HEUTE GEHE ICH ALLEIN NACH HAUSE Teddy-Award Gewinner 2014 Im Salzgeber Club, abrufbar als Video-on- Demand. ( salzgeber.de/heutegeheichalleinnachhause | vimeo.com/store/ondemand/…

Mit „Heute gehe ich allein nach Hause“, einer Weiterentwicklung seines preisgekrönten dritten Kurzfilms, stellt Regisseur Daniel Ribeiro einen von Geburt an blinden Jugendlichen in den Mittelpunkt seiner warmherzigen Geschichte, die auf der Berlinale 2014 mit dem Teddy – Award ausgezeichnet wurde und im Salgeber Club als Video-on- Demand abrufbar ist.

Leonardo (Ghilherme Lobo) und seine beste Freundin Giovana (Tess Amorim) lümmeln am Pool rum und unterhalten sich über das Küssen, wie es wohl wäre, seinen ersten Kuss zu bekommen. Giovana langweilt sich, weil nichts Großartiges passiert. Sie ist in Leo verliebt und hofft auf einen Kuss von ihm.

Leo, der zuhause mit seinem Handicap gut zurechtkommt, ist draussen auf Hilfe angewiesen. Nach der Schule bringt ihn Giovana, die er liebevoll Gi nennt, täglich bis zur Wohnungstür und ist auch sonst an seiner Seite.

In der Schule nehmen ihn einige Mitschüler nicht ernst und machen sich über ihn lustig. Dabei möchte Leo nicht anders behandelt werden, wie jeder andere auch. Es nervt ihn, dass seine Mutter ihm nichts zutraut und ihn überfürsorglich behandelt. Um dem zu entfliehen, würde er gerne für einige Zeit als Austauschschüler nach Amerika gehen, wo ihn keiner kennt.Zusammen mit Gi sucht er eine Agentur auf, um sich zu erkundigen, ob es auch für Blinde diese Möglichkeit gibt. Das er Sao Paulo verlassen könnte, gefällt ihr nicht.

Gabriel (Fabio Audi) , ein neuer Schüler kommt in ihre Klasse und setzt sich auf den freien Platz neben Leo. Gi beschreibt ihn als ausgesprochen hübsch.

Die Lehrerin verteilt eine Hausaufgabe, die paarweise erledigt werden soll. Die Paare, die sich zusammen finden, sollen gleichgeschlechtlich sein. Von nun an, tritt eine Veränderung in Leos bisherigen Alltag ein. Anstatt die gemeinsame Hausarbeit mit dem neuen Mitschüler zu machen, gehen Leo und Gabriel ins Kino. Gabriel erklärt ihm, was auf der Leinwand zu sehen ist. Er bringt ihm das Tanzen bei, Leo ihm die Blindenschrift. Sie schleichen beide im Dunklen aus Leos Zimmer und Gabriel erkärt ihm, was eine Mondfinsternis ist. Leo ist glücklich, dass ihn ausser Gi, sein neuer Freund ganz normal behandelt. Doch Gi fühlt sich vernachlässigt und reagiert mit Eifersucht. Und dann ist da noch Karina (Isabella Guasco), die den neuen Mitschüler anhimmelt.

Der brasilianische Regisseur erzählt seine Geschichte über seine jugendlichen Protagonisten, die an der Schwelle des Erwachsenwerdens stehen mit unglaublich leichter Hand. Ihre Liebesnöte, ihre Selbstzweifel werden nicht dramatisiert. Gabriel erklärt Leo, dass er nichts mit Karina hat. Er liebt Jemanden, den er auch kennt und den er auch schon geküsst hat. Es ist Leonardo. Ein Satz, ausgesprochen, mit einer umwerfenden Natürlichkeit, die man so auch noch nicht gehört und gesehen hat. Ein wunderbar warmherzig und mit viel Feinfühligkeit erzählter Film über Freundschaft, das Erwachen von Gefühlen und der Suche nach dem eigenen Ich.

Brasilien 2014. 96 Min.

BRUNO MANSER – DIE STIMME DES REGENWALDES Kinostart: 22.10.2020 (Eine wahre Geschichte in atemberaubenden Bildern)

1984.

Der 29-jährige Schweizer Bruno Maser reist in den Dschungel von Sarawak, dem malaysischen Teil auf der Insel Borneo. Fern der modernen Zivilisation möchte er seinen Traum realisieren. In einem der ältesten Regenwälder der Welt begibt er sich auf die Suche nach einem der letzten Nomadenvölker der Erde: den Penan. Tagelang streift er mutterseelenallein durch den dichten Dschungel und lauscht den Geräuschen der herrlichen Natur. Auf seiner abenteuerlichen Suche stößt er endlich auf eine Penan-Sippe. Er folgt ihnen mit respektvoller Distanz und beobachtet ihre Lebensweise. Als die Penan den Fremden entdecken, sind sie irritiert. Es dauert nicht lange, bis Manser ihr Vertrauen gewinnt. Häuptling Along Sega nimmt den merkwürdigen weißen Mann unter seine Fittiche und bringt ihm alles bei, was man zum Überleben im Dschungel braucht. Nach und nach lernt er ihre Sprache und läuft wie sie, nur mit einem Lendenschurz bekleidet, herum. Noch ahnt er nicht, daß die Begegnung mit dem friedliebenden Volk sein Leben für immer verändern wird.

