SCHACHNOVELLE (Literaturverfilmung) Ganz große Bilder. Ganz großes Schauspiel. Kinostart: 23.9. 2021

Wien 1938. Die Nationalsozialisten sind in Österreich einmarschiert. Der Notar und Treuhänder Dr. Josef Bartok (Oliver Masucci) und seine Frau Anna (Birgit Minichmayr) wollen mit dem Schiff nach New York reisen, um der drohenden Gefahr zu entkommen. Die Strassen sind voller Menschen, die den Anschluss an Nazideutschland fordern. Bartok wird am12. März 1938 in seinem Büro von der Gestapo verhaftet und in das Hotel Metropol gebracht. Anna fährt voraus. Der Gestapo -Chef Böhm (Albrecht Schuch) erhofft sich, von ihm Informationen und Zugang zu den Vermögenswerten derer, die zu den besseren Kreisen Österreichs gehören, zu bekommen. Die Codes für die Konten befinden sich allein in Bartoks Kopf. Er wird unter Hausarrest gestellt, isoliert und verhört. Um in der Isolationshaft nicht den Verstand zu verlieren und Informationen zu verraten, stiehlt er ein kleines Buch. Es ist ein Schachbuch. Erst ist er enttäuscht, doch dann beginnt er, sich mit den Partien und Zügen zu beschäftigen. So gelingt es ihm die Isolationsfolter und die Verhöre zu überstehen. Später beginnt er das gesamte Buch auswendig zu lernen und spielt die in dem Buch beschriebenen Züge, mit aus Brotresten geformten Figuren nach. Das Spiel wird zu seinem Rettungsanker. Er wird gleichzeitig zum Spieler und Gegner in einer Person, was im Verlauf seiner Haft zu einer erheblichen psychischen Störung seiner Persönlichkeit führt.

Unter den vielen Literaturverfilmungen dieses Jahres sticht „Schachnovelle“ durch herausragende schauspielerische Leistungen hervor. Fast alle Schauspieler verfügen über Theatererfahrungen, was ihnen in diesem dichten und beklemmend authentisch erzählten Kammerspiel zugute kommt.

Schuch spielt den Gestapotypen mit süffisanter Höflichkeit und erschreckend diabolischen Zügen. Ihm gegenüber Masucci, er brilliert als Wiener Weltbürger, der verzweifelt und dem Wahn verfällt. Ein großartiges Schauspieler- Duell, was sich die beiden da liefern. Zug um Zug.

Regisseur Philipp Stölzl findet dazu zutiefst bewegende Bilder. Ganz großartig auch, wie er Wien 1938 bildreich nachgestaltet. Stölzl hat die literarische Vorlage von Stefan Zweig etwas umgestaltet, in dem er die Haftzeit in den Vordergrund gerückt hat und nicht die Schiffsüberfahrt in die USA, die Bartok nach seiner Haftentlassung angetreten hat und bei der er auf den amtierenden Schachweltmeister trifft. Sie verwickeln sich in ein dämonisches Spiel, ohne Sieger.

Ganz große Kinobilder, ganz großes Schauspiel. Auch Birgit Minichmayr, präsent wie immer.

Deutschland 2020 ; 111 Min. Regie: Philipp Stölzl D: Oliver Masucci, Albrecht Schuch, Birgit Minichmayr, Rolf Lassgard, Samuel Finzi

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