A TOY STORY: ALLES HÖRT AUF KEIN KOMMANDO START: 15.08.2019

Nach neunjähriger Wartezeit ist es endlich wieder soweit: Das Trickfilmvergnügen „Toy Story 4“ ist da und mit ihm die gesammte Spielzeugclique, die einem inzwischen ans Herz gewachsen ist, nebst einigen Neuzugängen. Wie wir wissen, Spielzeug wandert von einem zum anderen. Den Wechsel von Andy zu Bonnie hat Cowboy Woody gut überstanden. Bonnie ist das kleine Mädchen, dem nun das ganze Spielzeug gehört. Bonnie ist traurig, weil sie zum Schnupperkurs in die Vorschule muß. Es ist ihr erster Schultag. Woody hat sich in ihren Schulranzen geschmuggelt, damit sie nicht so alleine ist. Aus einem alten Plastiklöffel, Pfeiffenreiniger und einem alten Eisstiel hat sich Bonnie ein neues Spielzeug gebastelt, dem sie den Namen Forky gibt und dem jetzt ihre ganze Aufmerksamkeit gilt. Forky begreift einfach nicht, dass er nun ein Spielzeug ist, er meint, er sei Müll. Woody hat alle Hände voll zu tun, Forky immer wieder aus einem Abfallbehälter zu retten, weil er meint, dorthin zu gehören. Obwohl Woody traurig ist weil er nicht mehr Bonnies Lieblingsspielzeug ist, er sie aber nicht traurig sehen will, erklärt er Forky eindringlich, dass Bonnie mit ihm die schönsten Augenblicke ihrer Kindheit erleben wird. Doch Forky lässt sich nicht von seiner Überzeugung abbringen. Bei einem Familienausflug sammt Spielzeug in einem Wohnmobil, gelingt ihm die Flucht. Woody eilt ihm hinterher. Er muss ihn unbedingt vor dem Müllschlucker retten, um ihn wohlbehalten Bonnie zurückbringen. Unterwegs, auf einem Rummelplatz findet Woody seine große Liebe wieder, Schafhirtin Porzellinchen, in Begleitung einer Miniatur-Polizistin Diggle. Porzellinchen steht inzwischen auf eigenen Füssen. Ausser Forky, gibt es noch einen Neuzugang. Die Puppe Gaby Gaby, die mit einem kaputten Sprachmodul in einer Vitrine in einem Antiquitätenladen hockt und auf die Liebe eines Kindes hofft.

Wie schon in den vorrausgegangenen Teilen, entwickeln die Puppen und Spielzeugfiguren wieder ein Eigenleben. Man lacht mit ihnen, leidet mit ihnen und ein bisschen Puppenterror ist auch dabei.

„Toy Story 4“ entzückt mit Buntheit, witzigen Ideen, einem Hauch Feminismus und kindgerechten Slapstickeinlagen. Das Ende beschert einem die Vorfreude auf einen eventuellen 5. Teil. Berührend das Spielzeuglied…..“Bitte wirf mich nicht einfach weg“.

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ONCE UPON A TIME IN…HOLLYWOOD START: 15.08.2019

Hollywood 1969. Die Zeit der großen Studiofilme ist passé. Rein schöpferisch passiert zur Zeit nicht viel. Das spürt auch Rick Dalton (Leonardo DiCaprio),dessen leuchtender Stern am Filmhimmel erloschen ist. Auch sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) ist davon betroffen. Das Einzige, was Ricks Agent (Al Pacino) ihm noch anbieten kann, sind anspruchslose Rollen in Italo- Western, die Rick hasst wie die Pest und kleine Fernsehauftritte. Was ihm noch bleibt, ist seine Villa mit Pool in den Hügeln von L.A., direkt neben dem Haus von Sharon Tate (Margot Robbie) und Roman Polanski, den er abfällig als „polnischen Pimmel“ bezeichnet. Aus dem bewunderten Star, ist ein vor Selbstmitleid triefender „Normalo“ geworden. Immer noch an seiner Seite, der arbeitslose Stuntman Cliff, der für ihn nicht nur Chauffeur ist, Rick hat seinen Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer verloren, sondern auch Hausmeister, bester Kumpel und ab und zu auch Seelentröster. Cliff, der mit seinem Kampfhund, ganz bescheiden in einem Trailer hinter dem Autokino wohnt, nimmt das alles ganz gelassen hin. In seiner freien Zeit gondelt er durch L.A., fährt ein hübsches Hippiemädchen, daß ihn schon seit längerem anmacht, nach Hause und trifft dort auf die Manson-Sekte, die sich auf einem still gelegten Filmgelände angesiedelt hat.

