SMALL WORLD ( Ein Film, der in die Abgründe des Kinderhandels führt) Kinostart: 16.9.2021

PRESSETEXT DES FILMVERLEIHS:

„Die Geschichte beginnt in Polen, wo ein 4 Jahre altes Mädchen aus einer der umliegenden Städte verschwindet. Ihre Mutter findet bald heraus, dass die russische Mafia ihre Tochter entführt hat. Als die Frau zu einem Grenzübergang eilt, um ihr Kind zu retten, wird sie von einem Polizisten, Robert Goc, wegen überhöhter Geschwindigkeit angehalten. Das Eingreifen der Polizei verzögert die Verfolgung und das Kind wird hinter der Ostgrenze entführt. Schon bald wird Robert, der sich schuldig fühlt, weil er die Entführer nicht aufhalten konnte, in eine internationale Ermittlung verwickelt, um das Mädchen zu finden. Die Spur zu der entführten Ola taucht ein paar Jahre später in Russland auf.

Der Menschenhandel ist der am dynamischsten entwickelte Zweig der Kriminalität in der heutigen Welt. Jedes Jahr werden 1,5 Millionen Kinder für sexuelle Ausbeutung, Betteln, Organhandel oder Rituale verkauft. SMALL WORLD handelt von einem dieser Kinder. Das Drehbuch wurde auf der Grundlage von Dokumentationen erstellt.

Patryk Vega, der Regisseur möchte, dass dieser Film ein „Aufschrei“ ist, bei dem sich Schauspieler aus verschiedenen Ländern gegen den weltweiten Kinderhandel zusammen schliessen. Er möchte jedoch betonen, dass es ihm sehr wichtig ist, nicht die direkten brutalen Bilder von Kindern zu zeigen, die misshandelt werden“.

Eine Mutter entdeckt, dass ihr Kind weg ist. Verzweifelt rennt sie auf die Strasse, dort liegen abgeschnittene Haar und russische Süßigkeiten. Sie setzt sich ins Auto und verfolgt einen Transporter mit russischem Kennzeichen. Als sie von der Polizei gestoppt wird und denen wild gestikuliernd unter Tränen klar macht, was passiert ist, sind die Entführer längst über alle Berge. Dank des Einsatzes von Robert Goc, wird sie ihre Tochter Ola, erst nach 12 Jahren wiedersehen.

Russland, 3 Jahre später.

Oleg, ein Russe, muss mit seinen fünf adoptierten Kindern wegen einer Gasexplosion seine Wohnung fluchtartig verlassen. Als die Polizei nach dem Auslöser sucht, entdecken sie in seiner Wohnung pornographische Kinderfotos. Er wird festgenommen. Es ist erschütternd wie die weinenden Kinder der Polizei hinterherrufen, was sie denn mit ihrem lieben Pappi tun. Aus einem Mangel an Beweisen wird er wieder laufen gelassen. Er bringt die Kinder zu seinem Bruder, der sie an eine kriminelle Gruppe aus Moldawien verkauft. Widerlich das Geschachere um den Preis. Robert kommt leider zu spät. Der nächste Fall führt ihn nach Großbritannien. Nach dem tragischen Tod eines der minderjärigen Mädchen, stößt der Polizist auf eine Spur,die zu einer der britischen Wohnungen führt. Dort findet er einen Fotografen und ein geheimnisvolles junges Mädchen. Als er sie nach ihrem Namen fragt, antwortet sie mit kindlicher Stimme: „Candy oder Stella oder Sugar oder Kitty. Wie sich später herausstellt, ist es Ola, die er sucht. Das Mädchen entkommt, der inhaftierte Fotograf wird wegen der einflussreichen Beziehungen der Künstlerin Jasmina wieder freigelassen. Die obszönen Fotos bezeichnet sie als Kunst. Robert schäumt vor Wut. Weiter verfolgt er Olas Spur. Sie führt ihn zu einer mysteriösen Party. Er trifft auf Menschen in einer düsteren Maskerade, bei der kleine Kinder für okkulte Rituale benutzt werden. Leider wird der Polizist enttarnt . Ola wird ihm weggenommen und erneut verkauft, diesmal nach Asien. Vier Jahre sucht er in Thailand nach dem Mädchen, bis er endlich ihre Spur gefunden hat. Sie hat ein Verhältnis mit John, dem Mann, der sie in Großbritannien gekauft hat. Ein Choleriker, der sie misshandelt dann wieder verwöhnt und wieder misshandelt……. Robert will sie zurück nach Polen bringen.Ola weigert sich. Erst als sie schwanger ist und John sie zu einer Abtreibung zwingt, geht sie unter Tränen weg. Robert hilft ihr, sich zu verstecken, besorgt ihr einen Pass bei der polnischen Botschaft und das Ticket nach Polen. Vorher macht er noch ein Foto von ihr und schickt es ihrer Mutter. Nach zwölf Jahren kehrt sie zurück, in eine Welt, die ihr völlig fremd ist.

