THE FATHER (Anthony Hopkins brilliert als demenzkranker Vater, was seine Tochter, (Olivia Colman) verzeifeln lässt. Ganz großes Schauspieler – Kino Start: 26.8. 2021

„The Father“, Drama aus der Perspektive eines Demenzkranken, basierend auf dem Theaterstück „Der Vater“ von Florian Zeller, einem renommierten Dramatiker Frankreichs, der in diesem Kammerspiel auch die Regie führt.

Der 83-jährige Anthony (Anthony Hopkins) lebt in London, in einer großen, gepflegten Wohnung. Er ist eine kultivierte Erscheinung und hört leidenschaftlich gern Opern. Er geht einkaufen, pfeift munter vor sich hin beim Auspacken seiner Einkäufe. Ab und zu ist er ein bißchen vergesslich.

Er versteht nicht, warum ihm seine Tochter Anne (Olivia Colman) unbedingt eine Pflegerin besorgt.

Sie hat mich bestohlen“.- „Angela? Sicher nicht, wie kommst du darauf?“- „Ich sage dir, sie hat mir meine Uhr gestohlen“.- „Hast du sie nicht vielleicht verloren?- „Nein. Ich hatte sie in Verdacht, also habe ich ihr eine Falle gestellt. Ich habe meine Uhr offen hingelegt, um zu sehen, ob sie sie einsteckt, oder…..“- „Wo? Wo hast du sie hingelegt“? – Keine Ahnung, das weiß ich nicht mehr.“ (Filmzitat) Drei Pflegekräfte hat er schon aus seiner Wohnung gejagd. Auch vermisst er ein Gemälde, das immer an der Wand hing. Vielleicht macht Anne, das alles aus Eifersucht, weil er ständig voll des Lobes ihrer Schwester Lucy ist.Lucy war Malerin und ist vor einigen Jahren tödlich verunglückt. Vielleicht sollte er, die neue Pflegekraft Laura, die ihn an seine Lieblingstochter erinnert und vor der er seinen ganzen Charme spielen läßt, einstellen. Die Frau die dann auftaucht, ist gar nicht Laura. Dann steht plötzlich ein fremder Mann in der Wohnung, der behauptet, der Ehemann seiner Tochter zu sein. Aber Anne hat ihm doch erklärt, dass sie nach Paris ziehen will, um nach vielen Jahren des Alleinseins, dort einen neuen Partner gefunden hat. Als er den Mann rausschmeissen will, behauptet der doch, dass das Annes Wohnung sei. Dann taucht auch noch eine fremde Frau auf, die behauptet Anne zu sein. Was wie ein Hitchcock- Krimi anmutet, ist der bittere Identitätsverlust eines Menschen, der an Demenz erkrankt ist und dessen Erinnerungen durcheiander geraten. Was dieses Drama von anderen Demenz-Filmen unterscheidet ist, das der Zuschauer die fortschreitnde Demenz des Protagonisten ausschließlich durch seine Augen erlebt und man ebenso wie er, der Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit nicht entkommen kann. Die irritierenden Zeit-und Handlungssprünge und das durchdachte Setdesign, lassen einen hautnah fühlen, was es heißt, wenn die Realität von Tag zu Tag mehr brökelt.

Zeller zeigt die Krankheit nicht nur aus der Perspektive des Betroffenen. Er zeigt auch was es für Anne, großartig gespielt von Olivia Colman, bedeutet, sich täglich um ihren Vater zu sorgen und seinen schwankenden Stimmungen ausgesetzt zu sein und mitzuerleben, wie er überhaupt nicht mehr weiß, was um ihn herum geschieht und die sich in einem Gefühlswirrwarr von Verzeiflung, Trauer, Geduld, Zuneigung und Wut zurechtfinden muß. Sie will ihrem Vater helfen und merkt, dass sie es alleine nicht mehr kann. Auch Hopkins, den Zeller unbedingt für diese Rolle haben wollte, kann hier seine ganze Bandbreite von Gefühlen zeigen. Es ist eine seiner stärksten Rollen. Er variiert zwischen verletztem Stolz, Wut, Boshaftigkeit, Verbitterung bis zu Verletzlichkeit und hilfloser Verlorenheit. Mal starrköpfig und auch sehr charmant. Der 83-jährige Sir Anthony Hopkins erhielt für seine Leistung seinen zweiten Oscar. Colman und Hopkins bieten ganz großes Schauspieler-Kino. Zum ersten Mal spürt man als Zuschauer, was die Krankheit im Kopf mit einem macht.

