ALCARRÀS – DIE LETZTE ERNTE ( Der Gewinner des Goldenen Bären auf der diesjährigen Berlinale) Kinostart: 11.8. 2022

Seit Jahrzehnten baut die Familie Solé in Alcarrás, dem Heimatdorf der Regisseurin, Pfirsiche an.

Doch damit soll jetzut Schluss sein. Die Obstplantage, die sie bewirtschaften, gehört ihnen nicht. Früher wurden Verträge mit Handschlag besiegelt. Der Großgrundbesitzer Pinyol hat der Familie für immer gestattet auf seinem Pachtgrundstück Pfirsiche anzubauen und auch zu ernten, als Dank an die Familie, besonders an den Urgroßvater, der ihn im Spanischen Bürgerkrieg vor der Ermordung versteckt hat. Einen schriftlichen Vertrag gibt es nicht.

Pinyols Urenkel will davon nichts wissen. Die Obstbäume der Bauernfamilie sollen weg , um einem modernen Solarpark Platz zu machen. Es ist der letzte Sommer, den die Großfamilie auf der Plantage verbringt. Verzweifelt sucht die Familie zwischen alten Papieren, ob sie nicht doch etwas findet, was sie davor bewahrt. Drei Generationen haben während der Ernte hart gearbeitet, inmitten wunderschöner Natur. Auch die Kinder mussten helfen. Es ist vorbei.Schreiend laufen die Kinder nach Hause, weil ein altes Autowrack, in dem sie zu gerne spielten, von einem Bagger weggekarrt wird.

Quimet (Jordi Pujol Colcet), das Familienoberhaupt der Solés, will sich das nicht gefallen lassen. Man bietet ihm an, so eine Art Solar-Hausmeister zu werden. „verpiss dich“ ist alles, was er darauf wütend erwidert. Voller Wut stürzt er sich auf die Ernte. Natürlich ist die Regisseurin Carla Simón, deren Familie ebenfalls in Katalonien Pfirsiche anbaut, auf seiner Seite.

Mit einer Truppe Laiendarsteller aus der Region inszeniert sie das Schicksal der Familie Solés und zeigt das harte Leben einer spanischen Bauernfamilie. Ackern bis es dunkel wird, innerfamiliäre Streitereien, besonders jetzt unter dem Druck, ihren Lebensinhalt zu verlieren, dann nörgelnde Jugendliche, die zwischen den Obstplantagen ihren Hanf anbauen und mit einem Bein, längst fern der alten Traditionen stehen und sich mit dem „Grünen Zeitalter“ beschäftigen. Zwischendrin die Kinder bei ihren fantasievollen Spielen. Als Quimets Schwager Cisco beim Aufstellen der gelieferten Solarpanels hilft, drohen die Spannungen zu eskalieren. Wir erleben eine Großamilie, die wie viele andere Familien auch, mit Konflikten zu kämpfen hat. Was ALCARRÁS-DIE LETZTE ERNTE so besonders macht, ist das authentische Spiel der Laiendarsteller, die mit Hilfe der behutsamen Regie es mühelos schaffen, die unterschiedlichen Emotionen sowie den Zusammenhalt zwischen den unterschiedlichen Familienmitgliedern abzubildern ohne sich vorher gekannt zu haben. Fassungslos und entsetzt schaut die Familie Solé auf die Bagger, die ihr Paradies zerstören. Dass diese Familie nicht echt ist, auf die Idee kommt man nicht. Besonders traurig, das Gesicht des Großvaters Roger (Albert Bosch), der schweigsam mitansieht, dass sein Lebenswerk dem Ende entgegen sieht.

Auf ernüchternde Weise und mit hartem Realismus, zeigt uns dieser warmherzige Film das harte Leben der Bauern allgemein, die Widersprüche zwischen Tradition und Moderne, das „Sterben“ von Kleinbetrieben und den stetigen Kampf für faire Preise. Leider, leider ist das Thema topaktuell.

Spanien/Italien 2022; 120 Min.; R: Carla Simón; D: Jordi Pujol Dolcet, Anna Otin, Xénia Roset,

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