sich jedoch auch einige Typen, die für Chaos sorgen und Chad immer mehr dazu bewegen, das dass Milieu für seine Kinder lebensgefährlich werden kann. Schwierig, denn Chad, der nie Lesen und Schreiben gelernt hat, sich nie mit der Frage beschäftigt hat, wie ein Leben für ihn ausserhalb des Clans funktionieren könnte, steht vor einem Dilemma. Auch seine Frau Kelly (Lyndsey Marshal), die nur aus Liebe zu ihrem Mann die alteingesessene Tradition akzeptiert, will ein Zuhause für ihre Tochter und den Sohn, indem nicht ständig die Polizei vor der Tür steht und sie mit Fragen und Untersuchungen löchert. Hinter dem Rücken seines Vaters hat Chad ein kleines Grundstück gefunden, auf dem er mit seinewr Familie in Zukunft leben möchte. Ausgerechnet jetzt plant Colby einen spektakulären Coup in einem der best bewachten und gesicherten Anwesen der Umgebung. Trotz massiver innerer Widerstände, lässt Chad sich darauf ein. Doch diesmal läuft die Sache schief. Ausgerechnet jetzt, wo Chad beschlossen hat, sein Leben zu ändern. Regisseur Adam Smith konnte sich nicht so richtig entscheiden zwischen Drama und Komödie und diese indifferente Haltung lässt die Geschichte leider schwächeln. Mit Gleeson und Fassbender hervorragend besetzt, liegt die Stärke in der Milieuschilderung und ihren Protagonisten, die bei all ihrer kriminellen Energie fest zusammenhalten und füreinander da sind.

BABY DRIVER START: 27.07. 2017

Babys Leidenschaft sind Autos und Musik. Das mit der Musik hat einen traurigen Hintergrund. Als Kind befand er sich auf dem Rücksitz des Autos, indem seine Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen. Seitdem leidet er unter einem quälenden Tinnitus, den er mit lauter Popmusik aus seinem iPod-Kopfhörer zu übertönen versucht. Schon als frühreifer Jugendlicher klaute er Autos, mit denen er durch die Gegend kurvte. Da man so einer geklauten Karre nicht unbedingt ansieht wem sie gehört, muss Baby seine Schuld bei dem berüchtigten Gangsterboss Doc (Kevin Spacey) abarbeiten. Der und seine absolut nicht zimperlichen Mitstreiter sind verantwortlich für minutiös abgewickelte Überfälle  auf Banken, Geldtransporter und Postämter in Atlanta. Baby (Ansel Elgort) muss den Job des Fluchtwagenfahrers gezwungenermassen übernehmen. Doch da die Gangstercrew,  bestehend aus dem aufbrausende Bats (Jamie Foxx) und dem derben Pärchen Buddy (Jon Hamm) und Darling (Elza Gonzáles) ziemlich unterschiedlich tickt und sie sich nicht einigen können, läuft immer mehr schief. Auch Baby hat die Schnauze voll und würde lieber heute als morgen mit der süssen Kellnerin Debora (Lily James) durchbrennen. Das klingt alles nach „schon hundert mal geseh`n“.

Das Besondere ist, dass Regisseur Edgar Wright beinah jede Sequenz des Action-Thrillers um ein Musikstück herum geschrieben hat und dementsprechend wird die Choreografie durch den hämmernden Soundtrack bestimmt. Das, was Baby hört, teilt sich so dem Zuschauer mit. Auch die fast kindlich anmutenden Liebesszenen zwischen Debora und Baby, werden mit dem entsprechenden Sound emotional unterstrichen. Auch wenn Baby nach aussen hin den coolen Kleingangster mimt, spürt man eine verborgene Trauer in ihm, die berührt. Ähnlich wie in „Drive“ mit Ryan Gosling und Carey Mulligan, sind Debora und Baby zwei Aussenseiter, die für ihr bescheidenes Glück entgegen jeglicher Widrigkeit kämpfen. Hier nur einige Titel, die Baby im Ohr hat: Cry Baby Cry (Unloved), Brigton Rock (Queen), Debora (T.Rex). Das Besondere, alle Darsteller bekamen nicht nur wie gewöhnlich das Drehbuch, sondern auch die Liste mit den Songs zugeschickt. So konnten sie sich perfekt auf das spielerische Timing in ihren Szenen vorbereiten.