„Once Upon A Time in Hollywood“ ist mehr als eine Hommage an die Filmindustrie am Ende der Sechzigerjahre, ein glitzerndes, in hellem Sonnenlicht getauchtes L.A., was es so nicht mehr gibt und wahrscheinlich auch nie gegeben hat. Sein Augenmerk legt Tarantino auf dass ungleiche „Best Buddy Paar“, dem weinerlichen Rick und dem coolen Cliff. DiCaprio und Pitt sind gemeinsam eine Wucht.

Einen nennenswerten Plot gibt es nicht. Stattdessen eine Aneinanderreihung von großartig gespielten Szenen, mal urkomisch, mal tragisch, herrlich bunt, in einem liebevoll gestaltetem Setting, mit einem Supersoundtrack der Sechziger Jahre.

Tarantino setzt auch der damals ermordeten Sharon Tate ein Denkmal. Unerkannt löst sie eine Kinokarte in einem längst verschwundenen Filmpalast, legt ihre Füße über den Vordersitz und genießt es, sich selbst auf der Leinwand zuzuschauen. Hin und wieder wirft sie einen Blick nach hinten, um zu sehen, wie das Publikum auf sie reagiert.

Tarantino wäre nicht Tarantino, wenn er sich nicht mit einigen Szenen selbst zitieren würde und wenn es nicht gegen Ende einen Gewalt-Excess geben würde, angeführt von Charles Manson, eine Antwort auf die gezeigte Gewalt in Filmen, mit denen Tarantino wahrscheinlich aufgewachsen ist.

Nicht umsonst trägt sein Film über den Mythos Hollywood den Titel „Once Upon A Time in…Hollywood“. Es war einmal in Hollywood.

PHOTOGRAPH (Ein Foto verändert ihr Leben für immer) Start: 08.08.2019

Ritesh Batra, der 2013 mit seinem Spielfilmdebüt „Lunchbox“ für eine positive Überraschung sorgte, hat seiner indischen Heimat den Rücken gekehrt, um in England „Vom Ende einer Geschichte“ zu drehen und für Netflix „Unsere Seelen bei Nacht“. Mit seinem Film „Photograph“ ist er nach Mumbai zurückgekehrt.

Am berühmten Wahrzeichen der Stadt fotografiert Rafi (Nawazuddin Siddiqui) Touristen und Passanten. Von dem wenigen Geld, dass er verdient, schickt er einen Teil seiner Großmutter (Farrukh Jaffa), damit sie sich ihre nötigen Medikamente kaufen kann. Sie droht ihm, diese abzusetzen, wenn er nicht bald heiratet.

Er schickt ihr das Foto einer jungen Frau, die er vor kurzem fotografiert hat und die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. „Als ich das entwickelte Foto sah, sah ich jemand anderen als mich. Jemand, der glücklicher ist, als ich.“ Doch der Schein trügt.

Es handelt sich um Miloni (Sanya Malhotra), eine MBA-Sudentin, aufgewachsen in einer bürgerlichen Familie, die eines Tages standesgemäss verheiratet werden soll. Rafi, der mit mehreren jungen Männern in einer Wellblechbehausung lebt, schickt seiner Großmutter Milonis Foto und gaukelt ihr vor, dass sie seine heiratswillige Freundin ist. Längst hat sich der Muslim Rafi in das Hindu Mädchen verliebt. Seine Großmutter macht sich auf die Reise, um Miloni kennenzulernen.

Milonis einziger Kontakt zu einer Person einer niederen Kaste, ist die Dienerin ihrer Familie, die nachts auf dem Küchenfußboden eine Matte zum Schlafen ausrollt. Miloni, die eigentlich Schauspielerin werden möchte, beugt sich widerstandslos den Regeln, die in ihrer Familie bestimmend sind.

Der quirligen Großmutter gegenüber sitzen zwei schüchterne, linkische, unglückliche Menschen, die wohl wissen, dass eine Liebe zwischen ihnen unmöglich ist. Sie erfinden kleine Lügen, um die Großmutter in dem Glauben zu lassen, ein Paar zu sein. Als Miloni Rafi zum ersten Mal besucht findet sie ganz viele Fotos von sich unter seinem Bett. Es mutet tragisch an, zu sehen wie schüchtern und vorsichtig die beiden miteinander umgehen. Einen Ausdruck von Zärtlichkeiten sucht man vergeblich. Zu eng ist das Netz des indischen Klassensystems geknüpft.

Mit genauem Blick auf Details zeichnet Ritesh Batra ein Sittenbild der indischen Klassengesellschaft. Märchenähnlich lautet seine Botschaft: „Sie können zueinander nicht kommen, das Wasser ist viel zu tief“.

