ELVIS (Viva Las Vegas) Ein Film,wie ein Rausch) Kinostart: 23.6.2022

Im Mittelpunkt ELVIS steht sein berüchtigter Manager Colonel Tom Parker, der am Anfang nach einem Schlaganfall in Las Vegas zusammenbricht und mit einem Rettungswagen in eine Klinik gefahren wird.

Baz Luhrmann beleuchtet in seinem Hollywood-Biopic ELVIS den Aufstieg und Fall des begnadeten King of Rock´n´Roll aus der Perspektive des Colonel Parker.

„I`am the man, who give the world Elvis Presley. A white boy with black hips“. Ständig spricht er von „seinem Jungen.“Als er Elvis Stimme zum ersten Mal im Radio hört, hält er ihn für einen schwarzen Sänger. Man muss schon zweimal hinschauen, um Tom Hanks in der Rolle des Ausbeuters zu erkennen. Er trägt einen Cowboyhut, einen künstlichen Bauch, seine Wangen sind aufgepolstert und er versucht ein überkorrektes Englisch zu sprechen, um seine Herkunft aus den Niederlanden zu verbergen, da er sich illegal in den USA aufhält.

Seine Kindheit hat Elvis in den 50-Jahren in einer politisch ereignisreichen Zeit verbracht.

Aufgewachsen ist er in Tupelo, in der Nähe eines afroamerikanischen Viertels, wo er Freundschaften mit scharzen Jungen hegte und fasziniert von den Gospelgesängen bei den Gottesdiensten war und sein Körper rhythmisch mitzuckte. Während einer der Messen hatte er eine Erscheinung und kippte um.

Die schwarze Musik ist wie ein Rausch für ihn. Später zieht er mit seinen Eltern nach Memphis, wo er sich in der weltberühmten BEALE-STREET mit ihren Vergnügungsvierteln herumtreibt und seine Begeisterung für den Blues entdeckt.

Seine erste Single, bei der er einen neuen Musikstil kreierte war die Coverversion des Songs „That`s All Right (Mama). Einer seiner besten Freunde ist der Bluessänger B.B.King und seine Verehrung gehört Fats Domino und Little Richard. Die schwarze Musik prägte ihn sein Leben lang. Der schmächtige Junge hat sich zu einem Supermusiker entwickelt.

Luhrmann inszeniert seine Hommage an den King of Rock´n` Roll als mitreissenden Rausch aus Bildern und Sound.. Sein Elvis-Darsteller ( Austin Butler) ist charismatisch und sexy und auch seine Hits singt er teilweise selber. Sein aufreizender Hüftschwung ist sogar beweglicher als der, des Originals. Kein Wunder dass seine weiblichen Fans wie wild kreischen. Konservative Politiker,und religiöse Fanatiker liefen Sturm. Luhrman begleitet Presley vom Anfang siner Karriere bis zum tragischen Ende. Auch seine Trauer über den Tod von Martin Luther King lässt er nicht aus, denn Elvis war ein spiritueller Mensch und mit den Schwarzen sehr verbunden.

Als sich der Vorhang öffnet, sieht man das Studio-Logo von Warner Bros, bestückt mit vielen bunten Strasssteinen. Ein Omen auf die schillernden Auftritte, die da kommen werden. 1968 rebelliert Elvis noch einmal gegen seinen Manager. Die Bilder seines Absturzes bleiben uns erspart.

ELVIS – ein überwältigendes Portrait, bei dem die 159 Min. wie im Fluge vergehen.

Australien/USA 2022; 159 Min.R: BAZ LUHRMANN ( Moulin Rouge)D: AUSTIN BUTLER, TOM HANKS, OLIVIA DEJONG, RICHARD ROXBURGH, HELEN THOMSON, ALTON MASON, KELVIN HARRISON;

(Wen es interessiert: „Es gibt eine Biografie von James L.Dickerson „Colonel Tom Parker – Das verrückte Leben des exentrischen Managers von Elvis Presley“ Hannibal Verlag)

SHIVER – DIE KUNST DER TAIKO TROMMEL (Beeindruckender fernöstlicher Konzertfilm)

Kinostart: 23.6. 2022 (BERLIN     Zeiss Großplanetarium    24.+25.6.
BERLIN     Sputnik    23.-29.6.
BERLIN     Kino in der Brotfabrik    23.-29.6.
BERLIN     Filmkunst 66    23.+26.+29.6.
BERLIN     Tilsiter Lichtspiele    23.-29.6.
BERLIN     Ladenkino    23.-29.6.)

