FACE_IT! – DAS GESICHT IM ZEITALTER DES DIGITALISMUS Start: 25.07. 2019 (Dokumentation)

Im August 2017 startete am Berliner S-Bahnumsteigebahnhof Südkreuz ein Pilotprojekt zur digitalen Gesichtserkennung. 3 von 74 Kameras filmten 1 Jahr lang vorbeikommende Passanten. Aus den Aufzeichnungen versuchen verschiedene Gesichtserkennungssoftwares etwa 300 Zielpersonen, die freiwillig an dem Projekt teilgenommen haben, herauszufiltern. Datenschützer kritisierten die automatisierte Gesichtserkennung scharf. Durch die Technik würden die Persönlichkeitsrechte von Menschen verletzt und der Überwachungsmechanismus ausgeweitet. Wann und in welcher Form die Ergebnisse des einjährigen Projekts veröffentlich werden sollen, steht laut dem Innenministerium noch nicht fest. Mit dieser Technik erhofft man sich, Terroristen und Kriminelle heruszufiltern und dingfest zu machen.

Der Berliner Regisseur und Videopionier Gerd Conradt widmet sich in seinem Dok-Film „FACE_IT!“ diesem hochbrisantem Thema, bei dem er die Frage stellt,welchen kulturpolitischen Wert diese Gesichtserkennung darstellt und das nicht nur unter dem Aspekt der Sicherheit.

Wenn das neue Überwachungssystem etabliert werden sollte, dann wird es möglich, jeden herauszuerkennen, denn wie wir wissen, Kameras können zoomen und gibt man damit sein Recht auf Privatsphäre ab. Die Meinungen gehen auseinander.

Conradt lässt Aktivisten, Künstler und Politiker zu Wort kommen wie zum Beispiel Dorothe Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, die eine eher technikaffine Haltung vertritt, unter anderem die, wenn man am Flughafen, dank elektronisch lesbarer Reisepässe mit Hinzunahme schnellerer Gesichtserkennung, sich das Warten in einer langen Schlange erspart, ist das doch eine Erleichterung.. Doch wie hoch ist der Preis, den man für diese Annehmlichkeit bezahlt?

Bär: „Die Botschaft muss sein, dass wir alles, was mit der Digitalisierung einhergeht, mit offenem Herzen und trotzdem mit kühlem Kopf begleiten müssen“.

Das das zunehmende Sammeln von Daten und die immer weitläufigere Vernetzung selbstverständlich das Potential zum Missbrauch hat, muss man ja wohl kaum noch jemandem erklären. Das man sie zur Kontrolle jedes einzelnen Bürgers verwenden kann, ist auch kein Geheimnis. In Conradts Film, beleuchten interessante Personen sehr differenziert das Für und Wider der fortschreitenden Digitalisierung. Auch er beschäftigt sich mit dieser schleichenden Entwicklung, die vor niemandem mehr Halt macht. Die Möglichkeit des Datenmissbrauchs ist immer gegeben. Man muss nur an China denken. Das Einzige, was wir tun können ist, den Zugang zu unseren Daten zu fordern und darauf zu bestehen, dass bestimmte Daten gelöscht werden. Conradts dokumentarisches Essay dient als Ausgangspunkt für einen philosophischen Diskurs über die Gefahren und Grenzen des „Digitalismus“. Bis jetzt sind noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Im weiteren Fokus steht die künstliche Intelligenz. Computerprogramme immer lernfähiger zu gestalten, so dass ihre Analysen immer präziser werden. Die Datenschutzbeauftragten der Länder stehen in Alarmbereitschaft. Wenn man mich fragt, ich schliesse mich eher den Aktivisten an.

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