DER FLÜSSIGE SPIEGEL (OT: Vif-ARGENT) Les Fiches du Cinéma: „Ein moderner Orpheus balanciert auf dem dünnen Seil des fantastischen Realismus,ohne jemals zu fallen. Ein aufregender Debüt-Film“. Kinostart: 3.9.2020

Stéphane Batuts poetisches Fantasy- Märchen „Der flüssige Spiegel“ erinnert an Wim Wenders Film „Der Himmel über Berlin“. Ein für die Menschen unsichtbarer Engel verliebt sich in eine Trapezkünstlerin und bittet darum, seine Unsterblichkeit aufzugeben, um nochmal als Mensch auf die Erde zu kommen.

Juste (Thimotée Robart) streift fast unbemerkt durch die Strassen von Paris. Menschen, die ihn sehen können, bittet er, ihm eine Erinnerung an ihr Leben zu erzählen, dann begleitet er sie auf ihrem letzten Weg.

Als er nach einem Sturz in ein Krankenhaus eingeliefert wird und er nach seinen Personalien befragt wird, kann er sich an nichts erinnern. Er hat nur einen Wunsch, er möchte wieder „normal“ sein und nicht als Geist umherirren. Als er einen Bus verlässt, folgt ihm eine junge Frau. Die Ähnlichkeit mit Guillaumes, ihrer ersten großen Liebe ist verblüffend. Vor einigen Jahren haben sie sich in den Ferien getroffen. Es folgten noch einige Postkarten, dann war er aus ihrem Leben verschwunden. Eine dunkle Ahnung keimt in Juste auf. Agatha (Judith Chemla) hat sich in ihn verliebt, als er noch ein Mensch war. Er weiß, wenn sie ihn sehen kann, muss er sie nach ihrer Erinnerung befragen und sie danach in eine andere Welt begleiten. Sein Schicksal nimmt eine ungeahnte Wendung. Dass er in Agathes Erinnerung ist, darauf hat man ihn nicht vorbereitet. Darf er sich in sie verlieben? Juste wurde zu einem letzten Begleiter für die Verstorbenen, weil er keine Erinnerung an sein Leben erzählen konnte. Ohne Erinnerung, kann er die Welt nicht endgültig verlassen.

Juste bewegt sich zwischen Leben und Tod. Eben noch steht er vor einem verbrannten Motorrad und etwas später begleitet er das Unfallopfer durch eine Schneelandschaft und lässt sich dessen letzte Erinnerung erzählen.

Die Einheit zwischen Ort und Zeit bleibt verwischt. So auch in den wunderschön fotografierten Liebesszenen zwischen ihm und Agatha. Bei ihrem ersten Sex ist er noch physisch anwesend, etwas später berührt er sie als Geist, was Agatha in einem erotischen Traum spürt. Es sind die melodramatischsten Szenen in diesem Film. Frei von jeglicher Schwülstigkeit, reicht ihre Liebe weit über den Tod hinaus, gezeichnet von einer betörenden Poesie.

Le Figaro: „Auch Geister haben ein Recht darauf, geliebt zu werden“.

„Der flüssige Spiegel“ ist Stéphane Batuts erster Langfilm und Thimotée Robarts erste Langfilmrolle. Agatha, die fragile und sensible junge Frau und Juste, beide auf der Suche nach der verlorenen Zeit, überzeugen als Paar.

Die Vorstellung, da ist jemand, der uns beim Übergang vom Diesseits ins Jenseits an die Hand nimmt und uns beim Hinübergleiten beiseite steht, ist fast zu schön, um wahr zu sein.

Länge: 104 Minuten.

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