SHIVER ist ein ganz besonderer Konzertfilm auf den man sich einlassen sollte, um die unterschiedlichen Rhythmen, die man auf der Taiko, einer traditionellen, japanischeTrommel mit grenzenlosen rhythmischen Möglichkeiten, bis hin zur Ekstase erlebt. Dieser große Trommeltyp muss mit bloßen Holzstäben geschlagen werden, was für die Trommler einen immensen Kraftakt bedeutet.

Taiko bezeichnet man auch die Spielweise des Trommelensembles unter der Leitung des Komponisten Koshiro Hino, der mit seinem Ensemble schon bei den Berliner Festspielen aufgetreten ist.

SHIVER ist ein Film, der ohne Dialoge auskommt und sich ganz auf die Töne, die Musik und die mitreißende Performance des Ensembles konzentriert. Die Aufnahmen entstanden teilweise in abgedunkelten Innenräumen oder draußen im Einklang mit der beeindruckenden Natur auf der Insel Sado. Es entsteht ein rhythmischer Dialog mit der Natur, abklingend und wieder anschwellend. Ein Bach, der zu einem reißenden Wasserfall wird, aufschäumende Wellen und bizarre Wolkenformationenbilden die Kulisse.

In den Räumen, die einem Tempel ähneln, treffen wir auf Trommelgruppen, die aus Glocken und Klanghölzern feine entspannte Töne zum Erklingen bringen und wo auch mal gesungen wird, von taktvollem Klatschen begleitet. Zwischendrin tauchen maskierte Tänzer*innen auf, deren Ritual etwas furchteinflössendes hat.

„Das Portrait des Filmemachers Toshiaki Toyoda über die Zusammenarbeit zwischen dem aufstrebensen zeitgenössischen japanischen Musiker und Komponisten Koshiro Hino und dem von der japanischen Insel Sado stammenden Taiko Performing Arts Ensemble Kodo, ist ein völlig neues und einziartiges audiovisuelles Erlebnis, welches uns staunend in die fernöstliche Kultur entführt.“

Japan 2020 ; 89 Min.

THE BLACK PHONE ( Thriller mit Gruselfaktor) Kinostart: 23.6. 2022

THE BLACK PHONE, ein mitreissender Horrthriller, ist éine Adaption der gleichnamigen Kurzgeschichte von Joe Hill, dem Sohn von Stephen King.

Ein Vorort von Denver im Jahre 1978. Hier lebt der etwa 13-jährige Finney Shaw mit seiner kleineren Schwester Gwen, zusammen mit ihrem zur Gewalt neigenden, verwitweten Vater. Beide werden ständig verprügelt. Finney von seinen Mitschülern und Gwen von dem meist betrunkenen Vater. Gwen hat des öfteren Visionen, die ihr schon Ärger mit der Polizei eingebracht haben, weil die glaubt, sie seien wahr. Sie ist selbstbewusst und mutig und hat ein feines Gespür, sich rechtzeitig bei ihrem Vater zu entschuldigen, bevor es wieder grundlos Schläge setzt.

Die ständige Begleitung der Kinder im Ort ist die Angst. Fünf Jungen sind bereits entführt worden und nicht wieder aufgetaucht.

Auch Finney erwischt es. Ein dunkler Kastenwagen hält. Der Fahrer säuselt etwas von Hilfe und im nächsten Augenblick zerrt er den Jungen in den geräumigen Transporter. Seine Schwester Gwen hat eine ihrer Visionen. Im Traum erscheint ihr der „Grabber“, so wird der Entführer von der Polizei genannt, bleich geschminkt, am Handgelenk eine Traube von schwarzen Luftballons. Sie erzählt den Traum in der Schule.

Von Anfang an wählt Regisseur Scott Derrickson verwaschene grobkörnige Bilder, geprägt von vorausahnendem Grausen.

