THE DISSIDENT (Dokumentarthriller, in dem die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi rekonstruiert wird) Ab 16.April als Online-Video (EST), ab 23.April als TVoD)

Ein Dissident ist jemand, dessen Ansicht von einer politischen oder staatlichen Ideologie abweicht und seine Kritik öffentlich kundtut.

Der Journalist und Regimekritiker Jamal Khashoggi setzte sich für eine gerechtere, offene Gesellschaft in seinem Heimatland der Ölmonarchie Saudi-Arabien ein. Am 2.Oktober 2018 wurde er im saudischen Konsulat in Istanbul von einem Spezialkommando aus Riad getötet. Es war der Tag, an dem er die Dokumente für seine bevorstehende Hochzeit abholen wollte. Von seinem Leichnam fehlt bis heute jede Spur.

Der Dokumentarthriller von Bryan Fogel („Ikarus“) porträtiert das lebensgefährliche Engagement des „Washington Post“ Journalisten und liefert erschütternde Einblicke in ein Regime, in dem die Mächtigen, Kritiker zum Schweigen bringen. Die Führung des islamisch-konservativen Königreiches räumte nach langem Zögern den Mord auf internationalen Druck ein.

Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salmann verspricht, den Extremismus zu bekämpfen. Aktivisten und Regimekritiker wurden mundtot gemacht. Daraufhin verließ Khashoggi das Land und ging in die USA. Er mußte so handeln, um weiterhin seine Stimme zu erheben. Die einzige Waffe die er hatte, waren seine Worte. Dort lernt er seine Verlobte Hatice Cengiz kennen, die Frau, die am 2.Oktober 2018 vergeblich auf ihn wartet.

Fogel deckt auf, dass jeder, der in den USA regimekritisches Material twittert, vom saudischen Geheimdienst identifiziert wird. Die saudische Führung macht aus Twitter ein Monstrum, eine Propagandamaschiene. 80 Prozent der Saudis nutzen Twitter. Besonders für Aktivisten ist Twitter weltweit unentbehrlich. Als Antwort darauf hat „MBS“, wie der Kronprinz auch genannt wird, seine Cyberarmee aktiviert, um die Nachrichten zu manipulieren und Khashoggi zum Dissidenten ernannt.

15 hochrangige Staatsbeamte aus Saudi- Arabien waren an dem perfide ausgeklügelten Mord beteiligt. Es existiert brisantes Audiomaterial, Aufzeichnungen aus dem Hotel, die den Mord akustisch dokumentieren. Es stockt einem den Atem bei den Geräuschen seines Todeskampfes. Erst am 15. Oktober 2018 durfte man mit Genehmigung des türkischen Geheimdienstes, Spuren des Verbrechens sichern.

„Eine eigene Meinung zu haben gilt in Saudi-Arabien als Verbrechen“. Das bekommt auch der Aktivist Omar Abdulaziz, ein Freund von Jamal zu spüren. Vom kanadischen Exil aus kämpft er mit einer kleinen Gruppe gegen das Königreich. Auch er musste um sein Leben fürchten. Er erfährt, dass zwei seiner Brüder im Gefängnis sitzen und gefoltert werden. Trotz seiner Verzweiflung gibt er nicht auf und tut alles dafür, dass gegen „MBS“ ermittelt wird.

„Erst jetzt hat das Büro der neuen US-Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines einen Bericht in Washington veröffentlicht, in dem „MBS“ die Operation zur Gefangennnahme oder Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi, nach Einschätzung des US-Geheimdienstes genehmigt hat. US-Außenminister Antony Blinken kündigte an, Einreisebeschränkungen für 76 Bürger Saudi- Arabiens zu verhängen. Auch das US- Finazministerium erließ Sanktionen gegen mehrere Personen, darunter den früheren Vize-Geheimdienstchef Ahmed al-Asiri, der Anführer der Operation gegen Khashoggi gewesen sei. Der Kronprinz selber wurde von Sanktionen verschont“. (Quelle: Tagesspiegel) Ich fürchte, dass wird auch so bleiben, solange die Welt saudisches Öl kauft.

Der aufwendig gedrehte Film vermittelt erschreckende Einblicke in ein internationales Verschleierungsmanöver und deckt auf, dass niemand seines Lebens sicher sein kann, wenn man es mit den Machthabern dieser Welt aufnimmt.

USA 2020. 118 Minuten. D. Omar Abdulaziz, Hatice Cengis, John O. Brennan, Fred Ryan, David Kaye, Mohamed Soltan, Kamal Khashoggi

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