DIE WÜTENDEN – LES MISÉRABLES Start: 23.1. 2020

Der Filmtitel „Die Wütenden“ bezieht sich auf Victor Hugos Roman „Les misérables“ (Die Elenden) von !862. Viel geändert hat sich an den Lebensumständen der „Elenden“ bis heute so gut wie nichts.

Sommer 2018. Frankreich feiert den WM-Sieg. Aus allen Richtungen kommen die Menschen zusammen, um vor dem Arc de Triomphe das Ereignis zu feiern. Fröhlich mischen sich die Jugendlichen afrikanischer und maghrebischer Herkunft unter die Feiernden. Ihre Gesichter sind mit den Farben der Trikolore bemalt. Es sind die abgehängten der Gesellschaft, wohnhaft in der Pariser Banlieu, den Vorstädten der Stadt, in denen die Ärmsten der Armen wohnen. Zwischen den feiernden Franzosen haben sie für ein paar Stunden das Gefühl, dazuzugehören.

Doch schon am nächsten Tag ist ihr Alltag wieder geprägt von Armut und Gewalt.

Stéphane (Damien Bonnard) ist der Neuzugang im Spezialteam der Polizei, zugeordnet zum Anführer Chris (Alexis Manenti) und seinem Partner Gwada (Djebril Zonga), die keine Skrupel kennen. Er hat sich aus der Provinz nach Paris versetzen lassen, um in der Nähe seines Sohnes zu sein. Die Vorstädte und ihre Gewalt kennt er nicht. Schon gleich bei seinem ersten Einsatz bekommt der korrekte Polizist, der an Recht und Ordnung glaubt, die lauernde Gewaltbereitschaft zu spüren. Sie sind im Problemviertel Montfermeil unterwegs. Noch begreift er nicht, was ihn mehr schockiert. Die Gewaltbereitschaft überall im Viertel oder der Umgang seiner Kollegen damit, denn die folgen ihren eigenen Gesetzen. Noch ahnt er nicht, dass ihm der schlimmste Tag im laufe seiner Polizeiarbeit bevorsteht. Einer der Jugendlichen, Issa (Issa Perica) klaut ein Löwenbaby aus einem Wanderzirkus, das lebende Maskottchen von Zorro (Raymond Lopez), dem mächtigen Oberhaupt einer Zigeunerfamilie. Das Tier muss unbedingt gefunden und zurückgebracht werden. Schon allein aus dem Grund, dass die unterbezahlten Polizisten, die sich und ihre Familien durch Korruption über Wasser halten und ihre Finger überall im Spiel haben, ihr Gesicht wahren, in einem System von Geben und Nehmen. Ihr Verdacht fällt auf Issa. Bei der Verfolgung des Jungen, haben sie nicht mit der Solidarität und dem Widerstand der Jugendlichen gerechnet. Issa wird durch eine unbeabsichtigt ausgelöste Explosion einer Reizgaspatrone ins Auge getroffen und schwer verletzt. Einer der Jugendlichen hat alles von einem Dach aus mit einer Drohne gefilmt. Um an die Speicherkarte zu kommen, lassen Chris und Gwada alle Hemmungen fallen. Sie müssen ihre Tat vertuschen. Die Atmosphäre ist aufgeheizt. Der Hass spitzt sich immer mehr zu. Die Jäger werden zu Gejagten. Stéphane ist in der Zwickmühle. Er fragt sich, ob er seine Partner bei ihren fragwürdigen Methoden unterstützen soll oder nicht.

Regisseur Ladj Ly ist selbst in Montfermeil aufgewachsen. Seine jungen Darsteller hat er dort auf der Strasse gefunden. Die sozialen Spannungen bekommen dadurch eine beängstgende Authentizität. In mitreissenden Bildern schildert der Film die Armut, Kriminalität und Gewalt der Migranten und die Willkür der Polizei, in den Pariser Banlieu. Er zeigt, wie sich die unterschwellig brodelnde Wut gegen die Brutalität der Polizei entlädt. Eine Momentaufnahme über den Zustand der Pariser Vororte, geprägt von sozialer Ungerechtigkeit und einer Jugend ohne Chance. Hart und realistisch. In Cannes gewann der Film den „Preis der Jury“ und ist als französischer Kandidat für den Oscar nominiert.

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