SYSTEMSPRENGER START: 19.9.2019

Die neunjährige Benni ist schwer zu ertragen. Eigentlich heisst sie Bernadette, doch wehe einer nennt sie so. Sie weigert sich zur Schule zu gehen, hat unkontrollierte Wutausbrüche, schreit und spuckt und schlägt wild um sich. Überall wo man sich ihrer angenommen hat, fliegt sie wieder raus.Das äußerlich zarte Mädchen gehört zu den Kindern und Jugendlichen die man bei der Jugendfürsoge „Systemsprenger“ nennt.

Nach und nach erfährt man bruchstückhaft den Hintergrund ihres Verhaltens. Fasst ihr jemand ins Gesicht, rastet sie aus. Wahrscheinlich wurden ihr als Baby nasse Windeln ins Gesicht gedrückt.

Eigentlich will sie nichts weiter, als wieder bei ihrer Mutter Bianca sein. Doch die hat nicht nur Angst vor ihr, sondern ist mit ihren beiden weiteren Kindern total überfordert. Hinzu kommt, dass sie wieder mit ihrem gewalttätigen Freund zusammen ist. Ab und zu taucht sie auf, gibt Versprechen ab, die sie dann doch nicht einhält, was bei dem zutiefst enttäuschten Kind die Wut nur noch stärker schürt.

In den Pflegefamilien und bei der Jugendhilfe sind alle redlich bemüht Benni zu helfen, doch auch sie wissen alle nicht mehr weiter. Zu oft hat das seelisch erschütterte Kind Orte und Bezugspersonen gewechselt. Benni hat es aufgegeben sich die Namen ihrer Erzieherinnen zu merken. Wenn sie etwas von ihnen will, brüllt sie einfach nur noch „Erzieher“.

Doch Frau Bafané vom Jugendamt, die Benni besonders in ihr Herz geschlossen hat, wagt noch einen Versuch. Bevor Benni in der Kinderpsychatrie landet, bittet sie Micha, einen Anti-Gewalt-Trainer für straffällig gewordene Jugendliche um Hilfe. Er nimmt das Mädchen für drei Wochen mit in eine Hütte mitten im Wald. Es gibt keinen Strom und kein Wasser. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, gewinnt Benni Vertrauen zu ihm. Die gemeinsamen Erlebnisse mitten in der Natur scheinen dem Kind gut zu tun. Zurück in der Zivilisation bittet und bettelt Benni, bei ihm und seiner Familie bleiben zu dürfen. Doch diese Bitte sprengt seinen professionellen Rahmen.

Sich dieses hochemotionale Drama anzusehen, ist nicht einfach.

Nora Fingscheidt, die auch das Drehbuch schrieb, hat diesen Film gemacht, um Verständnis und Mitgefühl für Kinder wie Benni zu wecken. Diese sogenannten „Systemsprenger“ sind Kinder mit einer unglaublichen Kraft und Ausdauer. Mit einer enormen Energie bringen sie pädagogisch ausgebildete Erwachsene an den Rand der Verzweiflung. Wie im Fall von Benni, sind es tragische Figuren, die Furchtbares erlebt haben und durch sämtliche Raster der Jugendfürsorge fallen. Dabei ist ihre Rebellion der unerbittliche Schrei nach Liebe und Geborgenheit. Gewalt von Kindern ist immer ein Hilfeschrei. Und wer davor die Augen verschliesst, macht sich mitschuldig.

Mit Helena Zengel hat Nora Fingerscheid eine unglaublich talentierte Hauptdarstellerin gefunden. Es ist unfassbar, wie dieses zarte Mädchen die Verletzlichkeit des rebellierenden Kindes spürbar macht. Fingerscheids Spielfilm-Debüt wurde auf der Berlinale ausgezeichnet und ist für den ausländischen Oscar eingereicht worden.

In weiteren Rollen: Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide und Lisa Hagmeister

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