Das ist der rote Faden eines Films, dessen Bilder man kaum ertragen kann. Patryk Vega schreckt nicht davor zurück diese abartige Szene in all ihrer Brutalität zu zeigen, dass man völlig vergisst, Zuschauer eines Spielfilms zu sein. Alle Schauspieler, angefangen bei den Kindern, den Polizisten den Tätern, den Opfern, sie spielen eine bittere Realität, die einer Dokumentation gleich kommt.

Ganz großartig das Spiel von Robert, der sich jahrelang in diesem Sumpf bewegt und einer „Achterbahn“ von Emotionen ausgesetzt ist, zeigt gnadenlos, was das mit einem macht. Kaum erträglich mitanzusehen, wie die Kinder sich ihrer Umwelt anpassen, lautlos leiden, sich in die Opferrolle fügen, denn sie kennen ja nichts anderes. Die Brutalität die in diesem Film zum Ausdruck kommt wirkt, noch lange nach und das ist auch gut so. Robert kehrt nochmal zurück nach Großbritannien, mischt sich wieder unter eine mystriöse Maskerade, überwältigt die Sicherheitskräfte und beginnt mit einem Maschinengewehr auf die Peiniger zu schießen. Dann befreit er Dutzende von Kindern und lässt sie vor dem Haus frei, wo sich die Polizei um sie kümmert. Psychologisch verständlich.

Polen 2021 Regie: Patryk Vega D: Enrique Arce, Marieta Zukowska, Aleksei Serebryakov,, Piotr Adamczyk, Julia Wieniawa

STILLWATER-GEGEN JEDEN VERDACHT (Ein Vater kämpft für seine Tochter, die unter Mordanklage steht) Kinostart: 9.09. 2021

Der Fall der amerikanischen Austauschstudentin Amanda Knox, die 2007 in Italien eine Mitbewohnerin umgebracht haben soll und nach vierjähriger Haft in letzter lnstanz freigesprochen wurde, dient als Aufhänger für dieses Drama.

Regisseur Tom McCarthy („Spotlight“) verlegt den Handlungsort von Perugia nach Marseille. Immer wieder reist Bill Baker aus Stillwater, einem Kaff in Oklahoma dorthin, um seine inhaftierte Tochter Allison (Abigail Breslin) im Gefängnis zu besuchen. Fünf Jahre ihrer neunjährigen Haftstrafe hat sie bereits abgesessen. Die Studentin wurde in einem spektakulären Prozess für den Mord an ihrer Geliebten, die arabischer Herkunft war, verurteilt. Weiterhin beteuert sie ihre Unschuld. Baker, der jahrelang keinen Kontakt mit ihr hatte, besucht sie regelmässig, bringt ihr frische Wäsche und bestellt ihr Grüße von der Großmutter. Ihre Mutter hat sich umgebracht. In der kargen Besucherzelle beten sie gemeinsam. Allison steckt ihrem Vater ein Kassiber zu, ein Brief an ihre Anwältin, mit neuen Hinweisen zu ihrer Unschuld, um den Fall wieder neu aufzurollen. Die Anwältin lehnt ihr Gesuch ab. Für sie ist der Vorgang abgeschlossen. Es gibt eine Zeit der Hoffnung und eine für Akzeptanz. Baker lässt seine Tochter in dem Glauben, dass der Fall wieder aufgerollt wird.

Die eigentliche Stärke des Dramas ist sein Hauptdarsteller Matt Damon, intensiv, wie lange nicht. Mit vollem Kinnbart, Basecap und Sonnebrille erkennt man ihn kaum. Bill Baker, ein wortkarger, gläubiger Redneck und überzeugter Waffenbesitzer. Seinen früheren Job auf den Erdölfeldern hat er verloren und der Alkohol war lange Zeit sein bester Freund. Als die Französin Virginie, die noch eine wichtige Rolle spielt, ihn fragt, ob er ein Trump-Wähler sei, antwortet er, daß er als Vorbestrafter nicht wählen darf.

Baker entschliesst sich, selbst nach entlastenden Beweisen zu suchen. Gar nicht so einfach in einem Land mit einer fremden Kultur und einer Sprache, die er nicht spricht. Für einen Privatdedektiv fehlt ihm das Geld. Er recherchiert auf eigene Faust. Parallel dazu entwickelt sich ganz sacht eine Liebesgeschichte zu der alleinerziehenden Französin Virginie (Camille Cottin), die für einige Tage mit ihrer Tochter Maya (Lilou Siauvaud) im selben Hotel wohnt. Sie bietet ihm ihre Hilfe an. Baker hat sich in den Kopf gesetzt, Akim zu finden, einen jungen Mann, der erzählt hat, eine Frau umgebracht zu haben und der in der Mordnacht mit Allison und ihrer Freundin gefeiert haben soll. Von ihm könnten die DNA-Spuren stammen, die die Polizei am Tatort gefunden hat. Damit begibt er sich in eine heillose Gefahr. Seine Suche führt ihn in eine Gegend, wo man sich als weisser und dann noch amerikanischer Tourist, besser nicht sehen lassen sollte. Er wird zusammengeschlagen aber er hat Akim gefunden. In der Zwischenzeit hat Virginie ihm angeboten als Untermieter bei ihr einzuziehen. Er kümmert sich um ihre Tochter wenn sie Theaterproben hat. Sie hilft ihm bei Telefonaten, macht Übersetzungen für ihn, er revanchiert sich, indem er handwerkliche Arbeiten in der Wohnung erledigt. Ausserdem hat er einen Job als Hilfsarbeiter auf dem Bau angenommen. Allison will ihn nicht mehr sehen. Als sie erfährt, dass er sich auf die Suche nach Akim gemacht hat und nicht die Polizei gerufen hat, schreit sie ihn wütend an: „Du versaust mir mein Leben nicht mehr. Du hast es mir schon als Kind genug versaut“!- Maya ist glücklich. Sie sieht in Bill so etwas wie eine Vaterfigur. Fröhlich bringt sie ihm französische Vokabeln bei. Ganz langsam öffnet sich dieser entwuzelte Mensch, mit dem reglosen Gesicht, der um die Freiheit seiner Tochter kämpft, nicht nur weil er an ihre Unschuld glaubt, sondern um seine Versäumnisse aus der Vergangenheit wettzumachen. Auch gegenüber Virginie lockert er allmählich seinen Panzer. Seine ungelenken Umarmungen werden lockerer und weicher und er tanzt in der neuen, familiären Umgebung nach dem Song von Sammi Smith: „Yesterday is dead and tomorrow`s out of sight. And it`s sad to be alone. Help me make it through the night. Auch betritt er zum ersten Mal ein Theater.