Großbritanien 2020 92 Min. Weitere D: Rufus Sewell, Olivia WilliamsMark Gatiss, Imogen Poots Kamera: Ben Smithard

DIE MAFIA IST AUCH NICHT MEHR DAS,WAS SIE MAL WAR (Dokumentations – Grotesque) Kinostart: 26.8. 2021

Zahlreiche Politiker, Journalisten und Staatsanwälte fielen in den 70-er und 80-er Jahren Mordanschlägen der Mafia zum Opfer. Vor 25 Jahren, am 19.Juli 1992, traf eine Bombe den Oberstaatsanwalt Paolo Borsellino und nur 57 Tage vor ihm, seinen Freund und Untersuchungsrichter Giovanni Falcone in Palermo. In den Bombentrichter ließ Borsellinos Frau einen Olivenbaum pflanzen zum Gedenken ihres Mannes.

Der Dokumentarfilm „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ beleuchtet das Verhältnis Siziliens zur Mafia vor 25 Jahren nach den Morden.

Der Filmemacher Franco Maresco (BELLUSCONE) und die 83-jährige Fotografin Laetizia Battaglia machen sich auf den Weg nach Palermo, um die Haltung der Bevölkerung zum Gedenktag der beiden Richter, zu untersuchen. Sie erleben Feindseligkeit und Gleichgültigkeit. Offensichtlich werden die Verbrechen der Mafia von der Bevölkerung akzeptiert. Auch wenn das nicht unbedingt repräsentiv ist, ist es dennoch erschütternd.

Zu Beginn, sehen wir Laetizia, die zu den bedeutesten Fotografen des 20.Jahrhunderts gehört, entspannt in der Maske sitzen. „Bevor wir anfangen zu drehen, versprich mir, das ich in deinem nächsten Film, eine alte Hure spielen darf“, sagt sie schelmisch zu Franco.

Zwischen 1980 und 1990 geht sie in die Poltik und arbeitet mit dem Bürgermeister Leoluca Orlando zusammen, den sie für den Retter Palermos hält. Am bekanntesten sind ihre Fotos über die Mafia und ihre Opfer. Die Hoffnung auf den „Frühling von Palermo“ wird 1994 wieder zerstört. Erst durch den Hurrikan namens Forza Italia und den durch nichts zu bremsenden Milliardär Silvio Berlusconi, den Mann, den die Sizilianer fast 20 Jahre verehren ohne sich zu schämen. Sie ist enttäuscht über die Gleichgültigkeit ihrer Landsleute und beschließt 2004 nach Paris zu ziehen. Doch ein Jahr später ist sie wieder zurück. Sie kann ohne ihr Palermo nicht leben, der Stadt, die man unerklärlicherweise, die „Felicicissima“ nennen.

Franco und Laetizia mischen sich unter die Feiernden des Gedenktages. Es sind die jungen Leute, die da singen und tanzen. Laetizia fotografiert. „Damals haben wir am Gedenktag geweint. Nicht getanzt und gesungen“. Für sie ist es eine lächerliche Farce. Es schmälert die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse von damals und zeigt , dass die jungen Leute keine Ahnung haben.

Wenn in Palermo gefeiert wird, ist der Partylöwe Francesco „Ciccio“ Mira nicht weit. Abseits des Stadtzentrums im Problemviertel ZEN, organisiert er ein großes Fest für die Helden Falcone und Borsellino, auf dem bekannte Schlagersänger*innen auftreten sollen. Unter ihnen Christian Miscel, der nach einem Autounfall im Koma lag und dem Giovanni und Paolo erschienen sind und ihn baten aufzustehen und zu singen. Dank der Fürbitte der beiden, hat er sich entschlossen auf der Veranstaltung für sie zu singen. Bei der Probe hört man, dass er gar nicht singen kann, da er keinen Ton richtig trifft. Der zwielichtige Ciccio verharmlost die Defizite des „Künstlers“. Als der gefragt wird , ob er am Ende ein „Nein zur Mafia“ rufen würde, weist er das strikt von sich. Ein „Seelenverwandter“ von Ciccio, der Produzent Matteo Mannino, dem Ciccio noch eine Rede schreibt, weigert sich ebenfalls. Regisseur Maresco macht sich ein Vergnügen daraus, alle Beteiligten wieder und wieder aufzufordern, sich vor seiner Kamera, von der Mafia zu distanzieren. Ihre Ausflüchte sind hochpeinlich bis höchst amüsant.

Laetizia, die dieses „Horrorfest“ begleitet , ist wieder mal zutiefst erschüttert über das nicht vorhandene Mitgefühl für die Ermordeten. Das letzte Drittel des Films ist ausgiebig Mira und seinem absurden Fest und was danach passiert, gewidmet. Als er merkt, daß die Stimmung kippt, läßt er die „Künstler“ nur noch beliebte Schlager singen. Damit nicht genug. Mira gibt noch eine Kindheitserinnerung zum Besten, die den italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella, bitterböse verhöhnt.

