DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN START: 27.6. 2019

Mit einem weissen Pelzmantel bekleidet und nichts drunter, streift das melancholische Mädchen (Maria Rathscheck) durch die Großstadt. Eigentlich will sie ein Buch schreiben aber mehr als ein erster Satz im zweiten Kapitel , fällt ihr nicht ein. Nun ist  sie auf der Suche nach einem Schlafplatz. Unterwegs trifft sie die unterschiedlichsten Menschen, führt Gespräche über Feminismus, Existentzialismus, Selbsverwirklichungswahn und Mutterschaft als religiöses Erweckungserlebnis. Dabei bleibt sie kühl und unendlich gelangweilt. „Ich hoffe, ich bekomme nie ein Baby aus Langeweile“.

Sehr schön und sehr melancholisch bewegt sie sich durch 14 popig bunt gestalteten szenischen Arrangements, wie „Sanfter Übergriff beim Kaffeetrinken“ oder „Das Ende eines Liebesmärchen“ betitelt sind  und meist von den Begegnungen mit den unterschiedlichsten Männern handeln.

„Am traurigsten macht es mich, wenn der Junge das Kondom sauber knotet und in den Müllbeutel legt“. Zu einem Jungen, mit dem sie in der Badewanne liegt: „Du kennst nur die Oberfläche, die ich dir hinhalte“. Angesprochen in einer Drag-Bar, was sie denn hier so allein tue, antwortet das Mädchen stoisch: „Ich warte auf das Ende des Kapitalismus“.

Eine wirkliche Handlung gibt es in Susanne Heinrichs Debütfilm, der in Saarbrücken mit dem Preis für  den besten Spielfilm ausgezeichnet wurde, nicht. Sie lässt ihr melancholisches Mädchen, welches an eine kluge Comic-Figur aus der bunten Pop- Welt der 60-ziger Jahre erinnert, durch bunte Kulissen sträunen und dabei mit reglosem Gesicht, tragisch-komische Statments von sich geben. Man könnte diesen Film , der ein Episodenfilm ohne Chronologie und zusammenhängende Narration auch wie ein Roadmovie betrachten. Mit einer geradezu philosophischen Abgeklärtheit, spaziert sie durch eine kaputte Gesellschaft und rebelliert auf stille und kluge Art, was der Melancholie oder auch Depression gleich kommt, gegen die merkwürdigen Mechanismen unserer Welt. Das macht Maria Rathscheck bravourös.

Einmal sagt das Mädchen: „In der Diktatur der Selbstverwirklichung, sind alle Künstler“. „Ein Ironiker nimmt  nichts ernst und ein Zyniker ist ein enttäuschter Romantiker“.

Vielleicht kommt jemand auf die Idee und holt sich die Erlaubnis, ihre Zitate auf T-Shirts zu drucken.

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