DIE ADERN DER WELT (Drama) Kinostart: 29.7.2021 Nach einem schweren Schicksalsschlag kämpft ein Nomaden – Junge um die Erhaltung seines Lebensraumes

In der mongolischen Steppe lebt der zwölfjährige Amra (Bat-Ireedui Batmunkh) mit seiner Mutter Zaya (EnerelTumen), seinem Vater Erdene (Yalalt Namsrai) und seiner kleinen Schwester Altaa (Algirchamin Baattarsuren) ein traditionales Nomadenleben. Zaya kümmert sich um die Ziegenherde. Erdene verkauft den Ziegenkäse seiner Frau in der Stadt, arbeitet als Automechaniker und ist ganz stolz auf sein selbst zusammen gebautes Cabrio mit Mercedesstern, in dem er Amra täglich zur Schule fährt. Amra macht das, was alle Jungen in seinem Alter tun: Auf ihren Handys Youtube-Videos schauen. Er träumt davon im Fernsehen bei der „Mongolia`s Got Talent“ Show aufzutreten. Doch vorher muss er an einem Casting teilnehmen, für das er die Unterschrift seiner Eltern braucht. Nachmittags hilft er seiner Mutter bei der Versorgung der Ziegen und begleitet seinen Vater zum Gebetsritual an dem heiligen Kraftbaum. Es scheint ein friedliches und unbeschwertes Leben im Einklang mit der Natur zu sein. Man fühlt sich wie in einer unberührten Welt. Ihr friedliches Leben ist bedroht. Internationale und auch staatliche Konzerne wollen in der Steppe nach Gold und anderen Bodenschätzen buddeln. Den Nomaden bieten sie eine finanzielle Entschädigung an, wenn sie das Land schnellst möglich verlassen.

Erdene will mit dem Rat der Nomaden um den Erhalt ihres Lebensraumes kämpfen. Für seine Frau erscheint der Kampf aussichtslos. Sie ist dafür, das Weideland ihrer Ziegen zu verkaufen und wegzuziehen. Sie glaubt an das Versprechen der Minengesellschaft, dass das ausgebeutete Land renaturiert wird und sie zurückkehren können. Dann sind da auch noch die Wildschürfer, „Ninjas“ genannt, denen das Schicksal der Nomaden völlig egal ist.

Amra hat ganz andere Sorgen. Die Frist für das unterschriebene Formular für die Teilnahme am Casting läuft in Kürze ab. Er muss einen geeigneten Moment finden, seinem belasteten Vater den Zettel zum Unterschreiben vorzulegen. Gerade noch rechtzeitig unterschreibt Erdene die Anmeldung zum Contest und gibt Amra sogar noch seinen Talismann aus dem Auto mit. Amra ist glücklich darüber, dass sein Vater bei der Vorauswahl dabei ist und zuhört. Amra ist unsicher ob sein Lied „Adern aus Gold“ überhaupt ankommt. Ein Lied nach einer alten mongolischen Sage.

Auf der Heimfahrt spricht ihm sein Vater gut zu. Da stürzt das Auto in ein illegales Bohrloch. Sein Vater wollte eine Abkürzung nehmen, um schneller daheim zu sein. Am heiligen Kraftbaum versammelt sich die Familie und die anderen Nomaden und betrauern Erdenes Tod. Amra hat nur einige Blessuren davongetragen. Er hat grosse Schuldgefühle. „Wenn ich nicht gesungen hätte, wäre Papa nicht gestorben“.

Der zwölfjährige Junge muss jetzt einen Weg finden mit seiner Trauer fertig zu werden und die Verantwortung für die Familie an Vaters Stelle zu übernehmen. Die Fußstapfen die er hinterlassen hat, sind nicht klein. Sein Fernsehauftritt rückt in den Hintergrund. Die Raupen und Bohrer kommen immer näher.

Mit der hinreissenden Dokumentation „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ (2004) erhielt Byambasuren Davaa eine Nominierung für den Oscar, in der sie sich mit den Traditionen ihrer Heimat auseinandersetzte. In „Die Adern der Welt“ ist es der Raubbau und die damit verbundene Verdrängung der Nomaden aus ihrem Heimatland. „Zurzeit ist mehr als ein Fünftel der Mongolei für den Rohstoffabbauausgewiesen“. So steht es im Abspann. Ihr Film ist ein Aufschrei gegen die Ausbeuter, deren Gier den Lebensraum der Nomaden auf der ganzen Welt zerstört. Gleichzeitig behandelt sie die Coming-of- Age-Geschichte eines Jungen, der mit den Mitteln eines Zwölfjährigen das Erbe seines Vaters antritt: Den Widerstand gegen den Raubbau in seiner Heimat. Umrahmt von wunderschönen Naturaufnahmen.

Deutschland / Mongolei 2020, Länge: 95 Minuten

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