THE HAPPY PRINCE START: 24.05. 2018

Vor etwa 10 Jahren fing Robert Everett an das Drehbuch für sein Regiedebüt „The Happy Prince“ zu schreiben. Nicht unbedingt erstaunlich, denn der britische Schauspieler hat bereits in mehreren Wilde-Verfilmungen mitgespielt. Nun hat er sich endlich sein „Herzensprojekt“ erfüllt.

Er spielt nicht nur die Hauptrolle, er ist auch für das Drehbuch und die Regie verantwortlich. Er beschreibt  die letzten Jahre des irischen Dichters Oscar Wilde im europäischen Exil.

Jede seiner Einstellungen spiegelt seine Liebe zu dem homosexuellen Poeten wieder. Es sind wahrlich keine schönen Jahre. Wilde ist von Krankheit gezeichnet, finanziell ruiniert und von der Gesellschaft geächtet. Wilde, der zuvor für einige Zeit im Zuchthaus sass und wegen Unzucht zu schwerer körperlicher Zwangsarbeit verurteilt wurde, lebt als gebrochener, verarmter Mann im Pariser Exil.

In einer Rückblende sieht man Wilde in Sträflingskleidung, angekettet an einen Polizisten auf einem Bahnhof sitzend, wie zu einer Salzsäule erstarrt, während der grölende Mob ihn verspottet und verhöhnt.

Im Mai 1897 wurde er aus der Haft entlassen. Wie schwer musste es wohl dem luxusgewöhnten „Dandy“ fallen, sich durch Schnorrerei bei Freunden und Bekannten noch so einigermassen die Contenance zu wahren. Er ist nur noch  Schatten seiner selbst, der durch die Strassen huscht, um nicht erkannt zu werden.

Tragisch der Moment, als er makeupverschmiert in eine Kneipe stolpert, aufgedunsen und kaum wiederzuerkennen. Was ihm geblieben ist…..ab und zu besticht er noch mit Ironie und Wortwitz.

Die Beziehung zu seiner Frau Constance (Emily Watson) ist schon lange zerbrochen und es schmerzt ihn, dass er seine Söhne nicht mehr sieht. Constance, seine unglückliche Frau, hat sich nicht von ihm scheiden lassen, weil sie ihn aufopferungsvoll liebte.

Everetts Wilde ist eigentlich ein unsympathischer Mensch aber irgendwie mag man ihn dennoch, denn Everett zeigt ihn als Suchenden, sowie wir letzlich alle, auf der Suche nach Geborgenheit und Liebe sind. In seinem Fall, geprägt von dem Wunsch nach Liebe und Sexualität, die so Jemand wie er und alle anderen Homosexuellen einfach nur frei leben wollen. Leider verpasst Everett seinem Wilde etwas zu viel Selbstmitleid.

Kurz vor seinem Ende, lässt er die Beziehung zu dem jüngeren Lord Alfred Douglas, Spitzname „Bosie“ (Colin Morgan) wieder aufleben. Sie endete damals mit einem riesen Skandal. Obwohl ihn seine Freunde, Robbi (Edwin Thomas) und Reggie (Colin Firth), die ihm immer noch zur Seite stehen, davor warnen.

Im November 1900 verstirbt er jämmerlich in seinem Pariser Exil.

Leider hat sich Everett etwas zu viel vorgenommen. Sein Projekt ist nicht ganz frei von egomanischen Zügen, die einen spüren lassen, dass hier jemand am Werke war, sich seine Traumrolle selber zuzuschustern, um seiner etwas brach liegenden Karriere wieder neuen Glanz zu verleihen und seine Mitstreiter regiemässig ziemlich links liegen lässt. Weniger Selbstverliebtheit wäre mehr gewesen. Auch die wechselnden Handlungsebenen erfordern ein konzentriertes Hinsehen, was einem mehr auf die Nerven geht als zu Herzen.

Advertisements

AKADEMIE DER KÜNSTE (BERLIN) lädt ein zur Ausstellung ABFALLPRODUKTE DER LIEBE (18.Mai – 12.August 2018

ABFALLPRODUKTE DER LIEBE.

