CRONOFOBIA Start: 20.2.2020 (DRAMA)

(Chronophobie ist die Angst vor dem Vergehen der Zeit. Das Wort bezeichnet das Gefühl, dass die Ereignisse zu schnell an einem vorüber ziehen. Ausgelöst, durch ein traumatisches Erlebnis)

Zu Beginn des dramatischen Films sieht man einen mysteriösen Mann, der vor dem Haus einer Frau in seinem Van sitzt und wartet bis sie herauskommt. Die Frau joggt bis zu den Bahngleisen, wartet bis ein Zug vorbeikommt und stößt einen markerschütternden Schrei aus und läuft zurück. Er ist ihr in seinem Auto gefolgt. Bei der Frau handelt es sich um Anna (Sabine Timoteo) die kürzlich ihren Mann durch einen Suizid verloren hat und das Trauma seines Todes zu überwinden sucht. Abgekapselt lebt sie in ihrem Haus, umgeben von Erinnerungen an den Verstorbenen,erstarrt in der Vergangenheit.

Bei dem Mann handelt es sich um Suter (Vinicio Marchioni) eigenbrötlerisch und ständig in Bewegung, auf der Flucht vor sich selbst. Tagsüber reist er durch die Schweiz, testet in wechselnden Kostümierungen Hotels, Gaststätten und überführt Angestellte , die von ihren Arbeitgebern des Diebstahls verdächtigt werden. Des nachts steht er in seinem Wohnmobil vor Annas Haus, einer scheinbar fremden Frau. Sein Verhalten ähnelt dem, eines Stalkers. Als die Frau seine Obsession bemerkt, entwickelt sich zwischen den beiden eine aussergewöhnliche Form von Intimität und Vertrautheit, die in eine zärtlich-verstörende Beziehung übergeht, höchst zerbrechlich, da bedroht, , durch ein dunkles Geheimnis. Anna drängt ihn immer stärker in die Rolle ihres Mannes.

Da sie anfänglich alles Persönliche ausgelassen haben, erfährt sie erst spät, dass er unter seinem Vornamen Michael noch immer leidet. Sein Bruder Michael starb zwei Jahre vor seiner Geburt. „Ich kam mir vor, als würde ich jemandem den Platz wegnehmen. Es ging mir nicht so sehr um den Namen. Ich hatte ständig das Gefühl, fehl am Platz zu sein“. Ein Traumata, von dem er sich noch immer nicht wirklich gelöst hat. Hinzu kommt, dass er von schweren Schuldgefühlen geplagt wird.

Suter ist ein rastloser Mann, der ständig sein Aussehen verändert, kein richtiges Zuhause hat, der alles tut, um zu vergessen und um sich selbst und seiner Schuld zu entfliehen. Anna ist eine Frau, die in ihren Erinnerungen verharrt und wie festgefroren in der Vergangenheit lebt. Zwei Menschen, die in selbstauferlegter Einsamkeit ihr Leben verbringen. Es haben sich zwei Menschen getroffen, isoliert und der Zeit entfallen, die wie in einem „Käfig“leben, den sie selber um sich errichtet haben. Verstörende Geräusche und unnahbare Bilder untermalen das poetische Drama auf rätselhafte Weise.

„Cronofobia“ ist der Spielfilm-Erstling des Schweizers Francesco Rizzi. Seine Premiere feierte das Drama beim Saarbrücker Filmfest 2018.

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