SAG DU ES MIR Kinostart: 15.10.2020 (Eine mitreißende Tragikomödie)

Einfach so, so scheint es, stößt ein Mann eine Frau von einer Eisenbahnbrücke vor der Neustädter Havelbucht in Potsdam. Seine Identität und die Gründe für sein Handeln sind völlig unklar. Kennen sich Opfer und Täter?

In seinem Abschlussfilm an der Universität in Babelsberg erzählt Michael Fetter Nathanski ein Verbrechen aus drei unterschiedlichen Perspektiven: Der von Silke, die geschubst wurde, der von ihrer Schwester Moni, die ihr helfen will den Täter zu finden und der vom Täter René, der selber nicht so richtig weiss, warum er es getan hat. Das erinnert an Kurusowas „Rashomon“ (1950) in dem er ein grausames Verbrechen aus vier unterschiedlichen Perspektiven schildert.

Moni (Christina Große) ist extra aus Mallorca, wo sie seit zwanzig Jahren lebt, nach Potsdam in die Plattenbausiedlung, in der Silke (Gisa Flake) lebt, gereist, um ihrer Schwester zu helfen, den Täter zu finden. Nach mehrmaligem Klingeln erscheint Silkes Kopf weit oben auf dem Balkon. „Wat machst`n du hier“ brüllt sie herunter. „Jut siehste aus“ ruft Moni. „Det kannste doch von unten ja nich seh`n“.Das sich Moni jetzt einmischt, gefällt Silke nicht. Doch Moni setzt alles daran, den Täter zu finden. Sie hat extra Deniz (Walid Al-Atiyat) engagiert, der sich an Silkes Arbeitsplatz umhören soll. „Mit dem Selbstmord menes Arbeitskollegen, hat der Sturz aba nüscht zu tun.“Deniz schnüffelt weiter. Er findet heraus, dass Silkes Nachbar René (Marc Ben Puch) ein Polizist, Silke die Schuld an dem Selbstmord seines Bruders gibt und der Stoss von der Brücke aus Rache geschah. Jetzt übt Moni böse Rache an René. Doch ganz so einfach ist es nicht. Nathansky macht es dem Zuschauer nicht leicht.

René ist entsetzt über sich selbst. „Ick hab ne Frau von der Brücke runter jeschmissen. Seh ick so aus wie`n Mensch, der völlig am Arsch iss und einfach ne Frau von ner Brücke schmeisst“, fragt er seinen Freund. Er fragt alle, die er kennt, ob mit ihm irgendetwas nicht stimmt Er geht auch zu Silke und sagt ihr, dass er es nicht wollte. Und wenn sie mal Hilfe braucht, kann sie sich jederzeit an ihn wenden.Auch seine Mutter stellt er zur Rede, ob mit ihm in der Kindheit etwas nicht stimmte. Monis und Renés Blickwinkel sind nur zwei von drei Kapiteln, die etwas Neues erzählen und das zuvor Gezeigte revidieren. In den Dialogen werden versteckte Hinweise gegeben.

Während René noch über sich nachdenkt, tüfftelt sich Silke eine unerwartete Geschichte für ihre Schwester aus und gibt der Handlung eine total andere Richtung.

Die ausgeklügelte Erzählweise verleihen der Geschichte ihren besonderen Reiz. Mit jedem Perspektivwechsel öffnet er den Blick auf die bittere Wahrheit seiner drei Protagonisten. Jeder von ihnen hat sein ganz persönliches Päckchen zu tragen. Das macht Nathanski mit grosser Sensibilität.

Das er seine Darsteller so herrlich erfrischend berlinern lässt, gibt dem Ganzen eine wunderbare Authentizität.

Länge: 112 Min.

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