Eine Austellung mit Werken von Elfi Mikesch, Rosa von Praunheim und Werner Schroeter in der AKADEMIE DER KÜNSTE am Pariser Platz.

Die interessante Austellung, die ursprünglich den Titel GEBOREN, UM BERÜHMT ZU WERDEN tragen sollte, wurde bewusst am 17.5 eröffnet, um an den Schandparagraphen §175 zu erinnern.

Da „Geboren, um berühmt zu werden“ doch etwas sehr arrogant klingt, hat man sich für „Abfallprodukte der Liebe“, dem deutschen Titel eines Essayfilms „Poussières d`amour“ von Werner Schroeter geeinigt, erklärte Praunheim in der Pressekonferenz.

Die Akademie der Künste würdigt die Künstlerfreundschaft zwischen Schroeter, Mikesch und Praunheim. Die drei verbindet nicht nur ihre Homosexualität, sondern auch eine ganz besondere Intuition, die die vom Wesen unterschiedlichen Filmemacher untereinander spüren.

Kennengelernt haben sie sich Mitte der 1960er Jahre und seit dieser Zeit unterstützten sie sich gegenseitig bei ihren künstlerischen Projekten. In der Ausstellung begegnet sich die Gegensätzlichkeit der drei Künstler in Ausschnitten ihrer Werke, Fotos Talks und Performances. Bevor man die Austellungsräume betritt, empfängt einen im Entrée ein grosser roter Kasten , mit hunderten von roten Rosenblättern, wunderschön anzusehen, die einen sofort an Hildes „Für mich soll`s rote Rosen regnen….“erinnert.

Jedem der drei Kunstschaffenden ist ein eigener Raum gewidmet, in dem wir einen Ort geschaffen haben, wo wir unsere Meinung und unsere Haltung austellen können.

In Elfis Raum steht die Frage im Mittelpunkt, was machen wir mit uns, was machen wir mit unserer Welt? Aber nicht nur das, in ihrem Austellungsraum haben wir Einblick in verschiedene aktuelle Arbeiten der preisgekrönten Kamerafrau, Fotografin und Regisseurin.

Werner Schroeter, der 2010 an einer Krebserkrankung verstorben ist, imponiert in zwei Räumen mit Klanginstallationen  von Eberhard Kloke, beeindruckenden Fotos seiner „Göttinen Magdalena Montezuma und Maria Callas, verschiedener Filmausschnitte und Tonaufnahmen. Schroeter, ein Liebhaber der grossen Oper, dessen Werk aus 30 Filmen, zahlreichen Theater- und Opernproduktinen besteht, war in Frankreich und Italien sehr gemocht und erhielt Auszeichnungen wie den Goldenen Bären und Löwen, was Praunheim mit Neid erfüllte, dessen Filme mehr die Schmuddelecke krönten, als die grosse Kunst. Kurz vor seinem Tod erhielt Schroeter den Teddy für sein Lebenswerk, von Praunheim mit liebevollen Worten, überreicht. Seine Dankesrede, die er mit brüchiger Stimme hält, kann man über Kopfhörer noch einmal verfolgen.

Der verrückteste Raum ist der von Rosa. Ein grosses Schild warnt vor Penissen. Die gibt es dann auch reichlich, in verschiedenen Ausführungen zu sehen. Ein Lotterbett lädt zum verweilen ein, während man über Kopfhörer gemütlich Gedichte hören kann. Viel persönlicher Krimskram ist zu besichtigen, Familienfotos, ein Mauseleum verstorbener Stars und vieles mehr. Mir gefällt sein Traum 2018: „Ich träume von einer Armee der Alten, um gegen die Diktaturen dieser Welt in einen mutigen Krieg zu ziehen. Gemeinsam wollen wir für Freiheit und Demokratie kämpfen. Wir haben Nichts zu verlieren, als unseren NahenTod. Aber die Jugend hat viel zu gewinnen“.

„Mit Fotografien, Filmen,Zeichnungen, Klanginstallationen und Dokumenten zeigt die Ausstellung erstmals  die vielfätigen ästhetischen und biografischen Wechselbeziehungen untereinander.

