DESTROYER START: 14.3. 2019

Detective Erin Bell auf dem Weg zu einem Tatort. Die ungewaschenen Haare stumpf und fusselig, dunkelgeränderte rötliche Augen, sonnengegerbte schmutzige Haut, schlampige Klamotten, die an ihrem ausgemergelten Körper hängen, mit schwankenden Gang, einem Drogenjunkie gleich, nähert sie sich einer männlichen Leiche. Auffällig bei dem Toten, drei dunkle Tätowierungen im Nacken und einige mit Farbe gekennzeichneten Banknoten aus einem Überfall. Bei seinem Anblick muss sich Erin der Vergangenheit stellen. Vor 17 Jahren war sie Teil einer verdeckten Ermittlung, bei dem ihr damaliger Partner getötet wurde.Angesetzt waren sie auf eine Bande von Bankräubern und Drogendealern, einer der Überfälle endete in einer Katastrophe. Beim Anblick des Leichnams wird ihr klar, der Bandenboss muss wieder in der Stadt sein. In ihrer Kaputtheit wird sie zur Rachegöttin, die den verhassten Anführer im Alleingang um jeden Preis zur Strecke bringen muss. Sie scheut sich nicht, wenn nötig auch eine Waffe zu benutzen, um Silas, den kaltblütigen Verbrecher, der die ganze Stadt terrorisierte, dingfest zu machen. Schon alleine deswegen , um ihre eigenen Fehler von damals wieder gutzumachen. Die wie ein Zombie taumelnde, von Schuld getriebene Bell, entwickelt eine unbändige Kraft, bei der Fahndung nach dem „Monster“. Atmosphärisch gleicht das düstere Schuld – und Sühne – Drama einem Film noir. Die Score – Musik unterstützt das durcheinander geratene seelische Innenleben von Bell noch zusätzlich. In Rückblenden erfährt man, dass diese kaputte Frau durchaus bessere Zeiten erlebt hat. Dass ihre Tochter nichts von ihr Wissen will und ins Verderben zu rennen droht, ist ein weiterer Auslöser für Bells Schuldgefühle.

Das der Film so einige Ungereimtheiten enthält, vergisst man schnell. Regisseurin Karyn Kusama konzentriert sich voll und ganz auf ihre Hauptdarsellerin, deren übertriebene Maskerade alles andere in den Schatten stellt.

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ROCCA VERÄNDERT DIE WELT START: 14.3. 2019

„Angst bringt ja nichts“, so lautet das Motto der elfjährigen Rocca. Die Mutter ist bei Roccas Geburt gestorben, der Vater befindet sich für längere Zeit auf der Raumstation ISS. Aufgewachsen ist Rocca auf einer Raketenstation in der kasachischen Wüste, eine Schule hat das patente und unbefangene Mädchen bisher nicht von Innen gesehen. Das ändert sich, als ihr Vater sie nach Hamburg zu ihrer Oma schickt, solange, bis er wieder Boden unter den Füssen hat. Auf dem Flug, landet sie mal eben einen Airbus 380 sicher auf dem Boden und rettet 180 Menschen das Leben, weil die Crew unter einer Fischvergiftung leidet. So richtig erfreut ist Oma Dodo (Barbara Sukowa) nicht. Gibt sie doch ihrer Enkelin tief in ihrem Innern, die Schuld am Tod der Mutter. Ihr Zusammenleben ist von kurzer Dauer. Roccas Eichhörnchen „Klitschko“ erschreckt Oma Dodo so sehr, dass sie nach dem Tier wild um sich schlägt und über den reissausnehmenden Klitschko unglücklicherweise stolpert und im Krankenhaus landet. Rocca und Klitschko allein zu Haus.

In der Schule duzt Rocca frisch – fröhlich den Direktor, setzt sich auf kluge Weise gegen dumm – dreistes Mobbing ein, freundet sich fröhlich mit dem obdachlosen Flaschensammler Caspar an. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, schickt die Schulbehörde die Dame vom Jugendamt vorbei, denn wo kommen wir denn hin, eine 11 – Jährige, die allein in einem Haus lebt? Das geht ja gar nicht. Angst vor Obrigkeiten? Kennt Rocca nicht. Und da ist ja auch noch Caspar (Fahri Yardim), der mal kurz in eine andere Rolle schlüpft und die Dame vom Jugendamt verunsichert aussehen lässt. Ein braves Vorzeigemädchen sieht anders aus.

