ADAM (Eine berührende Geschichte über die große Solidarität zweier Frauen im heutigen Casablanca. Eine Perle unter den Filmen)

Auf der Suche nach Arbeit und Obdach irrt eine junge hochschwangere Frau durch die Gassen Casablancas. Immer wieder wird Samia (Nisrin Erradi) abgewiesen. Sie versucht es bei der alleinerziehenden Abla (Lubna Azabal)und deren Tochter Warda (Douae Belkhaouda) Abla betreibt eine kleine Bäckerei im Erdgeschoss ihrer Wohnung, die nicht besonders gut läuft. Auch Abla schickt sie weg. Ohne Geld und ohne ein Bett für die Nacht setzt sich Samia erschöpft neben ihren Hauseingang. Auf Drängen von Warda überlegt sie es sich anders und holt Samia rein. Aber nur für zwei oder drei Tage, dann soll sie sich um den Vater ihres ungeborenen Kindes kümmern. Samia versucht sich nützlich zu machen. Die aufgeschlossene Warda freut sich über die Anwesenheit von Samia und möchte sich mit ihr anfreunden. Sie ist fasziniert von Samias Babybauch. Abla ist so voller Wut und Wehmut, dass sie es nicht zulässt. Sie bleibt barsch und abweisend. Noch einmal schickt sie Samia weg. Warda wirft ihr Hartherzigkeit vor und beide machen sich auf die Suche. Als sie auf den überfüllten Strassen Samia gefunden haben, zeigt Abla zum ersten Mal Gefühl und bittet Samia mit nach Hause zu kommen. Eine Geste, die ihr nicht leicht fällt. Noch immer redet Abla wenig sondern beobachtet nur und stürzt sich in ihre Arbeit. Von morgens bis abends fertigt sie ihre Teigwaren. Man merkt ihr den inneren Kampf an, den sie mit sich ausficht. Es dauert, bis Abla endlich die richtigen Worte findet und Samia von dem Schmerz erzählt, den sie in sich trägt. Auch Samia öffnet sich und berichtet von ihrem Schmerz, dass sie das Baby nach der Geburt weggeben will. Die Kamera ist die ganze Zeit ganz dicht an den Frauen und zeichnet ihre Regungen auf.

Eine zutiefst berührende Szene ist die, als Abla mal wieder wie wild ihren Teig knetet und Samira ihre Hände greift und ganz behutsam mit ihr den Teig formt.

ADAM ist eine zu Herzen gehende Geschichte über die Solidarität zweier Frauen, im heutigen Casablanca. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit, zu einer Zeit, als es illegal war unverheiratet schwanger zu werden. Die Eltern der Regisseurin und Autorin Maryam Touzani nahmen eine schwangere Frau bei sich auf, damit sie ihr Kind nicht auf der Straße gebären muss. Daraus entwickelte sie diese aussergewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Frauen, die beide wissen, was Schmerz und Verlust bedeutet. Trotz anfänglicher Ablehnung entsteht Verständnis und Zuneigung. Was diesen Film ganz besonders macht, Touzani nimmt sich viel Zeit, um die ausdrucksstarken Gesichter ihrer beiden Hauptdarstellerinnen in all ihren Gefühlsmomenten zu zeigen. Sie gewährt uns einen Blick in die Gefühls-und Lebenswelt arabischer Frauen, in die marrokkanische Kultur und die Bitterkeit patriarchaler Strukturen. Unverfälscht, intensiv und mit ganz viel Wärme.

Marokko/Frankreich 2019 98 Min. R: Maryam Touzani D: Lubna Azabal, Nisrin Erradi, Douae Belkhaouda, Aziz Hattab

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