QUEEN & SLIM (Drama) Start: 9.1. 2020

Melina Matsoukas ist eine renommierte griechisch – amerikanische Musik-Video Regisseurin, die in ihrem Kinodebüt „Queen & Slim“, eine Geschichte erzählt, wie sie nur schwarzen Amerikanern widerfahren kann. Bei der Doppelung des Namens fällt einem sofort BONNIE UND CLYDE sowieTHELMA UND LOUISE ein.

Die junge Anwältin „Queen“ und ihre Tinder-Date Bekanntschaft „Slim“ treffen sich zum erstenmal in einem amerikanischem Diner. Neugierig fragt Slim, warum sie sich ausgerechnet ihn ausgesucht hat. Ihre Antwort: „Du siehst auf dem Foto so traurig aus“. Auf ihrer Heimfahrt geraten sie in eine Polizeikontrolle, bei der sie von einem weißen rassistischen Cop (Sturgill Simpson) auf übelste Weise gedemütigt werden. Es kommt zu einem Handgemenge, bei dem Slim den Cop in Notwehr erschiesst. „Wäre ich nicht ausgestiegen, wärst du jetzt tot, meint Queen aufgrund ihrer Erfahrungen. Und da sie das Justizsystem gut kennt, weiss sie auch, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als zu fliehen. Da die Dashcam im Polizeiauto den Vorfall aufgezeichnet hat, dauert es nur kurze Zeit, bis das Video im Netz erscheint und ihr Foto in den Nachrichten auf allen Sendern verbreitet wird. In ihrem packenden Roadmovie konzentriert sich die Regisseurin auf das Paar und lässt reisserische Verfolgungsszenen außer acht. Auf ihrem Fluchtweg von Ohio, über Kentucky und New Orleans nach Florida, wo sie, wenn alles klappt, ein Privatflugzeug besteigen und gerettet auf Kuba landen. Überall, wo sie hinkommen, werden sie erkannt und gefeiert, besonders von ihrer eigenen schwarzen Community. Der Film nimmt sich viel Zeit um die Charaktere zu entwickeln, auch derjenigen, denen die beiden auf ihrer Flucht begegnen. Streckenweise entwickelt der Film eine starke Dynamik, die von Momenten der Ruhe unterbrochen werden, zum Beispiel als die beiden ein zweites Date nachholen, bei dem sie in zärtlicher Zuneigung in einer Bar gemeinsam tanzen. Oder der Moment, als sie Unterschlupf bei Queens Onkel Earl (Bokeem Woodbine), einem Irak-Veteran und Zuhälter finden und sie sich von ihren langen Haaren trennt, um nicht sofort erkannt zu werden. Er überlässt ihnen seinen alten Strassenkreuzer, mit dem sie Richtung Florida weiter fahren. Zwischendurch machen sie einen Abstecher zum Grab ihrer Mutter. Längst haben die beiden sich ineinander verliebt und man erfährt ihre wirklichen Namen: Angela Johnson und Earnest Hines. Die Fluchtgeschichte entwickelt sich in eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte, fern von jedem Kitsch. Zwischen den beiden Hauptdarstellern, Jodie Turner Smith, die eine umwerfende Leinwandpräsenz ausstrahlt und Daniel Kaluuya, der schon in „Get Out“ mit seiner schauspielerischen Leistung überzeugte, stimmt die Chemie. Die Ästhetik der Bilder und der funky und jazzige Soundtrack unterstreichen die eindeutige Sympathie, die Melina Matsoukas für das Paar hegt. Und dennoch verliert sie nicht den Blick auf den erneut aufkeimenden Rassismus, der sich nicht nur in den USA, sondern auch in Europa wie ein Virus verbreitet. Warum dieser bewegende und erschütternde Film bei der Nominierung für den Golden Globe leer ausging, ist mir ein Rätsel.

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