Finney findet sich in einem schalldichten Kellerraum wieder, einziges Möbelstück eine Matratze und an der Wand ein schwarzes Telefon mit einer Wählscheibe, dessen Kabel durchgeschnitten ist. Ab und zu lässt sich der gestörte Entführer, der eine ziegenartige Satansmaske trägt sehen, um dem Jungen Essen hinzustellen. Dann verschwindet er wieder.

Was der Täter mit ihm vorhat, weiss man nicht. Vielleicht ist es der Genuss der Macht über eine schwächere Person.

Plötzlich klingelt das Telefon. Finney hört die Stimmen der fünf Jungen, die der „Grabber“ bis jetzt ermordet hat. Sie geben ihm Ratschläge, wie er aus seinem Gefängnis fliehen- und sich seinem Peiniger zur Wehr setzen kann.

Derrickson spielt mit so einigen parapsychologischen Elementen, die eher ein Lächeln hervorufen, als den Spannungsbogen zu erhöhen, sowie im Raum bewegliche Geschirrteile.

Es ist Ethan Hawke, der sich hinter der schaurigen Maske verbirgt und seiner Stimme variable, furchteinflössende und gehässige Töne verleiht. Das ist schon schauerlich genug.

Der Film beeindruckt nicht nur durch seinen Gruselfaktor sondern auch durch das überzeugende Spiel des Geschwisterpaare (Mason Thames und Madeleine McGraw), die nichts unversucht lässt, ihren Bruder zu finden, wobei ihre übernatürlichen Kräfte eine grosse Hilfe sind.

USA 2021; 102 Min.; R: Scott Derrickson; D: Mason Thames, Madeleine McGraw, Ethan Hawke, Jeremy Davies, E. Roger Mitchell, James Ransone

PRESS PLAY AND LOVE AGAIN (Kann Musik wie eine Zeitmaschine funktionieren?) Kinostart: 16.6. 2022

Laura (Clara Rugaard) und Harrison (Lewis Pullman) sind frisch verliebt und verbringen einen zauberhaften Sommer miteinander. Sie haben große Freude daran, sich ein ganz persönliches Mixtape mit Liedern, die sie miteinander verbinden, zusammenzustellen und sich immer wieder daran zu erinnern. Doch dann erleidet Harrison einen furchtbaren Verkehrsunfall.

Es dauert vier Jahre bis Laura nach seinem plötzlichen Tod, das Mixtape erneut wieder abzuspielen, als sie entdeckt, dass ihre gemeinsamen Lieblingssongs, sie tatsächlich in die Vergangenheit reisen lassen können. Plötzlich landet sie wieder in Harris Armen.

„Es klingt verrückt, ich kann durch die Zeit reisen. Meine Zeitmaschine ist unser Mixtape. Ich bin immer da, wo das Lied auf dem Tape gerade spielt. Und wenn ich zurückspule, können wir die Ereignisse vielleicht verändern, eventuell auch deinen Tod.“

Das etwas märchenhafte Drama, mit seinen charmanten Hauptdarstellern, wird von der Frage bestimmt: „Ist die Zukunft unausweichlich oder haben wir ein Mitspracherecht?“. Die Songauswahl auf dem Tape ist gut getroffen.Thank you for the music.

OT: PRESS PLAY; USA/ Südkorea 2022; 85 Min; R: Greg Björkman D: Claragard, Lewis Pullman, übrigens der Sohn von Bill Pullman; Danny Glover, Lyrica Ocano

EINE DEUTSCHE PARTEI (Hinter den Kulissen der AfD) Kinostart: 16.6. 2022

Drei Jahre lang hat der Regisseur Simon Brückner (Buch, Regie und Kamera) die AfD begleitet.

„Ich möchte euch kennenlernen wie ihr seid und möchte mehr über euch erfahren, denn ihr seid mir ein Rätsel“. Unzählige Stunden hat er zwischen 2019 und 2021 seine Kamera mitlaufen lassen.

Er ist bei den nicht öffentlichen Fraktionssitzungen dabei, auf Parteitagen, im Bundestag , der Neuköllner AfD Fraktion und geht mit ihnen auf Reisen.

