IL BUCO – EIN HÖHLENGLEICHNIS ( Ungewöhnlich und wunderschön) Gewinner der Viennale 2021) Kinostart: 10.11. 2022

Das zwischen Nord und Süd gespaltene Italien der 60ziger-Jahre bildet den Hintergrund dieses ungewöhnlichen und schönen Films.

Noch heute besteht ein großes Gefälle zwischen dem industriereichen Norden und dem bäuerlichen Süden. Während eine Gruppe von Höhlenforscher*innen von Mailand nach Kalabrien kommt, um eine der tiefsten Höhlen der Welt zu erkunden und mit den Kindern in den engen Gassen spielt, sitzen die Dorfbewohner in einer Bar vor dem Fernseher, wo eine Reportage über den grandiosen Bau eines Mailänder Hochhauses gezeigt und beklatscht wird. Der Wolkenkratzer als Synonym für Kapitalismus. Staunend beäugt man wie gut gekleidete Männer und Frauen wie eingesperrte Ameisen ihre Arbeit verrichten.

Die Expedition bleibt von den Bewohnern eines kleinen Nachbardorfes unbemerkt. Nur der alte, einsame Hirte, der seine Tier hütet, beobachtet die jungen Leute von der Pollino Hochebene aus und beginnt sich mit ihnen zu beschäftigen, bis er von den Dorfbewohnern liebevoll bis zu seinem Tod behütet wird.

700m tief ist die unterirdische Schlucht die nur durch eine schmale Öffnung in der Erdoberfäche zu entdecken ist. Die Lebensgefahr ist der ständige Begleiter der jungen Forscher. Dokumentationsartig, ohne Dialoge und in langen Einstellungen stellt Michelangelo Frammartino die ungewöhnliche Höhlenexpedition 1961 im Pollino dar. Die Tonspur besteht fast nur aus Naturtönen. Anstelle von Dialogen hören wir Tropfen und statt Gesichter sehen wir Schatten. In langen Einstellungen wirken seine gleichnishaften Bilder wie eine Meditation über den Einklang zwischen Mensch und Natur.

„Il Buco ( Das Loch) – Ein Höhlengleichnis ist ein Drama, das ohne belehrende Erzähler und kitschige Musik, in wunderschönen Bildern, letztendlich zeigt, dass es die Erde ist, die uns ernährt. Die Innenaufnahmen der Höhle sind spektakulär und erforderten so einige technische Vorbereitungen. Frammartino und sein Filmteam brauchten nach einem Drehtag etwa vier Stunden, um auf die Erdoberfäche zurückzukehren.

Ein atmosphärisch dichtes aber auch außergewöhnliches Drama, mit atemberaubenden Naturbildern Kalabriens.

Italien/ Frankreich/Deutschland; 93 Min.; Gewinner der Viennale 2021; R: Michelangelo Frammartino; D: Paolo Cossi, Jacopo Elia, Denise Trombin, Nicola Lanza

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