Er macht Maya eine große Freude indem er mit ihr zum Fussballspiel ins Stadion von Olympique Marseille geht. Dort spielt ihr Lieblingsverein. Das Stadion ist ausverkauft. Der Jubel ist groß. Da entdeckt Baker Akim. Mit Maya an der Hand, nimmt er die Verfolgung auf. Hoffentlich macht er jetzt keinen Fehler.

„Stillwater“, Krimi und Sozialdrama, lebt von Matt Damons schauspielerischer Leistung. Allein mit seiner Körpersprache füllt er diese Figur mit Verletzlichkeit, Trauer und der Hoffnung für sich und Allison endlich Frieden zu finden. Die subtilen Zwischentöne und unverhofften Wendungen geben dem Drama einen zusätzlichen Schliff.

USA 2021 140 Min. R: Tom McCarthy D: Matt Damon, Abigail Breslin, Camille Cottin, Anne Le Ny, Deanna Dunegan, Moussa Maaskri, Lilou Siauvaud

FANTASTISCHE PILZE (Dokumentarfilm…Die magische Welt zu unseren Füssen)

Pilze betreiben im Gegensatz zu Pflanzen keine Fotosynthese und bestehen mit ihren Fruchtkörpern nicht aus Zellstoff, sondern Chinin. Das rückt Pilze zusammen mit ihren sonstigen Eigenschaften in eine ungewöhnliche Zwischenposition zwischen Tieren und Pflanzen. Botanisch gesehen sind Pilze kein Gemüse, sondern werden mit ihren verschiedenen Arten unter die eigene Ordnung Fungi aller Pilzgewächse subsumiert.

Es gibt über 1,5 Millionen verschiedener Arten, giftig und ungiftig. Sie bilden ein unterirdisches Netz, das alles Lebende miteinander verbindet und können sogar mit Bäumen kommunizieren. Sie liefern Nährstoffe, indem sie Organismen zersetzen und abgestorbene Organismen kompostieren.

Sie sind in der Medizin einsetzbar und können bewusstseinserweiternde Prozesse in Gang setzen, sofern sie den Stoff Psilocybin enthalten. Es gibt Studien die gezeigt haben, dass man bei geprüfter Dosierung, die Angst vor dem Tod überwinden kann. Bei einigen Menschen können sie auch Wunder bewirken. Der Mykologe Paul Stamets erzählt, dass er als Kind mit Magic Mushrooms im Magen eine Gewitternacht auf einem Baum verbracht hat und seit dem nicht mehr stottert. Bekannt ist auch, dass man Pilzmittel in der Krebstherapie einsetzt. Tatsachen, die von der Pharma-Industrie „verteufelt“ werden.

„Fantastische Pilze“ besticht durch seine spektakulären Trickaufnahmen und nimmt den Zuschauer mit in eine Welt des Staunens über die Spezies Fungi. OT: Fantastic Fungi

USA 2020 81 Min. R: Louie Schwartzberg D: Paul Stamets

EIN NASSER HUND (Intensives, aktuelles Jugenddrama) Kinostart: 9.09.2021

Der sechzehnjährige Iraner Soheil (Doguhan Kabadyi) zieht mit seinen Eltern aus dem beschaulichen Göttingen nach Berlin – Wedding. Sein erster Eindruck: „Man sieht ja hier nur Dunkelhaarige und kaum Blonde.“ Dass der Schüler wegen seiner Religion angegriffen und gemobbt wird, ahnt er nicht. „Türken, Araber, Kurden, wir sind eine Familie. Willkommen im Wedding, Habibi“! Mit diesen Worten begrüßt ihn der Gangchef Husseyn (Mohammad Eliraqui) mit einer Umarmung.