Regisseur Franco Maresco ist bekannt für seinen sarkastischen Humor. Mit seinen insistierenden Fragen, und seinem bloßstellenden Korrigieren, treibt er zwei von ihnen regelrecht in den Wahnsinn. Es bereitet ihm ein höllisches Vergnügen, Menschen vorzuführen und auf ihren Schwächen rumzuhacken. Es gibt eine vielzahl von Szenen, die sich Kabarettisten, nicht besser hätten ausdenken können. Ob das jedem gefällt, in Anbetracht des ernsten Themas, mag dahingestellt sein. Auf jeden Fall ist es eine herrliche, mit beissendem Humor angereicherte Dokumentations- Grotesque.

Italien 2019 105 Minuten Regie: Franco Maresco D: Laetizia Battaglia, Francesco „Ciccio“ Mira, Christian Miscel.

Der Film erhielt zig Nominierungen und den Special Jury Prize

KÖNIG DER RABEN ( Ein kraftvolles Drama, dass durch seine starken Darsteller*innen und einer sinnlich – poetischen Bildsprache überzeugt) Kinostart: 19.8. 2021

Der Mazedonier Darko (Malik Blumenthal) ist ein Überlebenskünstler. Der 22-jährige schlägt sich mit krummen Deals auf dem Schrottplatz und einer Portion Gewitztheit durch. Er und seine kranke Mutter haben in ihrer Heimat alles verloren. Ihr Haus wurde zerbombt, jahrlang haben sie im Dreck gewohnt. Jetzt leben sie illegal in Deutschland.

Darkos große Liebe gilt seinen weißen Tauben, die er bei Hochzeiten für Geld fliegen lässt. Er muss sich um seine traumatsierte Mutter kümmern, die professionelle Hilfe braucht, was durch ihre Illegalität nicht einfach ist. Es geht rau zu in diesem halb kriminellen Milieu, in dem mafiose Ausbeuter die Macht haben. Wer sich hier durchboxen will, der muss auch zuschlagen können. Der muskelgestählte Darko lässt sich seine gute Laune nicht verderben. Dafür sorgen schon seine Kumpel Yanoosh und Manolo. Als Darko die rätselhafte Künstlerin Alina (Antje Traue) kennenlernt, gerät ihre freundschaftliche Verbundenheit ins Wanken. Sie fühlen sich verstoßen. Darko fühlt sich von der geheimnisvollen Frau magisch angezogen. Ein Zufall hat die beiden zusammengeführt. Darko, der nicht schwimmen kann, wird eines Nachts in einen See geworfen. In der Dunkelheit taucht plötzlich Alina auf und rettet ihn. Seit dem ist sie fasziniert von ihm.

„Ich bin ein einziges Geheimnis“sagt sie, als er sie nach ihrem Leben fragt. Darko staunt nicht schlecht, als sie ihn mit zu sich nimmt. Sie lebt in einem geräumigen Dachgeschoss und dann taucht auch noch ihr Ex auf. Dass sie sich immer nur bei ihm meldet, wenn sie Lust auf ihn hat, betrübt ihn, denn er hat längst tiefere Gefühle für sie entwickelt. Kann und will sie ihm überhaupt die Sicherheit geben, die er bereit ist für sie aufzugeben?

Der polnische Regisseur Piotr J. Lewandowski zeichnet nicht nur das Milieu, in dem Darko mit seinen Freunden und seiner Mutter lebt, den „Unsichtbaren“ die sich um ihren „Helden“ scharen, der sie nicht im Stich lässt, sondern verbindet es mit einer traurigen Amour fou, in der man nach und nach erfährt, warum Alina so ist, wie sie ist. Er geht ins Detail, zeigt die Solidarität der Illegalen untereinander, das unmenschliche Handeln der Ausbeuter, die Krankheit der Mutter und Alinas traurigen Gemütszustand, hervorgerufen durch ihre Fehlgeburt. Das alles verbindet er auf eine realistische und poetische Weise die einen mitreißt und mit den einzelnen Figuren mitfiebern lässt.

Kameramann Jan Prahl kreiert traumhaft schöne Bilder, in denen man eine magische Kraft spürt, die in der Geschichte verborgen ist und sich mit der harten Realität vermischt, in dem er für die ärmliche Behausung, in der Darko mit seiner kranken Mutter lebt, in grau-dunkle Töne taucht, die die „Unsichtbarkeit“ der Illegalen spiegelt und die durch ihre starken Darsteller*innen überzeugt.