Die Ähnlichkeit zu Astrid Lindgrens Kultfigur „Pippi Langstrumpf“ lässt sich nicht verleugnen. Die selbstbewusste Rocca, hinreissend gespielt von Luna Maxeiner, verströmt nicht nur eine liebenswerte Warmherzigkeit und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, sondern verfügt über eine „Herzensbildung“, die man in keiner Schule lernen kann. Man kann sich nur wünschen, dass Kinder und Eltern sich von Roccas Wesen eine Scheibe abschneiden und so die Welt vielleicht zu einer besseren verändern. Den Mut dazu, hat noch Niemandem geschadet.  Eine nicht ganz ernstzunehmende Geschichte für Gross und Klein.

Regie: Katja Benrath. Sie hat mit ihrem Langfilmdebüt eine witzige, rührende und positiv verrückte, moderne Pippi Langstrumpf Geschichte erzählt.

THE SISTERS BROTHERS START: 7.3. 2019

Falls Jemand denkt hinter dem Filmtitel verbirgt sich ein hintergründiges Wortspiel, den muss ich enttäuschen.

Die beiden ungleichen Brüder Eli (John C.Reilly) und Charlie (Joaquin Phoenix), die als Kopfgeldjäger unterwegs sind, heissen ganz schlicht und einfach Sisters mit Nachnamen.

Oregon, 1851. Im Auftrag des geheimnisvollen Commodore (Rutger Hauer) ziehen sie durch den Nordwesten Amerikas bis nach Kalifornien, ein Land, das damals dem Goldrausch verfallen war. Wer sich ihnen in den Weg stellt, muss dran glauben. Und wenn es einen Unschuldigen trifft, dann ist es auch egal. Charlie liebt die Gewalt, besonders wenn er wie so oft, betrunken ist, während Eli aufhören möchte und sich nach einem bürgerlichen Leben sehnt. „Wir haben genug Geld, um einen Laden aufzumachen“. Damit stösst er bei Charlie auf Granit. Jeder von ihnen trägt eine Portion emotionalen Ballast mit sich herum. Eli, der sich um seinen jüngeren Bruder sorgt und Charlie, der an einem Schuldkomplex für eine Tat leidet, die er in frühen Jahren begangen hat.

Diesmal sollen sie nicht irgendwelche unliebsamen Geschäftsleute aus dem Weg räumen, sondern sich an die Fersen des Detektivs Jim Morris (Jake Gyllenhaal) heften, den der Commodore beauftragt hat, einen gewissen Hermann Kermit Warm (Riz Ahmed) ausfindig zu machen, der eine Formel erfunden haben soll, die das Schürfen von Gold erleichtert. Eli und Charlie sollen die Formel , egal mit welchen Mitteln, aus ihm herauspressen. Die Gier nach Gold ist überall spürbar.

Das Morris und Warm dicke Freunde werden und verschwinden, damit hat Niemand gerechnet. Die Gebrüder Sisters  nehmen die Verfolgung auf und geraten in mehr oder weniger blutige Auseinandersetzungen.

Der französische Regisseur Jacques Audiard hat einen Western der besonderen Art gedreht. Angereichert mit den üblichen Versatzstücken wie schiesswütige Gewalt, Sauforgien und Bordellbesuche, findet man erstaunlich viel warmherzige Elemente und humorvolle Dialoge. Das absolute Herzstück des Films, ist die Beziehung der beiden Brüder, gefolgt von der Gier nach Reichtum und was das mit den Menschen macht. Audiard beschert dem Zuschauer ein Filmende, was man garantiert nicht erahnen kann.

Audiard wurde beim Festival in Venedig 2018 mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie belohnt. Eine Goldene Palme für seinen Film „Dämonen und Wunder“ hat er bereits.