Als die Penan auf dem Weg in ein neues Jagdgebiet sind, entdecken sie, daß Holzfäller ein riesiges Gebiet des Regenwaldes abgeholzt haben. Es stellt sich heraus, daß der größte Teil der Penan-Gebiete durch die neue Regierung zur Rodung frei gegeben wurde. Mit dem Export von Tropenholz nach Europa soll Malaysia zu einer Industrienation aufsteigen. Das bedeutet für die Penan, ihr Lebensraum wird zerstört. Manser überzeugt Sega und die Penan, für ihr Land zu kämpfen. Sie schließen sich mit weiteren Penan-Sippen zusammen und beginnen die Holzfällerstrassen zu blockieren, um die schweren Fahrzeuge an der Weiterfahrt zu hindern und damit die Holzindustrie zu stoppen. Ihr Widerstand weckt das Interesse der Medien. Ein junger Journalist, James Carter Long, bietet Manser an, sich bei der Regierung für ihre Landrechtsforderungen einzusetzen. Aus den Verhandlungen wird nichts. Stattdessen setzt der Geheimdienstchef Robert Chang ein hohes Lösegeld auf Mansers Kopf aus. Er muss sich im Dschungel verstecken. Heimlich trifft er sich mit Carter-Long, von dem er die neuesten Nachrichten erfährt. Das der ein falsches Spiel spielt bemerkt Manser als Carter-Long gemeinsam mit dem Geheimdienstchef auftaucht und Maser verhaftet wird.

Auf der Fahrt ins Gefängnis kann Maser fliehen. Als er zu Segas Blockadeort zurückkommt, erwartet ihn ein fürchterlicher Anblick. Ein neues Gesetz wurde kurzerhand verabschiedet. Das Blockieren von Holzfällerstrassen wurde als Terrorakt deklariert. Sämtliche Strassensperren wurden niedergerissen und mehrere Penan getötet.

Manser fühlt sich schuldig. Er glaubt, daß er den Penan jetzt nur noch helfen kann,wenn er in die Schweiz zurückkehrt und den Kampf auf ein internationales Parkett bringt.

Acht lange Jahre kämpft er wie besessen weiter. Er verhandelt mit hochrangigen Persönlichkeiten aber was auch immer er anstellt, den Kampf gegen ein globalisiertes Wirtschaftssystem zu gewinnen, ist wie ein Kampf gegen Windmühlen, eine klassische David-gegen-Goliath-Situation.

Obwohl er in Malaysia noch immer als Staatsfeind Nr. 1 gilt, kehrt er heimlich zurück in den Dschungel. Sega ist überglücklich, als er seinen „verlorenen Sohn“ wiedersieht. 2005 wurde Manser offiziell als verschollen erklärt. Er ist spurlos im Dschungel verschwunden.

„Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes von Niklaus Hilber mit Sven Schelker in der Titelrolle lief auf dem Neiße-Filmfestival außerhalb der Kokurrenz als Eröffnungsfilm und wurde von der Schweiz für den Auslands – Oscar 2021 nominiert. Der Film erzählt die wahre Geschichte des Umweltaktivisten Bruno Manser in atemberaubenden Bildern. Sven Schelker verkörpert den passionierten Naturfreund mit großer Verletzlichkeit. Hilber hält sich bewußt nicht immer an die historischen Fakten. Das Drama von Manser überspannt einen sehr langen Zeitraum. Für ihn war es wichtig den Fokus auf Mansers Kampf für den Regenwald und die Vertreibung der Penan zu richten und den Namen Bruno Manser auch außerhalb der Schweiz bekannt zu machen. Die Probleme die hier beschrieben werden, sind leider aktueller denn je. Dieser sensible Film über die bedrohte Natur ist auch gleichzeitig ein kämpferisches Pamphlet, das uns aufrütteln soll.

REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT (Dokumentarfilm) Kinostart: 22.10.2020

Der schon vor den jüngsten Skandalen im Fleischkonzern und Schlachthof von Clemens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück entstandene Diplomfilm der Münchener Filmhochschule berichtet von der Ausbeutung von Arbeiterinnen und Arbeitern aus Osteuropa in der Fleischindustrie, von den katas-trophalen Wohnverhältnissen und vertuschten Unfällen an Bändern, die immer schneller laufen, auch wenn die Hände nicht mehr hinterherkommen. Er berichtet aber auch von empathischen Aktivistinnen und Aktivisten, die versuchen ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Es handelt sich um Menschen, die oft der deutschen Sprache nicht mächtig sind und kaum Möglichkeiten haben, sich gegen die miserablen Arbeits-und Lebensbedingungen zur Wehr zu setzen. Erst recht nicht kennen sie die Sprache der Verträge und Fußnoten, die für eine begrenzte Zeit ihr Leben am Fließband regelt.

Parallel dazu beobachtet die Regisseurin Yulia Lokshina eine Gymnasialklasse am Rande von München,Jugendliche, die Brechts „Heilige Johanna der Schlachthöfe“ einstudieren und sich mit den marxistischen Ideen Brechts in Diskussionen auseinandersetzen. In seinem 1931 geschriebenen Stück, prangert er die skandalöse Ausbeutung der Arbeiter an. Besonders diskussionsfreudig zeigen die Schüler sich nicht.

In den Betrieben durfte Lokshina mit ihrem Team nicht drehen. Sie konzentriert sich auf die Menschen die in versteckten Waldcampingplätzen hausen, auf deren lange Nachhausewege in der Nacht, auf den erschütternden Vorfall einer jungen Rumänin, die ihr Neugeborenes in einer roten Supermarkttüte ausgesetzt hat. Sie arbeitete bei Tönnies unter katastrophalen Bedingungen. Von ihrem weit unter dem Mindestlohn liegenden Lohn, mußte sie 200Euro monatlich für ein winziges Zimmer mit einer Matratze bezahlen. In ihrer Verzeiflung und der Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren, setzte sie ihr Kind aus. Der Fall war eine Schlagzeile wert und dann vergessen.

