CHICHINETTE – WIE ICH ZUFÄLLIG SPIONIN WURDE KINOSTART: 17.9. 2020 (Dokumentarfilm)

Erst im Alter von über 90 Jahren erzählt Marthe Hoffnung Kohn (Geboren 1920 in Metz, Frankreich, Lothringen) zum ersten Mal ihre beeindruckende Lebensgeschichte. Ihr langes Schweigen beruht auf der Tatsache, dass niemand sie gefragt hat. Niemand wollte über den Krieg reden.

Als französische Jüdin floh sie vor den Nazis, überlebte und meldete sich später, nach der Befreiung von Paris als Freiwillige bei der französischen Armee und wurde Spionin. Ihr Spitzname: „Chichinette“ (Kleine Nervensäge).

Marthe wächst in einer orthodox jüdischen Großfamilie in Metz auf. 1939 flieht sie mit ihrer Familie von Metz nach Potiers. 1940 besesetzte Deutschland einen Teil Frankreichs, deutsche Geschäfte wurden enteignet. Marthe und ihre Schwester Stephanie , die Medizin studierte, mußten ihren Großhandel aufgeben. Sie durften kein Telefon und Radio mehr haben und mußten kurze Zeit später den Judenstern tragen. 1942 flüchtete sie über die Demarkationslinie nach Marseille. In dieser Zeit wird ihr Verlobter Jaques, der sich einer Widerstandsgruppe angeschlossen hat, von den Nazis erschossen. Ihre Schwester wurde deportiert. Kommilitonen hatten ihre Flucht vorbereitet, Stephanie lehnte mit den Worten „Wenn ich flüchte werdet ihr alle verhaftet“, ab. Überall hingen Plakate, auf denen die Deutschen 25.000 Franc jedem Denunzianten versprachen.

In Marseille besuchte Marthe die Schwesternschule des Roten Kreuz. Trotz ihres Schmerzes hat sie alle Prüfungen bestanden.

August 1944. Paris wurde befreit. Marthe wollte sofort in die Armee eintreten, doch ihr Pass war gefälscht. Es war Jaques Mutter, die sich persönlich bei Charles de Gaulle für sie einsetzt. Sie wurde dem Infanterie – Régiment 151 zum Sozialdienst abgeordert. Da sie sehr gut Deutsch spricht, wechselte sie zum Geheimdienst und wurde einer intensiven Ausbildung unterzogen und mußte sich eine neue Identität zulegen. Sie nannte sich Martha Ulrich. Es gelang ihr, sich in Deutschland einzuschmuggeln. Die Angst aufzufliegen, war ihr ständiger Begleiter. Durch ihre Investigationen über deutsche Truppenbewegungen hilft Marthe, den Krieg zu verkürzen. Nach Kriegsende arbeitet sie für die französische Militärregierung in Lindau. Zum ersten Mal in ihrem Leben sah sie Menschen, die bis zum Skelett abgemagert waren und zum ersten Mal hörte sie von Konzentrationslagern. Mit ihrem Charme und ihrer inszenierten Unbedarftheit , erreichte sie mehr, als von ihr erwartet wurde.

Noch immer leuchtet der Schalk in ihren Augen, wenn sie heute davon erzählt. Zig Auszeichnungen nennt sie ihr eigen.

Mitte der 50er Jahre lernt sie in Genf den angehenden Mediziner Major L. Cohn kennen. Das Paar zieht 1956 in die USA. !958 heiraten sie und bekommen zwei Kinder. 6O Jahre schweigt sie über ihre Vergangenheit. Nicht mal ihr Mann wusste bis zu dem Tag, an dem sie ihre Koffer packten und sich von L.A. auf die Reise nach Europa machten, wo sie die Stationen ihres Lebenswegs während des Krieges, chronologisch besuchen. Voller Stolz war er dabei, als sie im Jahr 2000 mit der französischen „Medaille Militaire“ ausgezeichnet wurde, die sie an ihre damalige Einheit weiter gab.

Marthe hat ihre Geschichte zur Lebensaufgabe gemacht. Diese kleine gebeugte Gestalt brilliert noch immer mit ihrem Humor, ihrer Direktheit und Schlagfertigkeit. Sie weiss, dass ihre persönliche Erzählung das Publikum berührt und zumNachdenken anregt. Sie ist eine der letzten Zeitzeuginnen.

„Chichinette – Wie ich zufällig Spionin wurde“ erzählt in atmosphärischen, teils animierten Bildern, einen beeindruckenden Lebensweg und beobachtet Marthe heute, wie sie liebevoll von ihrem Mann unterstützt, mit einem fast jugendlichem Eifer, die Welt bereist, um ihre Geschichte mit der jungen Generation zu teilen. „Engagiert euch und führt keine Befehle aus, die nicht mit eurem Gewissen vereinbar sind“. Viel Zeit bleibt ihr nicht. Chapeau.

Buch und Regie: Nicola Alice Hens Recherche: Mai 2015 Dreh in Frankreich, UK, USA:

Januar 2016 – September 2017 Fertigstellung: Frühjahr 2019

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