Er kehrt nicht den Jouralisten heraus sondern bleibt ein respektvoller Beobachter, obwohl er sich Dinge anhören muss, die einen sprachlos machen. Bei dem Blick hinter die Kulissen, sehen und hören wir eine zutiefst zersplitterte Partei. Ein Sammelbecken unterschiedlichster Menschen.

Demagogen und Taktierer begegnen gekränkten Konservativen und ihr Aufbegehren gegen ein „dekadentes Establishment“. In manchen Sitzungen begegnet ihm eine lähmende Ratlosigkeit und auch gegenseitiges Misstrauen, als der Berliner AfD-Politiker Frank Christian Hansel, der übrigens der Meinung ist, dass ein Dokumentarfilm der Partei nicht schaden kann, vermutet sein Gegenkanditat auf dem Parteitag, hat sich dafür bezahlen lassen, um ihn „platt zu machen“.

Pressetext: „Simon Brückner kam als Regisseur und Kameramann seinen Protagonisten während der Dreharbeiten so nah, wie es Journalisten in der alltäglichen Berichterstattung nicht möglich ist. Das Außergewöhnliche an diesem Film ist der exclusive Zugang zu zahlreichen Politikern und Gremien auf allen Ebenen der AfD. Dabei arbeitet der Film ohne Interviews und Kommentare und fordert somit das Publikum heraus, sich selbst ein Bild zu machen. Er bietet eine komplexe Erfahrung in einer sonst verschlossenen Welt.“ Die Bilder sprechen für sich.

Während der Pressevorführung wurde des öfteren verhalten gelacht. Die AfD hatte kein Mitspracherecht beim Schnitt des Films. Für den Dokumentarfilm EINE DEUTSCHE PARTEI, den Siegert seit 2018 an der Seite von Simon Brückner mit entwickelt hat, gründete er Anfang 2019 die Produktionsfirma spicefilm GmbH. Uraufgeführt auf der Berlinale 2022. (1Std.50 Min.) Ganz aktuell: Die AfD kann künftig von nur einer Frau oder einem Mann an der Spitze geführt werden, wurde beim Bundesparteitag am Freitag (17.6) im sächsischen Riesa beschlossen. Björn Höcke gibt auf dem Parteitag die Linie vor. (Quelle: Tagesspiegel, 18.6.2022.

A E I O U – DAS SCHNELLE ALPHABET DER LIEBE (Eine Amour fou zwischen einer älteren Schauspielerin und einem Noch-Teenager) Kinostart: 16. 6. 2022

Auszug aus einem Interview mit Nicolette Krebitz. Tagesspiegel (13.6.)

„AEIOU- DAS SCHNELLE ALPHABET DER LIEBE ist auch eine Hommage an West-Berlin-mit der Paris Bar als Kulisse. Ich feiere die West-Berliner Grandezza, diesen kaputten Glamour und auch die Unverschämtheit meiner Heimatstadt. Man konnte für wenig Geld ein sehr gutes Leben in West-Berlin führen. Dadurch entstand so etwas Lautes, Polterndes, was bis nachmittags schläft und dann im Café rumsitzt und schrille Kunst erfindet. In Schöneberg, Kreuzberg und Charlottenburg leben diese Leute immer noch in ihren riesigen Altbauwohnungen mit den alten Mietverträgen und man hat das Gefühl, die Mauer wäre nie gefallen“.

In diese schrille Zeit hat sie ihren Film gepackt.

Die sechzigjährige Anna (Sophie Rois), einst erfogreiche Schauspielerin, wankt aus der Paris-Bar, als ihr ein junger Typ die Tasche wegreisst. Ein junges Mädchen rennt ihm hinterher, so kam die Tasche wieder zu Anna zurück, nur das Portemonnaie fehlt. Sie erzählt die Geschichte ihrem Hausbesitzer und väterlichen Freund Michel (Udo Kier), dem sie noch einige Mieten schuldet.

Ein befreundeter Arzt vermittelt ihr einen jungen Mann, der aus schwierigen, sozialen Verhältnissen stammt und dem sie Sprachunterricht geben soll. Grosse Lust dazu hat sie nicht, doch dann gibt sie nach. Vor ihrer Wohnungstür steht Adrian (Milan Herms), der Junge, der mit ihrer Tasche weggerannt ist. Sie einigen sich darauf, dass er Dienstag und Donnerstag zum Sprechunterricht kommt. Der Junge, der schon bei verschiedenen Pflegeeltern gelebt hat und bei dem es mit der Schule nicht so richtig geklappt hat, möchte Schauspieler werden.

