BEGINNING (Ergreifendes Drama, Georgien/Frankreich) Ab 29.1. 2021 bei MUBI

In einem Dorf in der georgischen Provinz wird das Gotteshaus einer kleinen Gemeinde der Zeugen Jehovas angezündet. Gerade noch hat der Gemeindevorsteher David (Rati Oneli) über Abraham, dem Gott in der biblischen Geschichte befiehlt, seinen Sohn zu opfern, berichtet. Verletzt wurde niemand.

Minutenlang zeigt Regisseurin Dea Kulumbegashvilis wie das Gotteshaus vor dem Hintergrund karger Bergzüge brennt. Eine Einstellung voller Magie. Es gibt zwar keine Opfer aber das Leben des Gemeindevorstehers und seiner Frau Yana (Ia Shukitasvili) steht nach dem Gewalteinbruch bildlich gesprochen, in Flammen. Verantwortlich für den Brandanschlag sind wahrscheinlich christlich orthodoxe Extremisten, die den Zeugen Jehovas mit Hass begegnen.

Im Mittelpunkt des Dramas steht Yana, die durch das Trauma des Brandanschlags ihr Leben, die Beziehung zu ihrem Mann und die Erziehung ihres Sohnes in Frage stellt. Immer wieder muss sie sich von ihrem Mann anhören, sie verhätschele den Jungen. An der Seite ihres Mannes, der sich von ihr mehr Frömmigkeit und Hingabe wünscht, hat sie die Aufgabe übernommen, die Kinder auf die Taufe vorzubereiten.

David reist nach Tiflis, um bei der Hauptstadtgemeinde über den Wiederaufbau des Gotteshauses zu verhandeln. Yana ist für einige Zeit mit ihrem Sohn allein.

„Beginning“ ist eine Parabel über die Stellung der Frau in patriarchalisch geprägten Gemeinschaften, zu denen auch die Zeugen Jehovas zählen. Was den Film so besonders macht, sind die langen Einstellungen und die genau komponierten Szenen, die dem Zuschauer viel Zeit geben, sich in die Stimmung einzufühlen und seine eigenen Gedanken zu entwickeln. Die statischen Einstellungen erzeugen eine enorme Spannung und sind teilweise kaum auszuhalten. In über zwei Stunden Laufzeit bewegt sich die Kamera nur zweimal. Die Regisseurin kreiert nicht nur eindrucksvolle, sondern auch verstörende Bilder, die die Einsamkeit , Isolation, Verzweiflung und Gewalt, in der sich Yana in diesem ergreifenden Drama befindet, zeigen.Es ist beeindruckend wie Ia Shukitasvili ihre emotionalen Befindlichkeiten in minutenlangen Einstellungen zum Ausdruck bringt. Dieses visuell großartige Debüt lief auf den renommierten Festivals in New York, Toronto und San Sebastian, wo „Beginning“ die meisten Preise abräumte: Bester Film, bestes Drehbuch beste Regie und beste Schauspielerin. Für die anstehende Oscarverleihung wurde der georgische Film für die Kategorie „Bester Internationaler Film“ ausgewählt. Man ist gespannt auf einen weiteren Film dieser begabten Regisseurin.

161 Minuten Georgien/ Frankreich

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