DER PFAD (Drama) Zwei Kinder auf der Flucht mit ungewissem Ausgang Kinostart: 17.2.2022

Der Journalist Ludwig Kirsch (Volker Bruch) ist mit seinem zwölfjährigem Sohn Rolf (Julius Weckauf) auf der Flucht vor dem Naziregime. Es ist das Jahr 1940. Bis nach Marseille haben die beiden es schon geschafft. Sie sitzen am Strand und spielen ein Frage- Antwort-Spiel: „Gut oder böse“?, fragt er seinen Sohn und zeigt mit dem Finger auf eine Person. Die Frau, die mit ihrem Kind schimpft, stuft Rolf als böse ein. Der Mann, der einen Hund streichelt, gilt für Rolf als gut,doch dann sieht er eine Naziuniform neben ihm liegen und sagt: „Böse“. Ein Spiel, das Rolfs Sinne schärfen soll, um fremde Menschen schnell einzuschätzen. Eine Gabe, die auf der Flucht, lebensrettend sein kann.

Als der Vater erfährt, dass er auf einer Liste der Nationalsozialisten steht und ihm diese bereits auf den Fersen sind, beschliesst er, Rolfs Mutter Katja (Anna Maria Mühe) nach New York zu folgen und Vater und Sohn hoffen, dass es in Marseille mit einer Schiffspassage klappt.

Aber das Kollaborationsregime von Vichy hat die Route bereits dichtgemacht. Verstärkt sieht man deutsche Soldaten durch die Stadt patrouillieren. Ludwig und Rolf bleibt die Möglichkeit eines „Spaziergangs“ wie sein Vater es nennt, über die Pyrenäen nach Spanien und von dort nach Lissabon, von wo noch Schiffe in alle Richtungen ablegen. Sie begeben sich zum französischen Grenzort Banyuls-sur-Mer, wo sie von Bekannten erwartet werden, die sie mit falschen Reisepapieren ausstatten und über einen Pfad aus dem Land schleusen. Um die Flucht so unauffällig wie möglich zu gestalten, soll sie Nuria (Nonna Cardoner) ein spanisches Mädchen, welches sich mit den Schleichwegen über die Berge besonders gut auskennt, führen. Ihre Eltern sind im spanischen Bürgerkrieg umgekommen und so verdient sich das stille Mädchen als Schleuserin etwas Geld.

Rolf zuckt zusammen, als Nuria ihn auffordert, seinen geliebten Hund Ari zurückzulassen. Dass bringt der Junge nicht über`s Herz. Er füllt ihn mit Alkohol ab, und versteckt ihn in seiner Umhängetasche. Eine deutsche Militärpatrouille kreuzt ihren Weg. Aldi jagt gerade einem Hasen hinterher.Um die Kinder zu schützen, stellt sich Rolf den Soldatenund wird mitgenommen. Die beiden Kinder, Nuria ist nur wenige Jahre älter als Rolf und Terrier Aldi müssen sich nun alleine durchschlagen. Ihr Weg führt sie in ein gefährliches Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Obwohl der Film während des 2, Weltkriegs spielt und die Kinder mit Schießereien konfrontiert werden, hat Regisseur Tobias Wiemann dennoch eine abenteuerliche Leichtigkeit über das Geschehen gepackt. Das liegt vor allem an seinem 14-jährigen Hauptdarsteller Julius Weckauf, der mit viel Bravour in die Rolle des Jungen Hape Kerkeling in „Der Junge muss an die frische Luft“ schlüpfte und der in der Rolle des Rolfs einen wohlbehüteten Großstadtjungen, der ohne seinen beschützenden Vater auf einem Fluchtweg zurechtkommen muß, überzeugend darstellt. Er verliert sich in Tagträumereien, liest Erich Kästner-Bücher und heitert Nuria unterwegs mit Hundetricks auf. Souverän gehen beide mit ihren Rollen um. Da ist das Mädchen, das viel zu schnell erwachsen geworden ist und als Gegenpol der Junge, dessen Frohnatur seiner ernsten Schleuserin ab und zu ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Bewußt werden die Schrecken der Nazizeit nur angedeutet, ähnlich wie im Film „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

„Der Pfad“ basiert auf realen Flucht- Geschichten während des zweiten Weltkriegs. Über den Pyrenäen-Pfad retteten sich aus dem 1940 besetzten Frankreichzahlreiche Menschen.Die deutsche Exilantin Lisa Fittko hat vielen von den Verfolgten zur Flucht verholfen Ihre Erinnerungen hat sie in dem Buch „Mein Wegüber die Pyrenäen“ festgehalten.Ihre Erinnerungen Die wiederum dienten dem Kinderbuchautor Rüdiger Bertram als Inspiration für ein Drehbuch, das Tobias Wiemann für das junge Publikum einfühlsam begreifbar, ohne es zu erschrecken, verfilmt hat.

Ein Familien-Film der zum Nachdenken anregt und wie aktuell das Thema noch heute ist, zeigt sich im Abspann: „82 Millionen Menschen sind heute auf der Flucht. 34 Millionen davon sind Kinder.“

Deutschland 2022 99 Min; R: Thomas Wiemann; D: Julius Weckauf, Nonna Cardoner, Bruna Cusí, Volker Bruch, Jytte-Merle Böhrnsen

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