Er überrascht Anna mit zwei Wellensittichen, die er ihr mitbringt. Dann schenkt er ihr eine neue Tasche aber nur, wenn sie die alte wegwirft. Magisch fühlen sich die beiden Aussenseiter zueinander hingezogen. Dank ihrer Hilfe hat Adrian es geschafft, auf der Bühne zu stehen. Adrian hat sich längst in die 30 Jahre ätere Anna verliebt und beide sind in einer unkonventionellen Beziehung gelandet, wobei Anna es mit gesellschaftlichen Vorurteilen zu tun hat. Eigentlich hatte sie mit der Liebe abgeschlossen. Anna und Adrian reisen nach Frankreich. Anna fühlt sich frei, wie noch nie und legt die gesellschaftlichen Benimmregeln ab. Adrian entwickelt eine lässige Kleinkriminalität, an der beide Spass haben. Am Roulettetisch wird sie festgenommen. Sie denkt nicht dran, Adrian bei der Polizei zu verraten. Einen Anruf hat sie. Sie ruft Michel an, der lacht.

Morgens werden die Obdachlosen vom Strand gejagt. So auch Adrian.

Dass Nicolette Krebitz sich was traut, hat sie schon mit ihrem Film „Wild“ bewiesen. Hier schildert sie eine Amour fou zwischen einer älteren Frau und einem Teenager, die sich ihre aussergewöhnliche Romanze nicht kaputt machen lassen. Das kann man gut finden oder aber mit dem Kopf schütteln. Wer auf Verrücktheit steht, wird für diese Liebe Verständnis haben. Nicht ohne Grund hat Krebitz ihre Geschichte ins alte West-Berlin gepackt. Lieber mal etwas Verrücktes tun, als zu versauern.

Deutschland/Frankreich 2022; 104 Min; R: Nicolette Krebitz; D: Sophie Rois, Milan Herms, Udo Kier, Nicolas Bridet, Peter Jordan

MASSIVE TALENT (Der exentrische Schauspieler Nicolas Cage in einer Selbstironie über seinen Charakter) Kinostart: 16.6. 2022

Schauspieler Nicolas Cage startete seine Karriere mal mit ziemlich guten Rollen. In letzter Zeit dann nur noch Trash, um seine Schulden zu bezahlen. Und dann wurde es still um ihn.

In der spaßigen Action-Komödie „Massive Talent“ und Hollywood-Satire macht sich der Schauspieler mit viel Selbstironie über seinen Charakter lustig und das macht er meisterhaft, indem er die Tragik seiner eigenen Vita thematisiert.

Eigentlich hat Nick (Cage) gehofft eine neue Rolle zu bekommen, damit seine Frau und Tochter endlich wieder stolz auf ihn sein können. Teure Rechnungen müssen bezahlt werden und die Alimente für seine Ex sind auch überfällig. Doch beim Casting hat man ihn übergangen. Seine Vorsprechperformance hat den Regisseur abgeschreckt. Enttäuscht überlegt er, mit der Schauspielerei aufzuhören. Um die Schulden endlich zu bezahlen, nimmt er das Angebot, auf Mallorca als Stargast bei dem Millionär Javi Gutierrez (Pedro Pascal), der seinen Geburtstag feiert und ein Fan von ihm ist, aufzutreten. Eigentlich ein Job unter seiner Würde aber die Kohle stimmt. Er freundet sich mit dem reichen Geschäftsmann an, der mit ihm einen Film drehen will. Doch dann wird er widerwillig von der CIA zum Informanten rekrutiert, denn hinter Javis charmanter Gastgeberfassade soll ein skrupelloser Waffenhändler stecken, der in seiner Villa die entführte Tochter eines Politikers versteckt. Die beiden CIA-Agenten reden ihm ein, dass nur er ihnen helfen könne. Und wie gehabt, landet er in einem typischen B-Movie.

