ZUM TOD MEINER MUTTER (Ein bewegender Film über das Abschiednehmen) Kinostart: 9.6. 2022

Die Filmemacherin Jessica Krummacher hat einen Film über den Tod ihrer 64-jährigen Mutter gedreht. Sie kam in ein katholisches Pflegeheim, unheilbar krank, bei klarem Verstand, konnte sich aber nicht mehr bewegen, litt Schmerzen. Sie wollte so nicht mehr leben, also beschloss sie, nicht mehr zu essen und zu trinken.

Kerstin, die Mutter wird von Elsie de Brauw gespielt, Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum. Die Tochter Juliane von Birte Schnöink.

Juliane ist verzweifelt. Die Mutter kann kaum noch reden. Sie dämmert vor sich hin. Lange ist sie schon krank. Nun kann sie nichts mehr alleine. Sie beschließt Essen und Trinken aufzugeben, denn aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten. Da ihre Gliedmaßen ihr nicht mehr gehorchen, ist sie nicht in der Lage den Todestrunk selbst einzunehmen.

Juliane zitiert am Sterbebett ihrer Mutter Kerstin Simone de Beauvoir: „Wir haben es gelernt im Sexuellen unsere Körper rückhaltlos den anderen zu geben. Aber wir haben noch nicht gelernt, uns auch unsere Seelen gegenseitig anzuvertrauen“. Es wird viel vorgelesen in dem Raum mit dem Krankenbett, einem Nachttisch und einem Schlafsessel, den die Tochter ganz nah zum Bett der Mutter schiebt, wenn sie die Nächte dort verbringt. Was kann sie noch tun als der Mutter so nah wie möglich zu sein, sie mit Dingen zu versorgen, die ihr guttun. Es bleibt nicht mehr viel Zeit. Der Arzt wechselt die Morphiumpflaster, Kerstins Lippen werden rauer, ihre Haut juckt, die täglichen Waschungen werden zur Tortour und Kerstin kann kaum noch sprechen. Juliane rückt immer näher an den Körper der Mutter heran. Sie lauscht ihrem Atem und den mühsam hervorgebrachten Worten.

„Lass mich nachts nicht mehr alleine“ bittet Kerstin lallend. Und immer wieder bittet Kerstin den Arzt um ein schnelles Ende. Es gibt auch noch lichte Momente wenn Besuch kommt, der Erinnerungen vorliest und Kerstin ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

13 Tage sind vergangen, ohne Wasser ohne Brot. „Die Welt ist geschrumpft auf das Ausmaß dieses elenden Zimmers“ sagt Juliane einmal aus dem Off. „Die Verwandlung meiner Mama in einen elenden Leichnam. Was machen wir denn nun? Es ist unmöglich in dein Leid einzudringen. Du stirbst“, flüstert sie der Mutter zu. Wie sieht er aus der Tod? Eine Frage, die weder Mutter noch Tochter beantworten können.

Ich kann mich an keinen Film erinnern, bei dem man dem langsamen Schwinden des Lebens so spürbar und intim nah war, wie hier. Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich behaupten, einen Dokumentarfilm gesehen zu haben. Was die beiden Schauspielerinnern emotional durchmachen, wirkt dermassen echt, dass man tief durchatmet, wenn die Qual endlich ein Ende hat. Irgendwie bleibt ein Gedanke zurück: „Es war gut, dass ich dabei war“. Ein Film der unter die Haut geht.

Deutschland; 135 Min.

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