ALS WIR TANZTEN Kinostart: 23.7. 2020 „Diese Energie! Diese Musik! Diese Bilder!“ (Aftonbladet)

Regisseur Levan Akin: „In Georgien gibt es drei Dinge, die als Inbegriff der Tradition und der nationalen Identität gelten und hochgehalten werden: Die Kirche, der traditionelle mehrstimmige Gesang und der traditionelle Nationaltanz“.

Schon sein ganzes Leben träumt Merab (sensationell Levan Gelbakhiani) Tänzer im Nationalballett in Tiflis zu werden. Seine Leidenschaft gilt dem professionellen Tanz.

Gleich zu Beginn sieht man ihn bei einer Probe. Er übt einen Paartanz mit seiner Freundin Mary (Ana Javakishvili). Der Tanzmeister (Kakha Gogidze) weist ihn zurecht: „ Die Blicke sind nach unten gerichtet. Im georgianischen Tanz gibt es keine Sexualität. Das ist kein Lambada. Der Volkstanz ist der Schrei unserer Gene…..Hey, viel zu lasch. Halt dich aufrecht wie ein Nagel“.

Als die Tür aufgeht und ein Neuer kommt herein, wird er sofort angewiesen, seinen Ohrring herauszunehmen.

Merab muss hart kämpfen, denn seine Familie hält nicht viel von seiner Leidenschaft, zumal sie in ärmlichen Verhältnissen leben. Merhab arbeitet zusätzlich als Kellner. Auch seine Großmutter und sein Vater waren Tänzer, doch seine Karriere hielt nicht lange an. Er arbeitet auf einem Wochenmarkt. Auch sein älterer Bruder David besucht die Tanzakademie. David nimmt es nicht so genau mit der Disziplin und legt sich mit dem strengen Tanzlehrer Aleko an und forciert regelrecht seinen Rausschmiss.

Das Hauptensemble sucht einen neuen Tänzer, da einer von ihnen beim Sex mit einem Mann erwischt wurde und in ein Kloster zur Umerziehung gebracht wurde.

Merab wittert seine große Chance, denn dort aufgenommen zu werden, bedeutet Reisen ins Ausland. Er trainiert noch härter als bisher. Doch da ist jetzt auch noch Irakli (Bachi Valishvili) der Neue, ein ernstzunehmender Konkurrent, von dem sich Merhab auf seltsame Weise angezogen fühlt. Seine Freude ist gross, als beide nach dem Vortanzen, für einen Paartanz im Hauptensemble ausgesucht werden. Irakli kommt aus der Hafenstadt Bakumi. Ihn umweht etwas Geheimnisvolles. Beide trainieren miteinander und verbringen auch ihre freie Zeit zusammen. Mary lädt zu einer grossen Party auf dem Land ein. Irakli und Merhab haben zum ersten Mal Sex miteinander. Eine harte Probe für beide, denn ihr gegenseitiges Begehren darf in dem homophoben Umfeld ihrer Schule auf keinen Fall sichtbar werden. Kurz vor der endgültigen Entscheidung, ob beide nun die Tanzsieger werden, ist Irakli spurlos verschwunden. Merab kann ihn nicht erreichen. David hat eine Frau geschwängert und muss schleunigst heiraten. Die Hochzeit findet ausgerechnet am Vortag der alles entscheidenden Tanzprüfung statt. Irakli taucht unverhofft bei den Hochzeitsfeierlichkeiten auf und verkündet eine niederschmetternde Entscheidung.

Der schwedische Regisseur Levan Akin, mit georgianischen Wurzeln, musste sinen Film heimlich drehen. Obwohl homosexuelle Handlungen in Georgien legal sind, schlägt der queeren Community in der Kaukasus-Republik immer wieder ein öffentlicher Hass entgegen. Während der Dreharbeiten musste eine Menge Security vor Ort sein. Es ist bewundernswert, mit welch großartigem Fingerspitzengefühl er die Spannungen zwischen den modern denkenden Jugendlichen und den in ihren Traditionen verhafteten Älteren aufzeigt, und das,unter diesen erschwerten Drehbedingungen. Mit zartem Einfühlungsvermögen zeigt er die anfängliche Begehrlichkeit seiner zwei Protagonisten. Fast ohne Worte, nur mit Blicken, einem verstohlenen Lächeln, offenbaren sie, was in ihnen vorgeht. Es ist ein Genuss, ihnen bei ihren energiegeladenen Tanzszenen zuzuschauen, angefeuert von der mitreissenden Intensität der volkstümlichen Musik.

Vom 8. bis 10. November 2019 wurde ALS WIR TANZTEN, der erste offen queere Film aus Georgien, erstmals in jenem Land gezeigt, in dem er spielt. Am Tag der nationalen Uraufführung versammelten sich in Tiflis bereits Stunden vor Filmbeginn hunderte nationalistische und orthodoxe Protestler, darunter auch einige Priester. Sie hielten homofeidliche Reden, verbrannten eine Regenbogenflagge und zeigten Plakate wie „Stoppt LGBT Propaganda in Georgien“ und „Homosexualität ist Sünde und Krankheit“. Ein Großaufgebot der Polizei versuchte die Vorführung zu sichern.

Der schwedische Oscar – Bewerber in der Kategorie Bester internationaler Film ist ein revolutionärer Film von ungeheuerlicher Kraft. (Georgien/Schweden 106 Minuten)

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