Es macht Spass, Javi und Nick zuzuhören, wie sie über ihre Lieblingsfilme reden und Zitate zum besten geben. Es entbrennt ein Wortgefecht über den Kinderfilm „Paddington 2“, das damit endet, dass beide heulend vor dem Fernseher sitzen. In dieser Fiktion seiner selbst, taucht zwischendrin der digital verjüngte Nick aus seiner gefeierten Hollywood-Phase auf und redet ihm ins Gewissen:

„Du bist kein Schauspieler, du bist ein verdammter Filmstar“. Mit entwaffnender Ehrlichkeit karikiert sich Cage selbst, in dem von Tom Gormican tragisch-komisch gedrehten Mix aus Wahrheit und Fiktion.

OT: The Unbearable Weight of Massive Talent; USA 2022; 105 Min.; R: Tom Gormican;

D: Nicolas Cage, Pedro Pascal, Neil Patrick, Lily Mo Sheen, Sharon Horgan, Jacob Scipio, Tiffany Haddish, Paco Léon

FRANCE (Bitterböse Mediensatire) Kinostart: 9.6.2022

France de Meurs (Léa Seydoux) ist eine beliebte Starreporterin, perfekt geschminkt, teuer gekleidet. Sie hat ihre eigene Fernsehsendung: Ein Blick auf die Welt. In ihren Reportagen stellt sie sich gerne in den Mittelpunkt und der Wahrheitsaspekt ihrer Berichte ist fragwürdig. Wenn sie mit ihrem Team in Krisengebieten unterwegs ist, um über die Einmischung Frankreichs im Kampf gegen den IS zu berichten, werden Interviews so hingebogen, wie sie sie gern hätte und die Bilder werden von ihrem Kameramann nach ihren Vorstellungen inszeniert. Alles nur Show..

Am Anfang sieht man sie und ihre Produzentin Lou ((Blanche Gardin) bei einer Pressekonferenz mit Emmanuel Macron im Elysée-Palast, wo er France persönlich anspricht. Mit einer Frage führt sie ihn vor. Bei seiner Antwort, dass er viele Fehler gemacht habe, hört sie schon gar nicht mehr hin, sondern amüsiert sich über die obszönen Zeichen, die ihr Lou aus dem Hintergrund gibt. Beide amüsieren sich köstlich.

Wichtig ist nicht was der Präsident zu sagen hat, sondern, dass die Zuschauer sie am abend in ihrer Sendung mit ihm sehen. Sie selbst ist zu einem Star geworden. Perfekt bewegt sie sich auf roten Teppichen, gibt Autogramme und lächelt für Selfies.

Ihre perfekte Selbstdarstellung bekommt einen Riss, als sie im Moment der Unaufmerksamkeit aus Versehen, einen Mopedfahrer anfährt. Der Mann, Baptiste, ein Migrant, ist verletzt. Er wird für drei Monate arbeitsunfähig geschrieben und kann nun seine Familie nicht ernähren. Zum ersten Mal erscheinen negative Schlagzeilen über France in den Medien. Sie besucht die Familie und verspricht, sich um sie finanziell zu kümmern. Besonders die Mutter fühlt sich geehrt, dass Madame France sie besucht. „Sie ist ein Engel“, sagt sie gerührt.

Ob ihr Verhalten wirklich ehrlich ist, weiss man nicht so recht. Jedenfalls ist diese Situation kein Fake.

Frankreich braucht eine neue sozialpolitische Unterstützung. Bei einer politischen Veranstaltung fragt eine Autogrammjägerin France, ob sie rechts oder links sei. France weiss keine Antwort. Sie hat Tränen in den Augen: „Ich habe alles um glücklich zu sein. Aber ich bin unglücklich“.

Nach und nach werden Stimmen laut die ihr Vorwerfen, sich in ihren Reportagen selbst zu inszenieren.

Ihre Ehe funktioniert auch nicht mehr. Ihr Mann (Benjamin Biolay) macht ihr Vorwürfe, weil sie der Familie von Baptiste 3000 Franc geschenkt hat. Auch den Draht zu ihrem Sohn Jojo verliert sie langsam. Ihre coole Fassade beginnt zu bröckeln.