Deutschland 2020 105 Min. Drehbuch und Regie: Piotr J. Lewandowski (JONATHAN)

D: Malik Blumenthal, Antje Traue, Karim Günes, Mert Dincer, Danuta Stenka, Ralf Herforth, André Röhner

BEFLÜGELT – EIN VOGEL NAMENS PENGUIN BLOOM (Drama) Kinostart: 19.8.2021

Sam Bloom (Naomi Watts) führt mit ihrem Mann Cameron (Andrew Lincoln) und ihren drei Söhnen ein glückliches Leben in einem schönen Haus in der Nähe von Sydney. Die sportliche Sam und ihr Mann verbringen ihre Freizeit mit ihren Kindern an den herrlichen Stränden ihrer Heimat.

Doch dann ändert sich ihr Leben schlagartig. Auf einer Ferienreise in Thailand stürzt sie in ihrem Feriendomizil vom Balkon, weil das Holz der Brüstung morsch war. Fortan ist sie querschnittsgelähmt und braucht einen Rollstuhl. Sam hadert mit ihrem Schicksal, zieht sich immer mehr zurück, worunter ihre Kinder besonders leiden. Ihr sorgloses und fröhliches Leben gehört der Vergangenheit an. In ihrer Verzweiflung schlägt sie die gerahmten Fotos aus einer glücklichen Zeit von der Wand.

Doch dann tritt Penguin in das Leben der Familie Bloom. Ihre Kinder bringen ein verletztes Elster-Küken mit nach Hause. Wegen des schwarz-weißen Gefieders nennen sie es Penguin. Der zehnjährige Noah (Griffin Murray-Johnston) bittet seine Mutter, sich um den Vogel zu kümmern,während er in der Schule ist. Sam ist nicht sehr begeistert. Noch ahnt sie nicht, wie wichtig dieser kleine Vogel für sie und ihre Familie werden wird. Noah zu Liebe sorgt sie für den Vogel und pflegt ihn gesund. Da er bei seiner Mutter nicht das Fliegen gelernt hat, hüpft er fröhlich lärmend durchs Haus, hüpft auf ihre Schulter und bringt sie mit seiner drolligen Art zum Lächeln. Sie ermuntert ihn zu den ersten unbeholfenen Flugversuchen im Garten. Es ist berührend mitanzusehen, wie die Anwesenheit der Elster, Sam nach und nach aus ihrer Depression lockt. Die Freude bei der Familie ist groß, als Penguin plötzlich fliegen kann. Sam spürt nach und nach Parallelen zwischen ihrer Situation und dem Schicksal dieses kleinen Wesens. Die Stärke und der Lebenswille des verletzten Tieres färbt langsam auf sie ab. Mit dem aufmunterndem Zuspruch einer toughen Trainerin fängt Sam sogar wieder mit dem Paddeltraining an. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Cameron Bloom schrieb über diese Familiengeschicht ein Buch, das vor allem durch die anrührenden Fotos zu einem internationalen Bestseller wurde.

Dank Naomi Watts großartiger Performance und der drolligen Elster, die sich selbst im Spiegel sehen kann und in der Ornithologensprache „Pica, pica“ genannt wird, gelingt es Glendyn Ivins Bestseller – Adaption, die Herzen der Zuschauer zu erobern.

Australien 2020 97. Min.

CHADDR-UNTER UNS DER FLUSS Arbeitstitel: Der schneebedeckte Weg zur Bildung Kinostart: 19.8. 2021 (Doku über einen lebensgefährlichen Schulweg)

Der Chaddr ist einer der berühmtesten Wege der Welt über einen im Winter zugefrorenen Fluß im Himalaya. Über 100 km müssen die Schüler aus dem Indischen Himalaya Dorf Zangla im Winter über das Eis des teilweise zugefrorenen Flußes gehen, um in die Provinzstadt Leh in der Grenzregion zu Pakistan in 3500 Metern Höhe, das auch indisches Tibet genannt wird, zu gelangen.

In Leh gibt es das einzige weiterführende Internat der Region. Die 18-jährige Tsangyang lebt seit 12 Jahren im Internat. Ihr großer Traum ist, Softwareingenieurin zu werden. Sie hofft ein Stipendium in Neu Delhi zu bekommen. Ihr Vater ist Dorfschullehrer, doch das Geld was er verdient reicht nicht zum Leben und schon gar nicht für das Schulgeld. Die Eltern bewirtschaften noch zusätzlich ein Feld mit Bohnen und Erbsen. Da es im Winter kaum noch schneit, gibt es im Frühjahr viel zu wenig Schmelzwasser für die Felder. Die Mutter webt noch Teppiche, die sie verkauft.

Noch vor einigen Jahren waren Fußwege wie der Chaddr, im Winter zugefroren und konnten ziemlich sicher begangen werden. Durch den Klimawandel werden diese Wege immer beschwerlicher, besonders mit viel Gepäck. Auf der Eisschicht bildet sich Schmelzwasser und es ist total rutschig.

