BEAUTIFUL BEINGS (Sozialdrama) Der isländische Film erzählt von Jugendlichen aus prekären Verhältnissen Kinostart: 10.11.2022

Der14-jährige schüchterne Balli (Áskell Einar Pálmason) wird brutal gemobbt und zusammengeschlagen.Seine Jacke wird in die Toilette gestopft. Der Junge mußte im Krankenhaus verarztet werden. Die Medien berichten über seinen Fall und die ansteigende Gewalt unter Jugendlichen in den Städten von Island.

Balli ist ein Einzelgänger. Seine Mutter ist drogenabhängig, sein Stiefvater, der ihm ein Auge ausgeschossen hat, hockt im Knast. Nirgends findet er Halt. Das Haus in dem er lebt ist total verwahrlost. Seine Mitschüler Addi (Birgir Dagur Bjarkason), Konni (Victor Benóný Benediktsson) und Siggi (Snorri Rafn Frímannsson tyrannisieren ihn nach der Schule. Sie nennen die Behausung „Pennerbude“. Kein Wunder, dass sich Balli umbringen will. Alle Türen im Haus sind eingeschlagen. Seine Mutter ist für einige Tage nicht da. Die drei Kumpel, unter denen es eine Rangordnung gibt, stromern herum, betrinken sich, nehmen Drogen und gehen nachts im Freibad schwimmen. Vor lauter Langeweile tauchen sie bei Balli auf, der sowieso meistens alleine ist, machen sich breit und beschimpfen ihn als stinkendes Inzestopfer. Auch sie kommen aus prekären Familienverhältnissen. Addi ist noch der vernüftigste von ihnen. Ihm tut Balli leid und er sucht seine Nähe.Sie nehmen ihn jetzt des öfteren mit, was bei dem geschundenen Jungen ab und zu für ein Lächeln sorgt. Addis Mutter hat eine starke Beziehung zur Esoterik und auch Addi verfügt über ein übernatürliches Element, indem er Dinge vorraus träumt. In Island ist Esoterik ein Teil der Kultur. Es bildet sich so etwas wie ein Hauch von Freundschaft. Die vier Jungen kommen alle aus kaputten Familien, sind groß geworden mit dem Gefühl von Unerwünschtsein und suchen untereinander Unterstützung und Halt. Irgendwie versuchen sie ihren eigenen Weg zu finden. Konni ist der mit der größten Gewaltbereitschaft.

Als Ballis Stiefvater aus der Haft entlassen wird, ist es Addi, der spürt, dass etwas Schlimmes bevorsteht. Gemeinsam versuchen die vier Jungen eine Katastrophe zu verhindern.

Die Szenen in denen das schmächtige Mobbingopfer gequält und gedemütigt wird gehen tief unter die Haut. „Beautiful Beings“ ist ein bedrückendes aber auch fesselndes Sozialdrama über Grausamkeit, Schmerz und Enttäuschung und die Unfähigkeit der Erwachsenen zu helfen und ihrer Gleichgültigkeit. Auch die Eltern sind oftmals Opfer ihrer Schwächen, Trennungen oder unerfüllten Träumen und sehen hilflos mit an, was um sie herum passiert. Ein Teufelskreis.

Regisseur Gudmundur Arnar Gudmundsson, der aufgrund eigener Erfahrung weiss, worüber er erzählt. Sein Coming-of-Age-Drama bewegt sich zwischen der fatalen Auswirkung von emotionaler Kälte und dem versteckten Wunsch nach Freundschaft und Anerkennung, der so schwer für diese Jugendlichen zu verbalisieren ist. Gudmundssons Empathie für sie ist deutlich zu spüren. Er gibt der Hoffnung eine Chance. Addi hat wenigstens seine Traumbilder um seine Vorahnungen zu verarbeiten.

„Beautiful Beings“ hatte seine Welturafführung in der Panoram-Sektion der Berlinale und ist Teil der Vorauswahl für den Europäischen Filmpreis 2022.

Island/ Dänemark/ Schweden/ NiederlandeTschechien 2022; 123 Min. Regie und Buch: Gudmundur Arnar Gudmundsson; Darsteller siehe Text.

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