SPENCER (Eine Fabel, die auf einer wahren Tragödie basiert) Kinostart: 13.1. 2022

Als Pablo Larrains Princess Diana Film SPENCER bei den Filmfestspielen in Venedig seine Premiere feierte, erhielt Kristen Stewart drei Minuten lang stehende Ovationen. Der Film spielt in den frühen 1990er Jahren während der Weihnachtstage auf dem Landsitz Sandringhouse.

Die Ehe zwischen ihr und Charles liegt längst in Scherben. Trotz aller Gerüchte über seine Affairen werden der Rinz und die Prinzessin of Wales das Weihnachtsfest unter einem Dach verbringen. Noch gehört es zu ihrer Aufgabe vor den Blicken der Öffentlichkeit die Fassade aufrecht zu erhalten. Für die junge Frau eine Tortur.

Während Diana in ihrem Porsche in der Weite der Landschaft umherirrt und das Anwesen sucht, ohne Fahrer und Security, bewegt sich eine Kolonne von militärischen Lastwagen auf den Landsitz zu. Ein Battaillon von Soldaten liefert das Essen für die Feiertage in MG-Kisten. Unter den strengen Vorgaben des Küchenchefs Darren McGrady (Sean Harris) marschiert die Kochbrigarde militärisch straff an ihren Arbeitsplatz.

Auf ihrer Irrfahrt entdeckt Diana auf freiem Feld eine Vogelscheuche im Mantel ihres Vaters. Sie nimmt den Mantel mit, weil er sie an ihr Leben in Freiheit erinnert, als sie noch Diana Spencer war.

Endlich angekommen, muß sie sich einer alten Tradition beugen und sich wiegen. Jedes Mitglied der königlichen Familie soll mindestens drei Pfund über die Feiertage zunehmen. Von dem Moment an, ist jeder Schritt von ihr streng reglementiert. Diana Spencer schnürt es die Luft ab in dem engen Sittenkorsett, in das sie die Monarchie zwängen will. „Here in this house is no future. Past and the present are the same thing“.

Der straffe Zeitplan und die Kleiderordnung zu den weihnachtlichen Festbankettes, nehmen ihr jegliche Individualität. Beim Essen wird sie von den Royals verächtlich beobachtet. Zwischen den einzelnen Gängen flüchtet sie ins Bad, um sich zu übergeben. Die geforderten drei Pfund Gewicht nimmt sie bestimmt nicht zu. Während alle um sie herum gravitätisch ihre grüne Erbsensuppe löffeln, glaubt Diana an ihrer Perlenkette zu ersticken. Nach einem langen Blick zu Charles (Jack Farthing) hat sie eine alptraumhafte Vision: Sie reißt sich die Kette vom Hals, die Perlen rollen in die Suppe. Eine Perle legt sie auf den Löffel, beißt zu und schluckt sie herunter, um sie wieder auszukotzen. Ein Sinnbild für ihren tiefen Schmerz den Charles ihr zugefügt hat, als sie erfuhr, daß er die gleiche Kette seiner Geliebten Camilla zu Weihnachten geschenkt hat.

Ihre Söhne William (Jack Nielen) und Harry (Freddie Spry) spüren, daß mit ihrer Mutter etwas nicht stimmt. Der verzweifelte William bittet seine Mutter inständig sich zusammenzureißen. Aber wie und warum? Beim Spiel mit ihren Kindern erlebt man sie warmherzig und natürlich. Halt und Zuspruch findet sie bei ihrer Zofe Maggie (Sally Hawkins), der einzigen Person, der sie sich anvertrauen kann. Auch Küchenchef Darren zeigt Verständnis für ihre Situation. Es grenzt schon fast an Boshaftigkeit, daß die Queen (Stella Gonet) Major Gregory (Timothy Spall) beauftragt hat die Unruhestifterin Diana nicht aus den Augen zu lassen und sie einzuschüchtern. Gregory hat nichts Eiligeres zu tun, als die Vorhänge in ihrem Gemach zuzunähen, damit niemand reinschauen kann und Diana nicht heraus?

Regisseur Larrain, der schon 2016 mit „Jackie“ über Jacqueline Kennedy einen von der Idee ähnlichen Film drehte, zeigt in SPENCER den Zustand Dianas, als eine Frau, kurz vor dem Zusammenbruch, total aus ihrer Perspektive und wie aus einem Märchen ein Schauermärchen wurde. Der entrückte Score von Jonny Greenwood, dem Radiohead – Gitarristen unterstreicht das Drama einer Frau, die von sich selbst glaubt, den Wahnsinn anzuziehen und die keine Prinzessin mehr sein will, sondern nur noch die Mutter ihrer Söhne.

Larrain nennt seinen Film „Eine Fabel, die auf einer wahren Tragödie basiert“.

Wie Kristen Stewart Lady Di interpretiert, ist ganz großes Kino. Die Ähnlichkeit im Ausdruck und Gestus, ihre Art zu sprechen und wie sie den Kopf scheu zur Seite neigt, ist verblüffend und fern von billiger Imitation.

Geschieht am Ende des Dramas bei den Klängen des Hits aus den Achtzigern „All I need is a miracle, all I need is you“ doch noch ein Wunder?

Übrigens, die Szene in der Riesenküche voller Delikatessen, in der sich Diana heimlich den Mund vollstopft, wurde in Berlin in der Max-Schmeling-Halle gedreht.

SPENCER, Deutschland/ Großbritannien 2021, 108 Min. R: Pablo Larrain, Kamera: Claire Mathon („Das Portrait einer Frau in Flammen) D: Kristen Steart, Timothy Spall, Jack Nielen, Freddie Spry, Jack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Sally Hawkins, Richard Sammel, Lore Stefanek u.v.a.

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