WHITE BOY RICK START: 7.3. 2019

Mit WHITE BOY RICK verfilmte Regisseur Yann Demange die unglaublich wahre Geschichte des 14-jährigen Rick Wershe Jr. (Richie Merritt) aus Detroit in den 1980ern, einstmals Hochburg der Autoindustrie,verkommen zu einem Ort der Drogen und Waffenkriminalität. Sein Vater betreibt einen zwielichtigen Handel mit Schnellfeuerwaffen, die er an schwarze Gangs vertickert. Sein grosser Traum ist es, eine Videothek aufzumachen. Aber Niemand glaubt so recht an diesen Wunsch. Seine den Drogen verfallene Tochter hasst ihren Vater, der sich alleinerziehend bemüht, seinen Kindern ein guter Vater und Freund zu sein. Auch Rick weiss nicht so recht, was er machen soll und geht seinem Vater bei dem Waffenverkauf zur Hand, da auch er guten Kontakt zu dem kriminellen Milieu der berüchtigten Gangs hat. Besonders geniesst er das Vertrauen der Curry Familie, die den Drogenhandel fest im Griff hat und die ihm den Spitznamen „White Boy Rick“ gegeben hat. Ihr Einfluss reicht bis in die höchsten Kreise der Stadt. Rick gerät ins Visier des FBI, welches ihn als Informanten einstellt, um in dessen Auftrag, verdeckt zu ermitteln. Die FBI Beamtin, gespielt von Jennifer Jason Leigh, lockt ihn mit dem Versprechen, dass er mit seiner Spitzeltätigkeit, seinen Vater vor dem Knast bewahren kann. Als der Deal den Beamten vom FBI zu heiss wird, denn Rick mausert sich zum jüngsten Drogenboss der Stadt, lassen sie ihn fallen. Der Junge ist 17 jahre alt, als ein US – Gericht ihn zu zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

McConaughey berührt in der Rolle des raubeinigen Vaters, der sich grosse Mühe gibt, seinen Kindern ein guter Vater zu sein, was in einer Welt von Armut und Gewalt schwer umzusetzen ist. Ergreifend die Szene, in der er seiner Tochter bei ihrem qualvollen Drogenentzug zur Seite steht.

Eine packende Milieustudie, gleichzeitig Drama und Thriller, mit dem Blick auf die unglaublich hinterhältigen Machenschaften der amerikanischen Justiz.

BEALE STREET START: 07.03 2019

James Baldwin (1924 – 19879), in New York geboren, war einer der bedeutesten US – amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seine Maxime: „Schreib über das, was du kennst“.

Susanne Kippenberger (Tagesspiegel 24. 2.2019): „Seinen Texten wohnt eine seltene Wucht und Klarheit inne. Vielleicht erfährt James Baldwin deswegen ein Revival.“

Berry Jenkins („Moonlight) hat mit „Beale Street“ einen Film gemacht, der tief unter die Haut geht und mitten ins Herz trifft.

„Ich wünsche Niemandem einen Menschen , den er liebt, durch Glas zu sehen.“ Es sind die bitteren Worte, die die 19-jährige Tish (Kiki Layne) spricht, als sie ihren Geliebten Fonny (Steven James) im Gefängnis besucht. Alonzo, genannt Fonny, sitzt wegen einer Vergewaltigung, die er nicht begangen hat, im Knast.

Zögernd erzählt ihm Tish als ersten, dass sie ein Baby erwartet. Die romantische Liebesgeschichte dieses jungen schwarzen Paares, wird vor dem Hintergrund des herrschenden Rassismus, in Rückblenden mit den Worten Baldwins,erzählt.

Harlem in den Siebzigern und leider auch noch heute aktuell.

Tish und Fonny kennen sich seit Kindheitstagen und verlieben sich ineinander. Eine der zärtlichsten visuellen Beschreibung ihres „ersten Mals“, die man je auf der Leinwand gesehen hat. Starken Rückhalt findet das afroamerikanische Paar in Tishs Familie. Es sind die äusseren Umstände, die ihren Start in ein gemeinsames Leben, erschweren. Eine diskriminierende Auseinandersetzung mit einem weissen Polizisten, bei der sich Fonny nicht unterkriegen lässt und durch dessen hasserfüllten Racheakt er hinter Gefängnismauern verschwindet.

