NIGHTMARE ALLEY (Ein düsteres Drama über einen Mann, den sein Ehrgeiz unaufhaltsam zu Fall bringt) Regie: Oscarpreisträger Guillermo del Toro Kinostart: 20.1. 2022

Der Mensch kommt als blinde, herumtastende Milbe auf die Welt. Er kennt Hunger, die Angst vor lauten Geräuschen und vor dem Fallen. Sein Leben verbringt er auf der Flucht-der Flucht vor Hunger und dem Donnerschlag des Schicksals. Im Moment der Geburt beginnt er zu fallen, durch das Brausen der Zeit, tief hinein in den Abgrund der Dunkelheit“. Oder: „Jemand lässt uns heraus wie eine Kröte aus einer Streichholzschachtel, wir springen und springen und springen, und dieser Kerl ist uns immer auf den Fersen. Und wenn er es leid ist, stampft er uns zu Brei, und unsere Eingeweide spritzen unter dem Stiefel des allbarmherzigen Schicksals hervor. Son of a Bitch!“

Dies sind nur Ausschnitte aus zwei der dramatischen Reden, die Magier Stanton Carlisle im Roman „Nightmare Alley“ (1946) von William Lindsay Gresham hält. Das wuchtig-bittere Werk zeigt einen sezierenden Blick auf den Menschen, seine Ängste und Fehler sowie seinen Kampf um Lebenssinn.

„Der Schriftsteller William Lindsay Gresham ist einer der interessantesten literarischen Köpfe, was die Schattenseiten Amerikas angeht“, sagt Guillermo del Toro im Interview mit CINEMA.

(Quelle: CINEMA 1/22)

In seiner Adaption des Romans „Nightmare Alley“ zeigt Regisseur Guillermo del Toro („Pan`s Labyrinth“, „Shape of Water“) die Abgründe der menschlichen Natur. Im Vorspann sieht man einen Mann eine Leiche entsorgen, indem er sein Farmhaus abfackelt. Er entflieht seinem alten Leben und landet bei einem Wanderzirkus. Es handelt sich um Stanton Carlisle, gespielt von Bradley Cooper. Angelockt wurde er von einem Jahrmarktsschreier, der unglaubliche Sensationen verspricht. Er trifft auf Schlangenmenschen, die sich verbiegen können, als seien sie aus Gummi, einem Menschen im Käfig, der als Biest bezeichnet wird und und lebenden Hühnern den Kopf abreißt und einer Jungfrau, die unter Starkstrom gesetzt wird. Im Gruselkabinett stehen Gläser mit Mißgeburten. Hier fragt ihn niemand woher er kommt und wie seine Vergangenheit aussieht, verspricht ihm der Zirkusdirektor Clem Hoately (Williem Dafoe). Ein Ort, der in seiner Schauerlichkeit, das Publikum magisch anzieht. Hier kann Stanton ganz von vorn anfangen. Als das „Biest“, ein erbärmlicher Alkoholiker ins Delirium fällt, packt Stanton mit an und hilft dem Zirkusdirektor das „Biest“ vor einer Notaufnahme abzulegen. Nachschub für ihn, findet sich allemal. Es gibt genug Obdachlose, die man mit Alkohol locken kann, indem man ihnen einen Job verspricht. Stanton, der in seiner Verschlagenheit auch äußerst charmant sein kann, schlägt dem Zikusmädchen Molly (Rooney Mara) vor, für ihre Stromschau, doch einen elektrischen Stuhl zu nutzen, den er entwirft und mit dem sie mehr Eindruck schinden kann, indem sie eine Scheinhinrichtung simuliert. Der betrügerischen Wahrsagerin Zeena (Toni Collette) bietet er sich als Helfer bei ihren billigen Tricks an und von ihrem Mann Pete (David Strathairn), genannt der Professor, lernt er, wie man Menschen in kürzester Zeit nach ihren Äußerlichkeiten und ihrem Verhalten durchschauen kann. Der Professor war bekannt als Super-Illusionist, bevor er dem Alkohol verfiel. Wahrscheinlich ist Stanton auch schuld am Tod des Professors, hinter dessen Rücken er auch eine Affaire mit seiner Frau hat. Doch dann verlieben sich Stan und Molly ineinander. Sie verlassen die Zirkustruppe und arbeiten in Zukunft zusammen. Mit ihr als Medium macht er zwei Jahre später Karriere als Magier „The great Stanton“ in den großstädtischen Cabarets in Amerika. Aber damit nicht genug. Auf der Bühne eines Hotels in New York, trifft er auf eine gerissene Psychoanalytikerin Dr. Lilith Ritter (Cate Blanchet), die den „Blender“, der sich für allmächtig hält, durchschaut. Erst will sie ihn hochgehen lassen, überlegt es sich anders und verbündet sich mit ihm und macht ihm einen perfiden Vorschlag, in dem sie seine „spiritistischen Fähigkeiten“ nutzt. Sie bringt ihn mit einem ihrer Klienten zusammen, Ezra Grindle (Richard Jenkins), ein schwerreicher Industrieller, der vor Jahrzehnten für den Tod einer jungen Frau verantwortlich war und der gegen eine üppige Geldsumme, mit deren Geist in Verbindung treten möchte. Immer stärker beginnt Stan seinen eigenen Lügen zu glauben. Er wägt sich von nun an ganz oben. Seine Gegenspielerin Dr. Ritter, behandelt die Elite der Stadt. Aus den Therapiesitzungen kennt sie deren intimste Geheimnisse, die Stan in privaten Shows zu Geld machen will und in seiner Gier lässt er sich ungeahnt mit gefährlichen Leuten ein. Er will mehr und mehr und mehr.

Guillermo del Toro: „In unserem Film geht es ums Heute und nicht um die 1930er und 1940er. Es geht um Wahrheit und Lüge, um die Gefahr populistischer Auffassungen, die uns blind machen für die Wahrheit“. Er hat den Roman ohne große digitale Effekte aber mit großartigem Setdesign gedreht, getaucht in Hell-Dunkel- Kontrasten und Sepiatönen. Auch die Nebenrollen hat er mit Stars besetzt.

Seine Hauptcharaktere, Bradley Cooper als charismatischer Blender, der alles verliert und tiefer nicht fallen kann und Cate Blanchet als kühl – vebitterte Femme fatal, liefern ein preisverdächtiges Schauspiel.

USA 2020 139 Min. R: Guillermo del Toro D: Bradley Cooper, Cate Blanchett, Rooney Mara, Toni Collette, Richard Jenkins, David Strathairn, Ron Perlman, Willem Dafoe, Mary Steenburgen, Mark Povinelli, Peter MacNeill

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