Die künstlerische Freundschaft – in all ihren Widersprüchen – wird zu einem biografischen Motiv verdichtet, dass alle fünf Ausstellungsräume miteinander verbindet. Mit aktuellen Arbeiten von Elfi Mikesch und Rosa von Praunheim schlägt „Abfallprodukte der Liebe“ eine Brücke über fünf Jahrzehnte bis in die Gegenwart“. (Pressetext)

Rosa: „Das Publikum muss unsere Ausstellung ja grossartig finden, denn sie ist ja auch grossartig!“

Recht hat er.

Zusehen vom 18.Mai-12.August 2018.

Begleitet wird die Austellung von Filmvoführungen, Talks, Konzerten, Film und Gespräch in der Akademie der Künste Pariser Platz 4 und Akademie der Künste Hanseatenweg 10.

Jeden Mittwoch um 18:00 im Mai liest die Schauspielerin Christiane Ziehl in Rosas Ausstellungsraum aus seinen Werken.

www.adk.de/mikesch-praunheim-schroeter     info@adk.de

 

DIE TOCHTER START: 17.05.2018

In ihrem Langfilmdebüt beschreibt die Berliner Autorin und Regisseurin Mascha Schilinski die konfliktreiche Dreierbeziehung einer Familie auf ganz präzise Weise.

Es ist zwei Jahre her, als sich Hannah (Artemis Chalkidou) und Jimmy (Karsten Antonio Mielke) getrennt haben.

Mutter: „Wir werden immer für dich da sein. Daran wird sich nie etwas ändern“.

Vater: „Dein Elephant beschützt dich. Auch wenn ich nicht mehr da bin“.

Schon die ersten Bilder zeigen, welch inniges Verhältnis die siebenjährige Luca (Helena Zengel) zu ihrem Vater hat.

Luca wohnt bei ihrer Mutter. Der Vater ist zu Besuch. Als ein Interessent wegen des Ferienhauses auf einer griechischen Insel anruft, löscht Luca die Nachricht, bevor die Mutter nach Hause kommt.  Durch intensiven  Blickkontakt mit dem Vater, hat sie dessen Einverständnis. Intensive Blicke spielen in Schilinskis Drama überhaupt eine grosse Rolle.

Hannah bleibt nur kurz daheim. Nach einem Telefonat mit ihrem neuen Freund, geht sie nochmal weg. Vorher bittet sie Jimmy doch über Nacht zu bleiben, zur grossen Freude von Luca. In der Nacht bekommt Jimmy einen Herzanfall. Luca hat grosse Angst um ihn.

Am nächsten Morgen ist Hannah sehr gereizt. Sie bittet Jimmy zu gehen. Offensichtlich hat ihr Freund Stefan mit ihr Schluss gemacht. Traurig blickt Luca dem Vater hinterher.Wir sehen drei Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen zutiefst traurig sind.

Luca macht sich grosse Sorgen. Ihr Vater hat schon vier Tage nicht angerufen. Er geht auch nicht ans Telefon. Luca drängt ihre Mutter, sofort zu ihm zu fahren. Sie hat Angst, er könnte womöglich tot sein.

Es hat sich ein Paar gemeldet, dass das Haus auf Santorin kaufen möchte. Es sind Schulferien und alle drei fahren auf die Insel, um das Haus in Ordnung zu bringen. Luca besteht darauf, mit dem Vater im grossen Bett zu schlafen. Wenn Luca etwas will, dann setzt sie es auch durch.

In immer schneller werdendem Rhythmus arbeiten Hannah und Jimmy draussen zusammen. Es wird klar, beide nähern sich wieder einander an.

Luca spürt sofort die Veränderung. Misstrauisch wandern ihre Blicke von einem zum anderen. Sie ahnt, dass sie ihren Vater nicht mehr für sich alleine haben wird. Von einem Alptraum geweckt, beobachtet sie, dass ihre Eltern miteinander schlafen.

Am nächsten Morgen fragt sie nach dem Grund der Trennung. Bei der Gelegenheit erklärt ihr die Mutter, dass sie sich wieder lieb hätten und dass sie sich wünscht, wieder eine kleine Familie zu sein. Die Folge: Jetzt will Luca ihren Vater gar nicht mehr loslassen. Sie folgt ihm auf Schritt und Tritt. Sie erreicht, dass er weiterhin mit ihr im grossen Bett schläft. Mit kindlicher Raffinesse sorgt sie dafür, den Papa für sich alleine zu haben. Sie nervt. Als er sich bei einem Ausflug auf die Seite der Mutter stellt, beschimpft Luca ihn. Wieder Zuhause, nimmt sie ihren Elefanten huckepack und  verlässt das Haus. „Wenn ich nicht wieder komme, werdet ihr es bitter bereuen“ ruft sie trotzig.