Einge Tage zuvor haben ihm zwei Jungen, wegen seiner Kette mit dem Davidsstern, die er von seiner Oma geschenkt bekommen hat, als „dreckigen Juden“ beschimpft, dabei wird der jüdische Glaube in seinem Elternhaus gar nicht praktiziert. Um nicht weiteren Ärger zu bekommen, verheimlicht er fortan seine jüdische Herkunft und freundet sich mit den türkischen und arabischen Jugendlichen aus Husseyins Gang an.

Seine Eltern (Kida Khodr Ramadan und Dorka Gryllus) betreiben eine kleine Schneiderei und lassen ihrem Sohn viel Freiheit. Schnell ist er unter dem Namen „Kingsize“ im Wedding als nächtlicher Sprayer bekannt.

Um dazuzugehören und anerkannt zu werden, macht er sich mit Husseinys Gangkameraden auf den Weg nach Kreuzberg, um dort agierende Rivalen aufzumischen. Als „Bruder“ Husseyin ihm ein Messer in die Hand drückt, sticht er zu. Er vertickt Drogen, ist mit dabei einen Juwelier zu überfallen, den die Gang für einen Juden hält. Besonders stolz sind sie auf Soheil, als er es wagt, ein Polizeiauto zu besprühen, obwohl die Beamten in unmittelbarer Nähe sind.

Soheil ist in das türkische Mädchen Selma (Derya Dilber) aus seiner Schule verliebt. Als er als Ablenkungsmanöver das Wort „Jude“ an die Hauswand der Schule sprüht, stößt er auf Unverständnis seiner „Freunde“ und bekennt sich zu seiner Religion. Er versteht nicht, warum man im Wedding nicht dazustehen kann, ein „Jude“ zu sein. „Warum hassen sie uns so“, fragt er seinen Vater, der ihm fürsorglich zur Seite steht. Aber auch er hat keine Antwort. Selma, die trotzdem zu ihm hält, wird von einem Moslem aus der Gang bedroht. Sie schreit ihn an: „Liebe ist Religion scheißegal“!

Basierend auf dem 2010 veröffentlichen autobiographischen Roman „Ein nasser Hund ist besser als ein trockenener Jude“ von Arye Sharuz Shalicar, der seine Jugend im Wedding verbracht hat und heute in Israel lebt, erzählt Regisseur Damir Lukacevic in seinem Drama vom alltäglichen Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen. Bemerkenswerte Jungschauspieler, von denen viele von ihnen zum ersten Mal vor einer Kamera stehen, die ihre eigene Sprache sprechen, überzeugen mit einer unglaublichen Wahrhaftigkeit. Um seine Protagonisten gut vorzubereiten, veranstaltete Lukacevic mehrmonatige Improvisationsworkshops. Coole Rapmusik, schnell geschnittene Action sorgen zusätzlich, für eine authentische Atmosphäre. Der Muslim Kida Khodr Ramadan („4 Blocks“), der im Libanon geboren ist und Soheils verständnisvollen Vater spielt, zeigt wieder einmal mehr, das er nicht nur Gangster spielen kann. Hauptdarsteller Doguhan Kabadayi, der hier sein Schauspieldebüt gibt, stand bestimmt nicht zum ersten-und letzten Mal vor der Kamera. Ihn wird man bestimmt noch öfter sehen.

Ein aktuelles Jugenddrama, intensiv gespielt.

Deutschland 2020 102 Minuten

BECKENRANDSHERIFF (Komödie) Kinostart: 9.9. 2021

Karl Kruse ist ein Pedant. Wehe man will eine Minute zu früh ins Schwimmbad, dann heißt es warten. Die einzige Dauerkartenschwimmerin, die Morgen für Morgen ihre Runden schwimmen will, wird erst Punkt neun Uhr hereingelassen. Liegt jemand schief auf der Liege, werden von ihm die Beine gerade gerückt, auf Bahn sechs darf nicht gekrault werden, auf dem Sprungturm darf man nicht rumstehen und um Punkt 19:00 werden die Liegen in Reih und Glied gerückt. Wehe man nennt ihn Bademeister, dann wird man sofort korrigiert: „Ich bin Schwimmmeister“. Zu seinen Utensilien gehört ein Fernglas und eine Trillerpfeife. Nur wenn die Wasserballtrainerin Frau Wilhelm (Johanna Wokalek, köstlich), mit ihrer Herrenmannschaft auftaucht, ist Krause wie umgewandelt.

Doch dann hat er ein Problem: Das sanierungsbedürftige Bad soll abgerissen werden. Das hat die Bürgermeisterin (Giesela Schneeberger) beschlossen, da die Kosten für eine Instandsetzung viel zu hoch sind. Stattdessen soll der skrupellose Bauunternehmer Dengler (Sebastian Betzel) dort Luxuswohnungen bauen. Kruse versucht nun Unterschriften für ein Volksbegehren zu sammeln, doch er kann nur wenige Unterstützer mobilisieren. Sein neuer Azubi Sali (Dimitri Abold), ein nigerianischer Flüchtling, gegen den er anfänglich natürlich Vorbehalte hat, ist ihm auch keine große Hilfe, denn er macht keinen Hehl daraus, dass er so schnell wie möglich nach Kanada abhauen will, da ihm die Abschiebung droht. Das ändert sich, als er Lisa (Sarah Mahita), die Tochter von Dengler kennenlernt, die aus privaten Gründen ihr Schwimmtraining unterbrochen hat, nun aber doch wieder von einer Profiekarriere träumt und nachts ins Schwimmbad einsteigt und trainiert.