Ein Bild, was man nicht so schnell vergißt, ein eingpferchtes Schwein, das minutenlang nach einem Ball schnappt, ihn aber nicht bekommt. Was man Lokshina hoch anrechnen muß, ist die Tatsache, daß sie die Menschen, die sie befragt ernst nimmt und sie in keinster Weise vorführt.

Die Tatsache, daß über 660 Millionen Tiere für den deutschen Fleischkonsum jährlich geschlachtet werden, vermittelt, daß dieses Schweinesystem munter weiter existiert. Und somit ist dieser Film ein Appell an uns Verbraucher, endlich den Konsum von Billigfleich einzustellen , der solchen Ausbeutungen von Mensch und Tier, Tor und Tür öffnet. Diesen Sachverhalt vermittelt uns Lokshina anschaulich und eindringlich, indem sie den Unsichtbaren ein Gesicht gibt.

Ihr Film war der Gewinner des Max Ophüls Preis beim Filmfestival in Saarbrücken, 2020.

Laufzeit: 92 Min.

KAJILLIONAIRE Kinostart: 22.10. 2020 (Eine hintergründige Gaunerkomödie)

Mutter Theresa (Debra Winger), Vater Robert Dynes (Richard Jenkins) und Tochter Old Dolio (Evan Rachel Wood) halten sich mit Betrügereien über Wasser. Sie sind ein eingspieltes Team. Schon in ihrer Kindheit wurde Old Dolio im Lügen und Stehlen unterrichtet. Elterliche Liebe hat sie nicht erfahren. Dank ihrer akrobatischen Gelenkigkeit kann sie sich an jeder Kamera vorbeimogeln.

Das Trio wohnt in Los Angeles neben einer Seifenfabrik. Regelmässig quillt rosafarbener Schaum zwischen Wand und Decke herein, der in Eimern aufgefangen werden muss.

Mit vorliebe plündern sie Postfächer. Die Eltern stehen Schmiere, während Old Olio sich an den Kameras vorbei duckt. Die Beute ist gering. In einem liebevoll eingepackten Briefpäkchen befindet sich eine Krawatte und ein Plüschtier. Egal, sie nehmen was kommt. Auch ihre Scheckbetrügereien reichen nicht aus, um ihre Mietschulden zu bezahlen. Ihr Vermieter, der Besitzer der Seifenfabrik, bricht in Tränen aus, wenn er ihre plumpen Vertröstungen hört. Doch dann hat er die Faxen dicke und droht mit Rausschmiß, wenn sie nicht innerhalb der nächsten 14 Tage ihre Schulden begleichen. Ihre schäbige Bruchbude ist immer noch besser als gar kein Dach über dem Kopf. Jetzt müssen sie sich etwas einfallen lassen. Sie buchen einen Flug nach New York, um ihren Koffer als vermißt zu melden. Ein Trick, der meistens funktioniert. Doch die Bearbeitung des Vorfalls kann mehr als 6 Wochen dauern. Im Flugzeug lernen sie die junge Puertoricanerin Melanie (Gina Rodriguez) kennen. Das frisch-fröhliche Mädchen ist das Gegenteil von der 26-jährigen Old Dolio, die mit ihrer schlampigen Kleidung, ihrer tiefen Stimme und den hüftlangen Haaren, hinter denen sie ihre mürrischen Gesichtszüge verbirgt. Die Betrügereien der Famillie Dynes findet Melanie höchst spannend und sie schließt sich der Familie an, indem sie gemeinsame Sache machen. Nach und nach erkennt Melanie die seelische Verkümmerung von Old Dolio und hilft ihr Schritt für Schritt aus der emotionalen Vernachlässigung herauszufinden.

Ein starkes Erdbeben hat Old Dolios Eltern vordergründig zur Besinnung gebracht. Die Vorstellung, daß ihre Tochter tot sein könnte, hat ihnen bewußt gemacht wie sehr sie sie lieben. „Wir glaubten immer, es sei beleidigend, dich wie ein Kind zu behandeln.“ Aber genau das, hat die junge Frau immer vermißt. Zum ersten Mal hat sie von den Eltern Geburtstagsgeschenke bekommen. Haben sich ihre Eltern wirklich geändert? Melanie und Old Dolio bringen die Geschenke zurück.

Warum die Eheleute Dynes so sind, wie sie sind, wird in dieser schrägen Tragikomödie von Regisseurin Miranda July („The Future“, „Ich und du und alle, die wir kennen“) nicht erklärt. Sie schildert eine dysfunktionale Eltern-Kind -Beziehung, deren miese Betrügereien, sie zu Außenseitern macht und denen jeder Funke Einfühlungsvermögen abhanden gekommen ist. Mit dem Erscheinen von Melanie bekommt die hintersinnige Geschichte eine völlig neue Ebene und das ist auch gut so. Wood verkörpert den Seelenschmerz und die Verlorenheit der Heldin mit einer Intensität, die unter die Haut geht. Hoffentlich hat sie endlich die Geborgenheit gefunden, nach der sie immer gesucht hat.

Länge: 106 Min.

MAKING MONTGOMERY CLIFT Kinostart: 17.10.2020 (Doku über eines der schönsten Filmgesichter Hollywoods)

Dokumentarfilm über den 1966 verstorbenn Schauspieler Montgomery Clift, dessen Geburtstag sich am 17.Oktober 2020 zum 100. Mal jährt.

Der Film von Robert Anderson Clift und Hillary Demmon eröffnet einmalige Einblicke und neue Facetten in das Leben und die Persönlichkeit der großen Schauspielikone. Als früher Vertreter des Method Acting spielte er sensible und konfliktbeladene Charaktere und wurde mit Marlon Brando und James Dean verglichen. Sein Name wurde zum Synonym für die Schwulen-Tragödie im Show Buisiness.

