DIE SAAT ( Der Existenzkampf einer unbescholtenen Familie) Kinostart: 28.4.2022

So wie viele andere auch, trifft es die sympatische Familie Matschek. Wegen der steigenden Mieten in der Stadt, wagen Rainer (Hanno Koffler), seine schwangere Frau Nadine ( Anna Blomeier) und ihre 13-jährige Tochter Doreen (Dora Zygori) einen Neuanfang auf dem Land, wo sie in ein renovierungsbedürftiges Haus ziehen. Für Rainer kein Problem, denn er ist handwerklich sehr geschickt. Außerdem hat er auf verschiedenen Baustellen gearbeitet und hat nun das Glück, bei einem Projekt zum ersten Mal die Bauleitung zu übernehmen, was sich auch finaziell positiv bemerkbar macht. Nadine geht ihrem Beruf als Krankenschwester nach. Noch sieht alles ganz gut aus.

Nur Doreen hat Heimweh nach ihrem alten Zuhause. Was soll ein dreizehnjähriges Mädchen auch machen, wenn die Eltern aus Kostengründen einen Umzug beschliessen. Für das Mädchen ist es besonders schwer, sich einzugewöhnen.

Um so erfreuter ist sie, als sie glaubt in der wohlhabenden Nachbarstochter Mara (Lilith Julie Johna) eine Freundin gefunden zu haben. Doch Mara ist mit allen Wassern gewaschen und entpuppt sich als hinterhältiges kleines Aas, indem sie die vernüftige Doreen zu wechselnden Bösartigkeiten anstiftet. Maras Eltern schauen auf die neuen Nachbarn von oben herab und sind über den Kontakt ihrer Tochter mit Doreen eh nicht erbaut.

Doch das Rainer seinen Bauleiterposten zu gunsten des nur auf Profit ausgerichteten neuen Vorgesetzten Jürgen Kleemann (Andreas Döhler) verliert, trifft die Familie hart. Die Lage spitzt sich zu.

Rainer stellt sich in einer Baufirma, deren Chef seinen alten Arbeitgeber kennt, als Bauleiter vor. Sätze wie, sie sind ein fleissiger Typ aber als Bauleiter kann ich sie erst einstellen, wenn sie mehr Erfahrung gesammelt haben. Wie soll das funktionieren, wenn man den Leuten keine Gelegenheit gibt.

Also schuftet der Familienvater weiter auf der Baustelle, hört sich die verlogenen Ausflüchte des geldgierigen und kaltherzigen Firmenerben Klose ( Robert Stadelober) an und setzt sich den Schikanen des Vorgestzten Kleemann witerhin aus. Immer wieder stellt er sich schützend vor seine Kollegen. Das Maß ist voll, als Kleemann hinterrücks auch noch Leute von einer Leihfirma anstellt und dreist behauptet, sie seien nur zur Unterstützung da. Niemand verliert seinen Job. Nicht mal der Polier wusste davon.

Zuhause türmen sich Rechnungen und Mahnungen, Mahnungen und Rechnungen. Rainer arbeitet noch zusätzlich nachts bei einer Autowaschanlage, Nadine, die Sonderschichten schiebt, bricht zusammen und muss ins Krankenhaus, es heisst, sie muss sich wegen der Schwangerschaft unbedingt schonen.

Kollege Fiedrich soll auf Beschluss von Kleemann gehen. Vorher hiess es noch, da die Firma einen heissersehnten Zuschlag bekommen hat, ein Verdienst aller Arbeiter und für die nächsten zwei Jahre seien die Arbeitsplätze für alle gesichert. In Wirklichkeit steht der Bus mit den Leiharbeitern vor der Tür. Die Männer streiken, Rainer ist der Anführer. Geschlossen stellen sie sich vor den Kollegen Friedrich.

Drüben im Bus befindet sich für jeden von euch ein Ersatz. Entweder ihr arbeitet jetzt weiter oder ich sorge dafür, dass keiner von euch einen Job auf einer Baustelle bekommt“ brüllt Kleemann. Die Kollegen ziehen sich zurück. Auch Rainer muss gehen. Er rastet aus. Endlich.

Regisseurin Mia Maariel Meyer („Treppe aufwärts“), die das Drehbuch zusammen mit ihrem Mann und Hauptdarsteller Hanno Koffler geschrieben hat, lässt den Zuschauer noch am Anfang des Dramas in dem Glauben, dass sich alles zum Guten wendet. Doch immer schneller wird klar, dass der familiäre und soziale Existenzkampf der unbescholtenen Familie kaum zu gewinnen ist. Packend und bedrückent.

Die hässliche Fratze des Kapitalismus gewinnt die Oberhand. Irgendwann wird die Saat aufgehen…

DIE SAAT hatte seine Weltpremiere auf der Berlinale 2021 in der Sektion Perspektive Deutsches Kino.

Deutschland 2021; 100 Min; R: Maariel Meyer: D: Hanno Koffler, Dora Zygouri, Andreas Döhler, Annaomeier, Robert Stadelober; (www. missingfilms.de)

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