Kruse wäre nicht Kruse, wenn er nicht um sein geliebtes Schwimmbad kämpfen würde. Dass die von ihm verhaßte Ente, die sich im Schwimmbad eingenistet hat und bei der sich herausstellt, daß sie eine ornithologische Sensation ist, die maßgeblich an der Rettung beteiligt ist, hätte Kruse nie für möglich gehalten.

Die neue Komödie von Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot) überzeugt mit viel Humor und süddeutschen Charme. Geschickt hat Rosenmüller auch ernsthafte Themen eingebaut, die zum Nachdenken anregen. Es bleibt nicht verborgen, dass Milan Peschel an seiner Rolle des pedantischen Schwimmeisters einen Riesenspaß hatte. In Berlin würde man sagen, ein Typ mit Herz und Schnauze, denn er kann auch anders. Das etwas klamaukige Ende, sei verziehen.

Deutschland 2020, 100 Min. R: Marcus H. Rosenmüller D: Milan Peschel, Dimitri Abold, Johanna Wokalek, Sarah Mahita, Sebastian Betzel, Rick Kavanian

Bekenntnisse des HOCHSTAPLERS FELIX Krull Kinostart: 2.9.2021

Pötzlich schießen Romanverfilmungen wie Pilze aus dem Boden. Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“, Erich Kästners „Fabian“, Stefan Zweigs „Schachnovelle“ und jetzt ganz aktuell Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Schon zweimal wurde der Roman verfilmt. 1957 von Kurt Hoffmann mit Horst Buchholz in der Titelrolle und dann noch einmal1982 als fünfteilige Miniserie von Bernhard Sinkel und nun von Detlef Buck, der gemeinsam mit Daniel Kehl das Drehbuch für die Adaption des Stoffes schrieb. „Fabian“ und „Berlin Alexanderplatz“ glänzen durch gelungene Neuinterpretationen des bekannten Stoffes, das heißt,man hat eine aktuelle Modernisierung gewagt.

Eigentlich ist dieser charmante Felix Krull gar kein Hochstapler sondern eher ein gewitzter Schelm, der es versteht, ohne großen Aufwand sich durch das Leben zu schlängeln. Schon in frühester Kindheit, hatte er großen Spass an Rollenspielen und Verwandlungskünsten. Auf seine Musterung hat er sich perfekt vorbereitet. Unverblümt erzählt er dem Stabsarzt (Detlef Buck) wie sehr er sich darauf freut, gegnerische Soldaten totzuschießen. Es dauert nicht lange und er wird vom Militärdienst befreit. Sein Ziel hat er erreicht.

Als sich ihm nach einigen Schicksalsschlägen, die Verschwendungssucht seines Vaters hat die Familie in den Bankrott getrieben, bietet sich ihm die Möglichkeit, als Liftboy in einem Pariser Luxushotel zu arbeiten. Auch hier ist es ihm ein leichtes, sich den Gegebenheiten anzupassen und rasch zum Oberkellner aufzusteigen. Und da er nicht nur ein guter Schauspieler ist, sondern auch als Liebhaber eine besondere Begabung hat, gepaart mit seinem Charme, fahren die weiblichen Gäste auf ihn ab. Besonders die lüsterne mondäne Madame Houpflé (Maria Furtwängler) Gattin eines Kloschüsselfabrikanten, die ihn in ihre Suite bittet und ihn für seine Liebesdienste mit Schmuck bezahlt. Bei Krulls Zusammentreffen mit dem unglücklich verliebten Marquis Louis de Venosta kommen die beiden auf die Idee, ihre Identität zu tauschen, um dem Marquis eine Heirat mit der freizügigen Zaza ( Liv Lisa Fries) zu ermöglichen.Sie ist die Freundin von Krull, die ihm nach Paris gefolgt ist, weil sie emporkommen will und sich als falsche Dame dem reichen Marquis anbietet und für die gute Partie Felix Krull aufgibt. Krull verliert seine große Liebe, darf dafür in seiner neuen Identität in der Welt herumreisen.

Die Szenen beim portugiesischen König (Christian Friedel), wo Krull sein „Meisterstück als Hochstapler“ celebrieren kann, kommen im Buch gar nicht vor. Auch der Oberkellner Stanko (Nicholas Ofczarek) ist im Film eine zwielichtige Gestalt, die alle Hotelangestellten zu krummen Taten zwingt.