Er gehörte zu einem der schönsten Filmgesichter. Anstatt über sein schauspielerisches Talent zu reden, stürzte man sich auf seine Homosexualität. Das populäre Bild von „Monty“ ist ein tragisches – selbsthassend, liebeshungrig und sich in Einsamkeit und Alkohol ertränkendes.

Clift, der anfangs als junger Bühnenschauspieler unterwegs war, lehnte lange Zeit Filmangebote aus Hollywood ab. Es gefiel ihm nicht, sich mit festen Verträgen an die Studios zu binden. Bis zu seinem frühen Tod war er in 17 Filmen zu sehen. Er war bekannt dafür, Dialogtexte umzuformulieren und sie seiner Ansicht nach inhaltlich zu verbessern und mundgerechter zu gestalten. Viermal wurde er für den Oscar nominiert.

Als Montgomery starb, war sein Neffe Robert Anderson Clift noch nicht geboren. Er schaute sich zusammen mit Hillary Demmon das Erbe seines Onkels genauer an, bestehend aus Tonbandaufzeichnungen, Filmausschnitten, mitgeschnittenen Telefonaten, Interviews und unterschiedlichen Biografien, in denen „Monty“ als problematische Persönlichkeit gezeigt wird, will er mit seinem Film korrigieren. Er fand genug Menschen, die Clifts Fröhlichkeit und seinen Humor bezeugen konnten. Auch über seinen Tod gab es die wildesten Gerüchte, basierend auf der Tatsache, dass er einen schwarzen Bediensteten beschäftigte. Nach einem Autounfall (1956) ist es Elisabeth Taylor, die zum Unfallort eilt, ihn blutüberströmt vorfindet, in seinen Mund greif und ihm die Zunge aus dem Hals zieht und ihm somit das Leben rettet. Er trägt zahlreiche Brüche davon, vor allem schwere Schnittwunden im Gesicht. Er hat das Einzige verloren, was ihn für Produzenten attraktiv gemacht hat: Sein bidschönes Aussehen. Das Malheur passiert während der Dreharbeiten zu „Das Land des Regenbaums“. Da er vertraglich gezwungen war, die Dreharbeiten so schnell wie möglich wieder aufzunehmen, greift er zu Schmerztabletten, Alkohol und Beruhigungmitteln, um die Arbeit am Set durchzustehen. Gefilmt wird er überwigend von der nicht entstellten Seite seines Gesichts. Elisabeth Taylor hilft ihm, seine Takes durchzustehen.

Dies und noch viel mehr zeigt dieser absolut sehenswerte Film, der gleichzeitig ein interessantes Zeitdokument über „Hollywood Babylon“ist . ( Laufzeit: 89 Min.)

Wieland Speck, ehemaliger Leiter der Sektion Panorama der Berlinale, über Montgomery Clift: „Montgomery Clifts Geheimnis war ein Sexuelles, seine passive Unergründlichkeit Projektionsfläche für viele Begehren. Seine Qualitäten transzendierten den amerikanischen Standardmann zum Menschen. Das konnte gemessen an den allmächtigen Konventionen der Zeit, nur tragisch enden. Ein San Sebastian des 20. Jahrhunderts“.

Am 26.10 um 22.00 wird Wieland Speck den Film auch im MONGAY im KINO INTERNATIONAL präsentieren.

I AM GRETA Kinostart: 16.10.2020 Dokumentarfilm

I AM GRETA erzählt die Geschichte von Greta Thunberg, die mit 15 Jahren beschloss, freitags nicht mehr zur Schule zu gehen, sondern stattdessen vor dem schwedischen Parlamentsgebäude für die Rettung des Klimas zu streiken. Unvergessen das Foto auf dem dieses toughe Mädchen ganz allein, mit seinem selbst gemalten Plakat und seiner Wasserflasche dort sitzt. Unbeirrt beantwortet sie die Fragen der Passanten. Es begann im August 2018. Das sie zur Symbolfigur der weltweiten Fridays- for- Future-Bewegung wird, ahnte sie noch nicht.

Der Regisseur und Kameramann Nathan Grossmann begleitet sie von den Anfängen bis zu ihrem Segeltörn zum UNO-Klimagipfel in NewYork im Herbst 2019 und gibt sehr private Einblicke in das Leben Gretas und ihrer Familie.

„Was ich in den letzten Monaten erlebt habe, fühlt sich an wie ein Traum oder ein Film. Ein sehr surrealer Film, mit einer unwahrscheinlichen Handlung“.

Ersteinmal streikt sie bis zu den Wahlen. Als sich zeigt, daß die Grünen herbe Stimmverluste erleiden, wird Greta erst recht angespornt, da das Klimathema nur wenige zu interessieren scheint.

„Ich habe das Gefühl, als würden diejenigen von uns mit einem Asperger-Syndrom, die einzigen sein, die die Tragweite erkennen“. Auch ihre Eltern nahmen den Klimawandel nicht ernst. Erst durch das Engagement ihrer Tochter, wurde ihnen das Ausmaß bewusst.