In einer ergreifenden Szene, sitzt Fonnys entlassener Jugendfreund (Brian Tyree Henry) bei ihnen am Küchentisch und erzählt von seinem Gefängnisaufenthalt. „Im Knast machen sie mit dir was sie wollen. In diesem Land mögen sie einfach keine Nigger. Im Knast wurde mir klar, was Malcolm mit seinem Ausspruch der weisse Mann muss der Teufel sein, meinte“. Dank eines mitleidvollen New Yorker Juden (Dave Franco) hat das Paar seine Wohnung gefunden. Das Geld für den Anwalt, schafft Tishs und und Fonnys Vater gemeinsam mit illegalen Geschäften an. Mrs. Rogers, die Hauptzeugin des Vergewaltigungsprozesses, hat sich nach Puerto Rico abgesetzt. Tishs Mutter (Regina King), die als einzige, einen Oscar für die beste Nebendarstellerin bekommen hat, sucht sie dort auf, um die junge Frau zu bewegen, die Wahrheit zu sagen. Ergebnislos.

Jenkins Bilder sind in warme Farbtöne getaucht. Jenkins versteht es, eine herzergreifende Nähe zu seinen Darstellern aufzubauen, deren einziges „Verbrechen“ darin besteht, mit schwarzer Hautfarbe geboren zu sein. Eine sinnlich betörende Lovestory, die man sich mehr als einmal ansehen kann und die trotz aller Zartheit und der Kraft der Liebe, ein Gefühl der Wut hinterlässt. Noch heute gehört es zum amerikanischen Alltag, dass Schwarze ohne fairen Prozess im Gefängnis landen.

HELMUT BERGER, MEINE MUTTER UND ICH START: 07.03. 2019

Diesen Film hätte es nicht gegeben, wäre da nicht die resolute Bettina Vorndamme, eine Finanzkontrollerin aus Niedersachsen. Als sie im Netz den Namen Helmut Berger eingibt und jede Menge hässliche Berichte über ihn findet, beschliesst sie das zu ändern. Sie will ihn, im positiven Sinne, wieder zurück in die Öffentlichkeit bringen, indem sie einen Spielfilm mit ihm drehen möchte. Ihre Tochter, Valesca Peters, kann ihr die Idee mit dem Spielfilm ausreden. So einigen sich die beiden Frauen darauf, mit dem ehemals „schönstem Mann der Welt“ eine Dokumentation zu drehen. Berger sagt nicht nein und zieht bei Bettina Vorndamme, wohnhaft in Nordsehl, ein.

Berühmt wurde Berger, der nie eine Schauspielschule besucht hat, mit Luchino Viscontis Film „Die Verdammten“. 12 Jahre waren die beiden ein Paar. Sein Tod war für Berger äusserst schmerzhaft. Mit ihm hat er eine starke Stütze verloren.

Berger fühlt sich sichtlich wohl in Bettinas Bauernhaus, umgeben von einem grossen Garten. Auch geniesst er die Zuwendung von Mutter und Tochter. Als Oma ihr schönstes Geschirr rausholt und zum Kaffee einlädt, blüht er regelrecht auf.

„Im Alter haben Erinnerungen denselben Stellenwert wie in der Jugend die Träume“. Und zu erzählen hat er viel. Für ihn gibt es keine wohligere Wärme als das Rampenlicht.

Es ist eine Freude mitanzusehen, wie die Filmemacherin Valesca Peters nicht nur das Kennenlernen zwischen  Helmut und ihrer Mutter dokumentiert, sondern der Diva Berger viel Spielraum gibt und dem teilweise verbitternden und gebrechlichen alten Mann ein Stück Würde zurückgibt.

Höhepunkt ist das Angebot in der Berliner Volksbühne in dem Stück LIBERTÈ , Regie Albert Serra, aufzutreten.

Mit Sack und Pack machen sich Mutter und Tochter mitsamt Helmut auf den Weg nach Berlin. Im Leben des Dreiundsiebzigjährigen ist es der erste Bühnenauftritt. „Ich weiss nicht, ob die Bühne Freund oder Feind ist“ bemerkt er skeptisch. Ziemlich fragil betritt er die Bretter, die die Welt bedeuten. Der Applaus tat ihm gut. Bettine Vorndamme war längst abgereist. Es gab einen Streit. Das wochenlange Zusammenleben war nicht nur eitel Sonnenschein. Die Charaktere zu unterschiedlich. Eine kapriziöse Diva bleibt eine solche. Und als er in Berlin wieder zu trinken anfing, war es zu viel für Frau Vorndamme. Dennoch, Bettina wurde für den besten italienischen Schauspieler aus Österreich, zur ersten deutschen Freundin.

