REPUBLIC OF SILENCE (Ein aufwühlendes Dokument) Kinostart: 11.8. 2022

Vor elf Jahren begann der Krieg in Syrien. Die Hälfte der Bevölkerung verlor ihre Heimat. An der Seite von Machthaber Assad zerbombte die russische Luftwaffe Städte wie Aleppo und Homs.

Inzwischen hat Präsident Baschar al-Assad den Großteil Syriens wieder unter seine Kontrolle gebracht. Doch noch immer gibt es keinen Frieden und Sicherheit für die Bürger.Vor allem leiden die Schwächsten unter der unerträglichen Situation. Zivilisten, Frauen und Kinder.

„Republic of Silence“

In ihrem 183 Minutenfilm lässt Filmemacherin Diana El Jeiroudi den Zuschauer an ihren Erinnerungen Eindrücken und Emotionen vom syrischen Bürgerkrieg teilhaben. Ihr Leben in Damaskus war von Diktatur, Angst und Krieg geprägt.

Ihr Film beginnt ohne Bild. Wir sehen eine schwarze Leinwand mit weißen Buchstaben.

„Es gibt kein Bild, für das, was ich sah“. Heute bin ich 7 Jahre alt. Mein Vater gibt mir eine Kamera, ich weiß nicht, was ich fotografieren soll. Das Böse hat einen furchterregenden, lauten Klang (Sirenen). Unsere Fensterscheiben zerspringen. Jeden Tag fällt der Strom für zwei Stunden aus. Mein erster Tag in der Schule-die Lehrerinnen waren gemein. Es gibt einen netten Jungen. Er heißt Rami“. Es sind ihre persönlichen Erinnerungen als Kind von sieben Jahren.

Berlin: Ein Paar sitzt sich in einer Berliner Wohnung gegenüber und schweigt. Es sind Diana El Jeiroudi und Orwa Nyrabia. Beide sind Filmschaffende, Begründer des ersten unabhängigen Filmfestival in Syrien, DOX BOX. Beide sind in Berlin gestrandet und leben hier im Exil. Diana ist die Regisseurin und Produzentin. Das Kino bietet ihr einen gewissen Trost, die Musik, die Gewissheit von Träumen und Halt findet sie in der solidarischen Liebesbeziehung mit Orwan. In ihrem Film wirft sie einen persönlichen Blick auf das Leben in Syrien, verdichtet das Material mit Gesprächen und Beobachtungen von Familienangehörigen, Freunden und Filmschaffenden und ihren Arbeitsbedingungen, Archivaufnahmen aus dem syrischen Fernsehen,und immer wieder erweckt sich das Böse für sie und erschlägt das Gefühl von Zuhause. Es ist gefährlich in Syrien zu filmen, da die Filmemacher ständig damit rechnen müssen, von Scharfschützen erschossen zu werden. Außerdem ist der Geheimdienst überall. Es gilt ein strenges Verbot, rauchende Menschen zu filmen. Leute, die aus dem Ausland ins Land kommen, werden besonders kontrolliert. Zu ihnen gehört auch Rami, der eine großen Karton voller Erinnerungen mit nach Deutschland genommen hat und sich öfter im Rahmen seiner Forschungen auf den gefährlichen Weg nach Syrien macht. Ihn interessiert, wie weit geistige Behinderung in Familien vererbar ist. Als Orwa für einige Zeit in der Arrestzelle in Syrien hockte, war die Kampagne „FREE ORWA“ riesengroß. Amerikanische und europäische Filmemacher und Schauspieler forderten seine Freilassung. Orwa wurde aus seinem Haus geworfen. Seine Heimatstadt Homs wurde belagert. Syrische Bürger baten um Hilfe bei allen Nationen. Außer von syrischen Migranten gab es weltweit kaum Demonstrationen und Solidaritätsbekundigungen. Der Film ist eine vielschichtige Reflektion über all das, was sich in den letzten Jahren politisch und sozial entwickelt hat. Zensierte Bilder, geheime Gedanken, verordnetes Schweigen. Es ist Krieg und Menschen brauchen Hilfe und Solidarität. Doch leider ist die Not der Kriegsflüchtlinge für die breite Masse uninteressant. Man ist ihnen eher feindlich gesonnen.

Ein Kind wird geboren und das Leben geht weiter. Sie feiern Orwas Geburtstag. Freunde, Diana und ihr großer weisser Hund.

Diana: „Von jeder Person, die ich filme nehme ich etwas mit“. Zwischendrin tickt immer mal wieder eine große Uhr, die zeigt, wie die Zeit verinnt und ein Frieden noch immer nicht in Sicht ist.

Dianas EL Jeiroudis poetisches Filmessay wurde bereits bei den Filmfestspielen in Venedig gefeiertund beim Dok. Leipzig mit einer lobenden Erwähnungund dem Dokumentarfilmpreis des Goethe-instituts ausgezeichnet. Die eindringlichen Bilder und Dianas Aussagen wirken noch lange nach. „Gewidmet für Razan u.s.w. Und für alle Gefangenen in der Stille. Es ist schwer, nicht zu sprechen und doch bin ich sprachlos.

D/ Frankreich/Syrien/Katar/ Italien 2021 183 Min; OmU; R: Diana El Jeiroudi

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