Die Bewegung wird größer und lauter. Staatsoberhäupter laden sie zu Klimakonferenzen ein. Ihr besorgter Vater Svante ist immer an ihrer Seite. Die Ausarbeitung ihrer Reden überlässt ihr Vater ganz alleine ihr. Ob in Polen, Brüssel, England oder Frankreich, ihre aufrüttelnden Worte beginnen mit dem Satz: „Ich bin Greta Thunberg.“ Egal, wo sie spricht, sie und weitere Aktivisten vermissen eine wirkliche Ernsthaftigkeit hinter den Reden der Staatsoberhäupter. Der Wille, wirklich etwas zu verändern, ist kaum zu hören. „Da sich unsere Staatsoberhäupter wie Kinder verhalten, müssen wir die Verantwortung übernehmen, um dem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Wir haben nur diesen einen Planeten“. Sogar ein Treffen mit dem Papst ist angesagt. Die gesamte katholische Kirche steht hinter Greta. Auch Arnold Schwarzenegger trifft sie persönlich. Egal, wo sie auftaucht, tausende von Gleichgesinnten wollen ihr Idol Greta sehen. Das Mädchen muss von der Polizei geschützt werden. Entspannung und Ruhe findet sie zuhause bei ihren Hunden und Pferden. Sie nimmt ihre Aufgabe ernst. Auf keinen Fall will sie zu denen gehören, die nur reden aber nicht handeln. Besonders krass, der Auftritt im Plenarsaal in Brüssel. Jean- Claude Juncker referiert über wassersparende Klospülungen. Unter Tränen redet Greta weiter. „Wenn Klospülungen die Lösung wären, wäre es keine Krise“. Es kommt ihr vor, als spreche sie vor einem ausgeschalteten Mikrofon. Hunderte von Stunden ist sie herumgereist, beseelt von dem Gedanken, sich nicht Hoffnungen und Zukunftsträume zerstören zu lassen.

Leider begleiten auch Hassmails und Beschimpfungen ihren Weg. Putin, Bolsanaro und Trump machen sich über sie lustig. Sie wird als Hysterikerin bezeichnet, die nur Blödsinn redet, depressiv ist und erst dann protestieren soll, wenn sie die Fakten kennt. Sie soll endlich die Klappe halten. Der Hass steigert sich bis hin zu Morddrohungen. Schon früh hat sie die Erfahrung gemacht, wie es ist, als Kind überall ausgegrenzt zu sein. Nie wurde sie zu Geburtstagsfeiern und Partys eingeladen. Offensichtlich hat sie daraus gelernt, ihr Selbstwertgefühl nicht von der Meinung anderer abhängig zu machen und somit den Hass an sich abprallen zu lassen und strikt ihren eigenen Weg zu gehen. Auf Schmeicheleien legt sie keinen Wert.

Wie einfach wäre es, den Flieger nach New York zu nehmen, um an der Einladung zum UNO- Klimagipfel 2019 teilzunehmen. Stattdessen laufen die Vorbereitungen für ihren Segeltörn in die USA. Es steht ihr eine anstrengende Reise bevor. Der Abschied von ihren Hunden fällt ihr schwer. Ein Vergnügen ist die Bootsfahrt nicht. Schreiben kann sie nicht . Ihr wird übel. Ihre Eindrücke spricht sie unter Tränen auf ihr Handy.

„Hier an Bord muß ich an dieGegenwart denken, nicht an die Zukunft“. Gott sei Dank ist ihr Vater bei ihr. Sie trägt eine Verantwortung, der sie kaum noch gewachsen ist.

Tausende von Menschen begrüßen sie. Willkommen zum Klimagipfel 2019. Sämtliche Staatsoberhäupter sind versammelt. Es fällt ihr berühmter Satz „HOW DAREYOU“. Zwischen Wut und Tränen hält sie ihre Rede. Zurück in Schweden setzt sie ihren Klimastreik fort, begleitet von Hunderttausenden Aktivisten weltweit. Sie geht auch wieder zur Schule und hat ihr erstes Jahr am Gymnasium begonnen. Allein 2018 gab es mehr als 200 dokumentierte Morde an Aktivisten.

Der schwedische Filmemacher Nathan Grossmann hat sich im August 2018 einfach mit seiner Kamera zu Greta gesetzt. Schon während des ersten Tages blieben Leute stehen und stellten Fragen, die sie mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit beantwortet. Und dann entwickelten sich die Dinge sehr schnell. Plötzlich wurde auch in anderen Teilen Schwedens gestreikt, dann in Finnland und Dänemark. Grossmann war so beindruckt, daß er unbedingt einen Film über Greta und ihr persönliche Geschichte machen wollte. Woher nimmt sie ihren Mut und ihre Energie? Herausgekommen sind persönliche Einblicke in ihr Familienleben und hinter die Kulissen ihrer politischen Aktivitäten. Es ist erstaunlich mit welcher Offenheit sie über ihre autistische Störung spricht. Man versteht nicht, warum dieses, eigentlich schüchterne Mädchen, daß konsequent ein Ziel für unser aller Wohl verfolgt, mit so viel Hass überschüttet wird. Beim Ansehen des Films, hätte ich sie am liebsten fest in den Arm genommen.

Länge: 98 Min.

SAG DU ES MIR Kinostart: 15.10.2020 (Eine mitreißende Tragikomödie)

Einfach so, so scheint es, stößt ein Mann eine Frau von einer Eisenbahnbrücke vor der Neustädter Havelbucht in Potsdam. Seine Identität und die Gründe für sein Handeln sind völlig unklar. Kennen sich Opfer und Täter?

In seinem Abschlussfilm an der Universität in Babelsberg erzählt Michael Fetter Nathanski ein Verbrechen aus drei unterschiedlichen Perspektiven: Der von Silke, die geschubst wurde, der von ihrer Schwester Moni, die ihr helfen will den Täter zu finden und der vom Täter René, der selber nicht so richtig weiss, warum er es getan hat. Das erinnert an Kurusowas „Rashomon“ (1950) in dem er ein grausames Verbrechen aus vier unterschiedlichen Perspektiven schildert.

