Bekenntnisse des HOCHSTAPLERS FELIX Krull Kinostart: 2.9.2021

Pötzlich schießen Romanverfilmungen wie Pilze aus dem Boden. Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“, Erich Kästners „Fabian“, Stefan Zweigs „Schachnovelle“ und jetzt ganz aktuell Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Schon zweimal wurde der Roman verfilmt. 1957 von Kurt Hoffmann mit Horst Buchholz in der Titelrolle und dann noch einmal1982 als fünfteilige Miniserie von Bernhard Sinkel und nun von Detlef Buck, der gemeinsam mit Daniel Kehl das Drehbuch für die Adaption des Stoffes schrieb. „Fabian“ und „Berlin Alexanderplatz“ glänzen durch gelungene Neuinterpretationen des bekannten Stoffes, das heißt,man hat eine aktuelle Modernisierung gewagt.

Eigentlich ist dieser charmante Felix Krull gar kein Hochstapler sondern eher ein gewitzter Schelm, der es versteht, ohne großen Aufwand sich durch das Leben zu schlängeln. Schon in frühester Kindheit, hatte er großen Spass an Rollenspielen und Verwandlungskünsten. Auf seine Musterung hat er sich perfekt vorbereitet. Unverblümt erzählt er dem Stabsarzt (Detlef Buck) wie sehr er sich darauf freut, gegnerische Soldaten totzuschießen. Es dauert nicht lange und er wird vom Militärdienst befreit. Sein Ziel hat er erreicht.

Als sich ihm nach einigen Schicksalsschlägen, die Verschwendungssucht seines Vaters hat die Familie in den Bankrott getrieben, bietet sich ihm die Möglichkeit, als Liftboy in einem Pariser Luxushotel zu arbeiten. Auch hier ist es ihm ein leichtes, sich den Gegebenheiten anzupassen und rasch zum Oberkellner aufzusteigen. Und da er nicht nur ein guter Schauspieler ist, sondern auch als Liebhaber eine besondere Begabung hat, gepaart mit seinem Charme, fahren die weiblichen Gäste auf ihn ab. Besonders die lüsterne mondäne Madame Houpflé (Maria Furtwängler) Gattin eines Kloschüsselfabrikanten, die ihn in ihre Suite bittet und ihn für seine Liebesdienste mit Schmuck bezahlt. Bei Krulls Zusammentreffen mit dem unglücklich verliebten Marquis Louis de Venosta kommen die beiden auf die Idee, ihre Identität zu tauschen, um dem Marquis eine Heirat mit der freizügigen Zaza ( Liv Lisa Fries) zu ermöglichen.Sie ist die Freundin von Krull, die ihm nach Paris gefolgt ist, weil sie emporkommen will und sich als falsche Dame dem reichen Marquis anbietet und für die gute Partie Felix Krull aufgibt. Krull verliert seine große Liebe, darf dafür in seiner neuen Identität in der Welt herumreisen.

Die Szenen beim portugiesischen König (Christian Friedel), wo Krull sein „Meisterstück als Hochstapler“ celebrieren kann, kommen im Buch gar nicht vor. Auch der Oberkellner Stanko (Nicholas Ofczarek) ist im Film eine zwielichtige Gestalt, die alle Hotelangestellten zu krummen Taten zwingt.

Dem Film fehlt die feine Ironie und die Doppelbödigkeit und die Leichtigkeit mit der Krull nur zugreifen muss was das Leben ihm bietet und der Welt vorgaukelt, was sie zu sehen wünscht. Das Spiel mit Illusionen. Ich bin, was ihr in mir seht. Hier sehen wir einen Krull, der mit aller Macht von ganz unten nach ganz oben will und das mit allen Mitteln. Im Roman ist er eine schillernde Persönlichkeit, in die sich alle verlieben. Es entsteht der Eindruck, dass Buck mit dem Roman nicht viel anfangen konnte. Da der Film im Jahr 1905 spielt, setzt er auf Kostüm, Champagner und prunkvolle Ausstattung. Man hat das Gefühl, dass die Schauspieler spielen durften wie sie wollten. Einigen ist es gelungen, einige wurden zur Karikatur oder blieben blutleer, sowie David Kross in seiner Rolle als Marquis. Frau Furtwängler liefert eine Selbstdarstellungsnummer nach dem Motto: „Schaut alle her, ich kann auch Nymphomanin“. Leider fehlbesetzt. Jannis Niewöhner darf in seiner Musterungsszene wild chargieren, was den Ernst seines Bluffs kaputt macht, obwohl der Regisseur in der Rolle des Stabsarztes sein Gegenüber ist.

Man fragt sich warum die beiden, Buck und Kehlmann, diesen Stoff nicht modernisiert haben und in unsere Zeit der Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken, übertragen haben, dem alltäglichen Spiel mit Identitäten und Illusionen und dem Spagat zwischen Wirklichkeit und Fiktion.

Stattdessen wird aus dem schillernden Blender Krull, ein Typ dem nichts näher steht, als sich von unten nach oben zu boxen und wo die Antwort auf Liebe oder Karriere, Karriere lautet.

Das Augenzwinkernde und Flirrende und die feine Ironie der Geschichte ist hier leider nicht zu spüren. Ich zitiere Filmkritiker Knut Elstermann: „Es fehlt die Seele des Buches“.Besser kann man es nicht ausdrücken.

Deutschland 2021 111 Min. R: Detlef Buck D: Jannis Niewöhner, , Liv Lisa Fries, David Kross, Maria Furtwängler, Nicholas Ofczarek, Joachim Król, Christian Friedel, Detlef Buck, Charlie Hübner, Martin Wuttke, Dominique Horwitz

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