UND WER NIMMT DEN HUND? START: 08.08. 2019

Nach 25 Ehejahren beschliesst ein Paar (Martina Gedeck, Ulrich Tukur) sich zu trennen. Hilfe erhoffen sie sich von einer Paarherapeutin. Er, Direktor eines Aquariums, sein Steckenpferd sind Quallen. sie hat sich um die Kinder gekümmert und will sich endlich, die Kinder sind aus dem Haus, selbstverwirklichen. Er hofft, mit seiner 30-Jahre jüngeren Geliebten nochmal durchzustarten.

Ein Grund für sie, ihn rauszuschmeissen. Sie ergreift die Initiative und schleppt ihn mit zur Therapeutin. Es folgen die üblichen Schuldzuweisungen, du hast….nein es ist ganz anders, ich seh das so…..man hätte….du bist im Unrecht…usw. Er, Georg hat sich mit dem Gedanken, getrennte Wege zu gehen, abgefunden. Sie, Doris will wenigstens verstehen, wie es zu zu diesem Desaster gekommen ist und ob es nicht doch einen Weg gibt, die Ehe zu retten. In ihrer Verletztheit zündet sie das Auto seiner Neuen an. Kurze Momente der Annäherung werden durch gegenseitige Anschuldigungen wieder zunichtegemacht. Die Kinder geben einige altkluge Ratschläge, sind aber nicht sonderlich an einer Fortführung der Ehe ihrer Eltern interessiert. Als Georg den neuen Freund seiner Frau trifft, artet die Begegnung in eine Schlägerei aus.

Für eine Komödie fehlt dem dialoglastigen Film der nötige Esprit. So ist „Und wer nimmt den Hund“? mehr eine Dramödie als eine Komödie und gehört eher ins Fernsehen, als auf die Kinoleinwand

Mit der Verfilmung des Romans von Martin Walser „Ein fliehendes Pferd“ hat Rainer Kaufmann bewiesen, dass er durchaus in der Lage ist, komödiantische Beziehungskrisen unterhaltsam zu inszenieren. An den beiden Schauspielern liegt es nicht.

SO WIE DU MICH WILLST START: 08.08. 2019

Die etwa 50-jährige geschiedene Literaturdozentin Claire (Juliette Binoche), Mutter zweier Söhne, die von ihrem Mann wegen einer Jüngeren verlassen wurde, leidet unter Einsamkeit. Mit ihrem jungen Liebhaber Ludo Guillaume Gouix) klappt es eigentlich nur im Bett. Sie freut sich auf ein Wochenende mit ihm und als er sich am Telefon von seinem Mitbewohner Alex (Francois Civil) verleugnen lässt, beschließt sie in ihrem gekränkten Zustand, Ludo über Alex auszuspieonieren und ihm vielleicht doch wieder näher zu kommen.

Der junge Fotograf reagiert sofort. Beide chatten miteinander.Claire blüht sichtlich auf. Sie muß höllisch aufpassen, sich nicht zu verraten, denn mit den sozialen Netzwerken hat sie keine Erfahrung. Es kommt, wie es kommen muß. Alex bittet sie um ein Foto. Verschreckt sendet sie ihm ein Bild von einer bildhübschen jungen Frau. Längst haben sich beide ineiander verliebt ohne sich je persönlich gesehen zu haben. Alex besteht darauf, sich endlich zu treffen. Claire bekommt Panik und zieht sich zurück, nicht ahnend, was für folgenschwere Ereignisse sie damit auslöst.

Das Liebesdrama wurde von dem Regisseur Safi Nebbou („Der Hals der Giraffe“) nach einem Roman der Autorin Camille Laurens, spannend umgesetzt. Immer mehr verstricken sich die Liebenden in in ein Knäul aus Liebe, Begehren und Lügen. Das Liebesdrama fesselt mit unvorhergesehenen Begebenheiten, die Schritt für Schritt zusammengefügt werden und bei denen Wahrheit und Lüge miteinander verschachtelt sind. Eine bittere Amour fou, die ganz auf die hinreissende Juliette Binoche zugeschnitten ist.

„Es gibt keine größere Rivalin, als eine, die nicht existiert…….

LOVE AFTER LOVE START: 01.08. 2019

Nach einem schweren Krebsleiden ist Glenn im Kreise seiner Familie qualvoll verendet.

Das Drama erzählt in bruchstückhaften Einstellungen wie durch seinen Tod das Leben der Witwe (Andie McDowell) und der beiden Söhne Nicholas (Chris O´Dowd) und Chris (James Adomian) aus den Fugen gerät. Jeder von ihnen trauert auf seine Weise.

