MITTAGSSTUNDE (Ein Mann, Schauspieler Charly Hübner, kehrt zurück in das Dorf seiner Kindheit. Nichts ist mehr so, wie früher) Kinostart: 22.9. 2022

MITTAGSSTUNDE…….Eine gut getroffene Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers der Autorin Dörte Hansen.

Der 47-jährige Kieler Archäologe Ingwer Feddersen (Charly Hübner) nimmt sich einen Jahresurlaub von der Uni, um sich in seinem Heimatdorf Brinkebüll um seine alten Großeltern zu kümmern und wenn nötig, auch zu pflegen. (Peter Franke und Hildegard Schmahl) Den Ort, in dem er seine Kindheit verbracht hat, erkennt er kaum wieder.

1965 kamen die Landvermesser ins nordfriesische Brinkebüll, um eine Flurbereinigung vorzubereiten. Aus kleinen Feldern wurden große Ackerflächen, die alte Kastanie auf dem Dorfplatz ist verschwunden, die Strassen sind leer und die Störche sind nicht mehr zu sehen. Die Dorfschule ist geschlossen und den Tante Emma Laden gibt es auch nicht mehr und das Kopfsteinpflaser wurde durch eine Schnellstrasse ersetzt. Viele Bauern gaben auf, weil ihre Mischbetriebe nicht mehr rentabel waren. Die Kinder zogen in die Stadt. Man hat das Gefühl, das ganze Dorf liegt im Sterben.

Für den Film wurde die alte Gaststätte Görrissen zum Gasthof S. Feddersen, die seine Großeltern bewirtschafteten. Das fiktive Dorf Brinkebüll verkümmerte in den 1950er Jahren ganz allmählich.

Marret Feddersen, die leicht verrückt ist, dachte damals, die Welt geht unter. Als die unruhestiftenden Landvermesser weg sind, ist die 17-jährige Marret (Gro Swantje Kohlhof) schwanger. Ihre Eltern, Sönke und Ella (Rainer Bock und Gabriela Maria Schmeide) ziehen den Jungen Ingwer groß. Er nennt sie Mudder und Vadder. Sie hoffen, dass er später den Gasthof übernehmen wird. Doch Ingwer zieht nach dem Abitur nach Kiel.

Nun ist er zurück und man sieht ihm die Trauer über den Verlust an. Vieles wird als Kuddelmuddel abgetan, denn Ingwer redet nicht viel und dramatisiert auch nichts und doch dreht sich im Film alles um ihn. Es werden Erinnerungen wach nach der Zeit, als die Mittagsstunde noch etwas besonderes war und gleichzeitig spürt er die Sehnsucht, sich von seiner Herkunft zu lösen und ob er sein Leben weiter so leben soll wie bisher.

Regisseur Lars Jessen, der sich schon seit vielen Jahren mit dem Aussterben der Landgasthöfe beschäftigt, lässt die Geschichte auf verschiedenen Handlungsebenen spielen. Sein Film ist geprägt von einer gewissen Wehmut, ohne die Vergangenheit besonders zu verklären. Die Schlager aus der Musikbox im Gasthaus tun ihr Übriges wie zum Beispiel: „Regentropfen, die an mein Fenster klopfen…..“. Charly Hübner verkörpert seine Rolle mit leiser Wehmut und einer authentischen Wahrhaftigkeit, die man selten erlebt. „Mittagsstunde“ ist ein unspektakulärer, feinsinniger Glücksfall für das Kino.

Deutschland 2022; 93 Min.; R: Lars Jessen; D: Charly Hübner, Peter Franke, Rainer Bock, Hildgard Schmahl, Gabriela Maria Schmeide, Gro Swantje Kohlhof

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