NEUBAU (Max Ophüls-Preis 2020) Jetzt, im April zu sehen in der queerfilmnacht, (www.queerfilmnacht.de)

Sommer in der Brandenburger Provinz.

Der queere Markus (Tucké Royale) lebt in seiner kleinen Neubauwohnung unweit von seiner Oma Alma (Jalda Rebling) und ihrer Freundin Sabine (Monika Zimmering) in der Uckermark. Seine Koffer sind so gut wie gepackt, denn er ist hin-und hergerissen zwischen der Liebe zu seiner Großmutter und seiner Sehnsucht nach Berlin. Die beiden pflegebedürftigen Frauen sind seine Familie. Seinen Vater hat er nicht gekannt und seine Mutter ist früh gestorben. Besonders rührend kümmert er sich um die demente Sabine, während Alma nur ab und zu geistige Ausfälle hat.

Er jobbt auf einer Straußenfarm, wandert ziellos umher, meistens mit der Bierflasche in der Hand, geht schwimmen im See und beobachtet Duc ((Minh Duc Pham), einen jungen Vietnamnesen.

Auch wenn auf seiner Jeansjacke Hero steht, so ist das genau so ein Traum, wie die bunten, diversen, ausgelassenen jungen Leute, die ihm in seinen Tagträumen begegnen und zu denen er so gerne gehören würde. Sein einziger Kontakt sind die beiden alten Menschen. Seine Einsamkeit macht deutlich, was für ein Opfer er bringt.

Es ändert sich, als er endlich auf Duc zugeht und ihn anspricht. Duc, der schon fünf Jahre in Berlin gelebt hat, hat im Gegensatz zu Markus, ein Heimatgefühl in der Provinz gefunden und arbeitet als Fernsehtechniker. Jetzt, da Markus Duc näher gekommen ist, fühlt sich das langweilige Leben schöner an, als es bisher war.

Oma Alma ist gestorben. Sabine gibt Markus einen Brief von seiner Mutter, der nie abgeschickt wurde und den sie für ihn hinterlassen hat. Markus weint. Er findet Trost bei Duc, den er fragt, ob er mit ihm nach Berlin kommt…….

Johannes Maria Schmit über seinen Film:

„Der vorliegende Film ist der Versuch einer Übersetzung ohne Verallgemeinerung. Er bemüht sich die Lebenswelt einer sehr besonderen Figur in allen Aspekten sichtbar zu machen, ohne gleichzeitig den Abgleich mit einer dazu in Konflikt stehenden Norm zu suchen. Nach Möglichkeiten haben wir das Genre des Coming-out-Dramas umschifft und statt dessen versucht, Menschen auf dem Land in konkreten Beziehungen und in immer neuen Alltagen zu zeigen. Inspiriert von der Zeitlichkeit der Landschaft, in der der Film spielt, werden Wendepunkte entsprechend nicht scharfkantig dramatisiert, sondern gleichsam sanft von Hügel zu Hügel getragen. Commitment und Fürsorge sind die ethischen Werte innerhalb der Erzählung, die dieser Erzählung zu Grunde liegt.

Einen Lebensentwurf wie den der Hauptfigur mit Selbstverständlichkeit zu erzählen ohne wiederum dessen Prekarität zu unterschlagen, scheint mir die dramaturgische wie politische Herausforderung der Stunde“.

Regisseur Schmit und Drebuchautor und Hauptdarsteller Royale bezeichnen die Geschichte des Markus als Heimatfilm. Beide kommen vom Theater. Sie zeigen in ihrem Debüt, was Heimat für Markus bedeutet, warum er bleibt und warum es ihn weglockt.

Und er ist doch ein Held. Er stellt seine eigenen Wünsche zurück, um seine Familie hilfreich zu unterstützen. Und was den Begriff Heimat betrifft: Nicht ohne Grund ist auf seiner Brust das Wort OST tätowiert.

Tucké Royale erhielt für sein Buch und Schauspiel den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film.

Länge: 81 Minuten.

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