Dem Film fehlt die feine Ironie und die Doppelbödigkeit und die Leichtigkeit mit der Krull nur zugreifen muss was das Leben ihm bietet und der Welt vorgaukelt, was sie zu sehen wünscht. Das Spiel mit Illusionen. Ich bin, was ihr in mir seht. Hier sehen wir einen Krull, der mit aller Macht von ganz unten nach ganz oben will und das mit allen Mitteln. Im Roman ist er eine schillernde Persönlichkeit, in die sich alle verlieben. Es entsteht der Eindruck, dass Buck mit dem Roman nicht viel anfangen konnte. Da der Film im Jahr 1905 spielt, setzt er auf Kostüm, Champagner und prunkvolle Ausstattung. Man hat das Gefühl, dass die Schauspieler spielen durften wie sie wollten. Einigen ist es gelungen, einige wurden zur Karikatur oder blieben blutleer, sowie David Kross in seiner Rolle als Marquis. Frau Furtwängler liefert eine Selbstdarstellungsnummer nach dem Motto: „Schaut alle her, ich kann auch Nymphomanin“. Leider fehlbesetzt. Jannis Niewöhner darf in seiner Musterungsszene wild chargieren, was den Ernst seines Bluffs kaputt macht, obwohl der Regisseur in der Rolle des Stabsarztes sein Gegenüber ist.

Man fragt sich warum die beiden, Buck und Kehlmann, diesen Stoff nicht modernisiert haben und in unsere Zeit der Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken, übertragen haben, dem alltäglichen Spiel mit Identitäten und Illusionen und dem Spagat zwischen Wirklichkeit und Fiktion.

Stattdessen wird aus dem schillernden Blender Krull, ein Typ dem nichts näher steht, als sich von unten nach oben zu boxen und wo die Antwort auf Liebe oder Karriere, Karriere lautet.

Das Augenzwinkernde und Flirrende und die feine Ironie der Geschichte ist hier leider nicht zu spüren. Ich zitiere Filmkritiker Knut Elstermann: „Es fehlt die Seele des Buches“.Besser kann man es nicht ausdrücken.

Deutschland 2021 111 Min. R: Detlef Buck D: Jannis Niewöhner, , Liv Lisa Fries, David Kross, Maria Furtwängler, Nicholas Ofczarek, Joachim Król, Christian Friedel, Detlef Buck, Charlie Hübner, Martin Wuttke, Dominique Horwitz

DIE WELT JENSEITS DER STILLE (Dokumentarfilm) Kinostart: 2.9. 2021

Mitte März 2020 beschließen der Regisseur und Grimme-Preisträger Manuel Fenn und die Produzenten Renée Frotscher und Thomas Jeschner einen Film über das Leben von ganz normalen Menschen während des Lockdowns zu drehen. Zwölf Filmteams machen sich auf den Weg und erkunden eine Welt im Ausnahmezustand. Eine Krise- zwölf Erzählungen aus zwölf Ländern, die da sind: Brasilien, Deutschland,Bolivien,Israel Malysia, Großbritannien, Russland, Iran, Kenia, USA, Brasilien und Italien. Überall auf der Welt spielt sich das Gleiche ab: Leere Strassen, leere Plätze, leere Strände, Stille. Menschen sind voneinander getrennt, Kommunikation ist nur noch über das Internet und Telefon möglich, maskierte Gesichter. Die Welt, wie wir sie kennen, steht auf einmal still.

Meister Li, ein Kung-Fu Lehrer, der durch das Training mit seinen Schülern Halt in der Fremde findet, fühlt sich einsam. Ein Ehepaar mit zwei Kindern ist aufgrund der Pandemie „eingesperrt“ und das in ihrer schlimmsten Ehekrise. Ein indigener Stamm im Amazonasgebiet versucht mit allen Mitteln, das Virus aus ihrem Dorf fernzuhalten und baut vorsorglich ein Haus für Infizierte. Die Menschen sind auf sich selbst zurückgeworfen.

Eine Altenpflegerin trägt in einem fremden Land eine alte Frau zu Grabe. Ein blinder Mann bewegt sich plötzlich in einer stilleren Welt. Ein DJ schreibt Songs über den Weltuntergang und ist so kreativ wie nie zuvor. Ein Krankenhauspfleger separiert sich aus Sorge um seinen Freund und pflegt seine Patienten. Eine Mutter erlebt während des Ausgangsverbots die ersten Schritte ihres Babys und vermisst ihre Familie.Ein obdachloser Pizzabote, der seinen Beruf und CocaCola liebt, ist auf der Suche nach einer Wohnung. Eine junge Frau kehrt zu ihrer ultraorthodoxen Familie zurück. Die Portraitierten erzählen wie es ihnen geht, wie verzeweifelt sie sind und trotzdem das Beste aus dieser Situation machen. Aus der Vogelperspektive treiben Schäfer jeden Tag unbeirrt ihre Herde zu einer Quelle.

Über alle Grenzen hinweg, vereint uns alle dasselbe: Die Verletzbarkeit unseres gewohnten Daseins. Emotional und authentisch. Wut und Trauer wurden in dieser Dokumentation ausgespart.

D 2021 119 Min.