THE HATE U GIVE START: 28.2.2019

Angie Thomas Debüt – Roman „The Hate U Give“ erzählt die berührende Geschichte der 16-jährigen Starr, die mitansehen muss, wie ihr unbewaffneter Freund Khalil von einem Polizisten bei einer Routinekontrolle erschossen wird. Ihr Manuskript wurde zuvor von 150 Agenten abgelehnt. Seit dem Erscheinen vor etwa zwei Jahren, erntete sie einen grossartigen Erfolg. Ihr Buch hat sich weltweit mehr als zwei Millionen mal verkauft, stand 100 Wochen auf der Bestsellerliste der „New York Times“, erhielt unzählige Auszeichnungen, unter anderen, den Deutschen Jugendbuchpreis.

Gerade ist ein Nachfolgeband auf Deutsch erschienen, unter dem Titel „On the ComeUp“. In beiden Bänden gibt sie der schwarzen Jugend eine Stimme.

Der Film, der den gleichen Titel trägt, zeigt auf spannende und mitreissende Weise, das Rassimus – Elend, in dem der 16-jährige Teenager lebt.

Starr war 9, als ihr Vater ihr das erste Mal eindringlich erklärte, wie sie sich zu verhalten habe, wenn sie in eine Polizeikontrolle kommt. „Als Afro – Amerikanerin, musst du immer damit rechnen, eine Bedrohung für die  Weißen darzustellen.

Starr lebt mit ihrer Familie, ihrem Vater Maverick, der genau weiss, wovon er redet, denn er sass bereits im Knast, ihrer Mutter Lisa, ihrem älteren Halbbruder Seven und dem einjährigen Sekani, in einem fast ausschliesslich von Schwarzen bewohnten Viertel. Die Kriminalitätsrate ist hoch. Keine Party, auf der nicht rumgeballert wird. Starr geht auf eine Privatschule, die überwiegend von Weißen besucht wird. Ihre Eltern haben es nicht geschafft, das Ghetto zu verlassen, also soll wenigsten Starr es einmal besser haben. Sie verhält sich so unauffällig wie möglich. Das sie aus einem Vorort kommt, in dem die Bandenkriminlität zum Alltag gehört, versucht sie zu verschweigen. Als ihr bester Freund in ihrem Beisein bei einer Fahrzeugkontrolle von einem Polizisten erschossen wird, gerät ihr Leben, zwischen den zwei ungleichen Welten aus den Fugen. Der Tod des unschuldigen Jungen führt zu Ausschreitungen der schwarzen Bevölkerung. Starr, die einzige Zeugin des ungeheuerlichen Vorfalls, steht vor einer schwierigen Entscheidung. Soll sie schweigen, um ihre Zukunft nicht zu gefährden oder soll sie laut werden und ihre Stimme gegen die ungerechte Tat erheben. Auch bei ihren weißen Freundinnen bemerkt sie plötzlich rassistische Vorurteile.

Wie schon in der literarischenVorlage, richtet sich auch der Film an ein jugendliches Publikum. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der jungen Starr, bewegend gespielt von Amandla Sternberg („Du neben mir“), der es grossartig gelingt, ihre Ambivalenz zwischen Schwarz und Weiß zum Ausdruck zu bringen. Deutlich wird gezeigt, was die Auswirkung von Rassismus mit Jugendlichen und Kindern macht, wie sie leiden und ihr Leid von Generation zu Generation weitergetragen wird. Regisseur George Tillmann Jr. hat sich für eine ruhige und gelassene Erzählweise entschieden.

Das Leitmotiv des Teenagerdramas stammt von dem Satz des Rappers Tupac Shakur „The hate u give  little infants fucks everybody“. (Der Hass, den du an die Kinder weitergibst, versaut alle.)

Ein besonderer Einfall Tillmanns ist die Lichtveränderung, die er für die zwei verschiedenen Welten wählt. Starrs Viertel ist in warme dunklere Töne getaucht, die Gegend der Wohlhabenden, in der ihre Schule steht, in kühle, bäuliche Töne.  Am Ende gibt es einen Hoffnungsschimmer.