Ihren Elefanten wirft sie von einer Klippe ins Meer. Sie überlegt hinterherzuspringen. Als sie einen Krankenwagen hört, läuft sie vor Angst um ihren Vater schnellstens nach Hause. Immer dann,  wenn ihre Gefühle durcheinder geraten, bohrt sie eine Haarspange tief in die Haut.

Sie fasst es nicht, dass der Vater ohne sie nach Athen gefahren ist. Mit der Mutter allein, fragt sie sie, ob sie wirklich ihr Kind sei. Sie glaubt, dass sie als Baby vertauscht wurde, denn sie habe nicht die geringste Ähnlichkeit mit ihr. Nur ihr Papa sei ihr wirklicher Vater. Hannah ist erschüttert.

Am nächsten Morgen hat Luca Geburtstag. Die Mutter ist nicht da. Der Vater noch in Athen. Auf dem Küchentisch steht eine Geburtstagstorte und einige Fotos, auf denen man Hannah mit Luca kurz nach der Geburt sieht. Als der Vater zurück ist, sagt sie ihm, dass sie ganz gemein zur Mutter war. Als auch die Mutter wieder da ist, erzählt sie dem Kind, wie schwierig die Geburt war und dass der Vater sie als erster ganz lange im Arm hielt und dass das der Grund sein könnte, warum sie ihn mehr liebt, als sie. Das mag für Luca eine Erkärung sein. Sie fühlt sich dennoch weiterhin ausgeschlossen. Der Vater geht sogar so weit, dass er Luca verspricht, wenn sie es es absolut nicht will, dass Mama und Papa wieder zusammenkommen, dann macht er es auch nicht. Den Hintergrund dieses Familiendramas bilden die herrlichen Landschaftsaufnamen der Insel, die der Kameramann Fabian Gamper in beeindruckenden Bildern festgehalten hat. Die eisigen Blicke der kleinen Luca lassen für Momente das Schlimmste befürchten und sorgen für eine bedrohliche Atmosphäre. Schilinski nimmt durchaus auch die Position der Eltern ein, legt aber den Fokus auf die Gefühle des Kindes, welches seinen Schmerz auf ganz eigenwillige Weise artikuliert. Sie schildert eine Familiensituation, in der sich mit Sicherheit viele getrennte Paare wiederfinden und nach bestmöglichen Lösungen für ihr Kind suchen.

WAS WERDEN DIE LEUTE SAGEN START: 10.05.2018

Schon am Anfang dieses Drama bekommt man ein Gespür dafür, wie sehr der Vater seine Tochter liebt. Die 15-jährige Nisha lebt mit ihrer Familie in Norwegen. Ihre Eltern sind vor Jahren aus Pakistan eingewandert. Draussen ist sie ein ganz normaler Teenager, zuhause beugt sie sich den Traditionen, in denen ihre Eltern weiterhin verhaftet sind. Als sich ihr Freund eines nachts in ihr Zimmer schleicht und sie gemeinsam Musik hören, klingelt auf einmal sein Handy. Ihr Vater stürmt herein und geht auf den verdutzten Jungen mit den Fäusten los. „Hast du jemals darüber nachgedacht, was für Konsequenzen dein Verhalten für uns hat? Es geht um unsere Ehre“ brüllt er. Er fordert seine Tochter auf, den Jungen zu heiraten. Nisha (grossartig Maria Mozhdah) weigert sich. Kurzerhand bringt er sie nach Pakistan. Nisha ist verzweifelt und stürzt sich aus dem Auto. „Wenn du das nocheinmal tust, bring ich dich um“ droht er. Er lässt sie bei seinen Verwandten unter Tränen zurück. „Ich will doch nur dein Bestes. Du bedeutest mir alles“, stammelt er, bevor er die Rückreise antritt. Völlig aufgelöst rennt das Mädchen dem Auto hinterher. Wie versteinert, nimmt sie die fremde Umgebung wahr. Als ihre Tante sie im Internetcafé erwischt, sperrt sie sie ein. Der Onkel verbrennt ihren Pass. „Ab jetzt bist du unsere Tochter. Man sagt, du bist hier, weil du den „Kulfi“ eines Mannes geknutscht hast“. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich ihrer Umgebung anzupassen. Stück für Stück erkundet sie das Land und die Kultur ihrer Familie.

