ME,WE (Vier ineinander verwobene Geschichten erzählen in dieser Tragikomödie von Flucht, Migration und unserem alltäglichen Umgang damit in Europa) Kinostart: 6.10.2022

„Me, We,“ erzählt vier Geschichten aus vier verschiedenen Perspektiven, die sich mit dem Helfersyndrom in der Flüchtlingskrise befassen.

Ein Wohnheim für Flüchtlinge: WALL OF WELCOME heißt Flüchtlinge willkommen. Die Männer treiben Sport. Es kommt zu Rangeleien. Der Leiter zeigt Verständnis für ihre Lage und beteuert, daß er für sie da ist.

Eine junge Frau reist ans Mittelmeer auf die Insel Lesbos, um Leben zu retten.

Eine TV-Redakteurin hat einen 17-jährigen Syrer bei sich aufgenommen, den sie bei seiner Suche nach einem neuen Leben unterstützen will und mit der österreichischen Kultur vertraut machen.

Zu Beginn des Films geht im Schwimmbad eine Horde Jugendlicher auf einen Ausländer los. Einfach so. „Wir bieten einen kostenlosen Geleitschutz für junge Frauen an. Wir sorgen für ein sicheres Österreich, in dem wir ie jungen Frauen in der Dunkelheit nach Hause fahren, um sie vor Überfällen von Migranten zu schützen, sagen die Jungen aus dem Schwimmbad. „Wir gründen eine Schutz-Engel AG“. Mit ihren frisierten Mopeds fahren sie durch die Gegend und bieten jungen Frauen Schutz an.

So verschieden die Helfer, so verschieden ihre Motivation. Es kann durchaus verraten werden: Scheitern tun sie alle, schon alleine wegen der unterschiedlichen Mentalität der Heimbewohner, die, nicht nur aus Schutz einen gewissen Stolz mitbringen und es nicht gewohnt sind, sich etwas sagen zu lassen. Oder Petra die Redakteurin, die aus allen Wolken fällt als sie erfährt , dass der Syrer Mansur heisst und nicht Mohammed, 23 ist, aus Marokko kommt, ein Kind hat und dass er 3 Jahre lang seine Frau nicht mehr gesehen hat. Das kürzeste Gedicht von Mohammed Ali lautet: „Me, We,“ ruft sie Masur hinterher, als er letztendlich das Land verlässt.

Marie, die Menschen in Seenot retten will, erfährt nur Schwierigkeiten. Die türkische Küstenwache hat den Seenotrettern die Flagge entzogen.

Marcel, von den Schutzengeln , kann nicht zwischen Schutz und Zudringlichkeit bei den Frauen unterscheiden. Der engagierte Heimleiter Gerald will alles tun, um aus seinem Heim keine Erziehungsanstalt zu machen. Dabei wird er von einem seiner Schützlinge auf eine harte Probe gestellt.

Und eins darf man nicht vergessen: Hinter jeder Hilfe steckt auch ein wenig Selbstaufwertung und Eitelkeit, wenn auch unbewusst.

Regisseur David Clay Diaz hat es verstanden, seinem Film tragikomische und kluge Momente zu verpassen und niemanden bloßzustellen. Sein Fazit, denke ich lautet: Es ist nicht einfach Gutes tun zu wollen aber es auch wirklich zu erreichen ist nicht vorhersehbar. Er schildert die Situation von vier Menschen, begleitet von Vorurteilen, besten Vorsätzen und Ernüchterung und dem alltäglichen Umgang damit in Europa. Fokussiert werden dabei die feinen Zwischentöne, die dieses vielvältige Zusammenleben für alle bedeutet. Wieder mal eine sehenswerte Filmperle.

Österreich 2020; 115 Min.; R: David Clay Diaz; D: Verena Altenberger, Lukas Miko, Barbara Romaner, Alexander Srtschin

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