ES GILT DAS GESPROCHENE WORT START: 01.08.2019

Ein Paar hat sich soeben das Ja-Wort auf einem Standesamt gegeben. Die letzten Worte der Beamtin lauten: „Es gilt das gesprochene Wort“. Man muss gar nicht genau hinsehen, um zu erkennen, dass es sich hier um eine Scheinehe handelt.

Die taffe, etwas spröde wirkende Marion (Anne Ratte-Polle) darf aufgrund einer Krebsdiagnose ihren Beruf als Pilotin nicht mehr ausüben. Um sich abzulenken, fliegt sie mit ihrem Freund nach Marmaris, um einige erholsame Tage am Strand zu verbringen. Baran (Ogulcan Arman Uslu), der sich für seine Liebesdienste bezahlen lässt und sein Geld mit kellnern verdient, umwirbt auch Marion. Er ist auf der Suche nach einer Frau, die ihn mit nach Deutschland nimmt. Wie so viele, träumt er von einem besseren Leben jenseits des Bosporus. Eigentlich hat sie ihm nur ein paar Hemden ihres Freundes gegeben, den sie mehr oder weniger abserviert hat, bevor auch sie abreist. Doch dann, ganz gegen ihre reservierte Art, lässt sie sich auf das Wagnis ein und schliesst mit ihm einen pragmatischen Deal.

Sie besorgt ihm eine Wohnung, hilft ihm bei der Jobsuche, dass einzige, was sie von ihm verlangt, dass sein Scheiß nicht auch ihr Scheiß wird. Dann geben sie sich auf einem Standesamt in Hamburg das Ja-Wort. Marion widmet sich wieder ihrem Alltag, während Baran Deutschkurse belegt, den Führerschein macht und ab und zu gefundene Fahrräder auf dem Flohmarkt verkauft. Drei Jahre müssen sie durchhalten, bis er eingebürgert werden kann.

Warum Marion sich auf diese Ehe eingelassen hat wird mit keinem Wort erwähnt. Genau das ist die Stärke dieses Films. Er erzählt eine Liebesgeschichte, in der nicht alles ausgesprochen wird. Vielleicht weiß sie es selbst nicht. Vielleicht war es die Beharrlichkeit der jungen Mannes, mit der er sein Ziel verfolgt. Marion, deren Leben bisher mehr über den Wolken stattfand und die jetzt gezwungenermaßen vielleicht ein zielgerechtes Leben auf der Erde anstreben muss, hat mit dieser Entscheidung einen Weg gefunden, um sich neu zu definieren, ohne sich groß einzuengen. Für Baran stellen sich nach und nach Zweifel ein. Er versteht nicht, warum sie ihn überhaupt geheiratet hat, ihn, einen Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis. Im Laufe der Zeit, nennt er sie nur noch Captain, denn er spürt seine Ahängigkeit und die Schwierigkeiten, die mit einer Integration einhergehen. Es sind oft unausgesprochene Dinge, die uns zum Handeln bewegen und man selbst nicht begreift, warum man dies oder jenes tut aber dennoch weiß, dass es richtig ist, egal was es für Konsequenzen hat. „Es gilt das gesprochene Wort“, ein Versprechen, an das sich beide halten. Es ist ein Film über zwei Menschen, die sich über innere und äußere Widerstände hinwegsetzen und nicht nur die Liebe finden sondern auch zu sich selbst.

Ilkar Catak, der mit Nils Mohl zusammen das Drebuch schrieb, hat zwei wunderbare Hauptdarsteller gefunden, die mit ihrer Mimik und Körpersprache mehr ausdrücken als es das gesprochene Wort oft vermag. Selten erlebt man eine Schauspielerin, die ihren Text mit einer solch grandiosen Natürlichkeit spricht, wie Anne Ratte-Polle es tut. Ihren Namen sollte man sich spätestens jetzt merken. Für Arman Uslu ist es seine erste Hauptrolle in einem Kino-Film für die er einen Preis bekam.

In weiteren Rollen: Jörg Schüttauf, Johanna Polley und Lina Wendel

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s