EXIL Kinostart: 20.8. 2020 (Eine beklemmende Chronik zwischen Ausgrenzung und womöglich imaginärer Bedrohung)

Der im Kosovo geborene Pharmaingenieur Xhafer ( Misel Maticevic) lebt mit seiner Frau (Sandra Hüller) und seinen drei Kindern in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Er ist, neben der kroatischen Putzfrau, der einzige Mitarbeiter seiner Firma mit ausländischen Wurzeln. Nach und nach beschleicht ihn das Gefühl, an seinem Arbeitsplatz diskriminiert zu werden. Als an seinem Gartenzaun eine tote Ratte hängt, ist für ihn sofort klar, dass können nur seine Kollegen aus der Chemiefabrik gewesen sein. Sie mögen ihn nicht, weil er kein akzentfreies Deutsch spricht und aus dem Kosovo stammt. Einen wirklichen Beweis dafür hat er nicht. Für ihn wird jedes Ereignis, jedes Wort und jede Geste seiner Kollegen zu einem Beweis für seine Vermutung. Ein Gefühl, dass von Tag zu Tag stärker wird. Seine deutsche Frau Nora ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Unliebsamkeit eine Mobbingattacke vermutet. Aber hat er es wirklich mit Rassismus zu tun oder steigert er sich immer mehr in etwas hinein, was aus seiner Überempfindlichkeit resultiert. Unbedachte Äusserungen, abschätzende Blicke und Gesten müssen nicht zwingend rassistisch motiviert sein. Als dann auch noch der Kinderwagen vor seiner Haustür angezündet wird, er seine Frau in Verdacht hat, ihn zu betrügen und er auch nicht zur Geburtstagsfeier seiner Schwiegermuuter gehen will, weil auch sie etwas gegen Ausländer hat, stellt er sich selbst immer mehr ins Abseits.

Sein Verhalten und seine Gefühle nehmen paranoide Züge an. Seine Frau ist seinen ständigen Klagen überdrüssig. „Hast du mal darüber nachgedacht, dass es nicht daran liegt, dass du Ausländer bist, sondern einfach ein Arschloch“ schleudert sie ihm trocken ins Gesicht.

Regisseur und Drehbuchautor Visar Morina beschreibt die Chronik einer schleichenden aber womöglich imaginären Bedrohung. Auch Morina wurde im Kosovo geboren. Er schildert die Ereignisse aus Xhafers Perspektive.

Misel Maticevic spielt ihn als sensiblen Menschen, der sich immer mehr in einen Wahn hineinsteigert und sich nur noch von Feinden umgeben sieht. Bei aller Konzentration auf seine Hauptperson, verliert Morina die Situation der anderen Figuren nicht aus den Augen, zeigt ihre Schwächen und auch Nöte, die wiederum aufdecken, wieso und warum sie sich verhalten, so wie sie es tun. Ihm ist ein kluger, manchmal schwer auszuhaltender Film gelungen. Die Frage, was ist Wahrheit und was ist eigene Wahrnehmung, ob sich das überhaupt trennen lässt, kann auch er nicht beantworten. Ein komplexer Stoff, den er in seinem bewegenden Film verdichtet hat.

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