RÄUBERHÄNDE (Auf einem Road-Trip nach Istanbul versuchen zwei Teenager-Jungen, ihre Freundschaft zu retten) Kinostart: 2.9.2021

Janik (Emil von Schönfels) und Samuel (Mekyas Mulugeta) sind beste Freunde, die wie Brüder aufgewachsen sind. Sie sind gerade dabei ihr Abi zu machen. Während Janik perfekte Eltern hat, hütet Samuel ein Geheimnis. Er schämt sich seiner alkoholkranken Mutter. Janiks Eltern haben Samuel wie einen Sohn, bei sich zu Hause aufgenommen. Samuel, weiß im Gegensatz zu Janik, genau, was er will: So schnell wie möglich, weg von seiner ständig zugedröhnten und lebensuntüchtigen Mutter. Janik sehnt sich nach Chaos und Samuel nach Ordnung. In ihrer gemeinsamen Gartenlaube“Stanbul“ schmieden die beiden Zukunftspläne. Nach dem Abitur wollen sie einen Roadtrip nach Istanbul machen, wo angeblich Samuels Vater wohnt und Janik will dem bürgerlichen Leben und dem, was seine Eltern von ihm erwarten, entfliehen. Auch wenn beide unterschiedliche Meinungen haben und sich gerne kabbeln, zerreißt so schnell nichts ihre tiefe Freundschaft.

Samuel: „Komm, wir hauen ab und lassen den ganzen Scheiß hinter uns“.

Doch kurz vor ihrer Abreise wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Zwischen Janik und Samuels Mutter Irene (Katharina Behrends) kommt es zu einer unverzeihlichen Begegnung. Samuel ist tief verletzt. Hals über Kopf treten sie ihre Reise, die Neuanfang und Spurensuche zugleich ist, trotzdem an. Doch die verläuft nun anders als geplant.

Mit „Räuberhände“ hat Ilker Catak („Es gilt das gesprochene Wort“) den Erfolgsroman von Finn-Ole Heinrich verfilmt. Das Buch avancierte nach seiner Erstveröffentlichung 2007 zum Bestseller, gilt heute an vielen Schulen als Pflichtlektüre und wurde in seiner Bühnenfassung am Hamburger Thalia Theater über 100 mal aufgeführt.

In Istanbul beginnt für die beiden unterschiedlichen Jungen eine Zeit des Erwachsenwerdens. Samuel ist auf der Suche nach seinen Wurzeln und einem Neubeginn. Er ist extrem gut darin, seine Ziele zu verfolgen, auch wenn sich ihm Schwierigkeiten in den Weg stellen. Janik will sich von seinen Eltern abgrenzen, auch wenn sie alles richtig gemacht haben. Wenn er nicht alles anders macht als sie, woher soll er dann wissen, ob dieses Leben wirklich seines ist. An erster Stelle steht jedoch, die Rettung ihrer Freundschaft. Ihr Plan war, ihr Leben zusammen zu bestreiten. Doch noch wissen sie nicht, wie sie ihren Konflikt lösen können. Ihnen fehlen die richtigen Worte und das richtige „Handwerkszeug“, was zu ungewollten Spannungen führt. Besonders Janik erlebt, wie zerbrechlich Vertrauen und Freundschaft sind und das es Grenzen gibt, deren Überschreitung vieles in Frage stellt und dass das sehr schmerzhaft sein kann. Wahrhaftig und einfühlsam erzählt Catak vom einzigartigen Lebensgefühl der 18-jährigen Freunde, die sich in einer Zeit des Aufbruchs befinden, in der alle Möglichkeiten noch offen zu sein scheinen. Mit beeindruckender Authentizität machen sich die beiden Schauspieler auf die Suche nach Freiheit, Identität und Heimat.

Deutschland 2020, 92 Minuten. Darsteller: Emil von Scönfels, Mekyos Mulugeta, Katharina Behrens, Nicole Marischka, Godehard Giese,Luissa Hansen Kamera: Judith Kaufmann Buch: Gabriele Simon und Finn-Ole Heinrich

CANDYMAN (Horror) Kinostart: 26.8.2021

„Candyman“ von Nia Da Costa ist die Fortsetzung von „Candyman`s Fluch“. In Chicago geht die altbekannte Mär um den unheimlichen schwarzen Hakenmann Candyman um, der seine Opfer mit einem Haken als Hand tötet. Die Legende besagt, dass man seinen Namen fünfmal sagen muß, während man in einen Spiegel schaut, um ihn heraufzubeschwören und der dann die Beschwörer brutal mit seiner Hakenhand aufschlitzt. Seitdem kehrt er als Candyman, der von der Polizei zu Tode gefoltert wurde, weil man ihn verdächtigte, Rasierklingen in Bonbons für Kinder versteckt zu haben, aus Rache in die Welt der Lebenden zurück.

Jahrzehnte später zieht der Künstler Anthony McCoy (Yahya Abdul-Mateen II) mit seiner Freundin Brianna Cartwright in das inzwischen teilgentrifizierte Viertel Chicagos Cabini-Green in eine Luxuswohnung. Anthony steckt in einer Schaffenskrise und sucht nach neuen Ideen. Die alte Sage erweckt sein Interesse. Nach einem merkwürdigen Bienenstich, erwckt er die Legende von Neuem. Seine künstlerische Arbeit trägt pötzlich sonderbare Früchte, die sich in der schillernden Kunst- Welt schnell rumsprechen. Anthony und seine Freundin Brianna (Teyona Parris) geraten in eine katastrophale Bedrängnis.

Die farbige Kunstszene, die eine Welt für sich ist, mit düsteren Elementen des Horrors zu mischen, ist genial. Das mörderische Spiel mit den Spiegeln bietet weitaus mehr Inhalt als nur gruseligen Horror.