Nicholas trennt sich von seiner Kollegin Rebecca und verlobt sich mit einer Studentin seines Vaters, obwohl er ganz offensichtlich noch an Rebecca hängt, was er als emotionale Rückkopplung bezeichnet. Chris, ein glückloser Romanautor, das schwarze Schaf in der Familie, beginnt sich immer öfter zu betrinken. Witwe Suzanne stürzt sich in einige Affairen, lernt einen älteren Mann kennen, was Nicholas dazu veranlasst, bei einer Party das Glas mit den zynischen Worten, auf eure neue Seniorenbeziehung, zu erheben. Es schmerzt, mitanzusehen, wie tief der Tod des Vaters, beide Söhne getroffen hat. Irgendwann stellt sich Chris hin und hält eine hochemotionale Rede, die mit den Worten beginnt: Mein Dad ist tot………in der er seine Trauer zum Ausdruck bringt.

Es dauert, bis man als Zuschauer, einen Zugang zu den Personen findet und begreift, wieso und warum, sie sich so abschreckend verhalten.

Russel Harbaugh, es ist sein Spielfilmdebüt, macht es einem nicht leicht, die innere Zerissenheit seiner Protagonisten zu verstehen.

DER UNVERHOFFTE CHARME DES GELDES START: 01.08. 2019

Schon in seinen Filmen „Untergang des amerikanischen Imperiums“ (1986) und in „Die Invasion der Barbaren“ (2003) für den er einen Oscar bekam, übte der kanadische Regisseur Denys Arcand heftige Kritik am Kapitalismus.

In seiner Kriminalkomödie „Der unverhoffte Charme des Geldes“ bewegt ihn dieses Thema weiterhin, nur nicht ganz so bissig wie zuvor.

Auf den ersten Blick könnte man Pierre-Paul für total naiv halten. Doch wenn er seinen Mund aufmacht, überzeugt er mit intelligenten Sprüchen, die den Zustand auf unserer Welt und denen, die sie regiert, beschreibt. Obwohl er ein examinierter Philosoph ist, arbeitet er als Kurierfahrer in Montreal. Er ist nicht nur ein Pessimist, sondern auch ein eingefleischter Kapitalismuskritiker, mit dazu gehörenden Depressionen. Eigentlich ist er viel zu klug und zu gut für diese Welt. Für die zahlreichen Obdachlosen in seiner Stadt, hat er täglich etwas Geld übrig. Er denkt ständig darüber nach, mit welchen Methoden man, den von ihm gehaßten Kapitalismus, aushebeln kann.

Während seiner Arbeit, wird er Zeuge einer blutigen Schießerei nach einem Überfall. Zwei der Gangster liegen tot am Boden, der dritte entkommt schwer verletzt. Zurück bleiben zwei große Reisetaschen, vollgestopft mit Geldscheinen. Ohne nachzudenken, packt er die Taschen in sein Auto und fährt nach Hause. Was macht nun ein ein so guter Mensch wie er mit so einem Batzen Geld? Er verabredet sich mit dem teuersten Escort-Girl der Stadt. Aspasie nennt sich die junge Dame. Als es ans bezahlen geht, beobachtet sie, dass seine Schublade voller Banknoten ist. Nun ist sie nicht abgeneigt, ihn ab und zu wieder zu treffen. Nach kurzer Zeit erzählt er ihr, woher das Geld stammt und schmiedet mit ihr und mit Hilfe eines aus dem Knast entlassenen, windigen Finanzexperten Sylvain, genannt „The Brain“, einen Plan. Auf die Idee, dass die beiden es nur auf sein Geld abgesehen haben, kommt er nicht. Längst hat ihn die Drogenmafia und die Polizei im Visier. Auch sie haben großes Interesse an den Millionen. Eigentlich macht er alles falsch, was man nur falsch machen kann. Er hat sich bereits ihn Aspasie verknallt und schenkt ihr blind sein Vertrauen und ob es Sylvain gut mit ihm meint, sei auch dahingestellt. Aspasie überlegt schon, wie sie einen ihrer ehemaligen Kunden, den gerissenen Offshore-Banker Tascherreau, mit ins Boot nehmen kann. Einer, der die skrupellosen, verschlungenen Wege der Geldwäsche kennt.

Jetzt wird die Geschichte spannend und soll auch nicht verraten werden. Auf jeden Fall fiebert man mit dem sympathischen Weltverbesserer mit und hofft, dass er auf einem guten Weg ist. Ja, man wünscht sich viel, viel mehr von dieser Sorte Mensch.

Arcand, der auch das Drehbuch geschrieben hat, punktet mit klugen Dialogen und einem spielfreudigem Schauspielerensemble und köstlicher Situationskomik. Seine Kritik an den gesellschaftlichen Missständen hat er geschickt humorvoll verpackt.

D: Mariepier Morin, Pierre Curzie, Alexandre Landry, Maxim Roy. Länge: 127 Min. OT: La chute de l`empire américain