Moni (Christina Große) ist extra aus Mallorca, wo sie seit zwanzig Jahren lebt, nach Potsdam in die Plattenbausiedlung, in der Silke (Gisa Flake) lebt, gereist, um ihrer Schwester zu helfen, den Täter zu finden. Nach mehrmaligem Klingeln erscheint Silkes Kopf weit oben auf dem Balkon. „Wat machst`n du hier“ brüllt sie herunter. „Jut siehste aus“ ruft Moni. „Det kannste doch von unten ja nich seh`n“.Das sich Moni jetzt einmischt, gefällt Silke nicht. Doch Moni setzt alles daran, den Täter zu finden. Sie hat extra Deniz (Walid Al-Atiyat) engagiert, der sich an Silkes Arbeitsplatz umhören soll. „Mit dem Selbstmord menes Arbeitskollegen, hat der Sturz aba nüscht zu tun.“Deniz schnüffelt weiter. Er findet heraus, dass Silkes Nachbar René (Marc Ben Puch) ein Polizist, Silke die Schuld an dem Selbstmord seines Bruders gibt und der Stoss von der Brücke aus Rache geschah. Jetzt übt Moni böse Rache an René. Doch ganz so einfach ist es nicht. Nathansky macht es dem Zuschauer nicht leicht.

René ist entsetzt über sich selbst. „Ick hab ne Frau von der Brücke runter jeschmissen. Seh ick so aus wie`n Mensch, der völlig am Arsch iss und einfach ne Frau von ner Brücke schmeisst“, fragt er seinen Freund. Er fragt alle, die er kennt, ob mit ihm irgendetwas nicht stimmt Er geht auch zu Silke und sagt ihr, dass er es nicht wollte. Und wenn sie mal Hilfe braucht, kann sie sich jederzeit an ihn wenden.Auch seine Mutter stellt er zur Rede, ob mit ihm in der Kindheit etwas nicht stimmte. Monis und Renés Blickwinkel sind nur zwei von drei Kapiteln, die etwas Neues erzählen und das zuvor Gezeigte revidieren. In den Dialogen werden versteckte Hinweise gegeben.

Während René noch über sich nachdenkt, tüfftelt sich Silke eine unerwartete Geschichte für ihre Schwester aus und gibt der Handlung eine total andere Richtung.

Die ausgeklügelte Erzählweise verleihen der Geschichte ihren besonderen Reiz. Mit jedem Perspektivwechsel öffnet er den Blick auf die bittere Wahrheit seiner drei Protagonisten. Jeder von ihnen hat sein ganz persönliches Päckchen zu tragen. Das macht Nathanski mit grosser Sensibilität.

Das er seine Darsteller so herrlich erfrischend berlinern lässt, gibt dem Ganzen eine wunderbare Authentizität.

Länge: 112 Min.

BRUNO Kinostart: 15.10. 2020 ( Die zu Tränen rührende Geschichte eines Obdachlosen, der seinen entlaufenen Hund sucht)

Daniel (Diarmaid Murtagh) lebt mit seinem Hund Bruno auf der Strasse. Seinen kargen Unterschlupf, nahe den Bahngleisen, ohne Strom und Wasser, hat er verloren.Er streift mit seinem treuen Hund durch die Straßen Londons. Es zieht ihn immer wieder zu einem Spielplatz, besonders des Nachts. Er räumt den liegengelassenen Müll weg. Als er eines Nachts ein Feuer sieht, rennt er hin um es zu löschen. Eine Horde Jugendlicher schlägt brutal auf ihn ein. ein. Hilflos liegt er am Boden. Als ein Krankenwagen mit lauten Sirenen eintrifft, flüchten die Täter. Sein Hund Bruno, der auf ihn abseits gewartet hat, läuft noch dem Krankenwagen hinterher. Er kann ihn aber nicht mehr einholen. Als er am nächsten Tag entlassen wird, begibt er sich wieder zum Spielplatz und ruft seinen Hund. Wieder und Wieder. Als er sich dort zum Schlafen legt, entdeckt er einen kleinen Jungen. Er gibt ihm seinen Schlafsack, damit er nicht friert. Das schüchterne Kind, gibt ihm am nächsten Morgen den Schlafsack zurück und weicht nicht mehr von seiner Seite. Es will nicht nach Hause. Alles Zureden hilft nicht. Sein Name ist Izzy (Woody Norman). Er ist siebeneinhalb. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Bruno. Malik (Seun Shote) ein guter Kumpel von Daniel, der eine Reinigung besitzt und Daniel hin – und wieder unterstützt, hilft ihm bei der Suche, indem er seine Telefonnummer auf den Handzetteln, die die beiden verteilen, um Bruno zu finden, angibt. Beim Zettel verteilen, wird Daniel von einem Mann erkannt. Daniel will nicht mit ihm reden. Abrupt läßt er ihn stehen. Die Begegnung reißt ganz offensichtlich eine Wunde in ihm auf.

Eigentlich kann er sich auch nicht um Izzy kümmern. Alle Versuche, den Jungen nach Hause zu bringen, scheitern. Letzlich kümmert er sich dann doch rührend um ihn. Die Suche nach Bruno verknüpft die Schicksale der vermeintlich Heimatlosen in einem ergreifenden Film, der durch die Straßen Londons führt. Daniels starke Affinität zu dem Spielplatz, wird gegen Ende des Films auf herzzerreißende Weise sichtbar. Eine Antwort, die zu Tränen rührt.

