LEID UND HERRLICHKEIT START: 15.07. 2019

Mit „Leid und Herrlichkeit“ ist der Spanier Antonio Banderas zum europäischen Film zurückgekehrt. Und schon feiert er einen Triumph, indem er er allseits bejubelt wird. Das Filmfestival in Cannes kürte ihn zum besten Darsteller. Er spielt den alternden Regisseur Salvador Mallo, der von Schmerzen gepeinigt, auf sein bewegtes Leben zurückschaut. Eine lange Narbe auf seinem Oberkörper, zeigt die Spuren eines schonungslosen Lebens. Jeden Morgen muss er eine handvoll Tabletten nehmen und des nachts leidet er unter Schlaflosigkeit. Almodóvars Film mutet an, wie eine melodramatische Zeitreise. Banderas spielt diesen einsamen Mann mit einer wunderbaren Introvertiertheit. Einst erfolgreich und im Leben stehend, setzt er sich mit seiner Vergangenheit auseinander und beginnt seine Entscheidungen und Beziehungen in seinem Leben zu hinterfragen. Seine Geschichte ist eigentlich die Geschichte seines in die Jahre gekommenen filmischen Ziehvaters Pedro Almodóvar. Besonders berührend sind seine Kindheitsjahre. Sie beginnen mit dem etwa 9-jährigen Salvador, der mit seiner Mutter (Penélope Cruz) in einer Art Höhlenwohnung lebt. Seine Leidenschaft ist das Lesen. Ein Handwerker, der damit beschäftigt ist die Küchenwand zu kacheln, macht eine Pause, greift sich ein Fetzen Zementsackpapier und zeichnet den lesenden Jungen. Weil es sehr heiß ist, zieht sich der junge Mann aus, um sich zu waschen. Fasziniert schaut Salvadore ihm zu. Unbewusst erweckt diese Handlung sein späteres Begehren nach dem männlichen Körper. (Die Zeichnung spielt später noch eine Rolle).Salvador wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Jede Einstellung, die seine Kindheitserlebnisse zeigt, ist geprägt von einer starken Emotionalität zu seiner Mutter.

Inzwischen erwachsen geworden, dämmert er in seiner Wohnung, von Kunstwerken umgeben, vor sich hin. Umsorgt wird er von seiner treuen Haushälterin Mercedes (Nora Navas). Seinen Beruf kann er schon längst nicht mehr ausüben. Man sieht einen schmerzgeplagten alten Mann, der nicht nur seiner grossen Liebe hinterhertrauert, sondern auch den Tod seiner Mutter noch nicht verkraftet hat. Die schmerzliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit setzt auch verschüttete Energien frei. Sein Film „Sabor“ wurde restauriert und soll wieder aufgeführt werden. Er nimmt den Kontakt zu seinem Schauspieler Alberto (Asier Etxeandia), mit dem er sich vor Jahrzehnten zerstritten hat, wieder auf. Alberto ist ein Gelegenheitsjunkie. Bei ihrem Treffen greift auch Salvador zum Heroin, was seine Schmerzen erheblich lindert. Alberto schafft es Salvador zu überreden, ihm einen autobiografischen Text zu überlassen, aus dem er einen unter die Haut gehenden Bühnenmonolog schreibt.

Bei der Aufführung trifft er seinen einstigen Liebhaber Federico (Leonardo Sbaraglia wieder, denn um ihn dreht sich das Stück. 30 Jahre ist es her. Ihre Begegnung endet mit einem leidenschaftlichen Kuss.

Wie es der Zufall will, gelangt nach etlichen Jahren das Bild des Handwerkers Eduardo, dem er damals auch das Lesen und Schreiben beibrachte, in seine Hände. Sofort taucht die Erinnerung wieder bei ihm auf und setzt Impulse für die Gegenwart frei. Es entsteht der Text „El primerodeseo“, was soviel heisst, wie „Das erste Begehren“.

Eigentlich sind alle Filme von Almodóvar von seiner Biografie beseelt. Doch keiner erzählt so viel über ihn, wie dieser. Es gehört schon viel Mut dazu, seine Heroinabhängigkeit preiszugeben.

„Leid und Herrlichkeit“ ist mehr als die bewegende Bilanz des fast 70-jährigen Regisseurs. Es ist auch eine Ode an die jahrzehntelange Freundschaft zwischen ihm und Banderas, der hier in seiner besten Rolle brilliert.

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