DIE MAFIA IST AUCH NICHT MEHR DAS,WAS SIE MAL WAR (Dokumentations – Grotesque) Kinostart: 26.8. 2021

Zahlreiche Politiker, Journalisten und Staatsanwälte fielen in den 70-er und 80-er Jahren Mordanschlägen der Mafia zum Opfer. Vor 25 Jahren, am 19.Juli 1992, traf eine Bombe den Oberstaatsanwalt Paolo Borsellino und nur 57 Tage vor ihm, seinen Freund und Untersuchungsrichter Giovanni Falcone in Palermo. In den Bombentrichter ließ Borsellinos Frau einen Olivenbaum pflanzen zum Gedenken ihres Mannes.

Der Dokumentarfilm „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ beleuchtet das Verhältnis Siziliens zur Mafia vor 25 Jahren nach den Morden.

Der Filmemacher Franco Maresco (BELLUSCONE) und die 83-jährige Fotografin Laetizia Battaglia machen sich auf den Weg nach Palermo, um die Haltung der Bevölkerung zum Gedenktag der beiden Richter, zu untersuchen. Sie erleben Feindseligkeit und Gleichgültigkeit. Offensichtlich werden die Verbrechen der Mafia von der Bevölkerung akzeptiert. Auch wenn das nicht unbedingt repräsentiv ist, ist es dennoch erschütternd.

Zu Beginn, sehen wir Laetizia, die zu den bedeutesten Fotografen des 20.Jahrhunderts gehört, entspannt in der Maske sitzen. „Bevor wir anfangen zu drehen, versprich mir, das ich in deinem nächsten Film, eine alte Hure spielen darf“, sagt sie schelmisch zu Franco.

Zwischen 1980 und 1990 geht sie in die Poltik und arbeitet mit dem Bürgermeister Leoluca Orlando zusammen, den sie für den Retter Palermos hält. Am bekanntesten sind ihre Fotos über die Mafia und ihre Opfer. Die Hoffnung auf den „Frühling von Palermo“ wird 1994 wieder zerstört. Erst durch den Hurrikan namens Forza Italia und den durch nichts zu bremsenden Milliardär Silvio Berlusconi, den Mann, den die Sizilianer fast 20 Jahre verehren ohne sich zu schämen. Sie ist enttäuscht über die Gleichgültigkeit ihrer Landsleute und beschließt 2004 nach Paris zu ziehen. Doch ein Jahr später ist sie wieder zurück. Sie kann ohne ihr Palermo nicht leben, der Stadt, die man unerklärlicherweise, die „Felicicissima“ nennen.

Franco und Laetizia mischen sich unter die Feiernden des Gedenktages. Es sind die jungen Leute, die da singen und tanzen. Laetizia fotografiert. „Damals haben wir am Gedenktag geweint. Nicht getanzt und gesungen“. Für sie ist es eine lächerliche Farce. Es schmälert die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse von damals und zeigt , dass die jungen Leute keine Ahnung haben.

Wenn in Palermo gefeiert wird, ist der Partylöwe Francesco „Ciccio“ Mira nicht weit. Abseits des Stadtzentrums im Problemviertel ZEN, organisiert er ein großes Fest für die Helden Falcone und Borsellino, auf dem bekannte Schlagersänger*innen auftreten sollen. Unter ihnen Christian Miscel, der nach einem Autounfall im Koma lag und dem Giovanni und Paolo erschienen sind und ihn baten aufzustehen und zu singen. Dank der Fürbitte der beiden, hat er sich entschlossen auf der Veranstaltung für sie zu singen. Bei der Probe hört man, dass er gar nicht singen kann, da er keinen Ton richtig trifft. Der zwielichtige Ciccio verharmlost die Defizite des „Künstlers“. Als der gefragt wird , ob er am Ende ein „Nein zur Mafia“ rufen würde, weist er das strikt von sich. Ein „Seelenverwandter“ von Ciccio, der Produzent Matteo Mannino, dem Ciccio noch eine Rede schreibt, weigert sich ebenfalls. Regisseur Maresco macht sich ein Vergnügen daraus, alle Beteiligten wieder und wieder aufzufordern, sich vor seiner Kamera, von der Mafia zu distanzieren. Ihre Ausflüchte sind hochpeinlich bis höchst amüsant.

Laetizia, die dieses „Horrorfest“ begleitet , ist wieder mal zutiefst erschüttert über das nicht vorhandene Mitgefühl für die Ermordeten. Das letzte Drittel des Films ist ausgiebig Mira und seinem absurden Fest und was danach passiert, gewidmet. Als er merkt, daß die Stimmung kippt, läßt er die „Künstler“ nur noch beliebte Schlager singen. Damit nicht genug. Mira gibt noch eine Kindheitserinnerung zum Besten, die den italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella, bitterböse verhöhnt.

Regisseur Franco Maresco ist bekannt für seinen sarkastischen Humor. Mit seinen insistierenden Fragen, und seinem bloßstellenden Korrigieren, treibt er zwei von ihnen regelrecht in den Wahnsinn. Es bereitet ihm ein höllisches Vergnügen, Menschen vorzuführen und auf ihren Schwächen rumzuhacken. Es gibt eine vielzahl von Szenen, die sich Kabarettisten, nicht besser hätten ausdenken können. Ob das jedem gefällt, in Anbetracht des ernsten Themas, mag dahingestellt sein. Auf jeden Fall ist es eine herrliche, mit beissendem Humor angereicherte Dokumentations- Grotesque.

Italien 2019 105 Minuten Regie: Franco Maresco D: Laetizia Battaglia, Francesco „Ciccio“ Mira, Christian Miscel.

Der Film erhielt zig Nominierungen und den Special Jury Prize

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