LIEBER THOMAS (Albrecht Schuch spielt den Dichter Thomas Brasch der sich weder in der DDR noch im Westen angepasst hat und dessen Zerrissenheit noch immer berührt) Kinostart: 11.11. 2021

Thomas Brasch wurde als Sohn jüdischer Emigranten 1945 im englischen Exil geboren. 1947 siedelte die Familie in die sowjetische Besatzungszone über. Hier begann die politische Karriere seines Vaters Horst Brasch (1922-1989), die ihn bis ins Amt des stellvertretenden Ministers für Kultur der DDR beförderte. Seine Mutter, Gerda Brasch (1921- 1975) stammte aus Österreich. Sie war Journalistin und veröffentlichte in einer Cottbusser Lokalzeitung das erste Gedicht ihres Sohnes Thomas. (Quelle: Wikipedia)

In seinem in Schwarzweiss und Cinemascope, dem Lieblingsformat von Thomas Brasch gedrehten Film LIEBER THOMAS, erinnert Andreas Kleinert an den 2001 in Berlin verstorbenen Ausnahmekünstler, gespielt von Albrecht Schuch, mit einer bravourösen Besessnheit.

Schon als Kind war sein größter Wunsch Schriftsteller zu werden. Sein Vater (Jörg Schüttauf), einer der höheren Funktionäre der DDR, schickt den sensiblen Jungen auf die Kadettenschule, wo er totunglücklich ist. Sein ganzes Leben lang, war er ein Getriebener. Seine innere Zerrissenheit ist das Hauptthema in Kleinerts Annäherung an den in Vergessenheit geratenen Schriftsteller, Poet, Schauspieler und Filmemacher. Seine Zerrissenheit kommt aus der Zerrissenheit seiner gesamten Familie, aus dem Konflikt mit seinem Vater. Das zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben und findet keinen Abschluss. Kurz und bündig erklärt ihm der Staatsratvositzende Erich Honecker, dass das Volk der DDR „noch nicht reif sei für seine Prosa und sei sie noch so brilliant“. Gleich sein erstes Stück wird verboten und so fand er in der DDR einfach nicht statt. Es gab nur ein kleines Gedichtbändchen von ihm und das war`s. 1968 flog er von der Filmhochschule, nachdem er gegen den Prag-Einmarsch Flugblätter verteilt hatte. Vom eigenen Vater wird er denunziert, kommt in den Knast, bekommt Bewährung und muss zur Resozialisierung in die Fabrik.

Bevor er selbst einenen Ausreiseantrag stellt, unterschreibt er noch eine Resolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Mit seiner Freundin Katarina (Jella Hase) haut er ab in den Westen.

In der BRD findet er Anerkennung. Sein Erzählband „Vor den Vätern sterben die Söhne“ erscheint kurze Zeit später. Seine Schreibweise ist geprägt von Intellekt und kühler Melancholie. Komplex erzählt er von Liebe, Revolte und Tod. Er wird zum Star der 80er-Jahre-Kulturszene. Seine Filme ENGEL AUS EISEN und DER PASSAGIER- WELCOME TO GERMANY liefen in Cannes.

Egal wo er sich aufhielt, ob Ost-oder West-Berlin oder gar New York, nirgends entwickelte er ein Gefühl von Heimat. Sein Zuhause ist und war seine Sprache. „Meine Worte sind mein Leben“. Seine Tragik: Der Hang zur Selbstzerstörung. „Wo ich lebe, da will ich nicht sterben. Aber wo ich sterbe, da will ich nicht hin: Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin“.

Kleinerts Film ist kein klassisches Biopic, sondern eine auf Tatsachen beruhende Fiktion, mit dem Mut zu Fragmenten, surrealen Elementen und Traumsequenzen. Figuren tauchen auf und verschwinden.

Die Schwarz-Weiss-Aufnahmen verleihen dem Film eine unverkennbare Eigenheit und nehmen den Zuschauer mit in die grüblerische und poetische Gedankenwelt eines Dichters und Autors.

Deutschland 2021 150 Min. R: Andreas Kleinert („Wege in die Nacht“, 1999) D: Albrecht Schuch, Jella Haase, Jörg Schüttauf, Ioana Iacob, Anja Schneidert

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