Die Idee zu dieser zutiefst bewegenden Geschichte hatte Regisseur Karl Golden, als ein obdachloser Mann an ihm vorbei eilte, gebrochen und in Aufruhr, blutüberströmt. Die Überlegung, was den Mann in diesen emotionalen Zustand versetzt hat, inspirierte ihn zu diesem stillen, kleinen und dennoch grossen Film. Eine Perle am Indie – Film – Himmel. Gedreht mit einem geringen Budget aber ganz viel Herzblut.

Diarmaid Murtagh ( „Vikings“, „Troja – Untergang einer Stadt“) ist die perfekte Besetzung für die Rolle des mit dem Schicksal hadernden Daniel.

Kamera: Jalaludin Traurmann. Bruno Hund Stirling Laufzeit: 95 Min. Gezeigt wird die Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

MILLA MEETS MOSES Kinostart: 8.10.2020 (Dieser Coming-of- Age-Film ist eine außergewöhnliche Perle. Bis in die kleinste Rolle grandios besetzt.)

Ein junges Mädchen (Eliza Scanlen) steht in ihrer roten Schuluniform mit weißer Bluse am Bahnsteig und starrt auf die Gleise. Es sieht fast so aus, als wolle sie springen. Plötzlich taucht ein Junge (Toby Wallace) auf, der sie fast umrennt. Er ist obdachlos und entpuppt sich als Schnorrer. „Gib mir das , was du mir geben kannst. Es muss nicht viel sein“. Das Mädchen gibt ihm mehr, als er erwartet hat. „Dafür bitte ich dich, mir die Haare zu schneiden“. Aus dieser Begegnung entwickelt sich eine wunderbare, auf den ersten Blick fast unwahrscheinliche Freundschaft.

„Milla meets Moses“ ist eine außergewöhnliche Coming-of Age-Dramödie., denn schließlich bleibt Milla nicht viel Zeit, um erwachsen zu werden.

Milla ist an Krebs erkrankt. Als sie den Gelegenheitsdealer Moses mit nach Hause nimmt, sind ihre Eltern entsetzt. Es ist ein gut situiertes Zuhause in der Vorstadt. Eigentlich will sie ihre gutbürgerlichen Eltern nur schockieren. Doch beim näheren Betrachten, sind sie gar nicht so bürgerlich, im Gegenteil , sie sind ziemlich schräg. Ihr Vater Henry( Ben Mendelsohn) ist Psychiater, der seinen Job aber nicht sehr ernst nimmt, ihre Mutter, eine ehemalige Konzertpianistin, wird von ihm reichlich mit Psychopharmaka versorgt und ist manchmal derartig zugedröhnt, dass sie kaum klar artikulieren kann. Ein Paar, was nicht unbedingt den spießigen Vorstellungen von Normalos entspricht aber dafür um so hingebungsvoller für ihre kranke Tochter da ist. Milla ist glücklich Moses getroffen zu haben. Er ist so ganz anders, als die Menschen mit denen sie sonst zu tun hat.Mit ihm kann sie die Welt ganz neu entdecken und der Überbesorgnis ihrer Eltern entfliehen. Als die merken, wie gut Moses ihrer Tochter tut und was für eine Lebensfreude sie plötzlich hat, werfen sie alle Vorurteile über Bord. Ihr Vater geht sogar so weit, dass er ihn mit Stoff versorgt und ihn sogar bittet, bei ihnen einzuziehen.

„Milla meets Moses“ basiert auf einem Theaterstück der australischen AutorinRita Kalnejais, das 2012 uraufgeführt wurde. Shannon Murphy hat daraus einen Film gemacht, der mit großer Wucht daher kommt. Ein Film, traurig witzig und ohne falsche Töne. Seine schräge Leichtigkeit lassen die 118 Minuten, die er dauert, wie im Fluge vergehen. Jede Figur hat ihre eigene, berührende Nebengeschichte, die dem Film eine wahrhaftige Tiefe gibt.

Der Film„Milla meets Moses“ hatte bei den Filmfestspielen von Venedig 2019 seine Premiere. Tobey Wallace wurde mit dem Preis als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet.

Im Original heißt er: „Babyteeth“,Titelgebend ist ein Milchzahn, den Milla mit ihren 15 Jahren noch im Mund hat und den sie bei einem bestimmten Moment als Zeichen ihres Erwachsenwerdens verliert. Dieser Film beinhaltet so viele aussergewöhnlichen Momente, frei von jedem süßlichen Kitsch vieler Teenager-Sterbedramen, die ich hier nicht spoilern will. Erwähnenswert, der fein abgestimmte Soundtrack, passend zu dem Geschehen. Wer sich diese Perle nicht anschaut, der verpasst einen der schönsten Filme in diesem Jahr. Selbst schuld.

VERGIFTETE WAHRHEIT (Die ungeheuerliche Chronik eines Umweltskandals) Kinostart: 8.10.2020 Diesen Film sollte Jeder auf seine TO-DO-Liste setzen.

Cincinatti, Ohio 1998. Rob Bilott (Mark Ruffalo) , Experte für Umweltgesetzgebung, ist seit kurzem Partner in der renommierten Anwaltskanzlei Taft Stettinius & Hollister. Besondere Lorbeeren hat er sich mit der Verteidigung einiger großer Namen in der Chemiebranche erworben. Als der Farmer Wilbur Tennant (Bill Camp) mit seinem Bruder Jim (Jim Azelvandre) in der noblen Kanzlei auftaucht und um Rechtsbeistand bittet, fühlt sich Bilott nicht zuständig. Die beiden sind extra aus Parkersburg, West Virginia angereist. Den Tipp, sich an ihn zu wenden, haben sie von Bilotts Großmutter, eine Nachbarin von ihnen. Die beiden lassen sich nicht abwimmeln. Sie zeigen ihm mitgebrachte Unterlagen und selbst gedrehte Videos von ihren kranken Kühen. Sie haben mißgestaltete Organe riesige Geschwüre und schwarze Zähne. Etwa 190 seiner Tiere mußte Tennant schon begraben.

