GASMANN (Eine Parodie über das Theater) Kinostart: 22.7.2021 Berlinpremiere am 29.7. 2021 im KLICK Kino um 20:00 in Anwesenheit des Regisseurs und Hauptdarstellers, sowie weiteren Darstellern.

Bernd (Rafael Stachowiak) ist Schauspieler. Er war immer nur als Support-Schauspieler unterwegs und wartet noch immer auf eine Hauptrolle. Als ihm am St.Pauli-Theater in Hamburg eine Rolle als „Gasmann“, ein SS-Offizier, angeboten wird, zögert er erst, sagt dann aber doch zu. Aufregend ist sein Leben gerade nicht. Er ist geschieden, ab und zu sieht er seinen kleinen Sohn und seine einzigen Freunde sind die verschrobenen Mitglieder eines Literaturzirkels, von denen Uli, der älteste, als Hitlerjunge noch den Krieg miterlebt hat. Hier blüht er etwas auf, wenn sie über ihre pseudointellektuellen Texte, wichtigtuerisch diskutieren.

Schon zur ersten Probe kommt er zu spät, was ihn der eitle Regisseur Frank, mit einer spitzen Bemerkung ankreidet. Eigentlich hasst Bernd das Stück. Aber wie heisst es so schön: „Versuch macht klug“.

Vier Jahre lang hat Frank (Steffen Jürgens) an dem Stück geschrieben. Er ist überzeugt, dass es der Knaller wird, pures Entertainment“.

„Der Nationalsozialismus ist überhaupt das Ur-Ereignis der deutschen Geschichte. Das bringe ich jetzt ins Theater. Bei den Körpern und Kostümen arbeiten wir mit der Realität, bei den Requisiten arbeiten wir mit Abstraktion“ erklärt er Bernd, der sich über den Gaswagen lustig macht. „Das ist doch kein Gaswagen. Der sieht aus wie ein Bollerwagen mit vier Rädern“. Der Gaswagen soll eine mobile Gaskammer darstellen, mit der die Gasmänner durchs Land ziehen und Homosexuelle und Behinderte einsammeln sollen.

Bernds Begeisterungsfähigkeit für das Stück ist gering. An seiner Seite, der unterwürfige Kollege Mathis (Kristof van Bovan) der ihn als Schrottschauspieler tituliert, nachdem Bernd einen Satz mindestens zwanzigmal in verschiedenen Tonarten sprechen muss, bis er zu brüllen anfängt. Man merkt dem Regisseur an, wie er seine Macht geniesst.

Oh je, die Premiere muss aus Termingründen vorgezogen werden. Die Generalprobe: Ein Fiasko.

Der von sich überzeugte Frank, hat dafür gesorgt, dass sich Gasmänner und Opfer, bei der letzten Probe vor der Premiere, zum ersten mal auf der Bühne sehen und hören. Ob der Glaube daran, dass, wenn eine Generalprobe daneben geht, die Premiere um so besser wird, ist in diesem Fall, äusserst zweifelhaft.

Bei Bernd scheint sich eine Annäherung an seine Nazirolle vollzogen zu haben.

Die Proben sind eine amüsante Parodie auf das Theater. „Alle Texte raus! Wir machen jetzt nur noch Körper und Raum“. Oder Mathis süffisanter Spruch: „Weisst du Bernd. Das Problem mit euch Deutschen ist, ihr seht einfach super aus in euren Uniformen.Du auch Bernd, das ist die Rache der Gene“.

Aber in jeder Parodie steckt auch ein Quentchen Wahrheit. Es gibt mehr als genug Schauspieler, die sich von Stück zu Stück hangeln, ähnliches erleben aber den Glaube an einen Durchbruch noch nicht verloren haben, die die Zähne zusammenbeissen, egal, wie sie behandelt werden. Bernd, gehört nicht zu ihnen, seine Begeisterungfähigkeit hat auch im wahren Leben gelitten. Das zeigt sich, als er mit seinen Literatukumpeln in ein Landhaus fährt und leider nur eine kurz andauernde Energie entwickelt. Eigentlich tragisch.

Deutschland 2019 Regie::Arne Körner.Buch: Arne Körner, Akin Sipal Darsteller: Rafael Stachowiak, Harry Baer, Dietrich Kuhlbrodt , Charles Toulouse

Verleih: missingFilms Länge: 87 Minuten

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