Doch dann geschieht etwas derart Ungeheuerliches, dass der Vater sie wieder zurück nach Norwegen holt. Immer wieder fallen Sätze wie „Du hast mein Leben zerstört. Nirgendwo können wir uns mehr sehen lassen. Durch dich ist unser Leben zur Hölle geworden“. Die Eltern zwingen sie, die Schule zu wechseln. Auch die Mutter ist nicht zimperlich mit ihren Worten:“Du machst uns nur Schande. Ich wünschte, du wärst tot geboren“.

Mit ganz grossem Einfühlungsvermögen spielt die achtzehnjährige Maria Mozhdah ihre Rolle. Es ist ihr Leinwanddebüt. Der indische Schauspieler Adil Hussain, bekannt aus dem Film Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger, ist grossartig in seiner Rolle des Vaters, einer tragischen Figur, die gefangen ist in ihrem Wertesystem, was die Familien seit Jahrzehnten von einer Generation zur nächsten mehr oder weniger „vererben“.

Regisseurin Iram Haq hat viele Ereignisse aus ihrem eigenen Leben in dieser emotionalen Geschichte verarbeitet. Auch sie fand es in ihrer Jugend total unfair, nicht das tun zu dürfen , was allen anderen erlaubt war. Auch sie wuchs unter norwegischen Freunden und Freundinnen auf. Als sie 14 war, wurde auch sie von ihren Eltern entführt und musste bei Verwandten in Pakistan leben.

Es ist ihr auf bewundernswerte Weise gelungen, das Mädchen Nisha nicht nur als wehrloses Opfer zu zeigen und die Eltern nicht als bösartige Täter darzustellen. Sie bleibt während des Films ganz nah an Nisha dran und zeigt wie schwierig es ist, die Kluft zwischen den kulturellen Unterschieden auf einen für alle beteiligten friedfertigen Nenner zu bringen und zu lösen. Das gelingt ihr, ohne zu moralisieren oder gar mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen. Herausgekommen ist ein Film, der sicherlich für brisanten Gesprächsstoff sorgt.

DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN START: 10.05.2018

Noch ahnt die junge Witwe Florence Green (Emily Mortimer) nicht , auf welch hinterhältige Art ihr Steine, bei der Eröffnung einer Buchhandlung in dem dem kleinen Ort Hardborough, inmitten der windgepeitschten Seenlandschaft in Ostengland, in den Weg gelegt werden. Sie erfüllt sich einen langgehegten Traum. „Für sie ist ein Buch wie ein grosses, unbekanntes Haus, dass man im Lauf der Lektüre durchwandert und indem man sich ein neues Zuhause schafft“.

Es gibt kein Theater und kein Kino. Sich mit Literatur zu beschäftigen, kommt den Einwohnern, die teilweise hart arbeiten, absolut nicht in den Sinn. Obwohl man strikt dagegen ist, wird ihr der Kredit für den Kauf des sogenannten „Old House“ bewilligt. Es ist ein altes Gebäude voller Vergangenheit und Charakter, genau das richtige, um sich ihren grossen Traum zu erfüllen. Neugierig beäugen die Einwohner die Renovierungsarbeiten und die liebevolle Einrichtung des Buchladens. Es sind die Fünfziger Jahre, eine Zeit, in der die Arbeiter dem Bücherlesen mit Argwohn gegenüberstehen und die Aristokratie noch immer bestimmt, was lesenswert ist. Besonders die Aristrokatin des Dorfes, eine alteingesessene graue Eminenz Violet Gamart (Patricia Clarkson) befürchtet einen Kontrollverlust. Sie hat ganz andere Pläne mit dem „Old House“. Sie will den Laden in ein Kulturzentrumm verwandeln.

