KABUL KINDERHEIM O.T. THE ORPHAGE (Drama) Kinostart: 4. 11. 2021

Kabul 1989, zur Zeit der pro-sowjetischen Regierung.

Der Film „Kabul Kinderheim“ beginnt mit einer Szene in einem Kino. Gezeigt wird ein Bollywood-Film. Der Saal ist voller begeisterten Zuschauer. Unter ihnen auch der 15-jährige Qodrat (Qodrat-tollah Qadiri), der auf der Strasse für 10 Rupien Schlüsselanhänger verkauft und nebenbei noch Kinokarten aufkauft, die er auf dem Schwarzmarkt für das Zehnfache weiter verkauft. Zur Schule geht er nicht. Lieber taucht er im Kino unter, sieht sich Filme an und flüchtet so vor der bitteren Realität. Er wird beim Verkauf der illegalen Kinotickets erwischt und kommt in ein von den Russen betriebenes Waisenhaus. Im Schlafsaal herrschen raue Zustände. Qodrat und zwei weitere Neuzugänge müssen um die Hierarchie im Heim ersteinmal kämpfen. Sie bekommen Schuluniformen und müssen den Unterricht besuchen. Ihre Freizeit verbringen die Jugendlichen mit dem Tausch von Fußballstickern. Einer von ihnen trägt stolz ein Shirt von Maradonna. Die pubertierenden Jungen schwärmen von ihren Lehrerinnen und überlegen, welche von ihnen die Hübscheste ist. Als ein russischer Panzer von einer Anhöhe stürzt, suchen die Jungen nach Dingen, die sie vielleicht noch gebrauchen können. Qodrat findet Materialien aus denen er Schlüsselanhänger machen kann. Später geht Qodrat mit einem Jungen Äpfel klauen. Geweckt werden sie mit einem Trompetensolo und ihre Matratzen müssen sie in die Sonne hinaus tragen. Die Heimbewohner kommen aus unterschiedlichen Schichten. In den Schulklassen werden Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet.

Im starken Kontrast zu dem Alltag im Heim, stehen die Szenen, in denen Qodrat, wenn es besonders emotional wird, sich in die Filmwelt á la Bollywood flüchtet. Besonders stark die Szenenfolge als die Stimmung besonders bedrückend ist. Die Mujahedin (strenggläubige Widerstandskämpfer) stehen vor der Tür. Der Aufseher wird erschossen. Die Anspannung ist kaum auszuhalten. Um der Ausweglosigkeit zu entfliehen, träumt er sich in eine Kampfszene. Er und die anderen Jungen werden zu Helden und schlagen die Männer in die Flucht.Die letzte Einstellung des Films, ist wie eine Vorahnung dessen, was gerade in Afghanistan passiert.

Regisseurin Shahrbanoo Sadat hat ihren Film nach den Tagebuchaufzeichnungen eines Freundes, Anwar Hashimi, gedreht. Da die Aufzeichnungen besonders umfangreich sind, hat sie beschlossen, fünf Filme daraus zu machen. Der erste Teil „Wolf and Sheep“ gewinnt 2016 in Cannes einen Preis. Nun folgt „Kabul Kinderheim“, gedreht mit Laiendarsteller*innen, die dem Film eine starke Authentizität verleihen, nur der Aufseher wird von Anwar Hashimi gespielt.

Vor zwei Monaten musste Sadat gemeinsam mit neun Familienmitgliedern die Flucht ergreifen, da sie auf der Abschussliste der Taliban stehen. Sie lebt jetzt in Hamburg.

Produktionsland: Dänemark, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Afghanistan, Katar 2019

Länge : 90 Min. Buch/Regie: Shahrbanoo Sadat

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