Der Strassenbau nach Zangla kommt seit Jahren nicht voran. Seit 18 Jahren geht Tsangyangs Vater diesen Weg, um seine 3 Kinder zur Schule zu bringen und sie in den Ferien wieder abzuholen. Die Menschen in dem Dorf Zangla legen großen Wert auf die Schulbildung ihrer Kinder. Aber bei den meisten reicht das Geld nicht, um sie auf weiterbildende Schulen zu schicken.

Es ist wieder so weit. Vater und Tochter machen sich auf den Weg. Fürsorglich geht der Vater voran und sagt der Tochter wo sie möglichst hintreten soll.Tagelang sind sie unterwegs und haben dementsprechend viel Gepäck dabei. Unterwegs machen sie Feuer und schlafen in Höhlen. Auf einigen Strecken müssen sie am steilen Berghang entlangkraxeln und da, wo es nicht mehr weiter geht, müssen sie eine steile Bergwand hinaufklettern, wo schon von anderen Leuten Steigeisen in die Wand hineingeschlagen wurden. Es geht bergauf und wieder bergab, ständig mit der Angst im Eis einzubrechen. Es ist berührend zu sehen, wie der alte Mann, um seine Tochter zu beschützen, diese Strapaze auf sich nimmt. Sein Glaube, daß Gott sie beide beschützen wird, gibt ihm die nötige Kraft. Diese beschwerliche Reise unternehmen sie ein-bis zweimal im Jahr. Der Schulweg ist der rote Faden des Films,unterbrochen von Szenen im Internat und dem Dorfleben der Familie.

Der Grimme-Preisträger Minsu Park, Regisseur und Kameramann, dieses Dokumentarfilms begleitete die beiden, was sicherlich auch für ihn nicht einfach war. Es ist ein anrührender Film geworden. In kraftvollen Bildern und beeindruckenden Naturaufnahmen berichtet er von einer lernwilligen jungen Frau und deren aufopferungsvollen Eltern, die alles dafür tun, der Tochter eine bestmögliche Ausbildung und damit auch eine bessere Zukunft, zu ermöglichen. Zeitgleich sehen wir die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschen im indischen Himalaya, die durch ihre spartanische und rechtschaffende Lebensweise am wenigsten dazu beitragen. Traurig.

PROMISING YOUNG WOMAN Kinostart: 19. 8. 2021 (Carey Mulligan verschmilzt mit ihrer Rolle als blonder Racheengel)

Eine Frau hängt betrunken, fast besinnungslos in einem Nachtclub herum. Drei Typen an der Bar beobachten sie und diskutieren über ihren Zustand. Einer von ihnen (Adam Brody) erbarmt sich, und bugsiert sie in ein Taxi. Anstatt, wie versprochen sie nach Hause zu bringen, nimmt er sie mit in seine Wohnung. Aus der fadenscheinigen Fürsorge, wird der klägliche Versuch, mit ihr zu schlafen. Das ist der Moment auf den Cassie (Carey Mulligan) gewartet hat. Sie ist total nüchtern und sagt: „NEIN“. Später sieht man, wie sie auf einer Liste einen Strich macht, deren Bedeutung man noch nicht kennt.

Cassie arbeitet in einem Coffee-Shop. Eigentlich stand ihr eine Karriere als Ärztin bevor, sie schmiss die Uni, lebt wieder bei ihren Eltern in ihrem alten Kinderzimmer, zum Bedauern ihrer Eltern. Dass sie ein Geheimnis hat, ahnen sie nicht.

Einmal in der Woche macht sie sich ausgehfertig, besucht Bars und Nachtclubs und tut so, als sei sie stockbetrunken. Jedesmal passiert Ähnliches. Ein „netter“ Typ bietet seine Hilfe an und versucht die „hilflose“ Person in sein Bett zu kriegen. Der Auslöser für Cassies nächtliche Racheaktionen ist ein traumatisches Erlebnis während ihrer Studienzeit, was sie nicht mehr loslässt. Nicht sie war betroffen, sondern ihre beste Freundin Nina. Nina wurde mehrmals vergewaltigt und die Anzeige führte, wie so oft bei ähnlichen Fällen, zu nichts. Die Frau sei ja mit schuld daran, sie war betrunken, der Täter wurde freigesprochen. Nina nahm sich das Leben.

Regisseurin Emerald Fenell geht es hier nicht um Macho-Männer, sondern um die „netten Typen von nebenan, die, wenn man sie mit ihren Taten konfrontiert, mit jämmerlichen Phrasen ihre Unschuld winselnd verteidigen.

