MEINEN HASS BEKOMMT IHR NICHT (Ein Facebook-Post, der um die ganze Welt geht. Geschrieben von Antoine Leiris an die Pariser Attentäter 2015) Kinostart: 10.11.2022

In der Nacht des 13.Novembers 2015 ändert sich für Antoine Leiris (Pierre Deladonchamps) alles.

Es ist ein ganz normaler Abend. Seine Frau Héléne und ein gemeinsamer Freund haben beschlossen, im Club Bataclan ein Konzert zu besuchen. Antoine kümmert sich um den siebzehn Monate alten Sohn Melvil, bringt ihn ins Bett und liest ihm noch eine Geschichte vor. Antoine und Melvil (Zoé lorio) werden Héléne (Camélia Jordana) nie wieder sehen. Sie gehört zu den Opfern des perfiden Anschlags. Nach Tagen der Ungewissheit kann er die Leiche seiner Frau identifizieren. In dieser Nacht starben 130 Menschen und 700 wurden zum Teil schwer verletzt. Als er aus dem Leichenschauhaus zurückkehrt, passiert etwas ganz Großartiges. Antoine setzt sich an seinen Computer und schreibt sich folgenden Text von der Seele: „Am Freitagabend habt ihr das Leben eines ganz besonderen Menschen gestohlen. Die Liebe meines Lebens. Die Mutter meines Sohnes. Aber meinen Hass bekommt ihr nicht. Ich mach euch nicht das Geschenk euch zu hassen. Ich habe sie gesehen. Sie war genauso schoen wie am Freitag, als sie das Haus verließ. Mein Sohn und ich, Antoine Leiris.“

Die Attentäter, an die er sich direkt wendet, nennt er „tote Seelen“. Dieser offene Brief, den er auf Facebook postet, wird noch in derselben Nacht zigtausendfach geteilt und geht viral um die ganze Welt. „Le Monde“ veröffentlicht ihn auf der Titelseite.

Der Journalist Antoine Leiris wird über Nacht zu einem unbeabsichtigten Nationalhelden. Sehr viel später erzählt er in seinem Buch, wie er es geschafft hat, die Liebe zu seinem Sohn nicht von dem Hass gegen die Attentäter beeinflussen zu lassen, sondern dass die Liebe über den Hass siegt.

Bilder des Attentats werden nicht gezeigt. Statt dessen bleibt der Film ganz nah bei Vater und Sohn und der Zuschauer wird zum Begleiter ihrer Trauer, die sich in herzzerreißenden Bildern abspielt. Überwiegend wurde in der Wohnung gedreht, die zu einem Rückzugsort wird, in die sich Antoine verschanzt. Besonders schmerzhaft ist es, mitanzusehen wie schwer es ihm fällt, den Sarg für seine Frau auszusuchen und sich um das Begräbnis zu kümmern, was bei seiner Schwägerin Unverständnis auslöst. Man spürt förmlich, wie schwer es ihm fällt, den Alltag mit seinen Anforderungen, zu bewältigen. Auch die gutgemeinte Hilfe der Kita-Mütter lehnt er ab. Sie bringen für ihn und Melvil mit Liebe zubereitete Suppe vorbei. Es braucht wohl eine langeZeit, um diesen Schock zu verarbeiten und befreit einem Neubeginn entgegenzusehen. Ein Film, der trotz allen Schmerzes Mut macht. Antoines Brief ist ein Beweis dafür.

Regisseur Kilian Riedhof hat mit seinen Filmen „Gladbeck“ und „Der Fall Barschel“ bewiesen, dass er ein besonderes Talent für die Inszenierung nationaler Tragödien hat, wobei die Anschläge in Paris nicht nur ein nationales Trauma sind, sondern die gesamte westliche Welt betrifft, deren Werte man zerstören will.

Ot: Vous n`aurez pas ma haine; Deutschland, Frankreich, Belgien 2022; 102 Min.; R: Kilian Riedhof D: Pierre Deladonchamps, Zoé lorio, Camélia JordanaThoms Mustin

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