PHOTOGRAPH (Ein Foto verändert ihr Leben für immer) Start: 08.08.2019

Ritesh Batra, der 2013 mit seinem Spielfilmdebüt „Lunchbox“ für eine positive Überraschung sorgte, hat seiner indischen Heimat den Rücken gekehrt, um in England „Vom Ende einer Geschichte“ zu drehen und für Netflix „Unsere Seelen bei Nacht“. Mit seinem Film „Photograph“ ist er nach Mumbai zurückgekehrt.

Am berühmten Wahrzeichen der Stadt fotografiert Rafi (Nawazuddin Siddiqui) Touristen und Passanten. Von dem wenigen Geld, dass er verdient, schickt er einen Teil seiner Großmutter (Farrukh Jaffa), damit sie sich ihre nötigen Medikamente kaufen kann. Sie droht ihm, diese abzusetzen, wenn er nicht bald heiratet.

Er schickt ihr das Foto einer jungen Frau, die er vor kurzem fotografiert hat und die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. „Als ich das entwickelte Foto sah, sah ich jemand anderen als mich. Jemand, der glücklicher ist, als ich.“ Doch der Schein trügt.

Es handelt sich um Miloni (Sanya Malhotra), eine MBA-Sudentin, aufgewachsen in einer bürgerlichen Familie, die eines Tages standesgemäss verheiratet werden soll. Rafi, der mit mehreren jungen Männern in einer Wellblechbehausung lebt, schickt seiner Großmutter Milonis Foto und gaukelt ihr vor, dass sie seine heiratswillige Freundin ist. Längst hat sich der Muslim Rafi in das Hindu Mädchen verliebt. Seine Großmutter macht sich auf die Reise, um Miloni kennenzulernen.

Milonis einziger Kontakt zu einer Person einer niederen Kaste, ist die Dienerin ihrer Familie, die nachts auf dem Küchenfußboden eine Matte zum Schlafen ausrollt. Miloni, die eigentlich Schauspielerin werden möchte, beugt sich widerstandslos den Regeln, die in ihrer Familie bestimmend sind.

Der quirligen Großmutter gegenüber sitzen zwei schüchterne, linkische, unglückliche Menschen, die wohl wissen, dass eine Liebe zwischen ihnen unmöglich ist. Sie erfinden kleine Lügen, um die Großmutter in dem Glauben zu lassen, ein Paar zu sein. Als Miloni Rafi zum ersten Mal besucht findet sie ganz viele Fotos von sich unter seinem Bett. Es mutet tragisch an, zu sehen wie schüchtern und vorsichtig die beiden miteinander umgehen. Einen Ausdruck von Zärtlichkeiten sucht man vergeblich. Zu eng ist das Netz des indischen Klassensystems geknüpft.

Mit genauem Blick auf Details zeichnet Ritesh Batra ein Sittenbild der indischen Klassengesellschaft. Märchenähnlich lautet seine Botschaft: „Sie können zueinander nicht kommen, das Wasser ist viel zu tief“.

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s