Carey Mulligan, die ihre schauspielerische Wandelbarkeit schon in Filmen wie „An Education“, „Shame“, „Drive“ und „Mudbond“ gezeigt hat, verschmilzt hier regelrecht mit ihrer Rolle als blonder Racheengel. Der Soundtrack, der bis auf die Orchesterversion von Britney Spears „Toxic“ ausschliesslich aus Stücken von Künstlerinnen und weiblichen Bands besteht, ist poppig und tanzbar. Die Songtexte unterstützen die Aussage des Films. Kostüme und Musik werden zum Statement. Cassie trägt überwiegend pastellfarbene Kleidung. Nur wenn sie ausgeht wechselt sie zwischen eleganten Klamotten oder kurzen Röcken. Egal was Frau trägt, es ändert nichts am Verhalten der Männer. All das und die gute Storyline, machen den Film zu einem Meisterwerk. Nicht ohne Grund, wurde er für 4 Golden Globes nominiert. Die Schauspielerin Emerald Fennell hat mit dem ersten von ihr geschriebenen und inszenierten Spilfilm in diesem Jahr den Oscar für das beste Originaldrehbuch erhalten. In einem Interview mit „Variety“ beschreibt Mulligan den Film als „ein wunderschön verpacktes Bonbon, wenn man es isst, merkt man das es giftig ist“.

Am Ende setzt sich Cassie mit einem besonderen Einfall gegen die toxische Männlichkeit zur Wehr. Vielleicht hätte das Ende mehr Mut gebraucht.

GB/USA 2020 113 Min. D: Bo Burnham, Alison Brie, Laverne Cox, Connie Briton, Max Greenfield, Adam Brody, Molly Shannon

THE FOREVER PURGE Start: 12.8.2021 Der fünfte Teil der Purge-Reihe. Doch diesmal will die Brutalität kein Ende nehmen.

Adela und Juan haben gegen die Kartelle in Mexico gekämpft, mussten flüchten und sind illegal in die USA eingereist. Juan hat einen Job auf einer Farm in Texas, der Sohn des verfassungstreuen Patriarchen, der die Farm führt und seine schwangere Ehefrau machen keinen Hehl aus ihrer rassistischen Einstellung gegenüber Juan und Adela. Aber weil Juan ein Pferdeflüsterer ist, sind sie auf ihn angewiesen.

Es ist wieder so weit. Einmal im Jahr herrscht für 12 Stunden der Ausnahmezustand in den USA.

Wenn um 19:00 die Sirenen heulen, beginnt die „Purge“, die offiziell von der amerikanischen Regierung zugelassen ist. Alle Straftaten bleiben ungesühnt. Die Menschen fangen an, sich in ihren Häusern zu barrikadieren. Auch Juan und seine Leute haben Schutz gesucht. Doch diesmal ist alles anders. Nun haben ultrarechte Gruppen eine „ewige Säuberung“ ausgerufen. „Wir machen Amerika wieder sauber. Wir tolerieren nicht, dass Immigranten unsere Städte bevölkern“. Wer nicht selbst zum rassistischen Lynchmob „Forever Purge“ zählt, wird zum Freiwild. Für die Mexicanerin Adela und ihren Freund Juan beginnt ein blutiger Kampf ums Überleben.

Kanada und Mexico öffnen aus Barmherzigkeit ihre Grenzen für flüchtende Amerikaner*innen. Aber nur für 6 Stunden. Das ist der Beginn eines unüberschaubaren Chaos. Am nächsten Tag geht das Morden weiter. Überall liegen Leichen in ihren Blutpfützen, denn das ist die wahre „Purge“. Der texanische Farmersohn und seine schwangere Frau haben sich Juan und Adela, die es gelernt hat mit der Waffe zielgerecht umzugehen, angeschlossen. Sie flüchten gemeinsam zur Grenze nach El Paso. Freunde von Juan und Adela helfen ihnen über die Grenze zu kommen, denn die 6 Stunden sind vorbei. Zu Fuß unterwegs laufen sie den bewaffneten „Säuberern“ entgegen. Es entwickelt sich eine wilde Schiesserei.

Diese Gewaltorgie offenbart leider nichts Neues. Ausser, dass diese Zukunftsvision den Mexicanern 2 Millionen amerikanische Flüchtlinge beschert. Die Dialoge käuen wieder, was man seit der Trump-Ära eh schon weiss und die Häufigkeit der Schießereien sind auf Dauer ermüdend. Die vier Vorgänger dieser Reihe waren weitaus spannender und interessanter. Einfallslos.