Das Wasser, welches die Tiere getrunken haben, ist vergiftet, von der örtlichen Chemiefabrik. Der Chemiegigant DuPont habe auf der angrenzenden Deponie Giftmüll abgeladen – Gift, das den nahegelegenen Bach verschmutzt, behauptet Tennant. Die Firma DuPont macht Werbung mit dem Slogan: „Besser Leben mit Chemie. Es ist unsere DNA“. Bilott, der genau solche Firmen vertritt, fährt seiner Großmutter zuliebe nach Parkersburg und schaut sich dort um.

Bilott spricht mit dem Boss von DuPont (Victor Garber). Der wiegelt ab und zeigt ihm ein Gutachten, indem der Farmer beschuldigt wird, seine Kühe schlecht behandelt zu haben und deswegen sind sie krank. Doch nach und nach häufen sich die Indizien. Bei einem weiteren Besuch in Parkersburg, sieht Bilott mitan, wie Tennant einen wild gewordenen Stier, der Schaum vor`m Maul hat, erschießen muß. Nun hat er genug gesehen. Er bittet den Chef seiner Kanzlei, Tom Terp

(Tim Robbins), um Erlaubnis, den Fall zu übernehmen. Der willigt widerstrebend ein. 1999 erwirkt Bilott einen Gerichtsbeschluß, der besagt, alle Unterlagen offenzulegen. Die Firma spielt mit und händigt ihm die gerichtlich erwirkten Dokumente aus. Diese lagern in unzähligen Kartons. In den nächsten Monaten sichtet er mehr als 100.000 unsortierte Seiten. Interne Korrespondenz, medizinische Berichte und vertrauliche Unterlagen aus über 50 Jahren. Eine kräfteverzehrende Mammutaufgabe. Die Ergebnisse seiner Recherchen sind mehr als ungeheuerlich. Dupont leitet Perfluoroctansäure (PFOA), ein Hilfsmittel bei der Herstellung ihres Verkaufhits Teflon, ins Wasser und in die Luft. Die Abfallstoffe sind hochgiftig.Der Schlick wurde in den Ohio-River gekippt. Der Staub durch Schornsteine in die Luft geblasen. Die Firma DuPont nutzt eine vom US-Gesetzgeber bewußt gelassene Lücke. Dieser toxische Abfall bewirkt rund um die Deponien und Werke eine hochgradige Trinkwasserbelastung, die erst bei den Tieren und dann bei den Menschen zu Leberschäden, Fortpflanzungsschäden, Hodenkrebs, Nierenkrebs und Schilddrüsenkrankheiten führt. Viele der Arbeiter*innen wurden schwer krank. DuPont hat eigene Versuche gemacht und von den ungeheuerlichen Schädigungen gewußt. Die Teflonpfanne ist eine tickende Zeitbombe. DuPont hat damit pro Jahr eine Milliarde Reingewinn gemacht. Der hochgiftige Stoff PFOA, der in C8 umbenannt wurde, findet sich auch in Textilien, Farben, Regenmänteln und Stiefeln. C8 kann vom Körper nicht abgebaut werden. Frauen bringen mißgestaltete Babys zur Welt.

Tennant, der die ganze Sache ins Rollen gebracht hat, wird von einigen Bewohnern im Ort gemobbt. DuPont ist der größte Arbeitgeber und sie fürchten um ihre Existenz.. Bilott rät ihm wegzuziehen, doch dazu ist es bereits zu spät.

Mark Ruffalos Spiel, als einsamer, bis zur Selbstaufopferung kämpfender Anwalt gegen den skrupellosen Chemiegiganten, geht tief unter die Haut. Nicht nur, daß er seine Ehe auf´s Spiel setzt, auch sein Boss ist nicht erbaut über seinen Einsatz.. Immer wieder steckt er Schlappen ein. „David gegen Goliath“. Es überkommt einen die helle Wut, mitanzusehen, mit welcher Schamlosigkeit der übermächtige Konzern die Umweltbehörde an der Nase herumführt und den nach Jahren eingeleiteten Gerichtsprozess mit üblen Tricks in die Länge zieht, um Anwalt und Kläger körperlich zu zermürben. Den zugrunde liegenden Fall Bilott gegen DuPont gibt es wirklich….Und er läuft immer noch. Der Journalist Nathaniel Rich hat den Fall 2016 für die New York Times recherchiert . Sein Artikel dient nun als Vorlage für „Vergiftete Wahrheit“ (OT: „Dark Waters“) von Regisseur Todd Haynes („Dem Himmel so fern“, „Carol“). Er inszeniert dieses Krimidrama ohne Schnörkel und ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Es reicht, daß die Fakten für eine riesengroße Wut sorgen. Der Stoff PFOA ist jetzt zwar verboten, aber die Firmen ersetzen diese Stoffe, durch ähnliche, denn es gibt weiterhin Teflonpfannen. Statt C8 benutzt man eine ähnliche Chemikalie, genannt C6 und das weltweit. Nachdem ich diesen erschütternden Film gesehen habe, landete meine Teflonpfanne im Sondermüll.

Darsteller: Anne Hathaway als Sarah Barlage Bilott ( Robs Ehefrau), Tim Robbins, Bill Camp, Bill Pullman, Victor Garber, Mare Winningham, William Jackson Harper, Louisa Krause, Jim AzelVandre u.v.a. Kamera Edward Lachman USA2019 126 Min.

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