WAS TUN? (Dokumentarfilm) Kinostart: 3.3. 2022

Ein 15-jähriges Mädchen in einem roten Sari sitzt auf einem schäbigen Bett. Sie hält inne, sucht nach Worten und unterbricht zögernd das Interview: „Gibt es keinen anderen Weg für uns Frauen als den des Leides? Gibt es überhaupt einen Weg?“ Der Dokumentarfilmstudent Michael Kranz sieht diese Szene in der Dokumentation „Whore`s Glory“ von Michael Glawogger und sie lässt ihn nicht mehr los.

„Aus guten Gründen nichts getan habe ich schon oft genug“ sagt sich Kranz und beschließt, sich auf den Weg nach Bangladesch zu machen, um diese junge Prostituierte zu finden und sei es noch so naiv. WAS TUN? Soll man einem Hilfe-Impuls nachgehen oder wie soll man mit dem Leid in fernen Ländern umgehen, das man nur medial kennenlernt.

Er tut es. Mit dem Filmausschnitt auf seinem Handy und seiner Kamera, fliegt er nach Bangladesch und macht sich auf die Suche nach dem Mädchen.

Er reist nach Faridpur und hält überwiegend Männern auf den Märkten und Straßen, das Video mit dem Mädchen vor die Nase, in der Hoffnung jemand erkennt sie und weiß, wo sie ist. Immer tiefer begibt er sich in die Welt der Zwangsprostitution und der Zuschauer bekommt Einblicke in die Komplexität des gnadenlosen Geschäfts mit der käuflichen Sexualität in einem muslimischen Land, in dem man nicht das Wort Sexarbeiterin in den Mund nehmen darf, ohne bestraft zu werden.

Kranz ist berührt von der Armut, der Gewalt und der gesellschaftlichen Ächtung die die Prostituierten in Faridpur erfahren. Sind sie erst einmal aus ihrem Familienband herausgerissen, egal aus welchem Grund, ist es kaum möglich für sie, ein finanziell eigenständiges Leben zu führen.

Auch ihre Familien nehmen die „Entehrten“ nicht mehr auf. Wer entkommt, landet in einem“ Regierungsheim“, ein staatliches Frauenhaus, das einem Gefängnis gleicht. Die Fenster sind vergittert und Stacheldraht umgibt das Gebäude. Wenigstens werden sie nicht mehr vergewaltigt, so zynisch das auch klingt. Ist man das Kind einer Zwangsprostituierten, ist einem der Schulbesuch verwehrt.

Michael Kranz, Schauspieler und Dok-Filmer, legt den Fokus hauptsächlich auf die persönlichen Begegnungen mit den Menschen vor Ort, schließt Freundschaften und zeigt eine großherzige Hilfsbereitschaft, denn er hat das Privileg, dass sich ihm alle Türen öffnen, auch die, die vielen Einheimischen verschlossen bleiben, denn er hält eine Kamera in der Hand und kann sich dadurch leichter überall einmischen und das macht er reichlich. Auch wenn die Kamera zum Objekt einer Selbstinszenierung wird, den Bordell- Kindern, die ein Zuhause in einem von ihm mitgegründeten Heim gefunden haben, ist das wurscht. Jedenfalls hat Kranz mit seinem Einsatz und seinem Idealismus Positives getan und wenn es auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Das Mädchen in dem roten Sari hat er übrigens gefunden.

WAS TUN ist sein Abschlussfilm der Hochschule für Fernsehen und Film. Seine Erstaufführung hatte sein Film 2020 auf dem Dok.fest München.

Er hat den gemeinnützigen Bondhu Förderverein Deutschland e.V. gegründet, mit dem er Frauen und Kinder in Bordellen in Bangladesch untersützt und sich gegen Zwangsprostitution einsetzt.

Drehbuch & Regie: Michael Kranz; Deutschland 2020; 73 Min.;

Cast: Michael Kranz, Nupur, Redhoy, Chanchalla Mondall, Shymal Adhikary, Monika, Padma, die Bondhu-Kids

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