NUREJEW – THE WHITE CROW Start: 26.9. 2019

1938 wurde Rudolf Chametowitsch Nurejew in der Transsibirischen Eisenbahn geboren. Er wuchs in bettelarmen Verhältnissen in Irkutsk, Russland auf. Als Kind war er ein Außenseiter und immer allein, man nannte ihn eine „weisse Krähe“. Als seine Mutter in der Lotterie eine Karte für eine Ballettaufführung gewinnt, nimmt sie ihre Kinder mit. Rudolf ist total verzaubert. Er will Balletttänzer werden. Nurejew gilt als einer der besten Ballett-Tänzer des 20. Jahrhunderts, ein Star im klassischen Ballett.

In „The White Crow“ erzählt Ralph Fiennes die Geschichte des sowjetischen Ausnahmetänzers in verschiedenen Zeitebenen und legt sein Augenmerk auf das Jahr 1961, Paris. Es ist die Hochphase des kalten Krieges. Das Ensemble des russischen Kirow- Balletts besucht zum ersten Mal, im Rahmen eines Kulturaustauschs, den Westen. Jeglicher Kontakt mit den Franzosen ist verboten. Noch sind die KGB-Bewacher ziemlich gelassen. Das ändert sich, als Nurejew sich mit einer jungen Chilenin (Adèle Exarchopoulos) anfreundet, mit ihr durch die Nachtclubs der Stadt zieht, Museen besucht, sich von Franzosen einladen lässt und sich mit ihnen in gebrochenem Englisch unterhält. Das erregt den Unmut des Aufsehers Strischewski.

Fiennes selbst spielt die Rolle des russischen Tanzlehrers Alexander Puschkin. Nurejew, gespielt von dem ukrainischen Balletttänzer Oleg Ivenko ist sehenswert. Es ging Fiennes nicht nur um den begnadeteten Tänzer sondern um den Menschen Nurejew, der abseits der Bühne gegen herrische Autoritäten aufbegehrte und mit seinen Allüren und seiner Künstlerarroganz, die Leute verschreckte und dessen Ziel es war, nachdem er das freiheitliche Leben der Pariser erlebte und beobachtete, auf keinen Fall in seine Heimat zurückzukehren. Er beschliesst in Frankreich politisches Asyl zu beantragen. Kein leichtes Unterfangen, denn der sowjetische Geheimdienst versucht alles, was in ihren Kräften steht, um den Überläufer daran zu hindern.

Oleg Ivenko hat nicht nur die kantigen Gesichtszüge des wahren Künstlers sondern auch dessen verschlossene Gesichtszüge, die bei kleinsten Anlässen, die ihm nicht passen, in helle Wut umschlagen.

Nurejew starb 1993 an den Folgen von Aids. Sein Grab in Paris ist mit einer Skulptur eines rot-goldenen Teppichs überzogen. Seine Homosexualität wird nur am Rande erwähnt. In einer kleinen Rolle tritt Louis Hofmann als sein Geliebter Teja Kremke auf.

Ralph Fiennes: „Es ist das Portrait des Künstlers als junger Mann mit all seinen rauen Kanten,seiner Einsamkeit, seiner Fantasie und seinen Dummheiten. Er hat etwas Unangenehmes und Rücksichtsloses an sich, aber so ist nun mal die Jugend, die sich selbst verwirklichen will. Und ich finde das sehr bewegend“.

Das Biopic ist auch eine interessante Zeitreise in das Paris der Sechziger-Jahre. Der Film über den jungen Nurejew, der zum ersten Mal westlichen Boden betritt und von einem Kulturrausch überwältigt wird, ist mitreißend gedreht.

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