BERLIN ALEXANDERPLATZ (Alfred Döblins Jahrhundertroman von 1929 eindrucksvoll aktualisiert) Start: 16. 7. 2020

Francis ( Welket Bungué) ist der einzige Überlebende eines gekenterten Flüchtlingsboots. Halb lebendig, halb tot wird er an einen Strand in Südeuropa gespült. Auch seine Frau ist unter den Toten. Er fühlt sich für ihren Tod verantwortlich und schwört sich, von nun an ein guter Mensch zu sein……doch hat man ihn nicht gelassen.

Burhan Qurbani hat Alfred Döblins 1929 erschienenen Romanklassiker BERLIN ALEXANDERPLATZ in die heutige Zeit verlegt.

Francis ist in Berlin angekommen. Ohne gültige Papiere schuftet er nachts auf einer Großbaustelle in der Nähe des Alexanderplatzes, zwischen Lärm und Dreck. Untergekommen ist er in einem Flüchtlingsheim am Rande der Stadt. Dort trifft er auf den Kleinkrimminellen Reinhold (Albrecht Schuch), der dem Geflüchteten viel Geld für wenig Arbeit verspricht. Er tauft ihn auf den Namen Franz. Bevor Francis für ihn Drogen vertickt , arbeitet er ersteinmal als Koch für Reinhold und seine Dealer, die in der Hasenheide herumlungern. Nun heißt er so, wie der vorbestrafte Franz Biberkopf aus Alfred Döblins Roman, der 1929 aus dem Gefängnis entlassen wird und sich als strauchelnder Lohnarbeiter durchschlägt. Doch Francis will mehr „als nur ein Bett und ein Butterbrot“.

Immer mehr wird Francis zur rechten Hand von Reinhold, der für den Unterweltkönig Pums (Joachim Król) arbeitet, immer auf der Suche nach geeigneten Typen, die für Pums zwielichtige Geschäfte in Frage kommen. Es kommt wie es kommen muss: Francis gerät auf die schiefe Bahn.

Auch die Hoffnung auf ein bisschen Glück mit seiner Freundin, der Prostituierten Mieze (Jella Haase), erfüllt sich nicht. Es ist ein Hin-und Her, zwischen Glück und Tragik.

Hier stehen sich zwei Schauspieler gegenüber, die unterschiedlicher nicht sein können. Der grosse, wuchtige, charismatische Francis, der an seinen guten Vorsätzen und den Verhältnissen in der neuen Heimat scheitert und Reinhold, ein verschlagener, abgewichster Verführer ohne jegliche Moral, der mit seiner Fistelstimme und seiner verkrümmten Körperlichkeit einen fiesen deutschen „Joker“ darstellt. Erst in seiner späteren Hassliebe zu Francis, nimmt er menschliche Züge an.

In Burhan Qurbanis neuer Interpretation wird „Berlin Alexanderplatz“ zu einer Parabel auf die Gegenwart des globalen 21. Jahrhunderts. Drei Stunden grosses Kino.

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