Der Laden läuft besser als gedacht. Trotz aller Widerstände bringt Florence den Bewohnern so polarisierende Romane wie „Nabokovs „Lolita“ oder Bradburys „Fahrenheit 451“ näher.

Einen Verbündeten findet sie in dem zurückgezogen lebenden Mr. Brundish, einem Literaturliebhaber, der Biografien nur dann liest, wenn sie von guten Menschen handeln und Romane, wenn sie von Ganoven erzählen.

Es ist die Liebe zur Literatur, die diesen Film trägt und die durchweg fantastischen Schauspieler, besonders Bill Nighy  als Brundish, ein verbitterter älterer Herr, der etwas unbeholfen seine aufkeimenden Gefühle für die junge Witwe zum Ausdruck bringt. Es ist berührend, wie zwei einsame Seelen behutsam zueinanderfinden.

Die spanische Regisseurin Isabel Coixet hat den gleichnamigen Roman mit starken Frauen auf die Leinwand gebracht. Es geht um Verlust, Träume, Mut und auch Trauer, verpackt in grossartige Landschaftsaufnahmen.

Ziemlich brav und gediegen inszeniert.

ISLE OF DOGS Start: 10.05.2018

Ja, es stimmt. Wenn man „Isle of Dogs“ etwas nachlässig ausspricht, dann klingt es wie „I love dogs“. Und man liebt sie diese Hundemeute, die von Kinomagier Wes Anderson in seinem neuen Stop-Motion-Film auf einer Müll-Deponie-Insel ausgesetzt wurde und ums Überleben kämpft.

„Isle of Dogs“ spielt in der nahen Zukunft in der japanischen Großstadt Megasaki. Da eine mysteriöse Hundegrippe grassiert, beschliesst der korrupte Bürgermeister und Hundehasser Kobayashi, alle Hunde auf die nahegelegene Insel „Trash Island“ zu verfrachten. In Müllresten suchen die sprechenden Kläffer mühselig nach Nahrung aber ihre Würde lassen sie sich, trotz aller miesen Umstände nicht nehmen. Der Begriff „Underdogs“ passt hier, wie die Faust auf`s Auge.

Als der 12-jährige Atari, Adoptivsohn des Bürgermeisters nach 6 Jahren mit einem geklauten Flugzeug auf der Insel landet, findeter eine Meute ausgehungerter und abgemagerte Hunde vor. Der Junge ist auf der Suche nach seinem geliebten Bodyguard-Hund. Die ausgemergelten, bedauernswerten vierbeinigen Kreaturen helfen ihm dabei. Mit grossartigem Gespür für die unliebsamen Verhältnisse auf dieser Welt, lässt Anderson die Hunde über ihr Outlaw-Dasein philosophieren und das macht er mit klugem Humor und treffsicheren Anspielungen auf den fortschreitenden Populismus und Rassismus, der sich wie eine üble Geschwulst breit und breiter macht. In Megasaki sorgt eine amerikanische Austauschstudentin für Unruhe, indem sie gegen die korrupten Machenschaften der Stadtoberen zum Widerstand aufruft.

Ausnahmsweise plädiere ich dafür, sich den Film unbedingt in der Originalsprache anzuschauen. Jeder dieser verlausten Hunde ist ein Charakter für sich und wird von Stars wie Bill Murray, Jeff Goldblum, Bryan Cranston, Haryey Keitel, Tilda Swinton, Scarlett Johannson, Edward Norton und Greta Gerwig gesprochen. So mancher kluge Witz verliert im Deutschen leider seinen Esprit.

Mit „Isle of Dogs“ wurde die diesjährige Berlinale eröffnet. Das tierische Meisterwerk der Trickfilmkunst ging bei der Preisvergabe leider leer aus.

NO WAY OUT (Gegen die Flammen) START: 03.05.2018

Das Yarnell Fire war ein Riesenwaldbrand, der am 28.Juni 2013 durch einen Blitzschlag auf einem Gebirgskamm der Wever Mountains bei Yarnell, Arizona, USA ausgelöst wurde.

