WANDA, MEIN WUNDER (Tragikomödie) Kinostart: 6. 1. 2022 Am 8. Januar in Anwesenheit der Regisseurin Bettina Oberli um 19:35 Uhr in der Kulturbrauerei Berlin

„Überlass mich nicht diesen Verrückten,“ sagt Josef in Anspielung auf die eigene Familie zu seiner Pflegerin Wanda, die sich rund um die Uhr um den 70-jährigen Patriarchen der wohlhabenden Wegmeister-Gloor Dynastie kümmert, der nach einem Schlaganfall gelähmt ist. Wanda reist regelmäßig von Polen in die Schweiz, um Josef zu pflegen und seiner Frau im Haushalt zu helfen. Das wohlhabende Paar lebt gemeinsam mit ihrem Sohn Gregor, einem Vogelliebhaber, der ausgestopfte Vögel sammelt, in einer komfortablen Villa mit Seeblick. Tochter Sophie kommt nur zu besonderen Anlässen vorbei.

Die bevorstehende Feier zu seinem siebzigsten Geburtstag interessiert Josef nicht. Für ihn zählt nur noch die Fürsorge von Wanda. Elsa sieht die „Freundschaft“ zwischen Wanda und ihrem Gatten mit gemischten Gefühlen. Dass Josef die zweifache Mutter für nächtliche Intimitäten bezahlt, ahnt die Familie nicht.

Sophie, die wegen des Geburtstages angereist ist, findet in Wandas Kellerzimmer ein Bündel Schweizer Franken und bezichtigt Wanda des Diebstahls. Für Sophie, die Wanda ziemlich von oben herab behandelt, ein gefundenes Fressen. Der schlitzohrige Josef hat sofort eine Erklärung parat. Wandas Eltern, die einen Bauernhof haben, brauchen dringend eine Kuh. Dafür habe er ihr das Geld zugesteckt, nimmt er sie in Schutz. Für Wanda ist das alles zu viel. Sie kehrt zurück zu ihren Kindern, die bei den Großeltern leben. Zuhause stellt sie fest, dass sie von Josef schwanger ist. Währendessen hat Gregor, der in Wanda verliebt ist, ihrer Familie eine Kuh besorgt. Dumm nur, dass die in einer Mietwohnung in Danzig lebt.

Wandas überraschende Schwangerschaft bringt das fragile Gefüge der Schweizer Familie total durcheinander und die Lebenslügen aller werden schmerzlich sichtbar. Mit ihrem gesellschaftlich kritischen Film hat sich Regisseurin Bettina Oberli am Beispiel von Wanda den Frauen angenommen, die ihre Heimat verlassen, um in Deutschland oder der Schweiz Menschen pflegen, ihre Kinder zurücklassen und mit Geld unterstützen. Sie kommen meist aus dem Ostblock. Ungarn, Polen oder Tschechien. Drei Monate dürfen sie bleiben, dann müssen sie wieder zurück, um danach erneut einreisen zu können. Oberli hat das ernste Thema leicht verpackt. Bittere Wahrheiten hat sie mit komischen Momenten verbunden, ohne ihre Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben.

Als Wanda mit ihrer polnischen Familie in der Schweiz auftaucht und man ihr einen finanziell hochdotierten Deal anbietet, bleibt sie standhaft und nimmt ihn nicht an. Jetzt versteht man den Schmerz, der sich hinter Sophies kratzbürstigem Verhalten verbirgt. Übrigens, die Kuh weidet friedlich im schweizer Garten.

Schweiz 2020 112 Min. R: Bettina Oberli D: Josef (André Jung), Wanda (Agnieszka Grochowska), Elsa (Marthe Keller), Gregor (Jacob Matschenz), Sophie (Birgit Minichmayr)

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