USA 2021 103 Min. Regie: Everardo Gout D: Ana de la Reguera, Tenoch Huerta, Josh Lucas, Susie Abromeit, Leven Rambin

Wem gehört mein Dorf? (Doku) Ein persönlicher Film über das Wesen der Demokratie zwischen weißer Bäderarchitektur und sanftem Meeresrauschen (Info-Text des Filmverleihs) Kinostart: 12.8. 2021

Im Ostseebad Göhren auf Rügen (10200 Einwohner), dem Heimatort des Filmemachers, gibt es unterschiedliche Ansichten der Einwohner*innen über die Zukunft des beliebten Ferienortes.Der Gemeinderat besteht seit Jahren aus 4 Männern, die die Bauvorhaben eines Multimillionärs, W. Horst, aus Nordrhein-Westfalen unterstützen. Im Dorf nennt man sie die „Vier von der Stange“.

„Große Investitionen brachten große Kräne mit sich. Aus Kopfsteinpflaster wurde Asphalt. Graue Häuser wurden weiß und ein schwarzes Klinkerhaus hat schon seinen Namen weg: Bestattungshaus. Aus Mietwohnungen wurden Ferienwohnungen“. Stolz präsentiert der Gemeinderat im Neubauviertel die Strassenschilder, wie „Sanddornweg“ oder „Rapsweg“, durchaus passende Namen, denn das Gebiet bestand vorher aus Wiese und Acker. Zynismus, lass grüssen. Eine weitere Riesenfläche von Acker soll nun bebaut werden.Veratwortlich dafür: Herr Horst. Ein Hotel hat er schon gebaut.

Das heißt nichts anderes, als das im Laufe der nächsten Jahre von der Natur im Aussenbereich nichts mehr übrig sein wird. Im Investorenjargon ist das Stück Land eine „Sahneschnitte“. Der Südstrand ist das ursprünglichste, den Göhren hat. Hier will Herr Horst von einem Investor aus München eine Wellness-Oase „Santé Royal“ bauen lassen. Es reicht. Die Aktivistin Nadine und ihr Vater gehen gegen das Bauvorhaben vor. Sie haben nur eine Chance die Acker-und Wiesenflächen ihrer Heimat zu schützen, wenn sie bei den anstehenden Kommunalwahlen die Mehrheit im Gemeinderat gewinnen. Es wird spannend. Kann Nadine und ihr Vater genug Leute aktivieren oder siegen die Herren, die den kapitalistischen Fortschritt in den höchsten Tönen loben? Naturschutz vers. Kapitalismus. Die Macht des Stärkeren kann man nur, wenn überhaupt, durch gemeinsames Handeln brechen.

Deutschland 2020 96 Min. Regie und Buch: Christoph Eder Personen: Nadine Förster, Bernd Elgeti, Markus Pigard, klaus Möller, Edwin Kopplin u.a. Kamera: Domenik Schuster

NAHSCHUSS (Ein ergreifendes Politdrama, dessen Hauptfigur von Lars Eidinger brilliant gespielt wird) Kinostart: 12.8. 2021

Franziska Stünkel („Vineta“) hat sich für ihren zweiten Spielfilm von dem wahren Fall des DDR-Bürgers Werner Teske inspirieren lassen. Teske war der letzte Bürger, den die DDR-Justiz 1981 hinrichten liess. Das geschah durch den so genannten unerwarteten Nahschuss. Dem nichtsahnenden Delinquenten wird mit einer schallgedämpften Pistole in den Nacken geschossen. Man hielt diese Methode für weitaus humaner, als den Tod durch die Guillotine.

Teske, der im Film Franz Walter heisst, ist ausser sich vor Freude, als er das Angebot einer Professur an der Berliner Humboldt-Universität bekommt. Freudestrahlend erzählt er die frohe Botschaft seiner Freundin Corina (Luise Heyer). Damit verbunden ist auch der Umzug in eine grosse Wohnung mit Balkon. Einer Heirat steht nun nichts mehr im Wege.

Dass er sich vorübergehend als hauptamtlicher Mitarbeiter bei der Staatssicherheit verpflichten soll, ist für ihn kein Problem. Mit den Worten, „ Frohes Schaffen“ übergibt ihm der nette Kollege Dirk (Devid Striesow) die Schlüssel für`s Büro. Die beiden Männer kommen gut miteinander aus.

Walter wird im Film auf einen in den Westen geflüchteten Fußballspieler angesetzt.

Bevor der Zuschauer in dieses Drama einsteigen kann, sieht man in der ersten Szene Franz Walter (Lars Eidinger),bleich und schwer atmend, hinter Gittern. Sein Prozess bildet die Rahmenhandlung dieser perfiden Geschichte.