„Der Bericht über ein Regime, das die Bevölkerung umbringt, ist heute meine letzte Sendung“ sagt sie unter Tränen. Von den Armen wird sie als Tussy aus dem Fernsehen beschimpft.

France begibt sich in einen berühmten Kurort, steigt in einem Hotel ab, in dem berühmte und reiche Leute absteigen, sogar die deutsche Kanzlerin ist da. Von der Terrase hat sie einen herrlichen Blick auf die schneebedeckten Alpen.

„Seit ich hier bin, habe ich nicht mehr das Verlangen, berühmt zu sein, gesteht sie ihrem Therapeuten. Sie lernt Charles Gastro (Emanuele Arioli) kennen, einen Lateinlehrer , der sie erheitert. Sie verliebt sich in ihn. Doch Gastro ist nicht der, den er vorgibt zu sein. Er ist ein Journalist, der vor hat, eine Story über sie zu schreiben und so tut, als ob er sie nicht kennt. France ist zutiefst gekränkt, was man ihr zum ersten Mal wirklich glaubt.

France ist zurück im Sender. Doch was sie mit ihrem Team und ihrem getreuen Kameramann diesmal inszeniert, ist dermassen perfide und wird von ihr moderiert. Von ihrer Produzentin und Freundin erhält sie höchstes Lob. „Ausgezeichnet“, beteuert sie. Durch eine Fahrlässigkeit wird der Schwindel entdeckt. Der Fake ist nicht mehr zu retten. Ein ganz böser Moment in Bruno Dumonts Satire und Medienkritik . Aber auch ein Melodrama über eine geltungssüchtige Starjournastin, deren Leben auf teilweise groteske Weise, aus dem Ruder zu laufen scheint.

Ein Film über Selbstdarstellung und Sensationslust, die in der heutigen Medienlandschaft Gang und Gebe sind. Überzeugend gespielt von Léa Seydoux.

Frankreich/Deutschland/Belgien/Italien 2021; 133 Min.; R: Bruno Dumont („Die feine Gesellschaft) D: Léa Seydoux, Juliane Köhler, Benjamin Biolay, Blanche Gardin, Emanuele Arioli

ZUM TOD MEINER MUTTER (Ein bewegender Film über das Abschiednehmen) Kinostart: 9.6. 2022

Die Filmemacherin Jessica Krummacher hat einen Film über den Tod ihrer 64-jährigen Mutter gedreht. Sie kam in ein katholisches Pflegeheim, unheilbar krank, bei klarem Verstand, konnte sich aber nicht mehr bewegen, litt Schmerzen. Sie wollte so nicht mehr leben, also beschloss sie, nicht mehr zu essen und zu trinken.

Kerstin, die Mutter wird von Elsie de Brauw gespielt, Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum. Die Tochter Juliane von Birte Schnöink.

Juliane ist verzweifelt. Die Mutter kann kaum noch reden. Sie dämmert vor sich hin. Lange ist sie schon krank. Nun kann sie nichts mehr alleine. Sie beschließt Essen und Trinken aufzugeben, denn aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten. Da ihre Gliedmaßen ihr nicht mehr gehorchen, ist sie nicht in der Lage den Todestrunk selbst einzunehmen.

Juliane zitiert am Sterbebett ihrer Mutter Kerstin Simone de Beauvoir: „Wir haben es gelernt im Sexuellen unsere Körper rückhaltlos den anderen zu geben. Aber wir haben noch nicht gelernt, uns auch unsere Seelen gegenseitig anzuvertrauen“. Es wird viel vorgelesen in dem Raum mit dem Krankenbett, einem Nachttisch und einem Schlafsessel, den die Tochter ganz nah zum Bett der Mutter schiebt, wenn sie die Nächte dort verbringt. Was kann sie noch tun als der Mutter so nah wie möglich zu sein, sie mit Dingen zu versorgen, die ihr guttun. Es bleibt nicht mehr viel Zeit. Der Arzt wechselt die Morphiumpflaster, Kerstins Lippen werden rauer, ihre Haut juckt, die täglichen Waschungen werden zur Tortour und Kerstin kann kaum noch sprechen. Juliane rückt immer näher an den Körper der Mutter heran. Sie lauscht ihrem Atem und den mühsam hervorgebrachten Worten.

