KAJILLIONAIRE Kinostart: 22.10. 2020 (Eine hintergründige Gaunerkomödie)

Mutter Theresa (Debra Winger), Vater Robert Dynes (Richard Jenkins) und Tochter Old Dolio (Evan Rachel Wood) halten sich mit Betrügereien über Wasser. Sie sind ein eingspieltes Team. Schon in ihrer Kindheit wurde Old Dolio im Lügen und Stehlen unterrichtet. Elterliche Liebe hat sie nicht erfahren. Dank ihrer akrobatischen Gelenkigkeit kann sie sich an jeder Kamera vorbeimogeln.

Das Trio wohnt in Los Angeles neben einer Seifenfabrik. Regelmässig quillt rosafarbener Schaum zwischen Wand und Decke herein, der in Eimern aufgefangen werden muss.

Mit vorliebe plündern sie Postfächer. Die Eltern stehen Schmiere, während Old Olio sich an den Kameras vorbei duckt. Die Beute ist gering. In einem liebevoll eingepackten Briefpäkchen befindet sich eine Krawatte und ein Plüschtier. Egal, sie nehmen was kommt. Auch ihre Scheckbetrügereien reichen nicht aus, um ihre Mietschulden zu bezahlen. Ihr Vermieter, der Besitzer der Seifenfabrik, bricht in Tränen aus, wenn er ihre plumpen Vertröstungen hört. Doch dann hat er die Faxen dicke und droht mit Rausschmiß, wenn sie nicht innerhalb der nächsten 14 Tage ihre Schulden begleichen. Ihre schäbige Bruchbude ist immer noch besser als gar kein Dach über dem Kopf. Jetzt müssen sie sich etwas einfallen lassen. Sie buchen einen Flug nach New York, um ihren Koffer als vermißt zu melden. Ein Trick, der meistens funktioniert. Doch die Bearbeitung des Vorfalls kann mehr als 6 Wochen dauern. Im Flugzeug lernen sie die junge Puertoricanerin Melanie (Gina Rodriguez) kennen. Das frisch-fröhliche Mädchen ist das Gegenteil von der 26-jährigen Old Dolio, die mit ihrer schlampigen Kleidung, ihrer tiefen Stimme und den hüftlangen Haaren, hinter denen sie ihre mürrischen Gesichtszüge verbirgt. Die Betrügereien der Famillie Dynes findet Melanie höchst spannend und sie schließt sich der Familie an, indem sie gemeinsame Sache machen. Nach und nach erkennt Melanie die seelische Verkümmerung von Old Dolio und hilft ihr Schritt für Schritt aus der emotionalen Vernachlässigung herauszufinden.

Ein starkes Erdbeben hat Old Dolios Eltern vordergründig zur Besinnung gebracht. Die Vorstellung, daß ihre Tochter tot sein könnte, hat ihnen bewußt gemacht wie sehr sie sie lieben. „Wir glaubten immer, es sei beleidigend, dich wie ein Kind zu behandeln.“ Aber genau das, hat die junge Frau immer vermißt. Zum ersten Mal hat sie von den Eltern Geburtstagsgeschenke bekommen. Haben sich ihre Eltern wirklich geändert? Melanie und Old Dolio bringen die Geschenke zurück.

Warum die Eheleute Dynes so sind, wie sie sind, wird in dieser schrägen Tragikomödie von Regisseurin Miranda July („The Future“, „Ich und du und alle, die wir kennen“) nicht erklärt. Sie schildert eine dysfunktionale Eltern-Kind -Beziehung, deren miese Betrügereien, sie zu Außenseitern macht und denen jeder Funke Einfühlungsvermögen abhanden gekommen ist. Mit dem Erscheinen von Melanie bekommt die hintersinnige Geschichte eine völlig neue Ebene und das ist auch gut so. Wood verkörpert den Seelenschmerz und die Verlorenheit der Heldin mit einer Intensität, die unter die Haut geht. Hoffentlich hat sie endlich die Geborgenheit gefunden, nach der sie immer gesucht hat.

Länge: 106 Min.

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