Renner, der nichts Böses ahnt und mit seinem Sohn den Tierpark Hagenbeck besucht, wird von den beiden Stasi-Spitzeln Franz und Dirk mit den Worten „Wir wollen ihnen helfen“ angesprochen. Einer der beiden überreicht ihm ein Kuvert. „Es wäre doch furchtbar, wenn die Bilder in die Hände der Presse gelangen,oder? Die Fotos zeigen Renner in einer kompromittierenden Situation. Der Fußballspieler des HSV hat seine Frau mit einer Zufallsbekanntschaft betrogen. Mit dieser üblen Masche, wollen die beiden Männer Renner dazu bewegen, einen Mitspieler, den in den Westen geflüchteten Fußballer Horst Langenfeld, zu bespitzeln. Als Mitarbeiter des Auslandsgeheimdiensts fliegt Walter nun regelmässig nach Westdeutschland. Als er begreift, dass er sogar so weit gehen muß, die Familie des Sportlers zu zerstören, was er mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren kann, beginnt er das skrupellose Handeln der Stasi zu sabotieren und wird selber zum Opfer.

Gedreht wurde an einigen Originalschauplätzen, im Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen und in den Räumen der Hauptverwaltung Aufklärung in der Berliner Normannenstraße. Die Sepia-Einfärbung geben dem Geschehen eine zusätzliche Tristesse. Die Geschichte von Teske hat einen besonders üblen Nachgeschmack, in dem an ihm ein Exempel statuiert wurde. Er wurde als Spion verurteilt, obwohl er kein brisantes Material in den Westen geschmuggelt hat. Das Urteil stand von vornherein fest. Er war nicht nur Täter, sondern wird selbst zum Opfer der staatlichen Machenschaften. Hier wird sichtbar, wie sich jemand bereitwillig in eine Situation begibt, in der er anfänglich funktioniert, um dann festzustellen, dass er einen Schritt zu weit gegangen ist und keinen Ausweg daraus findet. In diesem Drama um Verstrickung, Schuld und Manipulation, stellt man sich die Frage, wie man selbst gehandelt hätte, wäre man in diesem Unrechtsstaat aufgewachsen und sozialisiert worden.

Das ich erst durch diesen Film erfahren habe, dass es in der DDR die Todesstrafe gab, ist mehr als peinlich.

Deutschland 2021 116 Min. Regie: Franziska Stünkel D: Lars Eidinger, Devid Striesow, Luise Heyer, Paula Kalenberg, Victoria Trauttmansdorff, Peter Benedict

DEATH OF A LADIES` MAN Kinostart: 5.8.2021 (In diesem Drama spielt nicht nur Gabriel Byrne eine Hauptrolle sondern auch Songs von der Songwriter-Legende Leonard Cohen) Der STARTTERMIN wurde verschoben!

Samuel (Gabriel Byrne) unterrichtet Poesie an der Universität. Privat führt er ein ziemlich egoistisches Leben. Er ist ein Schürzenjäger und leider auch ein Alkoholiker. Leicht hatte es seine Familie nicht mit ihm. Als ein inoperabler Gehirntumor bei ihm festgestellt wird, plagen ihn äusserst seltsame Halluzinationen, in denen ihm sein Vater (Brian Gleeson), der verstorben ist als er noch ein Kind war, erscheint. Mit ihm sinniert er über seine Fehler und Träume, die sein Leben begleitet haben.

In diesen surrealen Halluzinationen erfährt er auch, dass er vielleicht nicht mehr lange leben wird.

„Death of a Ladies`Man“ ist wie ein Song von Leonard Cohen. Seine Songs sind Teil der Geschichte. Samuel geht zurück nach Irland verliebt sich und blickt auf sein Leben zurück und träumt von einer letzten Liebe…….“Like a bird on the wire, I have tried in my way to be free“……

Die verschiedenen Songs helfen dem totkranken Mann, Dinge die er fühlt, die für ihn aber schwer auszusprechen sind, auf wunderbar poetische Weise benennen zu können. Der Soundtrack wird zum Spiegel seiner Emotionen. Der Filmtitel bezieht sich auf das 1977 erschienende gleichnamige Album des kanadischen Songwriters.

Das Regisseur Matt Bissonnette ein Fan, dieses poetischen Sängers ist muss man nicht betonen. Schon in seinem Erstling „Looking For Leonard“ näherte er sich dem poetischen Sänger und Songschreiber.

Byrne, den man schon längere Zeit nicht mehr auf der Leinwand gesehen hat, zeigt hier wieder mal, was für ein grossartiger Schauspieler er ist.

Samuels surreale Halluznationen enthalten so einige Überraschungen und humoreske Situationen.

Kanada/Irland 2020 101 Min.

Darsteller: Gabriel Byrne, Jessica Paré, Brian Gleeson, Antoine-Olivier Pilon, Suzanne Clément