PLATZSPITZBABY (Die wahre Geschichte einer elfjährigen Schweizerin, deren Mutter drogenabhängig ist) Kinostart: 18.11.2021

Mia, ein junges Mädchen, irrt auf einem überfüllten Drogenumschlageplatz umher und sucht ihre Mutter Sandrine. Sie findet sie und sieht mit an, wie sie sich mit ihrem Vater prügelt.

Ende der 1980er Jahre wurde ein kleiner Park beim Züricher Hauptbahnhof zum berühmt-berüchtigten Treffpunkt von Dealern und Drogensüchtigen: Der Platzspitz. Täglich hielten sich bis zu 3000 Menschen beim Platzspitz auf. Unter schlimmsten Bedingungen hausten sie dort, verkauften und konsumierten Drogen. Auf Druck der Öffentlichkeit und der Politik wurde der Platz 1992 geräumt. Die Süchtigen wurden in ihre Gemeinden abgeschoben, aus denen sie ursprünglich kommen.

Eine von ihnen ist die Drogenabhängige Sandrine, die sich mit ihrer elfjährigen Tochter Mia durchs Leben schlägt.

Mia und ihre Mutter räumen ihre neue Wohnung ein. 34 Tage war Sandrine clean, es scheint endlich alles gut zu werden. Doch dann trifft Sandrine einen alten Bekannten aus der Drogenszene, Serge, wieder, der in der Nähe wohnt. Mia ahnt Schreckliches. Nach Schulschluss sieht Mia ihre Mutter, wie sie ausgelassen mit Serge in dessen Wohnung geht. Sie folgt den beiden und sieht, dass das Haus von Drogensüchtigen bewohnt wird. Sandrine gerät wieder in den Teufelskreis von Versprechungen aufzuhören und der Jagd nach dem nächsten Schuss. Bei der Scheidung ihrer Eltern hat Mia angegeben bei Sandrine zu bleiben, um sich um sie zu kümmern. Einmal im Monat sieht sie ihren Vater, den sie anschwindelt, es sei alles gut. Nicht nur zuhause geht nicht alles gut, auch in der Schule schaut man auf Mia herab und nennt sie „Junkiebaby“. Mias größter Wunsch ist, mit ihrer Mutter auf die Malediven zu reisen, um sie aus dem Drogensumpf herauszuholen. Von dem Geld, das ihr Vater ihr bei den Treffen zusteckt, kauft sie Unmegen von Rubbellosen, um 10.000 Franken zu gewinnen, denn so viel Geld braucht sie für die Reise. Ihr Schmerz ist unerträglich, wenn sie wieder kein Glück hat. Die ständigen Stimmungswechsel ihrer Mutter zehren an dem Mädchen. Fast täglich kommt sie übermüdet zur Schule. Um das alles zu ertragen, flüchtet sie in Tagträume mit ihrem imaginären Freund Buddy, der ihr Nähe und Wärme gibt und ihrer Liebe zur Musik entspringt. Sie muss nicht nur auf sich, sondern auch auf ihre Mutter aufpassen. Herzzereissende Szenen spielen sich zuhause ab. Tränenüberströmt verspricht Sandrine endlich aufzuhören mit dem Heroin und im nächsten Augeblick schreit sie ihre Tochter an und schickt sie los, Drogen für sie zu besorgen. „Baby, du bist das Wunderbarste auf dieser Welt. Ich verspreche dir aufzuhören“. Nach jedem Versprechen folgt ein Rückfall. Ablenkung findet Mia bei der frühreifen Lola und deren Clique, eine Art Ersatzfamilie. Auch Lola scheint es nicht gut zu gehen. Einmal sagt sie: „Ich wünschte mein Vater sei endlich tot“. Als Mia wieder einmal nicht weiter weiss und immer mehr die Kraft verliert sich gegen ihre alles beherrschende Mutter aufzulehnen, schlägt sie Lola vor, gemeinsam abzuhauen. Lola wartet draussen mit gepackter Tasche. Mia kommt nicht. Sie musste die Sanitäter holen…..

„Platzspitzbaby – Meine Mutter ihre Drogen und ich“ ist angelehnt an den gleichnamigen autobiographischen Bestseller von Michelle Halbheer und Franziska K. Müller.

Eine unglaubliche Geschichte, angesiedelt mitten im Züricher Drogenmilieu aus der Sicht eines 11jährigen Mädchens, grandios gespielt von Luna Mwezi, eine Neuentdeckung mit einer enormen Leinwandpräsenz. Der Kraft dieser aussergewöhnlichen Coming-of-Age-Story kann man sich kaum entziehen. Die eindrücklichen Bilder, treffen einen mit voller Wucht mitten ins Herz.

Regisseur Pierre Monnard gibt seinen beiden Hauptdarstellerinnen, Luna Mwezi und Sarah Spale, sehr viel Raum in ihren Rollen aufzugehen. Besonders Sarah Spale verschafft ihrer Rolle eine unglaubliche Authentizität. Eine Geschichte zwischen brutaler Realität und poetischer Fantasiewelt, in die sich Mia immer wieder rettet , um sich vor dem Horror des Alltags zu schützen.

Der Film ist allen Kindern gewidmet, die vergessen gingen.

Am Ende singt Mia: „Ich gebe nicht auf…..“

Schweiz 2020 98 Min. R: Pierre Monnard D: Luna Mwezi, Sarah Spale,Anouk Petri, Thomas U.Hostettler, Jerry Hoffmann, Delio Malär, C. Kaeser

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