„Lass mich nachts nicht mehr alleine“ bittet Kerstin lallend. Und immer wieder bittet Kerstin den Arzt um ein schnelles Ende. Es gibt auch noch lichte Momente wenn Besuch kommt, der Erinnerungen vorliest und Kerstin ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

13 Tage sind vergangen, ohne Wasser ohne Brot. „Die Welt ist geschrumpft auf das Ausmaß dieses elenden Zimmers“ sagt Juliane einmal aus dem Off. „Die Verwandlung meiner Mama in einen elenden Leichnam. Was machen wir denn nun? Es ist unmöglich in dein Leid einzudringen. Du stirbst“, flüstert sie der Mutter zu. Wie sieht er aus der Tod? Eine Frage, die weder Mutter noch Tochter beantworten können.

Ich kann mich an keinen Film erinnern, bei dem man dem langsamen Schwinden des Lebens so spürbar und intim nah war, wie hier. Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich behaupten, einen Dokumentarfilm gesehen zu haben. Was die beiden Schauspielerinnern emotional durchmachen, wirkt dermassen echt, dass man tief durchatmet, wenn die Qual endlich ein Ende hat. Irgendwie bleibt ein Gedanke zurück: „Es war gut, dass ich dabei war“. Ein Film der unter die Haut geht.

Deutschland; 135 Min.

EIN GROSSES VERSPRECHEN (Drama) Das bittere Zerwürfnis eines Ehepaares Kinostart: 9.6.2022

Seit 30 Jahren sind Juditha und Erik Bergsström ein Paar. Beide freuen sich auf ihr bevorstehendes gemeinsames Rentnerdasein, das sie genissen wollen. Der Universitätsprofessor wird gerade jetzt pensioniert, als seine Frau, die an Multipler Sklerose erkrankt ist, einen heftigen Schub erleidet.

Juditha will einfach nicht wahr haben, dass sie in vielem auf Hilfe angewiesen ist. Mehr aus Verzweiflung als aus Boshafitigkeit verweigert sie jegliche Hilfe anderer. Sie will keine Haushaltshilfe, auch keine Pflegekraft, auch nicht den Rollstuhl, den Ihr Mann ihr besorgt. Die Physiotherapie lehnt sie auch ab. Da ihr Mann ja nun genügend Zeit hat, kann er sich doch um sie kümmern.Doch alles was er macht, ist falsch. Erik hatte vor, noch ein Seniorenstudium anzufangen und hat nun ein schlechtes Gewissen. In ihrer Hilflosigkeit entwickelt Juditha einen kindlichen Trotz. All das, worauf sie sich gefreut hat, macht die Scheisskrankheit zu nichte. Auch bei Erik macht sich Verzweiflung breit. Er weiss nicht mehr wie er ihr und immer mehr auch sich, noch helfen kann. Seine Frau verfällt in Depression und er hält den Zustand nicht mehr aus.Was wird aus dem gemeinsamen Versprechen……..in guten wie in schlechten Tagen?

In ihrem Debütfilm verarbeitet die Regisseurin Wendla Nölle die persönliche Erfahrung ihrer Eltern mit der MS – Erkrankung.

Können zwei Menschen ein Paar bleiben, wenn sich ihre Lebenssituation plötzlich so schwerwiegend ändert und ihr Leben sich unterschiedlich entwickelt? Wieviele Kompromisse soll ich machen, um nicht selbst zu zerbrechen? Was schulde ich meinem Partner*in und was mir selbst?

Fragen, die auch Wendla Nölle in ihrem berührenden Film, mit seinen beklemmenden Bildern, nicht beantworten kann. Sie überlässt es dem eindringlichen Spiel ihrer beiden Hauptdarsteller Rolf Lassgard , der 14 Jahre den depressiven Komissar Walander gespielt hat und der vielseitigen Dagmar Manzel, deren Gefühlslage in dem ungeschönten, ehrlichen Drama, durchaus verständlich ist. Letztendlich ist es auch ein Film über die LIEBE.

Deutschland 2021; 90 Min.; R: Wendla Nölle; Drehbuch: Greta LoreZ; D: Dagmar Manzel, Rolf Lassgard, Wolfram Koch, Anna Blomeier