PROMISING YOUNG WOMAN Kinostart: 19. 8. 2021 (Carey Mulligan verschmilzt mit ihrer Rolle als blonder Racheengel)

Eine Frau hängt betrunken, fast besinnungslos in einem Nachtclub herum. Drei Typen an der Bar beobachten sie und diskutieren über ihren Zustand. Einer von ihnen (Adam Brody) erbarmt sich, und bugsiert sie in ein Taxi. Anstatt, wie versprochen sie nach Hause zu bringen, nimmt er sie mit in seine Wohnung. Aus der fadenscheinigen Fürsorge, wird der klägliche Versuch, mit ihr zu schlafen. Das ist der Moment auf den Cassie (Carey Mulligan) gewartet hat. Sie ist total nüchtern und sagt: „NEIN“. Später sieht man, wie sie auf einer Liste einen Strich macht, deren Bedeutung man noch nicht kennt.

Cassie arbeitet in einem Coffee-Shop. Eigentlich stand ihr eine Karriere als Ärztin bevor, sie schmiss die Uni, lebt wieder bei ihren Eltern in ihrem alten Kinderzimmer, zum Bedauern ihrer Eltern. Dass sie ein Geheimnis hat, ahnen sie nicht.

Einmal in der Woche macht sie sich ausgehfertig, besucht Bars und Nachtclubs und tut so, als sei sie stockbetrunken. Jedesmal passiert Ähnliches. Ein „netter“ Typ bietet seine Hilfe an und versucht die „hilflose“ Person in sein Bett zu kriegen. Der Auslöser für Cassies nächtliche Racheaktionen ist ein traumatisches Erlebnis während ihrer Studienzeit, was sie nicht mehr loslässt. Nicht sie war betroffen, sondern ihre beste Freundin Nina. Nina wurde mehrmals vergewaltigt und die Anzeige führte, wie so oft bei ähnlichen Fällen, zu nichts. Die Frau sei ja mit schuld daran, sie war betrunken, der Täter wurde freigesprochen. Nina nahm sich das Leben.

Regisseurin Emerald Fenell geht es hier nicht um Macho-Männer, sondern um die „netten Typen von nebenan, die, wenn man sie mit ihren Taten konfrontiert, mit jämmerlichen Phrasen ihre Unschuld winselnd verteidigen.

Carey Mulligan, die ihre schauspielerische Wandelbarkeit schon in Filmen wie „An Education“, „Shame“, „Drive“ und „Mudbond“ gezeigt hat, verschmilzt hier regelrecht mit ihrer Rolle als blonder Racheengel. Der Soundtrack, der bis auf die Orchesterversion von Britney Spears „Toxic“ ausschliesslich aus Stücken von Künstlerinnen und weiblichen Bands besteht, ist poppig und tanzbar. Die Songtexte unterstützen die Aussage des Films. Kostüme und Musik werden zum Statement. Cassie trägt überwiegend pastellfarbene Kleidung. Nur wenn sie ausgeht wechselt sie zwischen eleganten Klamotten oder kurzen Röcken. Egal was Frau trägt, es ändert nichts am Verhalten der Männer. All das und die gute Storyline, machen den Film zu einem Meisterwerk. Nicht ohne Grund, wurde er für 4 Golden Globes nominiert. Die Schauspielerin Emerald Fennell hat mit dem ersten von ihr geschriebenen und inszenierten Spilfilm in diesem Jahr den Oscar für das beste Originaldrehbuch erhalten. In einem Interview mit „Variety“ beschreibt Mulligan den Film als „ein wunderschön verpacktes Bonbon, wenn man es isst, merkt man das es giftig ist“.

Am Ende setzt sich Cassie mit einem besonderen Einfall gegen die toxische Männlichkeit zur Wehr. Vielleicht hätte das Ende mehr Mut gebraucht.

GB/USA 2020 113 Min. D: Bo Burnham, Alison Brie, Laverne Cox, Connie Briton, Max Greenfield, Adam Brody, Molly Shannon

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