GLÜCK AUF EINER SKALA VON 1 BIS 10 (Komödie über zwei ungewöhnliche Reisegefährten) Kinostart: 2.6. 2022

Das Genre „Roadmovie“ ist nicht totzukriegen. In der warmherzigen französischen Komödie „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“ treffen wir auf ein schräges Gespann, das unverhofft gemeinsam eine Reise unternimmt. Alles fing mit einem Unfall an.

Louis (Bernhard Campan) ist Bestattungsunternehmer, der Tag und Nacht für seine Kunden da ist, kaum ein Privatleben hat und ziemlich einsam ist, schafft es gerade noch auszuweichen, bevor er Igor (Alexandre Jollien), der mit seinem Lastenfahrrad unterwegs ist, leicht anfährt. Igor, der täglich frisches Biogemüse ausfährt stürzt. Passiert ist Gott sei dank nichts schlimmes. Louis hilft dem behinderten Igor, der unter zerebraler Kinderlähmung leidet, wieder auf die Beine und bringt ihn vorsichtshalber in ein Krankenhaus. Igor bedankt sich am nächsten Tag für die Hilfe und bringt dem Bestatter eine Bio-Ananas als Dank. Kein Vorwurf kommt über seine Lippen, ganz im Gegenteil: Er ist kontaktfreudig und lebenslustig. Noch ahnt Louis nicht, dass er einen neuen Freund gefunden hat. Abschütteln lässt er sich nicht mehr.

Zu gerne zitiert Igor philosophische Lebensweisheiten, von Nietzsche bis Platon, Spinosa oder Diogenes. die er sich zu „Freunden“ gemacht hat und ohne die er sehr einsam wäre, denn durch seine Behinderung ist er ein Aussenseiter. Er hat noch seine Mutter aber die nervt, denn Maman will ihn ständig verkuppeln.

Hemmungslos setzt er sich einfach in den Leichenwagen des humorlosen Bestatters und erklärt ihm, dass er ein metaphysisches Experiment machen will und zusammen mit der Leiche im Sarg, ihn jetzt bei der Überführung nach Südfrankreich begleitet. Philosophieren bedeutet laut Platon, sich im Sterben zu üben, erklärt er dem verdutzten Louis. Hartnäckig bleibt Igor sitzen und denkt gar nicht daran, auszusteigen, zumal sie schon einige Zeit unterwegs sind. Dass der konservative Louis während der Reise nach und nach Gefallen an dem munteren Geplaudere und den zielgerichteten Zitaten, die Igor so zum Besten gibt, Gefallen findet, und selbst immer lockerer wird, ist jetzt keine Überraschung.

Aber das Besondere an der Komödie ist, dass der Philosoph Alexandre Jollin, der den Igor spielt wirklich diese Krankheit hat und mit Bernard Campan, der den Louis spielt auch im wahren Leben befreundet ist. Sie haben zusammen das Drehbuch geschrieben und den Film gedreht, was dem Film eine wunderbare Authentizität verleiht. Diese Männerfreundschaftskomödie enthält ganz viel Charme und viel Humor. Und dass man dem Tod nicht davon kommt, ist auch ganz klar. Beschwingt lächelnd verlässt man den Kinosaal und das kommt nun wirklich nicht all zu oft vor. Ein Film mit ganz viel Herz.

OT: Presque; Frankreich 2021; 91 Min.; R: Alexandre Jollien, Bernard Campan; D: Bernard Campan, Alexandre Jollien,Tiphaine Daviot, Julie-Anne Roth, La Castou, Maryline Canto.

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