Eingebaut sind viele sozialkritische Fragen und Merkmale der sozialen Isolation und der Film ist damit weitaus politischer als das Original. Der Film besticht durch seine dichte Atmosphäre und seine eindrucksvollen Bilder und seinem audiovisuellen Horror. Die Kamera wird hier zu einem spannenden Element und das alles in nur 91 Minuten. Volltreffer.

Regie: Nia Da Costa Drehbuch: Jordan Peele, Win Rosenfeld D: Yahya Abdul – Mateen II, Teyona Parris, Nathan Steward – Jarett, Colman Domingo, Kyle Kaminsky, Vanessa Williams, Rebecca Spence Kamera: John Guleserian

SON OF THE SOUTH (Ein weißer Student aus Alabama schließt sich dem Kampf gegen Rassismus an und setzt dabei sein Leben auf`s Spiel) Kinostart: 26.8. 2021

Bob Zellner ist einer der wenig bekannten Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung der Sechzigerjahre in den USA. In „Son of the South“ wird die Geschichte des weißen Mannes aus Alabama, der sich dem Kampf gegen Rassismus anschließt, erzählt

1961. Im amerikanischen Süden ist der Rassismus gegenüber der schwarzen Bevölkerung seit ewigen Zeiten tief verwurzelt. Der junge weiße College-Student Bob Zellner wuchs in diesem Klima des Hasses auf. Er ist der Enkel eines Ku-Klux-Klan-Mitglieds. Als Sohn eines Methodistenpfarrers und als einer der Jahrgangsbesten hat Bob Zellner die besten Aussichten auf eine akademische Laufbahn.

Bob und vier seiner Kommilitonen wollen nichts anderes als eine Arbeit über die Festlichkeiten in der ersten Baptistenkirche in ihrer Heimatstadt Montgomery schreiben. Es ist eine Recherche für eine Hausarbeit. Die Kirche ist von Polizisten umzingelt. Weil sie an einer „Negerveranstaltung“ teilgenommen haben, stehen sie vor Gericht. Der Richter verlangt, dass sie „freiwillig“ die Universität verlassen. Der Ku-Klux-Klan taucht auf und fordert die 5 „Negerliebhaber“ auszuliefern. Die vier Kommilitonen verlassen den Ort. Sie fürchten um ihr Leben. Durch Beziehungen seines Vaters kann Zellner seine Haut noch retten. Dieses Erlebnis hinterlässt Spuren bei ihm. Er spürt, dass er sich nun entscheiden muß, zwischen Nobel-Uni oder den Einsatz für die Rechte der Schwarzen. Inspiriert von den Worten Martin Luher Kings und der schwarzen Aktivistin Rosa Parks (Sharonne Lainer), die er auch persönlich kennenlernt, schließt er sich nach und nach der schwarzen Bürgerrechtsbewegung an. Seiner Freundin Carol- Anne gefällt das gar nicht. Die beiden wollen heiraten. Sie versteht nicht, dass er seine glorreiche Zukunft auf`s Spiel setzen will.

Auch nicht, als er ihr erzählt, wie er als Jugendlicher gezwungen wurde, aus dem Auto heraus, mit einem Schläger, auf Schwarze einzuprügeln. Eine Tatsache, die er nie vergessen hat. Sein Einsatz beginnt, als ein Bus voller schwarzer Aktivisten Montgomery erreicht und sie schon beim Aussteigen vom weißen Mob geprügelt und bespuckt werden, mit den Worten, dass sie den Frieden im Ort zerstören wollen. Zellner hilft bei der Rettung der Verletzten. Von nun an beteiligt er sich an weiteren Protestaktionen, um die Freiheitskämpfer zu unterstützen und setzt dabei sein Leben auf`s Spiel, denn gegen die schwarze Bürgerrechtsbewegung wird immer mehr Gewalt angewendet. Zwischen den kämpferischen Afro-Amerikanern wirkt Zellner, gespielt von dem talentierten Lucas Till, der in seinem weißen Hemd, das Klischee eines Mittelklassebürgers abgibt, wie ein Fremdkörper und man begegnet ihm anfangs skeptisch und ist um so überraschter, wie ernst er seinen Auftrag nimmt. Er war der erste weiße Südstaatler, der dem SNCC ( „Nonviolent Coordinating Commitee) beigetreten ist. Er nahm an Kampagnen zur Wählerregistrierung teil, wurde während seiner aktiven Zeit 17mal verhaftet und eingesperrt und ist noch heute politisch aktiv.

Das Biopcic über einen Mann, der aus Überzeugung alles auf`s Spiel setzte und nicht bereit war, mit dem Strom mitzuschwimmen, ist seinem Freund und Mentor John Robert Lewis (1940 – 2020) gewidmet. In Anbetracht der jüngsten Ereignisse in den USA, ist der Film von Barry Alexander Brown, dem langjährigen Cutter von Spike Lee, der den Film produziert hat, sehenswert und wichtig. Der Film basiert auf den Memoiren Bob Zellners „The Wrong Side of Murder Creek“.

USA 2020 Min.105 D: Lucas Till, Lex Scott Davis, Lucy Hale, Jake Abel, Julia Ormond