19 Feuerwehrmänner der Granite Mountain Interagency Hotshot Crew kamen dabei ums Leben.

Es war eins der verheerendsten Unglücke in der Geschichte der amerikanischen Feuerwehr.

Regisseur Joseph Kosinski schildert in seinem Film „No Way Out“ den Alltag dieser unfurchtsamen Elitetruppe, ohne sich in kitschige Gefühlsduseleien zu ergehen.Sein Hauptaugenmerk liegt auf den familiären Konflikten und ihren persönlichen Krisen.

„Im Zeitalter der Superhelden stehen in NO WAY OUT- GEGEN DIE FLAMMEN wahre Helden im Mittelpunkt“, betont Kosinski. „Es geht um Zusammenhalt, um Opfer und Rettung-alles vor dem Hintergrund eines Waldbrands“.

„Hotshots werden die Spezialeinheiten, die an vorderster Front Brände bekämpfen, genannt. Sie gehen nicht mit Wasser gegen die Brände vor, sondern mit Flammenwerfern. Sie schaufeln Gräben, fällen Bäume und entzünden kontrolliert Feuer, um den Brand einzudämmen.“

Eric Marsh (Josh Brolin) ist einer von ihnen. Er ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Er bildet seine Truppe gerade zur Hotshot Elite Crew aus. Im Normalfall dauert das Training Jahre.

„Genießt noch die herrliche Aussicht. Nach eurem ersten grossen Einsatz, seht ihr hier nur noch Brennstoff,“ sagt er zu den Männern.

Brendan (Miles Teller) der nach jahrelangem Drogenmissbrauchs und dessen Freundin schwanger ist und sich von ihm getrennt hat, versucht sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Es ist Marsh, der ihm eine Chance gibt. Von der Machotruppe wird sein Einsatz misstrauisch beäugt. Kleine Sticheleien muss er sich hin-und wieder gefallen lassen. „Rekruten schikanieren ist okay…..aber Familie ist tabu“. Im Grunde ihres Herzens wissen sie genau, dass, wenn man gemeinsam durch`s Feuer geht, bedingungsloses Vertrauen und gegenseitiger Respekt unabdingbar sind. Es dauert nicht lange und Brendan ist einer von ihnen. Anfangs gaben sie ihm den Spitznamen „Donut“, weil er als komplette Null zu ihnen stiess. Seine Mutter hat ihn rausgeschmissen, das Hotshot- Bootcamp war die einzige Alternative zur Entzugsklinik.

Jennifer Conelly spielt Amanda Marsh, die Ehefrau von Eric. Sie arbeitet als Hufschmiedin, kümmert sich um die gemeinsame Ranch, wenn ihr Mann bei Einsätzen ist. Sie ist selbstbewusst und unabhängig. Man spürt, dass die beiden eine starke Liebe verbindet. Doch ihre Ehe ist belastet durch die lebensgefährlichen Einsätze ihres Mannes und seine über Wochen dauernde Abwesenheit.

Auch ihr Wunsch nach einem Kind bleibt unerfüllt. Die Verantwortung will ihr Mann wegen seines lebensgefährlichen Berufes nicht übernehmen.

Sowie Eric eine Vaterfigur für Brendan ist, ist Duane Steinbrink (Jeff Bridges) eine Art Vaterfigur für Eric. Steinbrink ist der Chef der Feuerwache und ist Erics Marshs Mentor. In seiner Freizeit gehört er zu einerCowboy Band, die sich „The Rusty Pistols“ nennt. Publikumshit ist der song:“Ghost Riders in the Sky“. Der Rest der Crew setzt sich aus den unterschiedlichsten Charakteren zusammen, die alle eines eint: Sie sind Teil einer Truppe, die täglich ihr Leben auf`s Spiel setzen, um andere zu retten und nicht nur das, sondern auch ganze Ortschaften.

Mit seinem Kameramann Claudio Miranda (Life of Pi) erschafft Kosinski eindrucksvolle und gewaltige Bilder, die nicht nur die unbeschreibliche Schönheit der Natur zeigen, sondern auch ihre zerstörerische Macht.

„No Way Out“ ist keins von diesen übertriebenen Heldenepen, sondern eine unsentimentale Erinnerung an die mutigen, unvergesslichen Helden der Brandbekämpfung.